ZERO Die Kunstbewegung

ZERO Die Kunstbewegung – Martin-Gropius-Bau – 2015

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂     (vier von fünf möglichen)

25.3.2015. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin wird zurzeit die umfangreichste Ausstellung der Kunstbewegung ZERO gezeigt. Eröffnung war am Samstag, den 21.3.2015.

Worum geht es?

Als der 2. Weltkrieg 1945 zu Ende war, waren nicht nur die Großstädte in Deutschland zerstört, sondern auch viele Museen und deren Kunstschätze. Und ein ganz wichtiger Bereich, die Kunstrichtungen, die ab 1910 entstanden waren, wie der Kubismus, Konstruktivismus, Expressionismus, Neue Sachlichlichkeit, Les Fauves, Surrealismus, sind von den Nazis aus den Museen verbannt, zerstört oder in alle Windrichtungen verkauft worden. In dieser Zeit der „Stunde Null“ nach dem Krieg, war es auch für die Künstler und Kunstschaffenden sehr schwer sich neu zu formieren, neue Ansätze zu finden und überhaupt Neues zu schaffen. Mitte der 50ere Jahre fanden sich die Künstler Otto Piene und Heinz Mack in einem Atelier Düsseldorf zusammen, um dort Ausstellungen für sich und andere zu organisieren. Am 24. April 1958 fand die 7. Ausstellung unter dem Motto „Das rote Bild“ statt zu der eine Zeitschrift veröffentlicht wurde, die „ZERO 1“ hieß. So entstand ein Name, der später der Begriff für eine ganze Kunstbewegung wurde. Man wollte von Null anfangen, ohne den Ballast früherer Jahre. Die Techniken waren reine Farben, Licht, Stoff, Metall, manchmal auch Feuer und Ruß, wie bei Otto Piene und Yves Klein. Der Nagel-Künstler Günther Uecker kam 1961 dazu.

In diesen Ausstellungen in der Gladbacherstr. 69 in Düsseldorf wurden u.a. die Künstler Karl Fred Dahmen, Rupprecht Geiger, Gotthard Graupner, Konrad Klappheck bis Frei Otto (Pritzker-Preis Träger in der Architektur, vor einer Woche verstorben) gezeigt. Fast alle von Ihnen sind heute hoch geschätzt und bringen 6-stellige Eurobeträge auf internationalen Auktionen. Intensive Kontakte gab es außerdem zu den Nouveaux Realistes in Frankreich (besonders zu Yves Klein), Jean Tinguely und Daniel Spoerri in der Schweiz und Lucio Fontana in Italien, der mit seinem Manifest von 1946 über die Bedeutung vonL icht, Klang und Bewegung in der Kunst ein Wegbereiter des ZERO – Gedankens war.

1960 gab es eine erste umfangreiche Ausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam und 1961 zeigte der Galerist Alfred Schmela in seiner Galerie in Düsseldorf die Ausstellung „ZERO – Edition, Exposition, Demonstration“. 1964 wurden die Arbeiten zum ersten Mal in den USA in der New Yorker Howard Wise Gallery gezeigt und danach in der Washington Gallery of Modern Art. Viele weitere folgten. Aber erst in den letzten Jahren erobern diese Künstler auch die Auktions-Märkte und die Preise schießen plötzlich nach oben. Letztes Jahr die große Ausstellung von Otto Piene in der Neuen Nationalgalerie in der Berlin (siehe dazu auch meinen Bericht auf kultur24.berlin). Und jetzt die große Show im Martin-Gropius-Bau.

1966, nach einer letzten Aktion im Bahnhof Rolandseck bei Bonn am Rhein, löste sich die Gruppe auf. Piene ging als Professor an das MIT nach Massachusetts/USA, die anderen arbeiteten weiter an ihren eigenen Projektes. Bis 1966 waren insgesamt 55 ZERO-Ausstellungen entstanden mit bis zu 130 beteiligten Künstlern.

Die ausgezeichnete Ausstellung ist noch bis zum 8. Juni 2015 zu sehen. Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße 7 in 10963 Berlin. Öffnungszeiten Mi – Mo 10 – 19 Uhr.

ZERO - Die Kunstbewegung im Martin-Gropius-Bau in Berlin - Foto: Holger Jacobs

ZERO – Die Kunstbewegung im Martin-Gropius-Bau in Berlin – Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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