BELSHAZZAR von Händel in der Komischen Oper Berlin

Belshazzar - Komische Oper - ph: Holger Jacobs

BELSHAZZAR von Händel in der Komischen Oper Berlin

 

Von Holger Jacobs

28.03.2026

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

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Ein barockes Oratorium zu Ostern 2026 in Berlin

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Barock-Musik.
Dieses Stakkato-ähnliche Hoch und Runter der Töne, besonders in den Arien, gefällt mir nicht besonders und die sich immer wiederholenden Rhythmen der Musik eines JOHANN SEBASTIAN BACH auch nicht.
Meine Favoriten sind mehr die Klassiker, wie Mozart und Beethoven oder die Romantiker, wie Berlioz, Gounod und Bizet bis Puccini.
Doch ein Enfant Terrible wie HERBERT FRITSCH („Der Die Mann“, „Pfusch“, „Pferd frisst Hut“) als Regisseur macht mich neugierig, wie er wohl ein 280 Jahre altes Oratorium inszenieren würde.

Herbert Fritsch, Hamburger Staatsoper 2022 -CC-Wikimedia Commons

Um es gleich vorneweg zu nehmen:
Es ist HERBERT FRITSCH außerordentlich gut gelungen, diese biblische Sodom-und Gomorra-Geschichte lebendig und durchaus auch fröhlich zu gestalten, zumal der Tyrann ja am Ende stirbt und alle beruhigt nach Hause gehen können.

Beruhigt nach Hause gehen?
Während ca. 500 vor Christi in Babylon der damalige Herrscher BELSHAZZAR ermordet wurde und die Perser die Macht übernahmen, liefern sich heute, nur wenige 100 Kilometer vom biblischen Babylon entfernt wieder echte Diktatoren und Möchtegern-Diktatoren einen Krieg, der Auswirkungen auf die gesamte Welt hat.

Iran, Persischer Golf, Strait of Hormuz -CC-Wikimedia

In 3000 Jahren haben die Menschen anscheinend nichts dazugelernt.
Umso schöner, wenn wir wenigstens auf der Bühne die Tyrannen vernichten können!
„No Kings“

„Belshazzar“ von Georg Friedrich Händel

Historisch geht die Handlung auf Belshazzar, den Sohn des Königs Nabonid von Babylonien 543 v.Chr. zurück, der für kurze Zeit die Geschäfte seines Vaters übernahm. Nach dessen Rückkehr dauerte es keine drei Jahre mehr, bis die Perser Babylonien überfielen und Nabonid getötet wurde.
Von Belshazzar ist danach nichts mehr bekannt.

Babylonia, 600 BC -CC-Wikimedia Commons

Das Alte Testament aber berichtet in dem Buch DANIEL von einem König BELSHAZZAR in Babylonien, der von Gott bestraft wird.

Robert Murray, „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Darin wird erzählt, dass Belshazzar ein großes Fest gab, bei dem er die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft beleidigte.

Daniel (Ray Chenez), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Kurz darauf erschien eine Schrift an der Wand mit den Worten „Mene Tekel Uparsin“, was keiner der Anwesenden zu deuten vermag.
Belshazzars Mutter läßt darauf den Gelehrten DANIEL holen, der in den Worten liest, dass Belshazzar sterben und Babylonien zwischen Persern und Medern aufgeteilt wird.

Nitocris (Soraya Mafi), Daniel (Ray Chenez), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Noch in derselben Nacht bewahrheitet sich das Orakel: Belshazzar stirbt und die Perser überfallen Babylonien.

„Belshazzar“ by Rembrandt, ca. 1638 -CC-Wikimedia

Diese biblische Geschichte wurde in den letzten Jahrhunderten als Hintergrund für viele künstlerische Bearbeitungen genutzt (z.B. von REMBRANDT).

So auch von GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
In HÄNDELS Oratorium, welches 1745 im King’s Theatre in London uraufgeführt wurde (deshalb ist der Original-Text auf Englisch),  liegt das persisch-medische Heer schon vor den Toren der Stadt, angeführt von dem Kommandeur Cyrus (SUSAN ZARRABI).
Zusammen mit dem assyrischen Anführer Gobrias (PHILIPP MEIERHÖFER) wollen sie die Stadt während des SESACH-Festes überfallen.
Der jüdische Prophet Daniel (RAY CHENEZ) begrüßt diese Initiative, weil er hofft, dass dadurch die Juden aus der Knechtschaft der Babylonier befreit werden.
Die göttliche Vorhersagung versetzt die Babylonier in Angst und Schrecken.
Aber auch die Mutter von Belshazzar (ROBERT MURRAY), Nitocris (SORAYA MAFI) kann den Tod ihres Sohnes nicht mehr verhindern.

Meine Kritik

Wie üblich bei Regisseur HERBERT FRITSCH ist alles bunt, laut und knallig.
Von Slap-Stick-Einlagen bis zu ernsthaften Passagen wird die ganze Palette von heiteren und traurigen Emotionen präsentiert.

Stimmlich hat mich besonders die britische Sopranistin SORAYA MAFI als Mutter Nitocris begeistert.
Ihre helle, klare Stimme erklingt glockenartig durch den Zuschauerraum und ihr Spiel als trauernde Mutter ist überzeugend.

Belshazzar (Robert Murray), Nitocris (Soraya Mafi), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Der britische Tenor ROBERT MURRAY spielt den durchgeknallten König sehr realistisch, ist stimmlich aber nicht so stark wie seine britische Kollegin.
RAY CHENEZ‘ (Daniel) Kastratenstimme ging mir ein bisschen auf die Nerven, sollte aber wohl so sein.
SUSAN ZARRABI als Cyrus war am Premierenabend etwas indisponiert, machte ihre Sache aber trotz leichter Erkältung gut.

Cyrus (Susan Zarrabi), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Toll wie immer bei FRITSCH seine Kostüme.

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Sie passen zu dem komödiantischen Grundton der Inszenierung.
Ebenso sein Bühnenbild, welches nur aus einer breiten Treppe besteht, aber sehr dramatisch eingesetzt werden kann.

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Herrlich anzuhören die Chorsolisten der Komischen Oper und die Sängerinnen und Sänger des Vocalconsort Berlin.
Dirigent GEORGE PETROU schaffte es brillant die hektische Stimmung der Szenerie musikalisch umzusetzen.
Überhaupt ist die Chormusik (Chorleiter David Cavelius) an diesem Abend der eigentliche Star.
Tolle Melodien, von dramatisch bis melancholisch.

Fazit: Auch für Skeptiker von religiösen Oratorien ein Hörgenuss (siehe mein Video).
Und für das Auge bietet HERBERT FRITSCH genug an Dramatik und Spannung.
Die richtige Unterhaltung also für das lange Osterwochenende.

Hier mein Video-Trailer von „Belshazzar“:

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

 

English Text

 

 

Belshazzar by Handel at the Komische Oper Berlin

 

By Holger Jacobs

March 28, 2026

Rating: 🙂 🙂 🙂 🙂 (four of five)

A Baroque oratorio at Easter 2026 in Berlin

Actually, I’m not a big fan of Baroque music.
I don’t particularly like the staccato-like ups and downs of the notes, especially in the arias, nor the constantly repeating rhythms of Johann Sebastian Bach’s music.
My favorites are more the Classics, like Mozart and Beethoven, or the Romantics, like Berlioz, Gounod, and Bizet up to Puccini.
But an enfant terrible like Herbert Fritsch („Der Die Mann“,  „Pfusch“,  „Pferd frisst Hut“) as a director makes me curious to see how he would stage a 280-year-old oratorio.

Herbert Fritsch, Hamburger Staatsoper 2022 -CC-Wikimedia Commons

To get straight to the point:
Herbert Fritsch has succeeded exceptionally well in bringing this biblical Sodom and Gomorrah story to life in a lively and even cheerful way, especially since the tyrant dies in the end and everyone can go home reassured.

To go home reassured?
While around 500 BC, the ruler of Babylon, Belshazzar, was murdered and the Persians took over, today, just a few hundred kilometers from the biblical Babylon, real and would-be dictators are once again waging a war that has repercussions for the entire global economy.

Iran, Persischer Golf, Strait of Hormuz -CC-Wikimedia

In 3,000 years, humanity has apparently learned nothing.
All the more reason to be happy that we can at least destroy the tyrants on stage!
„No Kings“.

„Belshazzar“ by Georg Friedrich Handel

Historically, the story dates back to Belshazzar, the son of King Nabonidus of Babylon in 543 BC, who briefly took over his father’s affairs.
After Nabonidus‘ return, it was less than three years before the Persians invaded Babylon and Nabonidus was killed.
Nothing more is known of Belshazzar after this.

Babylonia, 600 BC -CC-Wikimedia Commons

However, the Old Testament, in the Book of Daniel, tells of a King Belshazzar in Babylonia who is punished by God.

Robert Murray, „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

It recounts that Belshazzar held a large feast at which he insulted the members of the Jewish community.

Daniel (Ray Chenez), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Shortly afterward, a writing appeared on the wall with the words „Mene Tekel Uparsin,“ which none of those present could interpret.
Belshazzar’s mother then summoned the prophet Daniel, who read in the words that Belshazzar would die and Babylon would be divided between the Persians and the Medes.

Nitocris (Soraya Mafi), Daniel (Ray Chenez), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

That very night, the oracle comes true: Belshazzar dies, and the Persians invade Babylon.
This biblical story has served as the backdrop for many artistic adaptations over the past centuries (e.g., by Rembrandt).

George Friedrich Handel also adapted it.
In Handel’s oratorio, which premiered at the King’s Theatre in London in 1745 (that’s why the original text is in English), the Persian-Median army is already at the city gates, led by the commander Cyrus (Susan Zarrabi).
Together with the Assyrian leader Gobrias (Philipp Meierhöfer), they intend to attack the city during the Sesakh festival.
The Jewish prophet Daniel (Ray Chenez) welcomes this initiative, hoping that it will free the Jews from Babylonian servitude.
The divine prophecy fills the Babylonians with fear and terror.
But even Belshazzar’s (ROBERT MURRAY) mother, Nitocris (SORAYA MAFI), can no longer prevent her son’s death.

My critics

As is typical for director Herbert Fritsch, everything is colorful, loud, and vibrant.
From slapstick to serious passages, the entire spectrum of joyful and sorrowful emotions is presented.
Vocally, I was particularly impressed by the British soprano Soraya Mafia as Mother Nitocris.
Her bright, clear voice rings out bell-like through the auditorium, and her portrayal of the grieving mother is convincing.

Belshazzar (Robert Murray), Nitocris (Soraya Mafi), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

The British tenor Robert Murray plays the mad king very realistically, but vocally he isn’t as strong as his British colleague.
Ray Chenez’s (Daniel) castrato voice got on my nerves a bit, but I suppose that’s intentional.
Susan Zarrabi as Cyrus was somewhat indisposed on opening night, but did a good job despite a slight cold.

Cyrus (Susan Zarrabi), „Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

As always with Fritsch, his costumes are fantastic.
They fit the comedic tone of the production.

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

So does his set design, which consists only of a wide staircase but can be used very dramatically.

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

The choral soloists of the Komische Oper and the singers of the Vocalconsort Berlin are wonderful to listen to. Conductor George Petrou brilliantly captured the hectic atmosphere of the scene musically.
In fact, the choral music (chorus master David Cavelius) is the real star of the evening.
Great melodies, from dramatic to melancholic.
Conclusion: A treat for the ears, even for skeptics of religious oratorios (see my video).
And Herbert Fritsch offers plenty of drama and suspense for the eyes.
The perfect entertainment for the long Easter weekend.

Here’s my video trailer for „Belshazzar“:

„Belshazzar“, Komische Oper, ph: Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.

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