Die Perlenfischer – Wim Wenders – Staatsoper Berlin

Die Perlenfischer - Staatsoper Berlin ┬ę Holger Jacobs

Die Perlenfischer – Wim Wenders – Staatsoper Berlin

 

Von Holger Jacobs

26.6.2017

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Hintergrund

Als am Samstag Abend die letzte gro├če Premiere der Staatsoper im Schillertheater ├╝ber die B├╝hne ging kam bei mir ein wenig Wehmut auf. In den drei Jahren, seit ich das online Kulturmagazin kultur24 aufgebaut habe, habe ich keine Premiere der Staatsoper vers├Ąumt – und nat├╝rlich fanden diese wegen der Bauarbeiten der Oper Unter den Linden immer im Ausweichquartier Schillertheater statt. Ein zun├Ąchst ungeliebtes Haus wurde zur Heimstadt der sch├Ânsten Arien und Melodien – mit Erfolg!
Aber ab 3. Oktober 2017 geht es nun wieder zur├╝ck in die frisch renovierte Staatsoper Unter den Linden.

Staatsoper im Schillertheater, Bismarckstrasse 110, Berlin ┬ę Holger Jacobs

Diese letzte Premiere sollte auch noch einmal ein Highlight werden!

Vor zwei Jahren hatte Generalmusikdirektor Daniel Barenboim den ber├╝hmten Filmregisseur Wim Wenders gefragt, ob er sich die Regie einer Oper vorstellen k├Ânne und wenn ja, dann welche? Die Wahl viel auf die wenig gespielte Oper „Les P├¬cheurs de Perles“ von George Bizet, deren Arien Wenders bereits in seiner Jugend begeistert geh├Ârt hatte.

Eine romantische Oper f├╝r den letzten Romantiker des deutschen Kinos.

Wer ist Wim Wenders? F├╝r die j├╝ngeren von Euch wird nur noch der Name bekannt sein, ohne genau zu wissen, wer dahinter steckt. Wim Wenders (*1945) war Sch├╝ler der renommierten Film- und Fernsehhochschule in M├╝nchen (1967-70) und bekam 1984 f├╝r seinen Film „Paris Texas“ die Goldene Palme in Cannes. Doch noch wichtiger wurde sein Film „Der Himmel ├╝ber Berlin“ (1987), indem er die Geschichte von Engeln erz├Ąhlt, die ├╝ber der damals geteilten Stadt Berlin schwebten und ungesehen die Todeszone an der Mauer ├╝berqueren konnten. Kein anderer Spielfilm hat auf so eine au├čergew├Âhnliche Weise die Absurdit├Ąt aber auch Grausamkeit der Berliner Mauer visualisiert – ein Meilenstein in der Filmgeschichte!

Und damit verbindet mich mit Wim Wenders ein besonderes Erlebnis:

Frisch verliebt in meine damalige Freundin sa├č ich auf einer Reise an die Cote d‘ Azur 1987 in einem Kino in Nizza und sah mir den gerade erschienen Film „Der Himmel ├╝ber Berlin“ (auf franz├Âsisch „Les Ailes du d├ęsir“) an. In Originalsprache mit franz. Untertiteln. Das vergisst man nicht…

Doch kommen wir zur├╝ck in das Jahr 2017 und stellen wir die Frage:

Kann Wim Wenders auch Oper? Die Antwort: Er kann!

Wim Wenders mit seiner Frau Renata kurz vor der Premiere in der Staatsoper ┬ę Holger Jacobs

Handlung

An einem Strand in einem fernen Land lebt ein Volk von Perlenfischern. Zum Schutz vor b├Âsen Geistern haben sie eine Priesterin, die mit ihrem Gesang die b├Âsen M├Ąchte vertreiben soll. Als Jugendliche hatten sich zwei M├Ąnner des Dorfes, Nadir und Zurga, in dasselbe M├Ądchen verliebt. Leila. Um ihre Freundschaft dadurch nicht zu gef├Ąhrden, entsagten sie beide der Liebe zu der jungen Frau. Nadir verlie├č daf├╝r sogar die Kolonie. Jahre sp├Ąter kommt er zur├╝ck, sein alter Freund Zurga ist mittlerweile Dorfvorsteher. Und es gibt auch eine neue Priesterin. Als Nadir bemerkt, dass es sich dabei um seine alte Liebe Leila handelt, entflammt seine Leidenschaft erneut. Er gibt sich ihr zu erkennen und auch sie erwidert seine Gef├╝hle. Doch die Priesterinnen m├╝ssen f├╝r ihr Amt der Liebe entsagen, wenn sie nicht get├Âtet werden wollen. Als Nadir und Leila eines Nachts beim T├¬te-├á-t├¬te erwischt werden, werden sie beide zum Tode verurteilt. Um seinen Freund vor dem Tode zu bewahren, legt Zurga im Dorf Feuer und kann im allgemeinen Chaos die beiden Gefangenen befreien. Nadir und Leila fliehen, Zurga bleibt allein zur├╝ck.

Kritik

Wim Wenders inszeniert diese Oper genauso wie er seine Filme choreographiert: Ruhig, mit viel Gef├╝hl und sch├Ânen Bildern. Alles flie├čt, keine hektischen Bewegungen, kein ├╝bertriebener Ausdruck. Alles passt, alles f├╝gt sich ineinander.

Was z├Ąhlt ist nicht die Aktion sondern die Emotion.

Um Oper und Film, sein eigentliches Metier, noch besser zu verbinden, ├╝berlagert Wim Wenders das Geschehen auf der B├╝hne durch einen Schwarz-Wei├č Film, der auf einem halbdurchsichtigen Gazevorhang gezeigt wird. Der Film zeigt fr├╝here Geschehnisse, die wichtigen Bezug nehmen zu den aktuellen Ereignissen auf der B├╝hne. Sagte ich schon sch├Âne Bilder? Nat├╝rlich! Ebenso Kost├╝me (Montserrar Casanova), Licht (Olaf Freese) und B├╝hne (David Regehr).

Doch wie ist die Musik? Wie sind die S├Ąngerinnen und S├Ąnger?

Da ich dieses Mal au├čergew├Âhnlicher Weise im Parkett und nicht auf dem Rang sa├č bekam ich vom Orchester nur die H├Ąlfte mit. Ob Daniel Barenboim nun wieder besonders elegisch oder eher forsch dirigierte, konnte ich nur bedingt feststellen. Doch die Leistungen der Protagonisten auf der B├╝hne waren sehr wohl zu h├Âren.

Allen voran Olga Peretyatko (*1980 in St. Petersburg) als Leila, die sicher der neue Star am Opernhimmel wird – kein Zweifel! Oder wie es die Kritikerin Maria Ossowski vom RBB formulierte: Anna Netrebkow muss aufpassen, dass sie nicht von dieser jungen Dame ├╝berholt wird.

Olga Peretyatko ┬ę Sony Music/ Uwe Arens

Olga Peretyatko ist Sch├╝lerin der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler (2002 – 2006), und hat bereits an vielen Opernh├Ąusern gesungen. Wien, Baden-Baden und sogar an der Met in New York. Letztes Jahr er├Âffnete sie zusammen mit Domingo den Wiener Opernball – wie auch einmal eine Anna Netrebkow, kurz bevor ihre Karriere durchstartete…

Francesco Demuro als Nadir ist ein ansehnlicher Tenor, stimmlich wie ├Ąu├čerlich, der am Anfang doch sehr mit seiner Nervosit├Ąt zu k├Ąmpfen hatte. In der Liebesarie mit Leila war er aber dann wieder ganz auf der H├Âhe seiner Kunst. Hier ein kurzer Ausschnitt auf unserem Video Kanal kultur24.berlinTV

Gyula Orendt als Zurga gefiel mir da noch etwas besser, sein Bariton war kraftvoller. Wolfgang Sch├Âne als Hohepriester Nourabad war ├╝berzeugend ohne besonders aufzufallen.

Was f├╝r ein sch├Âner Abschied aus dem Schillertheater!

Ein besseres Ende h├Ątte man sich nicht denken k├Ânnen. Und nun freue ich mich um so mehr diese Inszenierung in der neuen Staatsoper Unter den Linden h├Âren zu d├╝rfen. Denn ins Repertoire kommt sie auf jeden Fall.

Der K├Ânig ist tot – lang lebe der K├Ânig!

N├Ąchste Vorstellungen: 30. Juni, 2. und 4. Juli 2017

Staatsoper im Schillertheater
Bismarckstra├če 110
10625 Berlin

Eine Bilderserie von 40 Fotos zeigt Euch die ganze Handlung der Oper:

Nadir (Francesco Demuro) und Zurga (Gyula Orendt) erinnern sich an ihre gemeinsame Liebe zu einer Frau, „Die Perlenfischer“, Staatsoper Berlin ┬ę Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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