Nacktheit und Skandale auf der 61. Biennale in Venedig
Von Holger Jacobs
08.05.2026
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Die 61. Biennale di Venezia hat bereits im Vorfeld mit vielen Kontroversen zu kämpfen
Dieses Jahr zeigen 100 Nationen kuratierte Ausstellungen mit internationalen Künstlern.
Weitere 111 Künstler sind in der Hauptausstellung auf dem Arsenale-Gelände (ehemalige Schiffswerften) zu sehen.
28 Länder haben eigene Pavillons in den „Giardini della Biennale“ im östlichen Stadtteil Castello, die anderen Ausstellungen sind über die ganze Stadt verteilt.
Die Kunstbiennale von Venedig findet seit 1895 alle zwei Jahre statt.
Neben der Kunstbiennale gehört zur Biennale di Venezia auch die jährlich stattfindenden Filmfestspiele, ein Musikfestival, ein Theaterfestival, ein Tanzfestival und seit 1980 alle zwei Jahre auch eine Architekturbiennale (alternierend zur Kunstbiennale) statt.
Der deutsche Pavillon wurde 1909 von dem italienischen Architekten DANIELE DONGHI als „Bayerischer Pavillon“ erbaut.
Ab 1912 hieß er dann Deutscher Pavillon.
1938 wurde der Pavillon von den Nationalsozialisten durch den deutschen Architekten ERNST HAIGER als monumentalen Bau mit vier mächtigen Säulen vor dem Eingang umgestaltet.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde mehrfach daran gedacht den deutschen Pavillon abzureißen und neu zu errichten.
Doch blieb es immer bei Renovierungen und Teil-Sanierungen, zuletzt 1995 nach der Wiedervereinigung.
Mittlerweile steht das Gebäude unter italienischem Denkmalschutz.
Hauptausstellung „In Minor Keys“
Das diesjährige Motto für die Hauptausstellung auf dem Arsenale-Gelände, ausgegeben von der im letzten Jahr verstorbenen Kuratorin KOYO KOUOH aus Kamerun, ist „In Minor Keys“, übersetzt ungefähr mit „in Moll-Tonarten“ – leise Töne auf der größten Kunstausstellung für zeitgenössische Kunst.
Einer der dort ausgestellten Künstlerinnen ist die Amerikanerin LAURIE ANDERSON, die sich zwischen Kunst, Performance, Musik, Gesang, Film und Installation bewegt.
Deutscher Pavillon mit Kunst aus Ostdeutschland
Der deutsche Pavillon wird 2026 von zwei Künstlerinnen bespielt:
Der ostdeutschen Künstlerin HENRIKE NAUMANN (verstarb unerwartet im Februar 2026) und der Vietnamesin SUNG TIEU, die in Ost-Berlin aufgewachsen ist, weil deren Vater einst als Vertragsarbeiter aus dem „Bruderstaat“ Vietnam in die DDR geholt wurde.
Kuratiert wurde der deutsche Pavillon von der aus Thüringen stammenden KATHLEEN REINHARDT.
Titel: „Ruin“.
Es geht ganz offensichtlich um die DDR-Vergangenheit und in wieweit diese Spuren bis heute nachwirken.
Skandal um Russischen und Israelischen Pavillon
Im Vorfeld der Biennale gab es ähnlich viele Skandale, wie 2022 zur DOKUMENTA 15.
Damals ging es um antisemitistische Bilder, die sich die indonesische Auswahl-Kommission ruangrupa vorher gar nicht angesehen hatte.
Dieses Mal geht es um die umstrittene Teilnahme Russlands und Israel.
Seit ihrem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 war Russland von der Biennale ausgeschlossen.
Doch dieses Jahr verkündete Biennale-Präsident PIETRANGELO BUTTAFUOCO, dass sowohl Russland, wie auch Israel, dessen Ausschluss viele wegen dessen Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung in Gaza gefordert hatten, dabei sein werden.
Weder der Protest von Ministerpräsidentin GIORGIA MELONI, noch des italienischen Kulturministers ALESSANDRO GIULI, konnten ihn in seiner Meinung umstimmen.
Beide werden deshalb der Eröffnung fernbleiben.
Und die EU streicht ihre 2,3 Millionen Euro Fördergelder.
Die russische Punkband PUSSY RIOT hat jetzt Proteste auf der Biennale angekündigt.
Sogar die internationale Jury, die jedes Mal den besten Pavillon und die beste Künstler*in mit einem Golden Löwen auszeichnet, ist zurückgetreten.
Es wird dieses Jahr also keinen Goldenen Löwen geben.
Kuratiert wird der russische Pavillon von einer PUTIN-nahen Person:
ANASTASIA KARNEEVA, einer Geschäftspartnerin von EKATERINA VINOKUROVA, die wiederum die Tochter von Russlands Außenminister SERGEJ LAWROW ist.
Es soll ein Musikprogramm gezeigt werden, voraussichtlich aber nur als Video.
Hierbei geht es wohl nicht um die Kunst, sondern nur um die Tatsache, dabei zu sein!
USA Pavillon mit Trump-Günstling
Auch der Pavillon der USA gibt zu denken.
Klar, dass zu Zeiten eines DONALD TRUMP nicht auch hier in seinem Sinne manipuliert wird.
Die Auswahl eines oder mehrere Künstler wurde nicht, wie sonst üblich, von einem unabhängigen Kurator durchgeführt, sondern von der erst im April 2025 gegründeten und von Präsident Trump unterstützten AMERICAN ARTS CONSERVANCY, die von JENNI PARIDO geleitet wird, der Besitzerin eines Hundefutter-Shops.
Als viele bedeutende Künstler ihre Beteiligung dankend abgelehnten, wählte das Institut den kalifornischen Künstler ALMA ALLEN mit dem Thema „Call me Breathe“.
Ein gewisser JEFFRSY USLIP wird als Kurator genannt, der der American Arts Conservancy nahe stehen soll.
Ein Kunstkritiker nannte ALLENS Skulpturen gerade gut genug für die Lobby eines Hotels…
Der Südafrikanische Pavillon bleibt leer
Ursprünglich war die aus Johannisburg stammende Künstlerin GABRIELLE GOLIATH ausgewählt worden.
Sie wollte die Gewalt an Frauen in Südafrika, Namibia und in Kriegsgebieten, wie in Gaza und dem Sudan, zu ihrem Thema machen.
Außerdem wollte sie sich mit dem Tod der palästinensischen Dichterin HIBA ABU NADA auseinandersetzen, die bei einem israelischen Angriff in GAZA getötet wurde.
Doch der südafrikanische Kulturminister sah das Thema als zu problematisch und bat um Änderungen, auf die sich die Künstlerin aber nicht einlassen wollte.
Daraufhin wurde die Ausstellung ganz abgesagt und der südafrikanische Pavillon bleibt leer.
Australischer Pavillon mit antisemitischem Künstler?
Der australische Kurator MICHAEL DAGOSTINO hatte den Libanesischen Künstler KHALED SABSADI ausgewählt den australischen Pavillon zu bespielen.
Doch dieser war in der Vergangenheit mit einem Video von 2007 „You“ negativ bei der jüdischen Gemeinde und den Israelis aufgefallen, weil er angeblich in dem Video den Hisbollah-Anführer NASRALLAH verherrlichen würde.
Doch SABSADI lehnte diese Interpretation strikt ab, zumal damals die Hisbollah noch nicht offiziell als Terror-Organisation angesehen wurde.
Mittlerweile haben sich die Wogen wieder geglättet und SABSADI darf den australischen Pavillon bespielen.
Österreichischer Pavillon mit viel Nacktheit
Nach einer öffentlichen Ausschreibung zur Teilnahme an der Biennale waren 54 Künstler*innen für eine Shortlist ausgewählt worden
Eine anschließende Jury wählte die österreichische Performance-Künstlerin FLORENTINA HOLZINGER mit dem Thema „Seaworld Venice“.
Es soll um Wasser in Bezug auf den Körper gehen. „Die Menschen werden nass werden“, wie sie bei einer vorangegangenen Pressekonferenz verkündete.
Wie neuere Meldungen kolportierten, sollen auch Fäkalien eine Rolle spielen.
Wir kennen FLORENTINA HOLZIONGER aus ihren Performances/ Theaterstücken an der Volksbühne Berlin (kultur24 berichtete).
Die norwegische Ausstellungsmachetrin NORA-SWANTJE ALMES, welche beim Gropius-Bau in Bderlin arbeitet, wird Ausstellung kuratorisch begleiten.
Bei der Preview sollen sich bereits lange Schlangen vor dem Pavillon gebildet haben.
Dänischer Pavillon mit Porno
Ausgewählt wurde die dänische Künstlerin MAJA MALOU LYSE.
Sie ist mit 23 Jahren einer der jüngsten Künstlerinnen auf der Biennale und zeigt eine Installation zum Thema Pornografie.
Mein Geheimtipp in Venedig:
Die neue Kunststiftung des belgischen Modedesigners DRIES VAN NOTEN.
Er kaufte einen wunderschönen Palazzo direkt am Canale Grande und schuf wohl daraus einen sinnlichen Ruhepol inmitten der Hektik der Lagunenstadt.
Ich war selbst noch nicht vor Ort, klingt aber sehr verlockend.
Fondazione Dries van Noten
San Polo, 2766,
30125 Venezia
Italien
Mo – So 10 – 18 Uhr
Alle weiteren Infos + Tickets findet Ihr auf der offiziellen Homepage der Biennale di Venezia
Biennale di Venezia
9. Mai – 22. November 2026
Venedig
Giardini die Venezia
Viale Giardini Pubblici
30122 Venezia
Arsenale di Venezia
Campiello Tana
30122 Venezia
Kontakt:
Ca’ Giustinian, San Marco 1364/A
30124 Venice
Tel. +39 041 5218711
email info@labiennale.org
Hier eine Bilderserie mit Fotos vom Deutschen Pavillon, courtesy IFA (Institut für Auslandsbeziehungen:
Die Aussenfassade und die Säulen wurden von derr Künstlerin SUNG TIEU mit einem Mosaik belegt, welches den Anschein gibt, das Haus wäre ein Plattenbau.
English text
More Scandals at the Venice Biennale
By Holger Jacobs
May 8, 2026
The 61st Venice Biennale is already grappling with numerous controversies in the run-up to the event.
This year, 100 nations are presenting curated exhibitions featuring international artists.
An additional 111 artists are on display in the main exhibition located at the Arsenale grounds (the former shipyards).
Twenty-eight countries maintain their own pavilions within the Giardini della Biennale in the eastern district of Castello, while the remaining exhibitions are scattered throughout the city.
The Venice Art Biennale has taken place every two years since 1895.
In addition to the Art Biennale, the *Biennale di Venezia* encompasses the annual Film Festival, as well as festivals dedicated to music, theater, and dance; since 1980, an Architecture Biennale has also been held every two years (alternating with the Art Biennale).
The German Pavilion was originally constructed in 1909 by the Italian architect Daniele Donghi as the „Bavarian Pavilion.“
From 1912 onwards, it was officially designated the German Pavilion.
In 1938, under the National Socialists, the pavilion was redesigned by the German architect Ernst Haiger as a monumental structure featuring four massive columns fronting the entrance.
Following World War II, proposals to demolish the German Pavilion and rebuild it from scratch were considered on several occasions.
However, the project ultimately remained limited to renovations and partial refurbishments—most recently in 1995, following German reunification.
The building is now protected under Italian heritage preservation laws.
Main Exhibition: „In Minor Keys“
This year’s theme for the main exhibition at the Arsenale site—chosen by the curator Koyo Kouoh from Cameroon, who passed away last year—is „In Minor Keys.“
This title suggests a focus on quiet tones within the world’s largest exhibition of contemporary art.
One of the artists featured there is the American Laurie Anderson, whose practice spans the realms of art, performance, music, vocals, film, and installation.
German Pavilion: Art from East Germany
In 2026, the German Pavilion is being presented by two female artists:
The East German artist Henrike Naumann (who passed away unexpectedly in February 2026) and the Vietnamese artist Sung Tieu.
Tieu, who grew up and currently works in East Berlin, has roots there because her father was once brought to the GDR as a contract worker from the „brother state“ of Vietnam.
The German Pavilion was curated by Kathleen Reinhardt, a native of Thuringia.
Title: „Ruin.“
The exhibition is quite evidently concerned with the GDR’s past and the extent to which traces of that history continue to resonate today.
Scandal Surrounding the Russian and Israeli Pavilions
In the run-up to the Biennale, there were just as many scandals as there were during *documenta fifteen* in 2022.
On that occasion, the controversy centered on antisemitic imagery that the Indonesian selection committee, ruangrupa, had failed to review beforehand.
This time, the focus is on Russia’s and Israels controversial participation.
Since its invasion of Ukraine in February 2022, Russia had been barred from the Biennale.
However, this year, Biennale President Pietrangelo Buttafuoco announced that both Russia and Israel—whose exclusion many had demanded due to its actions against the civilian population in Gaza—would be participating.
Neither the protests of Prime Minister Giorgia Meloni nor those of Italian Culture Minister Alessandro Giuli could sway his decision.
Consequently, both will be absent from the opening ceremony.
Furthermore, the EU has withdrawn its €2.3 million in funding.
The Russian punk band Pussy Riot has now announced plans to stage protests at the Biennale.
Even the international jury—which traditionally awards a Golden Lion to the best pavilion and the best artist—has resigned.
As a result, there will be no Golden Lion awarded this year.
Moreover, the Russian pavilion is being curated by a figure with close ties to Putin:
Anastasia Karneeva, a business partner of Ekaterina Vinokurova—the daughter of Russia’s Foreign Minister, Sergey Lavrov.
A musical program is scheduled to be presented, though it is expected to be shown solely via video.
In this instance, it seems the focus was not on the art itself, but simply on the fact of being present!
USA Pavilion Featuring a Trump Loyalist
The USA Pavilion, too, gives cause for concern.
It goes without saying that, in the era of Donald Trump, the proceedings here would be manipulated to align with his agenda.
The selection of the artist—or artists—was not, as is customary, carried out by a curator; instead, it was handled by the American Arts Conservancy. Founded only in April 2025 and backed by President Trump, the organization is led by Jenni Parido—the owner of a dog food shop.
After numerous prominent artists had politely declined the invitation to participate, the institute selected the Californian artist Alma Allen, presenting the theme „Call Me Breathe.“
A certain Jeffrey Uslip is credited as the curator—an individual with close ties to the American Arts Conservancy.
One art critic described Allen’s sculptures as being „just good enough for a hotel lobby.“
The South African Pavilion Remains Empty
Originally, Johannesburg-based artist Gabrielle Goliath had been selected. She intended to address the issue of violence against women in South Africa, Namibia, and war zones such as Gaza and Sudan.
Furthermore, she planned to engage with the death of the Palestinian poet Hiba Abu Nada, who was killed during an Israeli attack in Gaza.
However, the South African Minister of Culture deemed the subject matter too controversial and requested changes—terms the artist was unwilling to accept.
Consequently, the exhibition was cancelled entirely, and the South African Pavilion remains empty.
Australian Pavilion to Feature Artist Accused of Antisemitism?
Australian curator Michael Dagostino had selected Lebanese artist Khaled Sabsabi to present work in the Australian Pavilion.
However, Sabsabi had previously drawn criticism from the Jewish community and Israelis over a 2007 video titled „You,“ in which he was alleged to have glorified Hezbollah leader Nasrallah.
Sabsabi, however, strictly rejected this interpretation—particularly given that, at the time, Hezbollah was not yet officially designated as a terrorist organization.
Since then, tensions have subsided, and Sabsabi has been cleared to present his work in the Australian Pavilion.
The Austrian Pavilion: Featuring Plenty of Nudity
Following a public open call for participation in the Biennale, 54 artists were selected for a shortlist.
A subsequent jury selected the Austrian performance artist FLORENTINA HOLZINGER with the theme „Seaworld Venice.“
The work is set to explore the relationship between water and the body. „People are going to get wet,“ she announced at a preceding press conference.
As recent reports have suggested, human waste is also expected to play a role.
We are familiar with FLORENTINA HOLZINGER from her performances and theatrical works at the Volksbühne Berlin (as reported by *kultur24*).
The Norwegian exhibition organizer NORA-SWANTJE ALMES—who works at the Gropius Bau in Berlin—will serve as the exhibition’s curator.
During the preview, long lines had already formed outside the pavilion.
The Danish Pavilion: Featuring Pornography
The Danish artist MAJA MALOU LYSE was selected to represent her country.
At just 23 years old, she is one of the youngest artists participating in the Biennale; her contribution is an installation exploring the subject of pornography.
Based on everything I’ve heard, my insider tip for Venice would be:
The new art foundation established by the Belgian fashion designer DRIES VAN NOTEN.
He purchased a magnificent palazzo situated directly on the Grand Canal, creating a sensual oasis of tranquility amidst the hustle and bustle of the lagoon city.
I haven’t visited in person yet, but it certainly sounds enticing.
Fondazione Dries van Noten
San Polo, 2766
30125 Venezia VE
Italy
Mon – Sun: 10 a.m. – 6 p.m.
You can find all further information and tickets on the official website of the Biennale di Venezia.
Biennale di Venezia
May 9 – November 22, 2026
Venice
Giardini di Venezia
Viale Giardini Pubblici
30122 Venezia
Arsenale di Venezia
Campiello Tana
30122 Venezia
Contact:
Ca’ Giustinian, San Marco 1364/A
30124 Venice
Tel. +39 041 5218711
Email: info@labiennale.org
Here is a photo series featuring images of the German Pavilion, courtesy of the IFA (Institut für Auslandsbeziehungen):
The exterior façade and columns have been clad in a mosaic that creates the illusion that the building is a prefabricated panel structure.
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.

























