Richard III. – Schaubühne Berlin

Richard III. – Schaubühne Berlin

 

Von Holger Jacobs

16.02.2015

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂    (fünf von fünf möglichen)

Richard III. – Der große Klassiker von William Shakespeare an der Schaubühne Berlin.

Ein großes Stück für große Schauspieler: Lars Eidinger liefert hier als Richard III. nach seiner Hamlet Interpretation wieder mal eine Glanzleistung ab und avanciert zum unangefochtenen Schauspiel-Star der Berliner Theaterszene.

Hintergrund

Als Shakespeare Ende des 16. Jahrhunderts das Drama schrieb, waren die historischen Ereignisse schon über 100 Jahre vergangen, jedoch noch sehr im Bewusstsein der Briten verankert. Schließlich war in den englischen Erbfolgekriegen viel Blut geflossen, die königliche Linie der Häuser York (wozu auch Richard III. gehörte) und Lancaster beendet worden und das Haus Tudor als neue Herrscher-Familie in England etabliert. Das Shakespeare Richard III. als einen absoluten Fiesling darstellte, zudem hässlich und verunstaltet, mag auch diesen neuen Machtverhältnissen geschuldet sein.

Handlung

Die Brüder Edward (Thomas Balding), Clarence (Christoph Gawenda) und Richard (Lars Eidinger) feiern ihren Sieg über König Heinrich VI. Edward als ältester Sohn wird neuer König. Doch Richard als jüngster, missgestaltet und verkrüppelt, hatte immer schon Demütigungen über sich erdulden müssen und will nun nicht mehr zurückstehen. Er fängt an Intrigen zu spinnen, um dadurch einen Rivalen nach dem anderen auszuschalten.

Durch seine Intelligenz und überzeugende Redensart schafft er es zunächst Lady Anne, deren Mann er umbrachte, noch am Sarg ihres Mannes für sich zu gewinnen. Dann beschuldigt er Clarence gegenüber dem König des Verrats, weshalb dieser ihn in den Kerker werfen läßt. Richard beauftragt zwei Mörder, Clarence im Gefängnis zu töten. Plötzlich erscheint die Witwe Margret, Frau des gestürzten König Heinrich VI., und spricht über Richard einen Fluch aus.

König Edward merkt, dass um ihn herum Intrigen im Spiel sind und versammelt noch einmal die ganze Familie um sich und verlangt gegenseitige Einigkeit und Respekt. Doch kurz danach stirbt er. Da nun eigentlich seine beiden Söhne (hier als Puppen dargestellt) das Erbe antreten müssten, soll die Krönung des Ältesten der beiden, Prinz of Wales, bald erfolgen. Doch Richard lässt sie unter dem Vorwand sie zu schützen in den Tower of London bringen und dort umbringen. Lord Hastings, einen Widersacher, lässt er enthaupten. Nun kommt sein Getreuer, Herzog Buckingham, ins Spiel und holt den Bürgermeister von London, um diesen von Richard als einzig möglichen Thronfolger zu überzeugen. Richard macht auf fromm und umgibt sich mit Würdenträgern der Kirche. Schließlich lässt er sich geradezu bitten, König zu werden.

Der letzte Akt zeigt Richard mit der Krone (schwarz angestrichen) auf seinem Haupt stolz auf dem Thron. Jetzt ist auch Buckingham an der Reihe, der seine Schuldigkeit getan hat und nicht mehr gebraucht wird. Als Richard nachts allein ist beginnen die Dämonen ihn im Schlaf zu verfolgen, genau so, wie es Margret vorausgesagt hatte. Zum Schluss sieht man Richard gegen eine imaginäre Arme kämpfen und sich schließlich an einem Seil hoch über der Bühne aufhängen.

Kritik

Die Inszenierung von Intendant und Regisseur Thomas Ostermeier ist nah an dem Stoff, gibt aber auch einen starken neuzeitlichen Impuls. Mit der speziellen Übersetzung von Marius von Mayenburg wird die Sprache sehr viel moderner und an unsere Zeit angepasst. Wie im Stummfilmkino gibt es eine musikalische Begleitung in Form eines Schlagzeugs, welches die Dramatik wirkungsvoll unterstreicht. Zusätzlich wurde der gesamte Theaterraum in monatelanger Arbeit (und mit hohem finanziellen Aufwand) in das berühmte Globe Theater zu Shakespeares Zeiten umgestaltet. So befinden sich die 2. und 3. Ränge an den runden Wänden hoch oben angebaut und die Bühne geht sehr nahe an das Publikum heran. Eine fast intime Atmosphäre, der Zuschauer glaubt sich in das Stück integriert. Die Bühne ist nur spärlich bestückt, das Licht gedämpft. Alles ist auf das Geschehen ausgerichtet und damit auf das mitreißende Spiel des Lars Eidinger in der Hauptrolle.

Diese Rolle ist wie gemacht für große Mimen. Wie z.B. Gert Voss am Burgtheater oder Laurence Olivier in seiner eigenen Verfilmung. Bei Lars Erdinger fällt besonders seine Sprache auf. Fast leise und sanft, nie aggressiv. Gerade das macht die Rolle so unheimlich im Angesicht dieser monströsen Taten. Eine gelungene Inszenierung mit einem herausragenden Hauptdarsteller.

Epilog:

Der echte Richard III. starb bei der Schlacht in Bosworth am 22. August 1485. Die Leiche wurde danach nackt ausgezogen und geschändet. Wie kürzlich zu erfahren war, wurden 2012 seine Gebeine (durch DNA-Analyse mit den heute noch lebenden Nachfahren bestätigt) unter einem Parkplatz in Leicester gefunden und sollen am 26. März 2015 offiziell beerdigt werden.

 

Edward, Clarence, Richard und ihre Gefolgschaft feiern den Sieg über Heinrich, den bisherigen König von England

41 Bilder: „Richard III.“ an der Schaubühne Berlin

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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