Rock am Ring 2017 – der Terror siegt nicht!

Rock am Ring 2017 - Foto: Philipp Haas

Rock am Ring 2017 – der Terror siegt nicht!

 

Von Nora Henze

8.6.2017

Keine 14 Tage vorher hatte ein furchtbarer Bombenanschlag bei dem Konzert der US-amerikanischen Pop-Sängerin Ariana Grande 23 Menschen in den Tod gerissen. Und nun sollte am Pfingstwochenende 2017 das größte Rockfestival Deutschlands, ROCK AM RING, mit über 80.000 Besuchern über die Bühne gehen. Viele waren deshalb schon mit gemischten Gefühlen angereist. Und kaum hatte das Festival begonnen, kam am Freitag Nachmittag die Durchsage: Das Festival wird wegen Terrorwarnung abgesagt!

Die Punkgruppe „Broilers“ mussten vorzeitig die Bühne verlassen, „Rammstein“ und „Marteria“ durften erst gar nicht antreten. Vorbildlich räumten 87.000 Fans das Gelände und schlenderten in Richtung ihrer Zelte. Trotzdem war von Trübsal nichts zu sehen und eine eindeutige Haltung machte sich breit::

Ihr könnt uns nicht die Stimmung verderben! 

Den Satz „Eins kann mir keiner“ der Gruppe „Geier Sturzflug“ hörte man an diesem Abend von allen Seiten und fast übertonte das Singen der Gäste sogar die Rotorblätter der umherfliegenden Helikopter.

Am Samstag Morgen gab es eine Pressekonferenz und der Veranstalter Marek Lieberberg verkündete die freudige Nachricht: Die Gefahr ist gebannt, alles geht weiter wie geplant!

Spätestens bei „Sum 41“ am Nachmittag waren fast alle Zeltbewohner wieder auf den Beinen, wer harten Rap aus Ohio bevorzugte, machte sich direkt auf den Weg zu „Machine Gun Kelly“ auf der Crater Stage. Anschließend konnten die „Broilers“ ihren Auftritt vom Vorabend doch noch zu Ende führen, was die Stimmung nochmals anheizte.

Spätestens bei den „Beatsteaks“ waren dann auch alle Hände in der Höhe, die Berliner Band machte ihrem Ruf, eine der besten Livebands der Republik zu sein, alle Ehre.

Auch ein vorübergehender Regen mit Sturmböen konnte ihnen nichts anhaben und die „Toten Hosen“ auf der Volcano Stage gaben alles – zeitgleich mit den „Beginner“, die zeigten, dass sie auch nach über 25 Jahren immer noch zu den fittesten Hiphoppern des Landes gehören.

Man fragte sich, ob diese Party noch zu toppen wäre, zumal viele Zuschauer wegen des Regens nur wenig geschlafen hatten.

Aber es ging!

Am Sonntag Morgen sah man zunächst in viele müde Gesichter, ob liegend, stehend oder tanzend. Aber nicht für lange. Bald war wieder die Energie zu spüren, die dieses Festival ausmacht.

Es wurde weitergetanzt, ob bei „Chefboss“, den Dancehall/Elektro-Newcomerinnen aus Hamburg, oder einer der zwei Überraschungen des Tages: „Marteria“ gab kurzfristig bekannt, dass er seinen Auftritt unbedingt nachholen wolle, und so setzte dieser sich kurz vor seinem Auftritt bei Rock im Park (dieses Musikfestival fand zeitgleich in Nürnberg statt) in den Privatflieger, um noch schnell am Ring vorbeizuschauen. Rock am Ring und Rock im Park innerhalb von sieben Stunden: Das dürfte ein neuer Rekord sein.

Was war die zweite Überraschung am Sonntag Abend? Definitiv die „Prophets of Rage“, die es nicht nur schafften, die größten Rage Against The Machine-Klassiker wieder zum Leben zu erwecken, sondern auch ihr gemeinsamer Auftritt mit Serj Tankian, Sänger von System Of A Down, die eigentlich erst danach auf dem Spielplan standen. Für ihren gemeinsamen Freund und Bandkollegen Chris Cornell, der am 18. Mai verstorben war, interpretierten sie den letzten seiner Songs: „Like A Stone“ von Audioslave.

Genau zu diesem Zeitpunkt verschwanden plötzlich die Wolken vom Himmel um einem wunderschönen Sonnenuntergang Platz zu machen. Das brachte das eine oder andere harte Rockergemüt ins Wanken und nicht nur eine Träne wurde bei den Fans aus dem Augenwinkel gewischt.

Doch wer gedacht hatte, das Festival wäre nun zu Ende, hatte weit gefehlt: Die letzten Bands warteten noch hinter der Bühne auf ihren Auftritt. Und so schallte anschließend die unverwechselbare Stimme von Henning May („Annen May Kantereit“) über das Gelände, bis dann der wirklich letzte Act des Festivals noch einmal richtig aufdrehen durfte. „Macklemore & Ryan Lewis“ dürfen für sich in Anspruch nehmen, noch den letzten Rest an Tanz- und Feierenergie aus dem Ring geholt zu haben.

Und auch hier gab es wohl einen neuen Rekord: Als Macklemore darum bat, dass alle Besucher sich an den Händen fassen sollen, um ihre Handys für einen kurzen Moment aus ebendiesen zu nehmen und in die Luft zu springen, fühlte man, wie die Erde noch ein letztes Mal erbebte, bevor um 2 Uhr am Montagmorgen der „Rock am Ring“ 2017 friedlich zu Ende ging.

14 Bilder: Gruppe „Beatsteaks“, Rock am Ring 2017, Foto: Philipp Haas

 

Nora Henze

Author: Nora Henze

Radio- und Eventmoderatorin, Musikredaktion TV und Online