Restaurant Khwan auf dem RAW Gelände in Friedrichshain

Restaurant Khwan in Berlin-Friedrichshain © Khwan

Restaurant Khwan auf dem RAW Gelände in Friedrichshain

 

Von Josefine Kammerer

08.04.2019

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Das Restaurant KHWAN liegt in einer der ehemaligen Werkshallen auf dem RAW Gelände an der Warschauer Straße in Berlin Friedrichshain.

Das frühere Ausbesserungswerk der Reichsbahn bietet heute Raum für innovative interkulturelle Projekte, Ausstellungen und Märkte sowie für Discotheken, Restaurants und Bars. Somit bestimmt schon der Ort die Erwartung an eine kreative und unerwartete kulinarische Erfahrung.

Eines dieser besonderen Institutionen auf dem RAW Gelände: Das Restaurant Khwan.

Thailändische Küche mal anders – der Fokus liegt auf der nordthailändischen Küche. Es ist eine ungewöhnliche Mischung aus rauchigem BBQ, wie man es eigentlich eher aus Amerika kennt, mit Holzkohle und Smoker, und thailändischen Saucen, Kräutern und Gewürzen. Mir war die „Isaan“-Küche aus Thailand bisher unbekannt, doch habe ich sie bei dieser Gelegenheit definitiv für mich entdeckt.

Das Restaurant Khwan, Foto: Josefine Kammerer

Zu jeder Jahreszeit wird im Khwander Holzkohlen-BBQ und Smoker draußen im Freien angeschmissen. Dies erfordert nicht nur Wetterfestigkeit, sondern auch viel Vorlauf und Zeit für das Smoken. Aber auch nur dadurch erreicht man diesen intensiven, ja fast schon stechendes Raucharoma.

Als Liebhaberin der unterschiedlichsten Küchen Asiens gehört insbesondere die thailändische zu einer meiner Favoriten. Dazu kommt, dass es kaum ein Land gibt, in dem Essen dermaßen präsent im Stadtleben ist, denn in Thailand stehen an jeder Ecke Straßenverkäufer mit den unterschiedlichsten Speisen. Daher unterscheidet sich auch innerhalb Thailands die Küche sehr.

Dan Lambert, gebürtiger Engländer, hatte in Chiang Mai, im Norden Thailands, eine Kochausbildung genossen und so seine Leidenschaft für die Küche gefunden. Nun hat er einen Ort in Berlin geschaffen, um auch uns an ihr teilhaben zu lassen. Diese Passion hat er an seinen Restaurantmanager weitergegeben, der uns am Tage meines Besuches ganz leidenschaftlich über das Essen, seine Zubereitung und Tradition, berichtete.

Um möglichst viel probieren zu können und auch dem typischen Habitus der Thai zu folgen, ist die Speisekarte zum Teilen ausgerichtet. So gibt es ein, wörtlich übersetzt, Festmahl-Menü ab 2 Personen, bei dem je nach Anzahl der Personen die Vielfalt an Speisen zunimmt.

Festmahmenü für 2 Personen, Restaurant Khwan © Khwan

Zu zweit bekamen wir zuerst eine Komposition aus vier verschiedenen Gerichten der Karte: Miang Kham, übersetzt Ein-Biss-Wrap aus Betelblättern mit Granatapfel, gerösteter Kokosnuss und Erdnuss und abgeschmeckt mit Garnelenpaste, Limette, Chili und Tamarindensauce, ein Nam Tok– üblicherweise ein Fleischsalat – hier aus gegrillten braunen Pilzen, Chili, geröstetemReis und sauren Früchten, knusprig gebratene, dann 7 Tage lang fermentierte, säuerliche Schweinerippchen, Papaya Salat und geräucherter Schweinenacken (Moo Yang).

Moo-Yang-Schweinenacken im Isaan-Style, Foto: Josefine Kammerer

Besonders gefallen hat mir neben dem intensiv rauchigen Aroma des Schweinenackens die dazu servierte Sauce – Isaan style. Das bedeutet also üblicherweise ein Zusammenspiel aus 2 Geschmacksrichtungen, süß und sauer, sowie der Geschmacksempfindung scharf.
Süß – durch Palmzucker und Honig, sauer – durch Korianderwurzeln und scharf – durch das Mischen drei verschiedener roter Chilisorten.
Somit werden die Geschmacksknospen durchaus vielseitig gekitzelt…

7-Tage-lang fermentiertes Schweinerippchen, Foto: Josefine Kammerer

Wer nach den gewöhnlichen und weltweit so beliebten Thai-Curries mit roter oder grüner Currypaste und Kokosmilch sucht, wird hier nicht fündig. Denn diese stammen aus dem Westen des Landes. In Nordthailand hingegen gibt es Khao Soi– eine burmesisch beeinflusste Curry-Nudelsuppe.
Als Hauptgang bekamen wir diesen Geschmack in Form eines Curries aus geräuchertem Schweinbauch, Apfel, fermentiertem Knoblauch und Ingwer serviert. Reichhaltig und würzig.
Außerdem noch ein geräuchertes, saftiges Grillhähnchen, abgeschmeckt mit Zitronengras, Bärlauch und Tamarindensauce.

Grillhähnchen und Schweinerippchen, Foto Josefine Kammerer

Mein Highlight war, einmal mehr, das spielerische, süß-salzige Dessert:
Auf dem Holzkohlegrill gegrillte, daher leicht angewärmte,weiche und mit Palmenzucker karamellisierte Bananen mit einem salzigen Fischsaucen-Milcheis und geröstetem schwarzen Sesam. Eventuell muss man zunächst etwas schlucken bei dem Gedanken an die Kombination von Fischsauce und Milcheis, aber der intensive Geschmack wird durch die Milch etwas abgeschwächt und übrig bleibt ein würzig salziges Eis, welches hervorragend zu der leicht rauchigen und gleichzeitig süßen Banane passt.

Gegrillte Bananen und Fischsaucen-Eis, Foto: Josefine Kammerer

Einzig überraschend ist, dass die Inneneinrichtung wenig Traditionelles aufweist.
Zwar muss es keineswegs das „typisch“ Verspielte sein, mit Altar, Räucherstäbchen und Bildern der Königsfamilie, dennoch wäre es schön, wenn sich die Authentizität des Essens, auf welche hier so viel Wert gelegt wird, sich auch in der Lokalität widerspiegelte und nicht nur das umgesetzt wird, was in Berlin gerade gut ankommt und hip ist, wie z.B. Warehouse style und Holzpaletten.
Auch war das Essen für meinen mitteleuropäisch geprägten Gaumen zwar auf sehr angenehme Weise scharf, doch vermute ich, dass es in der nordischen Thaiküche vor Ort doch noch deutlich schärfer zugeht.

Restaurant Khwan © Khwan

Als Liebhaber von BBQ ist dieses Restaurant ein absolutes Muss, denn es gibt diesem nochmal einen neuen Twist, einen thailändischen.
Und auch für Thai-Fans ist es ein ganz besonderer Ort, um eine etwas andere und eher unbekannte Küche kennenzulernen. Und das von Berlin aus.
Zwar gibt es hier auch für Vegetarier einige Alternativen auf der Speisekarte, jedoch würde ich das Restaurant Khwan nur den Fleischfreunden unter Euch empfehlen.

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The restaurant Khwan on the RAW premises in Friedrichshain
By Josefine Kammerer
08/04/2019

The restaurant KHWAN is located in one of the former factory buildings on the RAW premises at Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain.

The former repair centre of the German Reich Railway (Reichsbahn) now offers space for innovative intercultural projects, exhibitions and markets as well as discos, restaurants and bars.

One of these special institutions on the RAW site: the restaurant Khwan.

Thus, the place itself determines the expectation of a creative and unexpected culinary experience.
Hence: A different Thai cuisine – the focus is on northern Thai cuisine. It’s an unusual mixture of smoky BBQ, as one rather knows it from the US, with charcoal and smoker, and Thai sauces, herbs and spices. I didn’t know the „Isaan“ cuisine from Thailand, but I definitely discovered it for myself on this occasion.

At Khwan, all year round the charcoal BBQ and smokers are fully in action. This does not only require weather resistance, but also a lot of time and planning in advance, as this is the only way to achieve this intensive, almost stinging smoke aroma.

As a lover of different Asian cuisines, the Thai one is one of my favourites. There is hardly a country in which food is as present in everyday city life as in Thailand, where street vendors are installed on nearly every corner offering the most diverse dishes. Therefore, it is hardly surprising that the cuisine differs a lot within Thailand itself.

Dan Lambert, native Englishman, had enjoyed a cooking education in Chiang Mai, in the north of Thailand and thus found his passion for the kitchen of that area. Now he has created a place in Berlin to share it with us. He also passed on this passion to his restaurant manager, who told us passionately about the food, its preparation and tradition on the day of my visit.

In order to try as much as possible and also to follow the typical Thai style, the menu is designed for sharing. Thus, a, literally translated, feast menu starting as from 2 persons is offered, with the number of the persons also the variety of meals increases.

As two people, we first got a composition of four different dishes of the menu: Miang Kham, translated “one-bite” wrap of betel leaves with pomegranate, roasted coconut and peanut, seasoned with shrimp paste, lime, chili and tamarind sauce, a Nam Tok– usually a meat salad –as a vegetarian option made of grilled brown mushrooms, chili, roasted rice and sour fruits, crispy fried and 7-days fermented sour pork ribs, papaya salad, and smoked pork neck (Moo Yang).

I especially liked the intense smoke aroma of the pork neck and the sauce – Isaan style – that was served with it. Isaan style usually means a combination of 2 flavours, sweet and sour, as well as the taste sensation spicy. Sweet – through the palm sugar and honey, sour – due to the coriander roots and spicy – because of the mix of three different red chilli varieties. Thus, the taste buds are tickled quite versatilely.

If you are looking for the usual and worldwide beloved Thai curries with red or green curry paste and coconut milk, you will not be lucky here. These curries are from the west of the country. Northern Thailand, on the other hand, has Khao Soi– a Burmese-influenced curry noodle soup. As main course we were served a version of such a curry with smoked pork belly, apple, fermented garlic and ginger. Rich and flavourful. Furthermore, we had a juicy smoked chicken flavoured with lemon grass, wild garlic and tamarind sauce.

Once again, my highlight was the playful, sweet and salty dessert: slightly warmed, soft bananas caramelized with palm sugar, grilled on a charcoal grill, served with a salty fish sauce milk ice cream and roasted black sesame. You may have some difficulties at first making fish sauce and ice cream harmonize in your head, but the intensive taste is weakened by the milk and what remains is a flavourful salty ice cream, which goes very well with the slightly smoky and at the same time sweet banana.

The only thing that surprised me was that the interior has little tradition. It doesn’t have to be the „typical“ playfulness, with the stationing of an altar, incense sticks and pictures of the royal family, but it would be nice if the authenticity of the food, on which so much value is placed, is complemented by the locality. Instead, the interior reflects more the style that is well received in Berlin and hip aka Warehouse style and wooden pallets. Also, the food for my Central European tongue was spicy in a very pleasant way, but I suspect that the authentic Northern Thai cuisine is a bit different – way spicier.

As a lover of BBQ, this restaurant is an absolute must, as there is another new twist to it, a Thai one. But also for Thai fans it is a very special place to get to know a somewhat different and rather unknown cuisine and you can do so from Berlin. Although there are some alternatives on the menu for vegetarians, I would particularly recommend Khwan to the meat lovers among us.

 

Josefine Kammerer

Author: Josefine Kammerer

Josefine Kammerer arbeitet bei der Unternehmensberatung PwC in Berlin und verfolgt nebenbei ihr kulinarisches Interesse. Während eines Sabbatical besuchte sie eine Kochschule in Südamerika und betätigt sich in Berlin als Foodguide für das online Kulturmagazin kultur24.berlin.

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