Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere

Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere

 

PREMIERE von „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ an der Komischen Oper am 14.3.2015 in der Choreographie von Nacho Duato.

Staatsballett Berlin

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂   (fünf von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs

17.3.2015. Wer sich noch erinnert an meine Rezension vom 19.2.2015 über das Ballett „Dornröschen“ und meine Frage, ob man denn Ballett nicht etwas moderner choreographieren könnte, als das, was dort zu sehen war, dem kann ich jetzt sagen: Seht her, das meinte ich!

Worum geht es?

Der neue Berliner Staatsopernchef Nacho Duato hat sowohl das „Dornröschen“ Ballett vor kurzem an der Deutschen Oper einstudiert, wie auch jetzt diese „Vielfältigkeit“ choreographiert, mit dem Zusatz, das es sich beim letzteren um sein eignes Stück handelt. Und das eigene gefällt mir deutlich besser. Wie ich gestehen muss, mag ich nicht besonders dieses Tutu-Gehopse. Der professionelle Tänzer mag meine Ausdrucksweise entschuldigen, aber ich habe in jüngeren Jahren mal selber Modern Dance getanzt, an der Ivason Dance Companie in München in den 80er Jahren. Der eine oder andere von Euch kennt vielleicht noch diesen Namen. Eine Kollegin von mir aus dieser Zeit, Barbara Kaufmann, ging später zu Pina Bausch nach Wuppertal. Das heißt, mir liegt der moderne Tanz einfach mehr als der klassische. Aber welche Freude: Nacho Duato beherrscht zu mindestens beides und so freue ich mich sehr, in Zukunft hoffentlich mehr dieser modernen Form des Tanzes bei ihm zu erleben.

Rezension:

Das Stück „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ war vor 15 Jahren eine Auftragsarbeit für die Stadt Weimar, als diese 1999 Europäische Kulturhauptstadt wurde. Seitdem wird es immer wieder aufgeführt, z.B. 2010 in München mit dem Bayerischen Staatsballett. Und immer mit großem Erfolg. Wie aber ist die Choreographie aufgebaut und wobei geht es bei diesem Stück? Es ist eine Hymne an die Musik, oder besser an die Musik von Johann Sebastian Bach. Während Nacho Duato in jungen Jahren, damals noch Tänzer am Nederlands Dans Theater bei Jiri Killian, zunächst seine Stücke der Musik seines Heimatlandes Spanien widmete, ist es dieses Mal die Deutsche Barockmusik.

In 23 einzelnen kleinen Passagen mit vielen Kantaten, Suiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach wird Tanz in immer neuen Variationen präsentiert. Vorne an steht der Maestro Bach (Michael Banzaf) selbst, der seine Musiker/Tänzer anführt und dirigiert. Mal mit dem ganzen Ensemble (über 30 Tänzer und Tänzerinnen), mal als Pas-de-deux, mal als kleinerer Gruppe. Immer wieder gibt es neue Variationen des Tanzes mit der Musik. Besonders herausragend sind die Passagen, bei der Bach mit einer geheimnisvollen Maskierten (Star-Tänzerin Polina Semionova) tanzt. Wunderschön und sehr erotisch. Oder auch der Moment, wenn Bach mit einem imaginären Cello spielt, dargestellt von einer Tänzerin (Giuliana Bottino). Dies ist vielleicht sogar der Höhepunkt des Abends. Tolle Idee, sehr gut ausgeführt und sehr musikalisch mit der Musik (Bach’s Cello Sonate No.1 G-Dur 1. Satz) umgesetzt, einfach hinreißend. Könnte ich mir den ganzen Tag ansehen. Was ich außerdem gut finde: Weibliche und männliche Erotik sind sehr gut herausgearbeitet, besonders die Männer dürfen hier mal wirklich männlich sein. Deshalb funktioniert der Abend auch so gut: Der Mann, die Frau, die Musik, die Erotik des Tanzes – ein durch und durch gelungener Ballettabend – mehr davon!

"Vielfältigkeit" - Foto: Holger Jacobs

47 Bilder: „Vielfältigkeit“ – Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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