RAFFAEL in der Gemäldegalerie Berlin

Raffael - Gemäldegalerie © National Gallery London

RAFFAEL in der Gemäldegalerie Berlin

 

Von Holger Jacobs

11.12.2019

English text below

Zum 500. Todestag des italienischen Renaissance-Malers RAFFAEL präsentieren die Staatlichen Museen zu Berlin mehrere Ausstellungen mit Arbeiten des Meisters.

Die häufig von der jüngeren Generation als „Alte Schinken“ verschrienen Bilder großer Meister des 15. und 16. Jahrhunderts sind sicher als „alt“ zu betiteln, aber als Schinken?
Wobei man den Begriff „Schinken“ in Bezug auf Kunst ja auch erst einmal definieren müsste.

Aber die Reaktion kann ich natürlich verstehen. Sowohl die Art der Maltechnik, als auch die Art der Motive kommen dem Betrachter heute doch wenig spannend vor.

Die genaueste Darstellung von Gegenständen in der Malerei erscheint heute im „Zeitalter der Reproduktion“, wie es Walter Benjamin einmal so schön ausdrückte, als seit langem überholt. Die Fotografie kann das besser.

Und religiöse, bzw. kirchliche Motive, will heute, in einer Epoche, wo immer mehr Menschen in unserer westlichen Welt aus der Kirche austreten, auch kaum einer mehr sehen. Oder kennen Sie einen zeitgenössischen Künstler, der sich auf biblische Themen mit Madonnen und Jesus am Kreuz spezialisiert hat? Ich nicht!

Trotzdem sollte ein interessierter Blick auf die Maler der Renaissance nicht nur erlaubt, sondern auch durchaus erwünscht sein.

Allen voran steht diese unglaubliche Technik, wie wir sie von Leonardo da Vinci, Michelangelo bis eben auch Raffael kennen. Ich weiß nicht, ob ein heutiger Schüler der Universität der Künste oder der Weißensee Kunsthochschule diese feine Technik des Pinselstrichs noch ausführen könnte.
Wenn er sie den überhaupt noch erlernen würde!

In einer Zeit, in der eine Banane mit einem Panzerband während der ART BASEL MIAMI BEACH millionenfach viral geht, braucht der zeitgenössische Künstler wohl kaum noch feine Maltechniken.
Übrigens wurde die angeklebte Banane des italienischen Bildhauers und Konzeptkünstlers Maurizio Cattelan von der Pariser Galerie Perrotin für 120.000 US-Dollar verkauft…

„Taped Banana“ Maurizio Cattelan @ Galerie Perrotin/ Instagram

In der Sonderausstellung in der Gemäldegalerie zum 500. Todestag von Raffaello Sanzio da Urbino (*1483 – †1520), so sein richtiger Name, werden zwar nur 6 Arbeiten von ihm gezeigt, aber weitere Werke, wie Zeichnungen und Radierungen, werden ab dem 26. Februar 2020 dem Publikum im Kupferstichkabinett präsentiert.

Genauso, wie es in der Renaissance ein gesteigertes Interesse an der Kunst und dem Leben der Antike gab („Renaissance“ – Wiedergeburt), wurde zum Anfang des 19. Jahrhunderts die Renaissance gefeiert – besonders in Preußen.

Als erstes wurde im Jahre 1821 das Gemälde „Maria mit Kind“ (vermutlich 1502 gemalt) aus der Sammlung Solly für das Königliche Museum (heute Altes Museum) in Berlin erworben.
1827 kam „Maria mit dem Kind“ (um 1508) aus der Sammlung Colonna hinzu, 1829 „Maria mit dem segnenden Kind“ (vermutlich ebenfalls 1502 entstanden), 1842 das Bild „Maria mit dem Kind, das den Johannesknaben segnet“ (um 1503) und zum Schluss 1854 „Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem heiligen Knaben“ (um 1505).

Der preußische Diplomat Karl von Bunsen hatte dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. auch noch das Gemälde „Maria mit den Nelken“ empfohlen, doch schließlich ging es zunächst in den Besitz des Duke of Northumberland, bis es im Jahre 2004 von der National Gallery in London aufgekauft wurde.
Und jetzt hängt es zusammen mit den anderen „Madonnen“ in einer Reihe in der Gemäldegalerie.

„Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie“
Vom 13.12.2019 – 26.04.2020
Kulturforum, Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Di – Fr 10 – 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

Hier unsere Bilderserie mit den 6 Madonnen in der Gemäldegalerie:

6 photos: RAFFAEL „Maria mit dem Kind“ (1502), Gemäldegalerie Berlin, Foto: Holger Jacobs

English text

RAFFAEL in the Gemäldegalerie Berlin
By Holger Jacobs
11/12/2019
On the occasion of the 500th anniversary of the death of the Italian Renaissance painter, the Staatliche Museen zu Berlin will be presenting several exhibitions.
Often referred to as „Old Ham“ („Alter Schinken“ in german) by the younger generation, images of great masters of the 15th and 16th centuries are certainly to be dubbed „old“, but as ham? Although one would have to define the term „ham“ first of all.
But of course I can understand the reaction. Both the type of painting technique, as well as the type of motifs, the viewer today will not be very  excited.
The most accurate representation of objects in painting appears today in the „age of reproduction“, as Walter Benjamin once brought it in, seems to be longtime outdated. Photography can do that better.
And religious, or ecclesiastical motives today, in an epoch where more and more people in our Western world emerge from the church, no one wants to see them more.
Or do you know a contemporary artist who specializes in biblical themes with Madonnas and Jesus on the Cross? Not me!
Nevertheless, an interested look at Renaissance painters should not only be allowed, but also desirable.
First and foremost is this incredible technique, as we know it from Leonardo da Vinci, Michelangelo to just Raphael. I do not know if a student of the University of the Arts or the Weissensee Kunsthochschule in Berlin today could still carry out this fine brushstroke technique. If he ever learned it at all!
At a time when a banana glued to a wall with a tank tape goes viral millions of times during the ART BAEEL MIAMI BEACH, the contemporary artist hardly needs fine painting techniques anymore. Incidentally, the glued-on banana by Italian sculptor and conceptual artist Maurizio Cattelan was sold by the Parisian gallery Perrotin for $ 120,000 …

„Taped Banana“ Maurizio Cattelan @ Galerie Perrotin/ Instagram

In the special exhibition in the Gemäldegalerie for the 500th anniversary of the death of Raffaello Sanzio da Urbino (* 1483 – † 1520), his real name, only 6 works are shown by him, but other works, such as drawings and etchings, will be available from 26. February 2020 in the Kupferstichkabinett.
Just as there was a heightened interest in the art and life of antiquity in the Renaissance („renaissance“ rebirth), the Renaissance was itself celebrated at the beginning of the 19th century – especially in Prussia.
In 1821, the painting „Maria mit Kind“ (probably painted in 1502) from the Solly Collection for the Königliches Museum (today’s Altes Museum) in Berlin was acquired first.
In 1827, „Mary with the Child“ (c. 1508) from the Colonna Collection was added, in 1829 „Mary with the Blessing Child“ (probably also written in 1502), in 1842 the painting „Mary with the Child blessing the St. John the Young“ (c. 1503) ) and finally in 1854 „Mary with the Child, John the Baptist and a Holy Boy“ (c. 1505).
The Prussian diplomat Karl von Bunsen recommended the Prussian King Friedrich Wilhelm III. to buy he painting „Mary with the Carnations“, but it became the property of the Duke of Northumberland until it came to the National Gallery in London in 2004.
And now it hangs together with the other „Madonnas“ in a row in the picture gallery.
„Raffael in Berlin The Madonnas of the Gemäldegalerie“
From 13.12.2019 – 26.04.2020
Kulturforum, Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Tues – Fri 10 am – 6 pm, Thurs until 8 pm, Sat + Sun 11 am – 6 pm

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.