Der Geizige mit Lars Eidinger in der Schaubühne Berlin
Von Holger Jacobs
05.04.2026
Nach 11 Jahren wieder eine neue Paraderolle für den Schauspieler Lars Eidinger
Kurz nachdem ich vor 11 Jahren mein online Kulturmagazin kultur24.berlin gegründet habe stolperte ich in die Premiere von „Richard III.“ von Shakespeare in der Regie von Intendant THOMAS OSTERMEIER an der Schaubühne Berlin.
In der Hauptrolle als Richard III: LARS EIDINGER.
Es war ein Ereignis!
Schon mit der Schaubühnen-Produktion von „Hamlet“ 2008 hatte LARS EIDINGER auf sich aufmerksam gemacht.
Nach seiner Schauspielausbildung auf der Ernst Busch-Schauspielschule in Berlin war er im Jahre 2000 an die Schaubühne gekommen.
Dort spielte er seitdem in vielen Produktionen unter der Regie von Intendant THOMAS OSTERMEIER.
Seit Ende der 2000er Jahre war er auch in mehreren Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, wobei für das deutsche Publikum sein Auftritt als rechtsnationaler Industrieller Alfred Nyssen (womit wohl Alfred Krupp gemeint war) in der Fernsehserie „Babylon Berlin“ wohl am stärksten in Erinnerung bleibt.
Mittlerweile hat er in über 40 Filmproduktionen mitgespielt, doch hat mich bisher noch keiner dieser Auftritte wirklich überzeugt.

Lars Eidinger bei der Pressekonferenz zu „Die Blutgräfin“ bei der Berlinale 2026, Video: Holger Jacobs
Da finde ich z.B. Christoph Waltz, in Bezug auf deutschsprachige Schauspieler in Hollywood, immer noch besser.
Doch nun soll LARS EIDINGER Gerüchten zufolge den Bösewicht im nächsten „Superman“ spielen.
Für die fiesen Rollen werden in Hollywood auch 80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs immer noch gerne deutsche Schauspieler genommen.
Als bester James Bond-Bösewicht aller Zeiten gilt übrigens GERD FRÖBE in „Goldfinger“ – bis heute unerreicht.
- Achtung Spoiler-Alarm: Es gilt als bestätigt, dass DENIS VILLENEUVE („Sicario“, Blade Runner 2049“, „Dune“) der Regisseur des nächsten James-Bond Films wird. 2. Spoiler: James Bond könnte zum ersten Mal eine Frau werden:)
Auch als DJ hat sich LARS EIDINGER immer wieder in Szene gesetzt.
Und als Fotograf zeigte LARS EIDINGER in mehreren Ausstellungen Arbeiten mit Motiven, die wie zufällig aufgenommene Dinge des täglichen Lebens wiederspiegeln.
Im Jahre 2024 hingen meine Fotografien neben denen von LARS in der Ausstellung „I SEE YOU“ 2024.
Am besten finde ich LARS EIDINGER aber immer noch auf der Bühne eines Theaters.
Er ist, obwohl dieser Ausdruck eigentlich aus dem Musik-Geschäft kommt, eine echte „Rampensau“.
Deshalb war der Abend mit „Der Geizige“ in der Schaubühne ein einziges Vergnügen.
Molière
Jean-Baptiste Poquelin, alias MOLIÈRE (1622 – 1673), ist bis heute der bekannteste französische Theaterautor. Er begründete seine Karriere im 17. Jahrhundert am Hof des Sonnenkönigs, Ludwig XIV (1638 – 1715).
Auch wenn sich MOLIÈRE einige Male an tragischen Themen versuchte, waren und sind seine Komödien echte Genie-Streiche und gehören in das Repertoire fast aller Theater-Häuser der Welt.
Seine Art, den Menschen ihre eigenen Schwächen vorzuführen, war sowohl komödienhaft wie auch sozialkritisch.
Umso erstaunlicher, dass er selbst am Hof von Versailles damit großen Anklang fand.
Ähnlich wie 300 Jahre später ein gewisser LORIOT es verstand, in Sketschen, Zeichnungen und Filmen der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, ohne dabei beleidigend oder anklagend zu wirken.
Neben „Der Geizige“ sind Molières bekannteste Stücke „Der Menschenfeind“ (hier mein Video von der Inszenierung am DT), „Amphitryon“, „Der eingebildete Kranke“ und „Tartuffe“.
Handlung
In Paris lebt der reiche, aber geizige Harpagon (LARS EIDINGER) mit seinen Kindern Élise (MAGDALENA LERMER) und Cléanthe (DAMIR AVDIC), die er möglichst vorteilhaft mit reichen Herren, bzw. Damen, verheiraten will.
Er selbst möchte die mittelose Marianne (MANO THIRAVONG) ehelichen, die aber 30 Jahre jünger ist als er.
Èlise soll den alten, aber steinreichen Anselme (AXEL WANDKE) heiraten, Cléanthe ist für eine reiche Witwe vorgesehen.
Doch die Kinder haben sich bereits anders entschieden:
Élise ist in Valère (PABLO MORENO), einen Angestellten ihres Vaters, verliebt und Cléanthe ausgerechnet in Marianne, die sich schon sein eigener Vater ausgesucht hat.
Zu guter Letzt versteckt Harpergon noch eine Kiste randvoll mit Geld, welches er sich durch seine Aktivitäten als Kredithai über die Jahre zusammengerafft hat.
Nach allerhand turbulenten Ereignissen, Verwechslungen und dem Diebstahl der wertvollen Geldkassette kommt es am Ende doch noch zur Versöhnung.
Die Kinder heiraten ihre Geliebten und das Geld taucht auch wieder auf.
Nur Hapergon bleibt am Schluss allein zurück.
Meine Kritik
Wie meine Leser schon von mir wissen bin ich kein großer Freund von kompletten Umgestaltungen alter Klassiker einschließlich dem Verlust der Originalsprache.
Deutlich gemacht durch solche Anmerkungen wie nach … anstatt von… dem oder dem Autoren.
Auch bei dieser Neuinszenierung von Intendant THOMAS OSTERMEIER bleibt nicht viel von dem ursprünglichen Stück übrig.
Zwar folgt die Handlung in großen Teilen dem Original, aber die Sprache ist komplett neu verfasst.
Und trotzdem erscheint ein „von Molière“ im Spielplan des Theaters.
Vielleicht fühlte sich OSTERMEIER doch nicht so weit vom Original entfernt, obwohl er zusammen mit seiner Dramaturgin MAJA ZADE ziemlich viel verändert hat.
Und dieses Mal, liebe Leser, bin ich mit dem Ergebnis einverstanden.
Denn aus dem ursprünglichen Theaterstück ist ein Satire-Abend im Stil eines Stand Up Comedian geworden, mit dem Unterschied, dass hier nicht nur ein Mann (oder Frau) alleine auf der Bühne steht, sondern eine ganze Gruppe von Schauspielern.
Denn es ist die Art und Weise, wie gespielt wird – immer direkt auf das Publikum bezogen, mit ihm kommunizierend (einmal beschwert sich EIDINGER über einen Zuschauer in der ersten Reihe, der die Bühne als Ablageplatz für seine Jacke nutzt und ein anderer Schauspieler befragt das Publikum), einhergehend mit Slapstick-Einlagen (EIDINGER rutscht ständig auf dem Boden aus und fällt publikumswirksam hin) und Ansprache an das Publikum mit direktem Blickkontakt, sind typische Merkmale von Comedian Live-Performances.
Keinem gelingt diese komödiantische Spielweise so gut wie LARS EIDINGER, der hier einmal eine ganz andere Seite (kein Bösewicht, kein Psychopath) von sich zeigen darf.
Und die Zuschauer merken seine Lust am Spiel. Genau das macht einen leidenschaftlichen Bühnendarsteller aus:
Mit Spiel, Mimik und maximalen Körpereinsatz den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.
Der Bühnenraum (Bühne: MAGDA WILLI) ist nüchtern bis kalt und soll ein Autohaus darstellen einschließlich einer großen Jaguar Limousine, deren Motor allerdings ausgebaut wurde.
Die Kleidung (Kostüme: VANESSA BORGMANN) ist neuzeitlich.
Fazit: Allein schon wegen der Performance von LARS EIDINGER sehenswert.
Die Inszenierung ist im Großen und Ganzen gelungen und gibt EIDINGER viel Raum, um zu glänzen.
Alle 10 Aufführen sind bereits ausverkauft, Restkarten an der Abendkasse.
„Der Geizige“ von Molière
Schaubühne Berlin
Premiere war am 2. April 2026
Regie: Thomas Ostermeier, Bühne: Magda Willi, Kostüme: Vanessa Borgmann
Dramaturgie: Maja Zade
Mit: Lars Eidinger (Harpagon), Magdalena Lermer (Élise), Damir Avdic (Cléanthe), Pablo Moreno (Valère), Mano Thiravong (Marianne), Cathlen Gawlich (Frosine), Robert Beyer ((La Flèche), Axel Wandtke (Anselme), Falk Rockstroh (Jaques)
Foto: Schaubühne Berlin am 4. April 2026 (ph: Holger Jacobs):
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.





















