Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden Berlin © Holger Jacobs

Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden

 

Von Holger Jacobs

24.4.2017

Kaum etwas in der Welt der Musik und der Oper wird zurzeit mit solcher Spannung erwartet wie die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Das zwischen 1741 und 1743 vom Architekten Knobelsdorff im Auftrag Friedrich des Großen erbaute Opernhaus war bei seiner Eröffnung das größte und schönste Haus seiner Zeit auf der ganzen Welt. Und das erste freistehende Operngebäude überhaupt.

Nach vielfacher Umgestaltung bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde es im 2. Weltkrieg gleich zwei Mal stark beschädigt. Durch den Architekten Richard Paulick gelang 1953 ein Wiederaufbau mit deutlich veränderter Bauweise (und ausladender Ornamentik) im Zuschauerraum.

Nach der Jahrtausendwende gab es abermals den Wunsch einer Veränderung, zumal die Bühnentechnik der 50er Jahre nicht mehr zeitgemäß war und ohnehin hätte saniert werden müssen. Nach einer ersten Ausschreibung gewann der Architekt Klaus Roth, der aber den Zuschauerraum von Paulick komplett verändern wollte. Daraufhin kam es zu großen Protesten, die zu einer erneuten Ausschreibung führten.

Den 2. Wettbewerb gewann 2009 das Architekturbüro Merz aus Stuttgart. Es sah die Erhaltung des großen Saales vor, nur die Decke sollte um 4 Meter wegen eines besseren Nachhalleffektes (1,6 Sek.) angehoben werden. Baubeginn war 2010, die Fertigstellung war für 2013 vorgesehen.

Doch ähnlich wie beim Flughafen BER musste die Eröffnung ein ums andere Mal verschoben werden. Zwischendurch war 2015 das Ziel gewesen. Doch auch dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Zusätzlich stiegen die Kosten von ehemals 200 Millionen jetzt auf 400 Millionen Euro.

Heute, am 24. April 2017, luden die Hauptverantwortlichen zu einer Pressekonferenz im bereits fertig gestellten Intendanzgebäude hinter der katholischen Kirche. Anwesend waren der neue Kultursenator Dr. Klaus Lederer (Die Linke), Noch-Intendant Jürgen Flimm, der designierte Nachfolger Matthias Schulz (ab Spielzeit 2017/ 18), Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. Das Statement von Klaus Lederer könnt Ihr hier auf kultur24.berlinTV sehen.

Neuer und nun endgültiger Termin zur Wiedereröffnung der Lindenoper ist jetzt der 3. Oktober 2017. Doch danach, wie Jürgen Flimm sagte, wird erst einmal der Betrieb wieder eingestellt, um eventuelle Mängel noch zu beseitigen.

Erst am 7. Dezember 2017 beginnt der reguläre Spielbetrieb.

Am 14. Juli 2017 ist die letzte Vorstellung im Schillertheater an der Bismarckstrasse. Danach wird dort das Haus umgebaut für die Aufnahme der Komödie, die aus ihren Räumen am Kudamm für unbestimmte Zeit weichen muss.

Zum Schluss fragte ich Jürgen Flimm, wie für ihn und sein Ensemble die sieben Jahre im Schillertheater gewesen wären?

Intendant der Staatsopern Jürgen Flimm bei der Pressekonferenz, Staatsoper Unter den Linden © Holger Jacobs

Er antwortete, dass, anders als erwartet, die Zeit im Schillertheater allen viel Freude gemacht hätte und man schon jetzt mit etwas Wehmut zurückblicken würde. Auch wenn das Schillertheater eigentlich nur für Sprechtheater vorgesehen war, so hätte das Haus doch eine fast perfekte Proportion von Bühne und Zuschauerraum, wodurch ein erstaunlich guter Klang gerade für die Oper erzielt wird.

So bleibt eine Träne für die Erinnerung an das Schillertheater und ein frohes Erwarten auf die Zukunft an der neuen/ alten Staatsoper Unter den Linden.

Zum Schluss gab es gestern den spannendsten Teil:  die Begehung der Baustelle der Staatsoper. Unser Video zeigt einen Rundblick auf den Zuschauerraum.

Und hier die ersten 25 schönsten Bilder aus dem Innenraum und den Wandelgängen kurz vor Ende der Bauphase:

25 Bilder: Die Staatsoper Unter den Linden in Berlin nach der Renovierung © Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist