Review GALLERY WEEKEND 2019

Gallery Weekend - Galerie Eigen & Art - Martin Eder, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Review GALLERY WEEKEND 2019

 

Von Holger Jacobs

29.04.2019

english text

Viel Kunst und noch mehr Kunstinteressierte waren bei diesjährigen GALLERY WEEKEND in der Hauptstadt Berlin.

Mittwoch

Los ging’s am Mittwochabend mit der Vernissage der Ausstellung „Upcoming“ der US-amerikanischen Künstlerin Signe Pierce in der Galerie Eigen & Art Lab, der Zweit- Galerie von Harry „Judy“ Lybke in der Torstrasse 220 in Berlin-Mitte. Die hübsche Amerikanerin wollte eine Performance zur Eröffnung zeigen und die in der Einladung gezeigten Fotos von ihr waren vielversprechend. Aber die Vorführung konnte die Erwartung nicht ganz erfüllen. Dafür war im Hof umso mehr los: Viel junges und interessiertes Publikum (siehe dazu mein Video).

7 Photos: Signe Pierce, Galerie Eigen & Art Lab, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Donnerstag

Am Donnerstagmorgen ging es in die Privatwohnung von Kunstsammler und Chef der Modemarke SØR, Thomas Rusche, der beabsichtigt, seine gesamten ca. 4000 Kunstwerke nach und nach beim Auktionshaus Van Ham in Köln versteigern zu lassen. Dr. Dr. Thomas Rusche (zwei Doktortitel, kein Scherz) ist von einer einnehmenden Herzlichkeit und großem Kunstverstand. In seiner Sammlung befinden sich alle bekannten Namen der jüngeren, zeitgenössischen Kunst, wie Jonathan Meese, Neo Rauch, Stephan Balkenhol, Norbert Bisky, Martin Eder (siehe Galerie Eigen & Art), Jonas Burgert (siehe me-collectors-room) bis zu Cornelia Schleime und Daniel Richter. Auktionstermin ist am 29. Mai 2019 in Köln.

7 Photos: Dr. Dr. Thomas Rusche in seiner Privatwohnung in Berlin-Charlottenburg, Foto: Holger Jacobs

Keine Stunde später war ich schon bei der Pressekonferenz zur Ausstellung „Mischpoche“ von Andreas Mühe im Museum Hamburger Bahnhof. Ich erwischte gerade noch den Künstler selbst und Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann, der sich angeregt mit Galerist Johann König (König Galerie) unterhielt. Von der Ausstellung war ich aber enttäuscht.
Zwei oder drei mittelgroße Fotografien von Skulpturen, die Andreas Mühe mit einem 3D Scan nach Fotografien von Familienmitgliedern anfertigen ließ. Leider sind in der Ausstellung nur die Fotos zu sehen, die Mühe von seinen Skulpturen machte. Angeblich war das auch die Idee. Nicht die Skulptur selber ist das Kunstwerk, sondern nur die Fotografie, die die Skulptur zeigt. Na ja…
Ein bisschen wie bei den Künstlern Thomas Demand oder Lois Renner (siehe Galerie Deschler), die ebenfalls reale, selbstgebaute Modelle herstellen, um sie später dann abzufotografieren. Und nur der spätere fotografische Abzug ist dann das Kunstwerk.

3 Photos: Andreas Mühe „Isabella IX“, Museum Hamburger Bahnhof, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Am Abend ging es schick gekleidet zum Empfang in die Boutique der italienischen Modemarke PRADA.
Auch hier GALLERY WEEKEND: Eingeladen war die Künstlerin Anna Dream Brush (eigentlich Anna Zhilyaeva), die mit Hilfe einer 3D Brille und einem großen Flachbildschirm ihre virtuell hergestellten Bilder zeigte, in die der Zuschauer mittels der Brille richtig eintauchen konnte (siehe dazu mein Video).

7 Photos: Anna Dream Brush vor ihrer Arbeit, Boutique PRADA, Berlin Kudamm, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Ähnlich, wie es gerade die Nationalgalerie zeigt mit dem Bild von Caspar David Friedrich „Der Mönch am Meer“.

Danach noch schnell zur Eröffnung der Ausstellung des Künstlers Lois Renner in die Galerie Deschler. Dort traf ich ganz unerwartet auf den ehemaligen Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin, Prof Dr. Schuster. Ich hatte ihn vor 16 kennengelernt, als ich mit ihm über ein von mir vorgeschlagenes Projekt in seinen Amtsräumen sprach. Daran konnte er sich zwar nicht mehr erinnern, war aber dennoch äußerst freundlich.

5 Photos: Prof. Dr.Schuster (ehem. Direktor der Staat. Museen zu Berlin, Galerie Deschler, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Freitag

Am Freitagnachmittag fuhr ich rüber in die Potsdamer Strasse, mein Lieblings-Hot-Spot bei GALLERY WEEK oder ART WEEK (kommt im September).
Hier findet sich nämlich eine tolle Mischung aus hochwertiger Kunst (wie z.B. Bernard Venet in der Galerie Blain Southern), schicken Restaurants (z.B. das „Panama“ oder das „Sticks N Sushi“ oder der Klassiker „Viktoria Bar“) und tollem Design (Concept Store von Andreas Murkudis, Acne Store, Fiona Bennett Hüte, et.c.).
Und eine Mischung aus schickem Publikum und jungen Freigeistern.

5 Photos: Bernard Venet in der Galerie Blain Southern, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Samstag

Am Samstag habe ich mir die Kunstszene in Berlin-Mitte reingezogen. Dazu musste ich zum Glück nur einfach auf die Strasse gehen, die Galerien sind bei mir gleich um die Ecke.
Zunächst zu Sprüth Magers, die das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli + David Weiss zeigen. In ihrer überdimensionalen Halle (war zu DDR Zeiten noch ein Tanzlokal) war ein Haus aufgebaut (ein Model im Maßstab 1:5), welches im Stil stark an Bauhaus erinnerte (siehe dazu mein Video). Durch seine graue Fassade mit grauen Fenstern allerdings auch etwas langweilig. Meine Gefühle dazu waren so kalt wie das Grau des Models.

Peter Fischli & David Weiss „Haus“ in der Galerie Sprüth Magers, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Danach ging es zu Judy Lybke in seine Hauptgalerie Eigen & Art, wo er seinen Künstler Martin Eder zeigt. Die Ausstellung hat die Überschrift „Dystopia“ und zeigt Motive mit Models in düsterer Atmosphäre. Die Ölgemälde haben mir außerordentlich gut gefallen. Spannende Motive und eine tolle Mal-Technik. Martin Eder ist nach Neo Rauch auf jeden Fall der zweitwichtigste Künstler der Galerie geworden.

7 Photos: Martin Eder „Dystopia“ in der Galerie Eigen & Art, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Weiter ging es in das Privatmuseum des Sammlers Thomas Olbricht, in den sogenannten me-collectors-room (das „me“ steht wahrscheinlich für ihn selbst). Hier waren in den großen Räumen mehrere Künstler unter dem Begriff „Beyond“ versammelt.
Auffällig die großformatigen Arbeiten von Jonas Burgert, der schon vor 2 Jahren bei der GALLERY WEEKEND 2017 in der Galerie „Blain | Southern mit seinen riesigen Formaten begeistern konnte.
Auch die Arbeiten von Kris Martin, George Condo und Jake & Dino Chapman zeigten einige Raffinesse (siehe dazu mein Video).

9 Photos: Kris Martin „The End“ im Museum me-collectors-room, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Zuletzt ging es in der Auguststrasse in das schöne Backstein Gebäude der ehemaligen jüdischen Mädchenschule. Hier sind in jeder Etage Räume für Galerien vorgesehen.
Leider ist vor kurzem die Galerie Camera Work mit ihrer CWC Gallery und mit ihrem Kennedy Museum ausgezogen, so dass zurzeit 2 Etagen leer stehen.
Dafür gibt es einen kleinen Ableger des Museums von Frieder Burda aus Baden-Baden, der sogenannte „Salon Frieder Burda“.
Hier ist das ca. 2 Meter große Model eines Containerschiffs zu sehen, welches mit einer Fotografie des Streetart Künstlers „JR“ beklebt wurde. Interessant dabei: Zwei Kräne laden per surrendem Elektromotor die Container von einer Seite zur anderen (siehe dazu mein Video). Ich kam mir zurückversetzt vor in die Zeit als kleiner Junge mit meinen Modellschiffen…

„JR“, Containerschiff, Salon Frieder Burda, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Sonntag

Den Abschluss bildete am Sonntag Abend die Einladung von Dr. Mathias Döpfner in die Villa Schöningen in Potsdam (gleich neben der Glienicker Brücke). Hier zeigt der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Konzerns in einer Ausstellung einen Teil seiner Kunstsammlung zum Thema „Nude“, mit u.a. einer App in Augmented Reality (siehe dazu mein Video) von Künstlerin Marion Fink. Ein hochkarätiges Publikum vereinte sich mit der Kreativszene Berlins – spannend!
Mehr dazu in einer gesonderten Berichterstattung.

Damit ging am Sonntag ein gelungenes GALLERY WEKEND überaus erfolgreich zu Ende. Freuen wir uns auf das nächste Jahr!

Dr. Mathias Döpfner bei der Eröffnung der Ausstellung „Nudes“ in der Villa Schöningen in Potsdam

english text

Review GALLERY WEEKEND 2019
By Holger Jacobs
04/29/2019
A lot of art and even more art lovers were at this year’s GALLERY WEEKEND in the capital Berlin.
Wednesday
It started on Wednesday evening with the vernissage of the exhibition „Upcoming“ of the US artist Signe Pierce in the gallery Eigen & Art Lab, the second gallery by Harry „Judy“ Lybke at Torstrasse 220 in Berlin-Mitte (see my video). The pretty American wanted to do a performance at the opening and the photos she showed in the invitation were promising. But the performance did not excited me so much. But in the court yard was all the more going on: A lot of young and interested audience.
Thursday
On Thursday morning in the private apartment of art collector and head of the fashion brand SØR, Thomas Rusche, who intends to have his total of about 4,000 works of art gradually auctioned at the auction house Van Ham in Cologne. Dr. Dr. Thomas Rusche (two doctorates, no joke) is a charming man and great art collector. In his collection are all the well-known names of recent, contemporary art, such as Jonathan Meese, Neo Rauch, Stephan Balkenhol, Norbert Bisky, Martin Eder (see gallery Eigen & Art), Jonas Burgert (see me-collectors-room), Cornelia Schleime and Daniel Richter. Auction date is May 29, 2019 in Cologne.
Not an hour later I was already at the press conference for the exhibition „Mischpoche“ by Andreas Mühe at the Museum Hamburger Bahnhof. I just met the artist himself and National Gallery Director Udo Kittelmann, who spoke to gallerist Johann König (King Gallery). But I was disappointed with the exhibition. Two or three medium-sized photographs of sculptures made by Andreas Mühe with a 3D scan of photographs of the family members. Unfortunately, the exhibition only shows the photos of his sculptures. Supposedly that was the idea. It is not the sculpture itself that is the work of art, but only the photograph that shows the sculpture. Well … a bit like the artists Thomas Demand or Lois Renner (see gallery Deschler), who also produce real, self-built models, to later photograph them off. And only the later photographic print is then the work of art.
In the evening we dressed up for the reception in the boutique of Italian fashion brand PRADA. Also here GALLERY WEEKEND: The artist Anna Dream Brush (actually Anna Zhilyaeva) was invited, who with the help of a 3D glasses and a large flat screen showed her virtually produced pictures, into which the viewer could dive directly through the 3D-glasses (see my video). Similar to how the Nationalgalerie is doing / shows with the picture of Caspar David Friedrich „The Monk by the Sea“.
Then quickly to the opening of the exhibition of the artist Lois Renner in the gallery Deschler. There, unexpectedly, I met the former director of the Staatliche Museen zu Berlin, Prof. Schuster. We first met around 16 years ago when we talked in his offices about a project I had suggested. Unfortunately he couldn’t remember that, but he was still very open minded.
Friday
On Friday afternoon I drove over to Potsdamer Strasse, my favorite hot spot on GALLERY WEEK or ART WEEK (coming in September). Here is a great mix of high-quality art (for example Bernard Venet in the gallery Blain | Southern), chic restaurants (the „Panama“ or the „Sticks N Sushi“ or the classic „Viktoria Bar“) and great design (Concept Store by Andreas Murkudis, Acne Store, Fiona Bennett Hats, et.c.). And a mix of chic audiences and young freethinkers.
Saturday
On Saturday I wanted to catch the art scene in Berlin-Mitte. Fortunately, I just had to go out on the street, the galleries are just around the corner. First, to Sprüth Magers, showing the Swiss artist duo Peter Fischli + David Weiss. In their oversized hall (was a dance hall in GDR times) was a house built (a model in the format estimated 1: 3), which strongly reminded in style of Bauhaus. Due to its gray facade with gray windows I found it a bit boring. My feelings were as cold as the gray of the model (see my video).
Then I went to Judy Lybke in his main gallery Eigen & Art, where he shows his artist Martin Eder. The exhibition is titled „Dystopia“ and shows motifs with models in a gloomy atmosphere. I really liked the oil paintings. Exciting motives and a great painting technique. Martin Eder has become for sure the second most important artist in the gallery after Neo Rauch.
It continued into the private museum of the collector Thomas Olbricht, in the so-called me-collectors-room (the „me“ probably stands for him). Here several artists were gathered in the large rooms under the term „Beyond“. Conspicuous the large-format works of Jonas Burgert, who was already able to inspire me with his huge formats at the gallery „Blain | Southern“ during GALLERY WEEKEND 2017. Also the works of Kris Martin, George Condo and Jake & Dino Chapman showed some sophistication (see my video).
The last stop was Auguststrasse in the beautiful brick building of the former Jewish girls‘ school. Here, galleries are established on each floor. Unfortunately, the Camera Work Gallery has recently moved out with its CWC Gallery and Kennedy Museum, leaving 2 floors empty. But there is a small offshoot of the Museum of Frieder Burda from Baden-Baden, the so-called „Salon Frieder Burda“. Here is the approx. 2 meter model of a container ship, which was covered with a photograph of the street art artist „JR“. Interesting: Two cranes (with a buzzing electric motor) load the containers from one side to the other (see my video). I felt like stepping back in time as a little boy with my model ships …
Sunday
The final event on Sunday evening was the invitation by Dr. Mathias Döpfner in the Villa Schöningen in Potsdam (right next to the Glienicker bridge). Here, the CEO of the Axel Springer Group shows in an exhibition called „Nude“ a part of his art collection (see my video). A top-class audience united with the creative scene of Berlin – exciting! More about this in a separate report.
Thus, a successful GALLERY WEKEND came to a successful conclusion on Sunday. Let’s look forward to the next year!

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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