Neu im Kino: „DIGGER“ mit Tom Cruise über das Ende der Welt
Von Holger Jacobs
11.11.2026
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Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)
Der meistgehaßte Film dieses Jahres – und trotzdem ein herausragendes Werk
In der internationalen Presse wurde bereits viel über diesen Film geschrieben, meistens schlecht. Und auch an den Kinokassen floppte er.
So ging ich gestern mit recht gemischten Gefühlen in die Spätvorstellung ins Kino am Hackischen Markt in Berlin – und war angenehm überrascht.
Die Handlung
Es beginnt mit einem älteren Mann im Pyjama in einem hochherrschaftlichen Haus, der sich mehr um seine altersschwache Katze zu kümmern scheint, als um das Leben um ihn herum.
Digger Rockwell (TOM CRUISE) ist einer der reichsten und mächtigsten Männer Amerikas.
Sein Vermögen wurde über Generationen durch den Abbau von Öl verdient, welches seine Familie seit Ende des 19. Jahrhunderts aus der Erde holt.
Hier gibt es einen deutlichen Hinweis auf J.D.ROCKEFELLER, den reichsten Mann der Welt Anfang des 20. Jahrhunderts, dessen Vermögen damals sogar die Höhe des Haushaltsbudgets der USA übertraf.
Kaum, dass Diggers Katze versorgt ist, kommt ein Anruf von einer seiner Erdölplattformen in Grönland.
(Zur Erinnerung: US-Präsident DONALD TRUMP versuchte seit Ende 2024 die zu Dänemark gehörige Insel Grönland an die USA anzuschließen, notfalls mit Gewalt, was zu einer diplomatischen Krise zwischen den USA, Dänemark und Europa führte. Mitte 2026 kam es schließlich zu einer Einigung.)
Ein Mitarbeiter der Ölplattform in Grönland erzählt Digger Rockwell, dass sich durch eine Sprengung ein Spalt im Eisschelf gebildet hat, wodurch hochentzündliches Methan austritt.
Doch Digger will davon nichts hören und legt auf.
Kaum dass er das Telefongespräch beendet hat klingelt bei ihm an der Tür sein Umweltbeauftragter Dr. Ganesh (RIZ AHMED) und meldet, dass sich das Methan auf Grönland entzündet hat und sich durch eine gewaltige Explosion eine riesige Eisscholle von der Größe der Schweiz abgespalten hat und in Richtung Europa treibt, mit voraussichtlich verheerenden Folgen.
Als sich wenig später noch eine zweite Eisscholle abspaltet und Richtung Alaska treibt, wo Tausende von Tonnen verbrauchtem Uran-Abfalls lagert, der womöglich freigesetzt wird, ist die Katastrophe für die Menschheit nicht mehr aufzuhalten.
In größter Eile wird eine geheime Konferenz mit hochrangigen Vertretern des US-Staates im Haus von Digger Rockwell zusammengerufen, darunter der US-Präsident Compson (JOHN GOODMAN) und sein Vize Eddie (MICHAEL STUHLBARG).
Als plötzlich ein Baum vor dem Fenster des Hauses umkippt stellt sich heraus, dass der Film eigentlich die Proben zu einem Theaterstück zeigt, welches genau diese Umweltkatastrophe zum Thema hat.
Eine Katastrophe, die, wie sich später herausstellt, wirklich stattgefunden hat und die nun mit großem Erfolg immer wieder auf den Bühnen der Welt gezeigt wird.
Kritik
Es gibt verschiedene Aspekte des Films und verschiedene Ebenen.
Einmal ist es ein Film über eine Umweltkatastrophe, dann ist es eine Dokumentation über die Proben zu einem Theaterstück und dann die persönlichen Erlebnisse der Schauspieler.
Und zuletzt kommt noch der Enkel des Digger Rockwell, Kenny (JESSE PLEMONS), ins Spiel, der ein Theaterstück über seinen bösen Onkel produziert.
Und nicht zuletzt der Abspann, indem gezeigt wird, wie die Zuschauer nach dem Applaus das Theater verlassen und mit Atemmasken in die verseuchte Stadt eintauchen, begleitet von dem Song „Where have all the Fowers gone“ von der berühmten Band der 60er Jahre, PETER, PAUL UND MARY.
All diese Aspekte finde ich großartig, spannend und sehr aktuell.
Und natürlich darf der Humor nicht unerwähnt bleiben.
Denn das Ganze ist gespielt als überzogene Karikatur, als wenn man diese Geschehnisse gar nicht ohne Humor aushalten könnte.
Einmal sagt der Schauspieler (TOM CRUISE), der den Digger (TOM CRUISE) spielt, zu seiner Theaterregisseurin Hannah (SOPHIE WILDE), dass es ihm zu sehr eine Farce wäre.
Aber sie widerspricht ihm. Nur so könnte man als Zuschauer dieses Drama ertragen.
Überhaupt TOM CRUISE. Seine Maske ist toll, sein Spiel ist überzeugend.
Dabei muss er sowohl den echten Digger spielen, wie auch den Schauspieler, der Digger spielt.
Besonders den Höhepunkt des Films nutzt TOM CRUISE aus, um sein ganzes Talent zu zeigen.
In dieser Szene steht er in einem großen Auditorium vor Politikern des Europäischen Parlaments und erklärt den wütenden Zuhörern, dass er vielleicht Schuld hätte an diesem speziellen Ereignis, aber letztlich die gesamte Menschheit Schuld wäre, da sie es ist, die das relativ billige Öl aus der Erde für ihr ganzes Leben nur allzu gerne benutzt.
Denn Öl und Gas braucht jeder (zumindest bis heute noch) für Heizung, Kochen, Autofahren, um in weit entfernte Länder zu fliegen und natürlich für die Industrieproduktion auf der ganzen Welt, die den Menschen Arbeit und Brot gibt – welch wahres Wort!
Also warum soll er, Digger, Schuld an der Katastrophe sein, wenn er letztlich nur die Bedürfnisse der Menschheit befriedigt?
Auch JOHN GOODMAN als alter und seniler US-Präsident ist ebenfalls hervorragend besetzt und erinnert in so manchen Momenten an real existierende Personen.
Regisseur ALEJANDRO INARRITU (Oskar für „The REVENANT“) hat hier, meiner Meinung nach, eine weitere glanzvolle Arbeit abgeliefert.
Das Kino war bis zum letzten Platz ausverkauft.
Vielleicht bekommt „Digger“ ja trotz der schlechten Kritiken von einigen meiner Kollegen noch im Nachhinein einen Kultstatus, wundern würde es mich nicht.
Fazit: Für Liebhaber des besonderen Films.
Epilog: Unser neuer deutscher Superstar SANDRA HÜLLER spielt hier in einer Nebenrolle die Schwester von Digger Rockwell – wie immer sehr gekonnt. Und mit einem amerikanischen Englisch ohne deutschen Akzent.
English
New in Theaters: „DIGGER“ Starring Tom Cruise – A Film About the End of the World
By Holger Jacobs
Rating: 🙂 🙂 🙂 🙂 (four of five)
The most hated film of the year—yet an outstanding work
Much has already been written about this film in the international press—mostly negative reviews.
It also flopped at the box office.
So, I went to the late screening at the cinema at Hackescher Markt in Berlin yesterday with rather mixed feelings—and was pleasantly surprised.
The Plot
It begins with an elderly man in pajamas inside a stately mansion; he seems more concerned with his frail, aging cat than with the life unfolding around him.
Digger Rockwell (TOM CRUISE) is one of America’s wealthiest and most powerful men.
His fortune was amassed over generations through oil extraction—a business his family has pursued since the late 19th century.
There is a clear allusion here to J.D. Rockefeller—the world’s richest man in the early 20th century—whose wealth at the time actually exceeded the entire US federal budget.
No sooner has Digger seen to his cat’s needs than he receives a call from one of his oil rigs in Greenland.
(As a reminder: Since late 2024, US President Donald Trump had been attempting to annex Greenland—a Danish territory—to the United States, by force if necessary; this sparked a diplomatic crisis involving the US, Denmark, and Europe. An agreement was finally reached in mid-2026.)
An oil rig worker tells Digger Rockwell that a blast has created a fissure in the ice shelf, causing highly flammable methane to leak out.
But Digger refuses to listen and hangs up.
No sooner has he ended the call than his environmental advisor, Dr. Ganesh (Riz Ahmed), arrives at his door to report that the methane over Greenland has ignited; a massive ice floe the size of Switzerland has broken off in the resulting explosion and is drifting toward Europe, threatening devastating consequences.
When a second ice floe breaks off shortly thereafter and drifts toward Alaska—where thousands of tons of spent uranium waste are stored and at risk of being released—a global catastrophe becomes unstoppable.
A secret conference involving high-ranking US officials is hastily convened at Digger’s home, attended by US President Compson (John Goodman) and his deputy, Eddie (Michael Stuhlbarg).
When a tree suddenly topples over outside the window, it is revealed that the film is actually showing rehearsals for a play centered on this very environmental disaster.
It is a disaster that—as later becomes clear—actually occurred, and which is now being successfully performed on stages around the world.
Critics
The film has various aspects and layers.
On one level, it is a film about an environmental disaster; on another, a documentary about rehearsals for a play; and then there are the personal experiences of the actors.
Finally, there is the character of Kenny (Jesse Plemons)—Digger Rockwell’s grandson—who is producing a play about his villainous uncle.
And not to be overlooked is the closing sequence, showing the audience leaving the theater after the applause and stepping out into the contaminated city wearing breathing masks, all set to the song „Where Have All the Flowers Gone“ by the famous 1960s group Peter, Paul and Mary.
I find all these aspects brilliant, compelling, and highly relevant.
And, of course, the humor shouldn’t go unmentioned.
The whole thing plays out like an exaggerated caricature—as if the events depicted would be unbearable without humor.
At one point, the actor (Tom Cruise)—who plays Digger (Tom Cruise)—tells his director, Hannah (Sophie Wilde), that it feels too much like a farce.
But she disagrees, arguing that this is the only way the audience can endure the drama.
And then there’s Tom Cruise. His makeup is fantastic, and his performance is compelling.
He has to play both the real Digger and the actor portraying Digger.
Tom Cruise really capitalizes on the film’s climax to showcase the full extent of his talent.
In this scene, he stands in a large auditorium before members of the European Parliament, explaining to the angry audience that while he might bear some blame for this specific event, men as a whole is ultimately at fault—since everyone consumes the relatively cheap oil extracted from the earth to fuel their lives.
After all, everyone needs oil and gas (at least to this day) for heating, cooking, driving, flying to distant lands, and, of course, for the industrial production worldwide that provides people with jobs and livelihoods—how true that is!
So why should he—Digger—be held responsible for the catastrophe when, ultimately, he is merely satisfying everybody’s needs?
John Goodman is also brilliantly cast as the elderly, senile US President, evoking real-life figures in more than a few moments.
In my opinion, director Alejandro Iñárritu (Oscar winner for *The Revenant*) has delivered another outstanding piece of work here.
The theater was sold out.
Perhaps *Digger* will achieve cult status down the line, despite the poor reviews from some of my colleagues; it wouldn’t surprise me.
Verdict: For lovers of distinctive cinema.
Epilogue: Our new German superstar Sandra Hüller plays a supporting role here as Digger Rockwell’s sister—delivering a typically skillful performance.
And she speaks fluently American English without a trace of a German accent.
Trailer of „Digger“ in English version
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.



















