Salzburger Festspiele 2017

Salzburger Festspiele 2017 - Jedermann - Tobias Moretti © Salzburger Tourismus/ Hartmann

Salzburger Festspiele 2017

 

Von Karin Jacobs.Zander

12.7.2017

Große Namen, große Programme, große Erwartungen und ein neuer Jedermann!

Salzburg ist schon eine Welt für sich, wenn damit nicht nur die kleine, idyllische Stadt an der Salzach gemeint ist, sondern das Kulturprodukt, das in jedem Sommer mit einer so hochkarätigen Elite-Mannschaft von Künstlern auf sich aufmerksam macht, dass man irgendwann doch der Neugier nachgibt. Ja – einmal sollte man seine Siebensachen packen und sich aufmachen ins Elysium der Hochkultur. Und dann, einmal gelandet, einmal von den Massen in der Getreidegasse fast zu Tode gedrückt, einmal im „Goldenen Hirschen“ einen Tafelspitz verzehrt, im „Schosswirt“ in Anif Seite an Seite mit einem verehrten Schauspieler getafelt, einmal schließlich auf dem Domplatz diese eine Stimme gehört, die man nicht mehr vergessen wird „JEDERMANN!“ , einmal im Großen Festspielhaus auf der unendlichen Breite der Bühne ganz große Oper erlebt – und man wird wieder kommen, zumindest aber wird man jeden Sommer erneut ein wenig wehmütig an die schönen Tage von Salzburg zurückdenken und überlegen, ob man nicht im nächsten Jahr vielleicht….

Salzburg Hofstallgasse © Tourismus Salzburg

In diesem Jahr lohnt es aus einem ganz besonderen Anlass , denn es gibt wieder einmal das, was einzig in Salzburg für eine dermaßen große Erregung sorgen kann, dass dahinter die Erwartungen an all die vielen anderen grandiosen Musik- und Theaterereignisse in die zweite Reihe zurück treten müssen:

Heuer ( deutsch: in diesem Jahr) gibt es einen neuen „JEDERMANN“!

Geplant war das nicht so ganz, denn eigentlich sollte nur die Titelrolle samt Buhlschaft ausgetauscht werden. Doch wer sich auf den Tiroler TOBIAS MORETTI als Jedermann einlässt , kann sicher sein, dass dieser Schwierige nicht in eine Inszenierung hinein springt, in der er selbst nicht kräftig mit gemischt hat. Ergo gab es einen neuen Regisseur, Michael Sturminger , ein neues Konzept und heraus kommen wird vielleicht endlich, zum ersten Mal, möglicherweise ein Stück, das nicht das Mittelalter auf den Domplatz des 21. Jahrhunderts zerrt, sondern zeitgenössisch modern das ewige Thema vom Sterben und Schuldigwerden, von Buße und Vergnügen , von Gott und Teufel mit Leben erfüllt.

„Befruchtend, gut und von Neugier beseelt“ – so beschreibt Tobias Moretti die bisherigen Probenwochen. Im kleinen Rahmen – sprich auf der Probebühne – funktioniere das, was da im Vorhinein „herumgekopft“ wurde bereits sehr gut, sagt der Schauspieler. Nun sei er gespannt, ob das, was in diesem intimen Rahmen zwischen den Figuren geschaffen werden konnte, sich auch am Domplatz umsetzen lasse und vielleicht sogar potenziert werde. Nun ja, gespannt sind wir alle und hoffen auf gutes Premierenwetter, ein paar Restkarten an der Abendkasse für die Liebhaber, die sich zu spät entschlossen haben und natürlich auf ein spielfreudiges Ensemble vor der aufregenden Kulisse des Doms. Die Bühne wird – soviel sei schon mal verraten – zum ersten Mal einen Vorhang bekommen! Ungeheuerlich allein diese Vorstellung, die uns beben macht. Tobias Moretti, diesem widerspenstigen, manchmal genialen, manchmal komplizierten Theaterkünstler gilt das besondere Toi Toi Toi für den Auftakt der Festspiele.

Domplatz © Tourismus Salzburg

Am 21. Juli 2017 Eröffnung der Salzburger Festspiele mit der Premiere um 21 Uhr (bei schlechtem Wetter im Festspielhaus)
JEDERMANN
von Hugo von Hofmannsthal
Regie: Michael Sturminger
Komposition und musikalische Leitung: Mathias Rüegg
Mit: Tobias Moretti (Jedermann), Stefanie Reinsperger (Buhlschaft), Peter Lohmeyer (Tod), Mavie Hörbiger (Werke), Johannes Silberschneider (Glaube), Edith Clever (Jedermanns Mutter)

Tobias Moretti („Jedermann“) © Christian Hartmann

 

Die weiteren Highlights

OPER

Traditionell glänzen die Salzburger Festspiele besonders hell durch die großen Namen der Opernwelt, die sich hier ein jährliches Klassentreffen geben. Das lockt die Kenner der Szene an die Salzach, ebenso die Welt-Presse, die Fans der Stars und natürlich die Schickeria, die vor und nach den eigentlichen Bühnen-Events ihrerseits ihre großen Auftritte samt Blitzlichtgewitter und Kurzinterviews hat. Was wäre das Salzburger Flair ohne diese schönen Schmetterlinge des Boulevards! Einige Opernstars kommen selten, andere scheinen ein Abonnement auf ihre Lieblingsrollen im Großen Festspielhaus zu haben. Anna Netrebko gehört zu den letzteren und immer ist ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit und Begeisterung sicher. In diesem Jahr wird sie – teilweise an der Seite ihre Ehemanns Yusif Eyvazov –  als Aida ein Highlight des Festival-Programms setzen.

Grosses Festspielhaus © Luigi Caputo

Am 27. Juli 2017 (Neuinszenierung)
Felsenreitschule
LA CLEMENZA DI TITO (1791)
Von Wolfgang Amadeus Mozart
Musikalische Leitung: Teodor Currentzis
Regie: Peter Sellars
Mit Russell Thomas (Tito/ Titus), Golda Schultz (Vitellia), Christina Gansch (Servilla), Marianne Gansch (Sesto)
Chor: musicaeterna

Am 19. August 2017 um 20.15 Uhr wird „LA CLEMENZA DI TITO“ auf dem Kultursender 3sat ausgestrahlt.

Teodor Currentzis © Olya Runyova

Der seit einiger Zeit wie ein Popstar gefeierte Dirigent Theodor Currentzis gibt hiermit sein Salzburg Debüt. Der griechische Currentzis ist Leiter der Oper im russischen Perm, nahe dem Ural. Die Berliner kennen ihn durch mehrere spektakuläre Auftritte, besonders seine 5. Sinfonie von Beethoven, gespielt am 17.1.2016 im Radialsystem.
Hier die Aufzeichnung auf unserem Youtube Kanal kultur24.berlinTV:

 

Am 2. August 2017 (Neuinszenierung)
Großes Festspielhaus
LADY MACBETH VON MZENSK (1932)
von Dmitri Schostakowitsch
Musikalische Leitung: Mariss Janson,
Regie: Andreas Kriegenburg (Deutsches Theater Berlin)
Wiener Philharmoniker
Mit: Nina Stemme (Ehefrau Katarina), Dmitry Ulyanov (Schwiegervater Boris), Maxim Pastor (Ehemann Sinowi), Brandon Jovanovich (Liebhaber Sergej)

Nina Stemme © Neda Navaee

Am 6. August 2017 (Neuinszenierung)
Großes Festspielhaus
AIDA (1871)
von Giuseppe Verdi
Musikalische Leitung: Riccardo Muti
Regie: Shirin Neshat
Shirin Neshat gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen. Sie wurde 1957 im Iran geboren und lebt heute in New York. Sie arbeitet hauptsächlich mit Film und Fotografie. 1999 gewann sie den Internationalen Preis auf der Biennale in Venedig und 2009 erhielt sie bei den Filmfestspielen in Venedig den Regiepreis für „Women without men“. 2013 war sie in der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Berlin.

Shirin Neshat © Ashton Harris

Mit: Anna Netrebko (Aida), Ekaterina Semenchuk (Amneris), Fancesco Meli (Radames), Roberto Tagliani (Der König).
Im Fernsehen: Die Inszenierung wird als Aufzeichnung im Fernsehen zu sehen sein:
Am 12. August 2017 um 20.15 Uhr auf Arte
Am 25. August 2017 um 23.00 Uhr im ZDF

Anna Netrebko © Kirk Edwards

Am 8. August 2017 (Neuinszenierung)
Haus für Mozart
WOZZECK (1922)
von Alban Berg
Musikalische Leitung : Vladimir Jurowski
Regie: William Kentridge
Wiener Philharmoniker
Mit: Matthias Görne (Wozzek), John Daszek (Tambourmajor) , Mauro Peter (Andres), Gerhard Siegel (Hauptmann), Asmik Grigorian (Marie)
Wiener Staatsopernchor

Vladimir Jurowski © Sheila Rock

Am 11. August 2017
Großes Festspielhaus
Konzertante Aufführung von
I DUE FOSCARI (1844)
von Giuseppe Verdi
Musikalische Leitung: Michele Mariotti
Mit: Placido Domingo (Francesco Foscari), Joseph Calleja (Jacopo Foscari), Maria Agresta (Lucrezia Fontanini), Roberto Tagliavini (Jacopo Loredano),

Placido Domingo © Greg Gorman

Am 16. August 2017 (Wiederaufnahme)
Haus für Mozart
ARIODANTE (1734)
von Georg Friedrich Händel
Musikalische Leitung: Gianluca Capuano
Regie : Christof Loy
Mit: Cecilia Bartoli (Ariodante), Kathryn Lewek (Ginevra), Christophe Dumaux (Polinesso), Sandrine Piau (Dalinda), Nathan Berg (König von Schottland),
Die großartige Cecilia Bartoli in einer Hosenrolle…

Cecilia Bartoli als Ariodante @ Monika Ritterhaus

Am 20. August 2017 (Neuinszenierung)
Felsenreitschule
LEAR (1978)
von Aribert Reimann
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Regie: Simon Stone
Simon Stone, das neue Regie-Genie des Wiener Burgtheaters, der letztes Jahr nach Basel wechselte und bereits zweimal nacheinander zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen wurde (mit dem Stück „John Gabriel Bormann“, kultur24 berichtete). Wie inszeniert Simon Stone eine zeitgenössische Oper?
Mit: Gerald Finley (König Lear), Tilmann Rönnebeck (König von Frankreich), Derek Welton (Herzog von Albany), Michael Colvin (Herzog von Cornwall), Anna Prohaska (Cordelia).

Die Felsenreitschule © Oskar Anrather

Am 27. August 2017
Großes Festspielhaus
Konzertante Aufführung von
LUCREZIA BORGIA (1833)
von Gaetano Donizetti
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Mozarteumorchester Salzburg
In den Hauptrollen: Juan Diego Florez (Gennaro), Krassimira Stoyanova (Lucrezia Borgia), Ildar Abdrazakov (Don Alfonso), Teresa Iervolino (Maffio Orsini)

Juan Diego Florez © Wikipedia/ Morgenesser

THEATER

Neben der schillernd – glänzenden Welt der Oper bieteten die Salzburger Festspiele in jedem Jahr, so auch heuer, herausragende Theaterproduktionen an, in denen anspruchsvolle Stücke, bekannte Regisseure (- innen) und herausragende Schauspieler an verschiedenen Spielorten zeigen, dass Festival-Theater durchaus nicht beliebig oder gefällig sein muss. Es lohnt sich immer, auf die Perner- Insel nach Hallein zu fahren (und bitte anschließend in Anif, dem ehemaligen Wohnort von Herbert von Karajan, in einem der bezaubernden Restaurants – „Schlosswirt“ oder „Hotel Friesacher“ bieten sich an- den Abend unter alten Linden und Kastanien ausklingen zu lassen) oder im sympathisch unspektakulären Salzburger Landestheater die Stücke der Festspielsaison anzuschauen.

Salzburger Landestheater © Karl Forster

Am 28. Juli 2017 (Neuinszenierung, Koproduktion mit dem Burgtheater Wien)
Salzburger Landestheater
DIE GEBURTSTAGSFEIER
Von Harold Pinter
Regie: Andrea Breth
Mit:  Pierre Siegenthaler (Petey), Nina Petri (Meg), Max Simonischek (Stanley).
Der britische Theaterautor Harold Pinter wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet. 2005 wurde ihm der Literatur – Nobelpreis verliehen. In den 1980er Jahren begann sein politisches Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen, das bis zu seinem Tod in London im Dezember 2008 anhielt.

Am 17. August 2017 (Neuinszenierung)
Perner Insel, Hallein
LULU (1894)
Von Frank Wedekind
Regie: Athina Rachel Tsangari
Mit: Anna Drexler (Lulu), Martin Wuttke (Dr. Franz Schöning), Rainer Bock (Dr. Goll), Christian Friedel (Alwa Schöning), Fritzi Haberlandt (Gräfin Geschwitz).
Die berühmte Geschichte der lasterhaften Lulu, die gleichzeitig Täter und Opfer ist.
Bei der Regisseurin Athina Rachel Tsangari wird Lulu von drei Darstellerinnen gespielt: Anna Drexler (von den Münchner Kammerspielen), Isolda Dychauk (bekannt aus der Fernsehserie „Die Borgias“, bei der sie Lucrezia Borgia spielte) und Ariane Labed. Ebenfalls dabei: Martin Wuttke von der Volksbühne Berlin. Athina Rachel Tsangari ist eine griechische Filmregisseurin und war 2013 Mitglied der Jury bei der Berlinale, wie auch Shirin Neshat (siehe oben).

Isolda Dychauk („Lulu“) © Hannes Caspar

 

KONZERTE

Zugegeben sehr willkürlich ist aus Platzgründen die Nennung nur eines der unzähligen Konzerte – von Kammermusikabenden über den Liederabende bis zu den großen Symphoniekonzerten gibt es eine Überfülle der berühmtesten Musiker, der hervorragendsten Ensembles und der herrlichsten Programme – nämlich das eine, das ich, hätte ich nur einen Konzert-Wunsch frei, wählen würde:

Am 23. August 2017
Großes Festspielhaus
MARTHA ARGERICH UND DANIEL BARENBOIM
spielen Werke von Wolfgang Mozart und Claude Debussy.
Für dieses geniale Klavierduo gibt es nur eine Meinung: besser geht’s nicht!

Hier unser Video auf kultur24.berlinTV, welches nur den Applaus für dieses wunderbare Paar bei ihrem Konzert in der Berliner Philharmonie zeigt:

 

Karin Jacobs-Zander

Author: Karin Jacobs-Zander

Karin Jacobs-Zander, Dramaturgin und Autorin der Bücher „Lebenslotsen“ und „Wo München am schönsten ist“ aus dem Ellert & Richter Verlag, lebt in München als freie Journalistin