Portraits – Von Botticelli bis Lempicka in der Gemäldegalerie Berlin
Von Holger Jacobs
18.10.2026
Wertung: 🙂 🙂 🙂 (drei von fünf)
Die Darstellung des menschlichen Gesichts über sechs Jahrhunderte
Als ich im Jahre 2001 das neu eröffnete TATE MODERN Museum in London besuchte, war die permanente Ausstellung in vier Themen-Bereiche aufgeteilt:
Landschaft, Stillleben, Portrait und Akt.
Es sind diese vier Themen, die letztlich auch die meisten Themen in der Bildenden Kunst darstellen.
Und das Portrait gehört sicherlich zu den wichtigsten.
Die Bedeutung des Portraits eines Menschen hat heute mit der Kamerafunktion im Smartphone, welches wir alle ständig mit uns tragen, eher noch zugenommen.
Wir fotografieren uns und andere an wechselnden Orten, meist um zu zeigen, wie toll diese Orte sind und wie toll unsere Freunde.
Ein Portrait ist die Wiedergabe eines Gesichts, welches für uns Menschen das wichtigste Erkennungsmerkmal ist.
Es ist wie ein Fingerabdruck.
Zusätzlich gibt das Gesicht durch seinen wechselnden Ausdruck unsere Gemütslage und Stimmung wieder, die wir so mit anderen teilen können.
Ausstellung „Portraits – Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“
Die Gemäldegalerie in Berlin kennt die Bedeutung des Portraits in der Kunstgeschichte und hatte wohl deshalb die Idee, Arbeiten zu diesem Thema über die Jahrhunderte hinweg gegenüber zu stellen, um zu zeigen, wie sich der Stil der Darstellung verändert hat oder auch nicht.
Die Ausstellung mit 90 Gemälden ist untergliedert in vier Bereiche:
– Portraits diesseits und jenseits der Alpen
– Selbstdarstellung der Eliten
– Familie
– Bildnisse von Künstlern
Beim Rundgang durch diese temporäre Ausstellung stellen wir fest, dass sich die Meister auf drei Formen der Darstellung konzentrierten:
Ansicht von der Seite, die Dreiviertel-Ansicht und Frontalansicht.
Mit dem Zusatz, dass es bei den beiden Letztgenannten noch die Möglichkeit des direkten Augenkontaktes gibt, besonders wirkungsvoll bei der Frontalansicht.
Als Fotograf hatte ich in meiner beruflichen Laufbahn natürlich ständig mit dem Thema Portrait zu tun.
Nicht in der Ausstellung: Mein Porträtfoto von ANNA-MARIA MÜHE
Und bei dem berühmten Fotografen PETER LINDBERGH erschienen selbst Modefotos wie Portraits von Personen.
Nicht in der Ausstellung: PETER LINDBERGH „Supermodels“
Auch bei den Portraits in der Gemäldegalerie sehen wir sehr inszenierte Darstellungen mit viel Kopfschmuck, Kleidung und Hintergrund.
Oder stark reduzierte Portraits, bei denen (fast) nur das Gesicht zu sehen ist – wie bei SANDRO BOTICELLI und TAMARA LEMPICKA, die deshalb auch gleich nebeneinander hängen.
Überhaupt war es das besondere Anliegen der beiden Kuratoren, SVEN JAKSTAT und STEPHAN KEMPERDICK, immer zwei Gemälde nebeneinander zu zeigen, die aus Gründen der Darstellung Ähnlichkeiten aufweisen.
Was ich vermisst habe waren Portraits aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Außer einem LOVIS CORINTH aus dem Jahr 1909, einem Portrait von EUGEN SPIRO von 1929 und einem WILLI DÖRING von 1901 war nicht viel aus der neueren Zeit zu sehen.
Ganz am Ende noch ein Gemälde von Picasso („Frau mit Hut“) von 1938, welches dank seiner außergewöhnlichen Portrait-Darstellung mit Kopf aus zwei Perspektiven etwas aus dem Rahmen fiel.
Trotzdem finde ich die Ausstellung interessant.
Vielleicht wird es einmal eine wirklich große Show in Berlin geben mit den unzähligen Aspekten des Portraits, welche sich gerade in unserer digitalen Zeit vervielfältigt haben.
Nach neusten Schätzungen werden auf der Welt ca. 5,3 Milliarden Fotos gemacht – pro Tag!
Und die Hälfte davon sind sicher Portraits.
„Portraits! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“
16. Okt. 2026 – 14. März 2027
Gemäldegalerie Berlin
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Di – So 10 – 18 Uhr
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.



















