Maillot | Millepied in der Deutschen Oper Berlin

Maillot-Millepied - Staatsballett Berlin Foto: Holger Jacobs

Maillot | Millepied in der Deutschen Oper Berlin

 

Von Holger Jacobs

23.1.2017

🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fĂŒnf)

Liebe Kulturfreunde,

wenn es einen Abend der ErfĂŒllung von Schönheit gibt, dann war die Premiere von MAILLTOT| MILLEPIED am Sonntag Abend schon sehr nahe dran.

Hintergrund:

Das gemeinsame Auftreten von verschiedenen Choreographen wird beim Staatsballett Berlin hĂ€ufiger zelebriert: Sei es Abende wie „DUATO/ KYLIAN/ NAHARIN“ (Premiere am 22.10.2015 in der Komischen Oper) oder „DUATO / KYLIAN“ (Premiere am 15.5.2015 im Schillertheater), immer konnten gleich zwei oder sogar drei Choreographen ihr Können nacheinander zeigen.

Auch dieses Mal stehen sich sich zwei KoryphĂ€en ihrer Zunft gegenĂŒber: Jean-Christoph Maillot (*1960)und Benjamin Millepied (*1977). Beide sind in ihrem Metier in Frankreich sehr bekannt: Maillot ist Ballettdirektor in Monte-Carlo und Millepied Ballettdirektor an der Opera de Paris (bis 2016). Letzterer ging wegen seiner Heirat mit der US-amerikanischen Schauspielerin Natalie Portman nach Los Angeles und grĂŒndete dort 2012 das L.A.Dance Project. Beide haben einen gemeinsamen Sohn. Sie hatten sich beim Film „Black Swan“ kennen und lieben gelernt, als sie dort eine TĂ€nzerin spielte und er dafĂŒr die Choreographien einstudierte. Portman bekam spĂ€ter fĂŒr ihre Rolle den Oscar. Mehr Liebe geht nicht…

15 Bilder: Choreographie: Jean-Christoph Maillot, Staatsballett, Deutsche Oper Berlin Foto: Holger Jacobs

Kritik:

Jean-Christoph Maillot und Benjamin Millepied sind aber nicht nur altersmĂ€ĂŸig, sondern auch in ihren Tanzstilen, weit voneinander entfernt.

In „ALTRO CANTO“ kreiert Jean-Christoph Maillot mit seinen TĂ€nzerinnen und TĂ€nzern außergewöhnlich fließende Figuren mit schwingenden Arm- und Körperbewegungen. Einmal taucht eine TĂ€nzerin wie ein Delphin durch eine Gruppe von MĂ€nnern, ein anderes Mal schwingen die Arme wie Schlangen beim Flötenspiel. Das Licht ist sehr reduziert und scheint nur beleuchtet von 100 Kerzen, die im Dunkeln wie von Geisterhand bewegt auf und nieder schweben (BĂŒhne: Rolf Sachs). Auch die Kleidung ist weit vom Klassischen Ballett entfernt: eng anliegende Hosen oder ballonartige Röcke in Verbindung mit geschnĂŒrten Korsagen als Oberteil, getragen von den MĂ€nnern wie von den Frauen (KostĂŒme: Karl Lagerfeld). Dazu erklingt Barock-Musik von u.a. Claudio Monteverdi.

15 Bilder: Choreographie: Jean-Christoph Maillot, Staatsballett, Deutsche Oper Berlin Foto: Holger Jacobs

Ganz anders „DAPHNIS ET CHLOÉ“ von Benjamin Millepied. Seine Choreographie geht auf die gleichnamige Komposition von Maurice Ravel aus dem Jahre 1912 zurĂŒck. Der GrĂŒnder des Ballet Russes, Serge Diaghilev, hatte Maurice Ravel gebeten, zusammen mit dem russischen TĂ€nzer und Choreographen Michail Fokin (dieser entwickelte spĂ€ter zusammen mit Igor Strawinsky u.a. die Ballette fĂŒr „Der Feuervogel“ und „Petruschka“) den Roman „Daphnis et ChloĂ©â€œ des griechischen Autoren Logos in eine Ballettkomposition zu bringen. Die Choreographie ist in drei Teile aufgeteilt mit der Vorstellung des sich liebenden Paares Daphnis und ChloĂ©, deren EntfĂŒhrung von Piraten und schließlich die Wiedervereinigung des Liebespaares mit Hilfe der Nymphen und des Gottes Pan. Die Komposition von Ravel ist fĂŒr großes Orchester und Chor (textlos) geschrieben.

50 Bilder: Choreographie: Benjamin Millepied, Staatsballett, Deutsche Oper Berlin, Foto: Holger Jacobs

Damit setzt sich die Choreographie von Benjamin Millepied deutlich von der des Jean-Christoph Maillot ab. WĂ€hrend Maillot abstrakte Formen ohne einen spezifischen Inhalt entwirft, so folgt Millepied der Handlung einer Geschichte. Und zusammen mit der dramatischen Musik Ravels wird daraus ein berauschender Cocktail von großer Sogkraft. Zu dem auch die geometrischen Formen und changierenden Farben des Hintergrundes sehr gelungen beitragen (BĂŒhne: Daniel Buren, KostĂŒme: Holly Hynes).

Ein herausragender Ballettabend, wie ich ihn schon lange nicht mehr erlebt habe.

Zu meiner großen Freude durfte ich der Einladung des renommierten Designers und BĂŒhnenbildners Rolf Sachs Folge leisten und ihn und mehrere seiner Freunde nach der Vorstellung zu einem elegantem Dinner in eines der bekanntesten Restaurants in Berlin begleiten. So wurde der Abend durch interessante GesprĂ€che, einer herzlichen AtmosphĂ€re und einem köstlichem Essen zusĂ€tzlich bereichert – culture at it’s best!

Maillot|Millepied

„Daphne et ChloĂ©“
Ballett von Benjamin Millepied
Symphonie chorégraphique von Maurice Ravel
BĂŒhne: Daniel Buren

„Altro Canto“
Ballett von Jean-Christophe Maillot
Musik von Claudio Monteverdi, Biagio Marini, Giovanni Girolamo Kapsberger
BĂŒhne: Rolf Sachs, KostĂŒme: Karl Lagerfeld

Deutsche Oper Berlin
Bismarckstraße 35
10627 Berlin

NĂ€chste Vorstellungen: 3., 10. und 11. Februar 2017, 14. und 17. MĂ€rz 2017

Hier unser Video dazu auf unserem Youtube Kanal KULTUR24 TV:

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.

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