Berlinale 2026 – Die Blutgräfin mit Isabelle Huppert
Von Holger Jacobs
20.02.2026
Tolle Kostüme, viel Wiener Schmäh und ein bisschen Horror in Ulrike Ottingers Vampir-Geschichte
Die Erwartungen waren hoch, als die Leitung der Berlinale ankündigte, dass nach 38 Jahren die Künstler-Ikone ULRIKE OTTINGER zusammen mit Literatur-Nobelpreisträgerin ELFRIEDE JELINEK (Dialoge) einen neuen Spielfilm in der Sektion Berlinale Special Gala präsentieren wird.
Mit keiner Geringeren als ISABELLE HUPPERT in der Hauptrolle einer Blutsaugerin, BIRGIT MINICHMAYR als ihre Zofe und LARS EIDINGER als Therapeut eines in Ungnade gefallenen Vampirs.
Ulrike Ottinger
Diese mittlerweile 84-jährige Künstlerin, Fotografin, Malerin und Filmemacherin hat ein bewegtes Leben hinter sich mit immer wieder sehr spannenden Projekten. Nach einer Banklehre in ihrer Heimatstadt Konstanz ging sie Ende 50er Jahre nach München an die Kunstakademie.
Von 1962 bis 1969 lebte sie in Paris, arbeite als Malerin und schrieb ihr erstes Drehbuch.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zog sie mit ihrer damaligen Lebensgefährtin TABEA BLUMENSCHEIN nach West-Berlin und begann mit ihren ersten Filmprojekten, die sich fast alle um besondere Frauen handelten.
So entstanden u.a. „Madame X – eine absolute Herrscherin“ (Premiere auf der Berlinale 1978) und „Bildnis einer Trinkerin“ 1979, die große Aufmerksamkeit erregten. In den 80er Jahren arbeitete OTTINGER auch als Regisseurin am Theater, darunter am Staatstheater Stuttgart und Graz, wo sie Stücke von ELFRIEDE JELINEK inszenierte.
OTTINGER wurde 1997 auf die Dokumenta 10 und 2002 auf die Dokumenta 11 nach Kassel eingeladen.
Im Jahre 2020 erhielt OTTINGER bei der 70. Berlinale eine Berlinale Kamera überreicht, während ihr Dokumentarfilm „Paris Calligrammes“ in der Sektion Berlinale Special gezeigt wurde.
Im Jahre 2022 wurde in der Berlinischen Galerie die bemerkenswerte Ausstellung
„Zusammenspiel – Tabea Blumenschein – Ulrike Ottinger“ gezeigt (kultur24 berichtete).
Die Blutgräfin
Der Film beruht auf einer realen Person im 17. Jahrhundert, der damals mächtigen ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, deren Besitz große Teile der heutigen Slowakei und Ungarns bis nach Transsylvanien (Siebenbürgen) beinhaltete.
Báthory wurde im Jahre 1611 als Mörderin verurteilt, weil sie angeblich mehrere junge Mädchen ermordet hätte.
Sie soll in deren Blut gebadet, bzw. deren Blut getrunken haben, um ihre Jugend zu erhalten.
Der Wahrheit ist geschuldet, dass es sich damals wohl um eine Intrige ihres größten politischen Gegners, des Hauses Habsburg, gehandelt hat.
Später haben sich viele Legenden um eine angeblich Blut trinkende Vampirin gesponnen.
Selbst BRAM STOKER soll für sein Buch „Dracula“ auf ihre Geschichte zurückgegriffen haben.
Wie oben beschrieben kann ULKRIKE OTTINGER nicht als „normale“ Spielfilmregisseurin bezeichnet werden, denn in ihren Filmen gibt es selten stringente Handlungen.
Vielmehr präsentiert OTTINGER in ihren Filmen surreale Bilder von außergewöhnlichen Orten mit außergewöhnlichen Menschen.
So auch in „Die Blutgräfin“.
In diesem knapp zweistündigen Werk geht es um die Vampirin Erzsébet/ Elisabeth Báthory (ISABELLE HUPPERT), die alle 25 Jahre nach Wien kommt und ihr Unwesen treibt, was viele blutleere Leichen junger Mädchen hinterlässt.
Inspektor Unglaube (KARL MARKOVICS) versucht deshalb fieberhaft die Ursache dieses Phänomens zu finden.
Auch die Vampirforscher Theobastus Bombastus (ANDRE JUNG) und NEPOMUK NACHBISS sind hinter der Blutgräfin her.
Während sich die Zofe Hermine (BIRGIT MINICHMAYER) über die erneute Wiederkehr ihrer Herrin außerordentlich freut, kann der Neffe der Gräfin, Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau (THOMAS SCHUBERT) nur mit den Zähnen klappern, denn er ist Vegetarier und will sein Schicksal als Untoter unbedingt loswerden.
Zu seinem Glück findet er heraus, dass ein magisches Buch existiert, welches einem die Möglichkeit gibt, wieder menschlich zu werden.
Der Legende nach wird der Fluch aufgehoben, wenn Tränen eines Vampirs auf die Seiten dieses Buches kullern, so das der Vampir als Normalsterblicher weiterleben kann.
Doch für Gräfin Báthory bedeutet dieses Buch unter Umständen das Ende ihrer gesamten Sippe.
So wird die Suche nach diesem magischen Buch zum wesentlichen Inhalt des gesamten Films.
Kritik
Für mich war ULRIKE OTTINGERS neues Werk weder besonders gut noch besonders schlecht.
Toll sind die Ausstattung, die Kostüme und die Details, worauf OTTINGER, wie sie selbst in einem Interview sagte, großen Wert legte.
Allein die Handlung, eigentlich das Wesentliche in einem Film, schwächelt.
Als Zuschauer merkt man, dass OTTINGER ursprünglich von der Bildenden Kunst kommt und in wunderschönen Bildern schwelgt, aber die Spannung des Films nicht über die ganze Zeit halten kann.
Fast 2 Stunden Spielzeit sind dabei zu lang, 1 ½ Stunden hätten völlig ausgereicht.
Wunderbar anzusehen ist natürlich ISABELLE HUPPERT, die in ihrer Sprache zwischen Französisch und Deutsch hin und her pendelt.
Gefallen hat mir auch BIRGIT MINICHMAYER in ihrer tollen Maske und THOMAS SCHUBERT als vegetarischer Vampir, der mit seinem humorvollen Spiel die wichtigen Akzente setzt.
Auch die Dragqueen CONCHITA WURST als Zeremonienmeister ist hoer perfekt eingesetzt.
Nur LARS EIDINGER kann in seiner Nebenrolle als Therapeut des verunsicherten Baron Rudi Bubihier keine großen Akzente setzen.
Das Drehbuch verfasste ULRIKE OTTINGER zusammen mit ELFRIEDE JELINEK.
Fazit: Gerade durch die Art und Weise, wie OTTINGER humorvoll die österreichischen K&K-Traditionen und den Wiener Schmäh durch den Kakao zieht, gewinnt der Film. Tolle Bilder, aber Schwächen in der Handlung.
Hier mein Video von der Pressekonferenz mit Lars Eidinger:
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.


















