Die Neue Nationalgalerie: Die Sammlung

Neue Nationalgalerie © Neue Nationalgalerie/ kultur24.berlin, Photo: Holger Jacobs

Die Neue Nationalgalerie: Die Sammlung

 

Von Holger Jacobs

Holger Jacobs

03.11.2021

English text

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 (fünf von fünf)

Mit der Ausstellung „Die Kunst der Gesellschaft“ zeigt die Neue Nationalgalerie 250 Werke ihrer Sammlung

Nach der Grundsanierung der Neuen Nationalgalerie, die sechs Jahre dauerte und 140 Millionen Euro verschlang, konnte der berühmte Bau von Mies van der Rohe am 22. August 2021 wiedereröffnet werden.
Die letzte Veranstaltung im Januar 2015 vor der Sanierung waren drei aufeinander folgende Konzerte der legendären Elektro-Band „KRAFTWERK“.
Hier mein Video des letzten Konzertes von „KRAFTWERK“ 2015 in der Neuen Nationalgalerie:

 

Die umfangreiche Sammlung der Nationalgalerie beinhaltet heute gut 4000 Werke zur Kunst des 20. Jahrhunderts,
von der Klassischen Moderne bis zur Kunst der 60er Jahre.

Wie entstand die Sammlung der Neuen Nationalgalerie?

Gleich nach Ende des 1. Weltkriegs wurde in Berlin beschlossen, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen unter der Leitung des Direktors der Berliner Nationalgalerie, Ludwig Justi.

Zunächst noch Neue Abteilung der Nationalgalerie Berlin genannt, fiel die Wahl auf das Kronprinzenpalais Unter den Linden als Sammlungs- und Ausstellungsort, da alle Besitztümer der Hohenzollern-Familie nach Abdankung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. beschlagnahmt worden waren.

Diese neue Abteilung im Kronprinzenpalais war die erste staatliche Sammlung zeitgenössischer Kunst weltweit.

Kronprinzenpalais

Kronprinzenpalais ca. 1860 CC Wikimedia Commons

Im Kronprinzenpalais konnten nun die gerade frisch gemalten und für wenig Geld erworbenen Bilder von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Max Pechstein („Die Brücke“), Franz Marc, August Macke, Wassily Kandinski („Blaue Reiter“), sowie Arbeiten von Wilhelm Lehmbruck, Emil Nolde, Max Liebermann, Max Beckmann, Lyonel Feininger und vielen anderen bestaunt werden.
Es war die „Crème de la crème“ der damaligen deutschen Kunstszene, heute alles unbezahlbare Schätze.
Was kaum noch jemand weiß: Das berühmte MOMA, das Modern Art Museum in New York, 1929 von Alfred Barr gegründet, hatte sich das Konzept des Kronprinzenpalais zum Vorbild genommen.

Museum of Modern Art, New York, CC Wikimedia Commons

Ab 1933 beendeten die Nationalsozialisten abrupt die Euphorie auf zeitgenössische Kunst.
Als „entartet“ wurden die Werke verteufelt und ab 1937 in mehreren Ausstellungen in ganz Deutschland als verabscheuungswürdige Kunst vorgeführt. Erstaunlicherweise wurde diese Schau mit über 2 Millionen Besuchern die meistbesuchte Kunstausstellung des 20. Jahrhunderts…
Nach der Ausstellung wurden die 164 Gemälde zusammen mit über 400 anderen Werken bei Schweizer Kunsthändlern verkauft.
Über 1000 nicht verkaufte, sogenannte „entartete“ Kunstwerke der Sammlung, wurden am 20. März 1939 im Hof der Berliner Hauptfeuerwache verbrannt.

Entartete Kunst - kultur24.berlin

Katalog „Entartete Kunst“, 1937, Photo: Holger Jacobs

Teilung in Ost und West

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs beschloss der Magistrat von Berlin den Wiederaufbau einer Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Ausstellungsort wurde zunächst der Stadtratssaal des halbzerstörten Berliner Schlosses.
Mit der Trennung der Stadt in Ost- und Westberlin ab 1948 musste eine eigene Galerie des 20. Jahrhunderts in Westberlin gegründet werden. Als Standorte wurden das ehemalige Landwehrkasino am Bahnhof Zoo (heute Museum der Fotografie und Helmut Newton Foundation) gefunden, sowie das Schloss Charlottenburg.

Als durch den Bau der Berliner Mauer 1961 klar wurde, dass auf lange Zeit die Sammlung von Ost- und Westberlin nicht mehr zusammengeführt würde, entschloss sich der (West-) Berliner Senat 1964 zu einem Neubau, der die Kunstsammlung des 20. Jahrhunderts in Westberlin zusammenführen sollte.
Der Architekt Mies van der Rohe wurde mit dem Bau beauftragt.
Am 15. September 1968 wurde die Neue Nationalgalerie am Kulturforum eröffnet.

Neue Nationalgalerie - Photo: Holger Jacobs

Neue Nationalgalerie, Oktober 2021, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

Wiederaufbau der Sammlung

Über die letzten 70 Jahre konnte wieder eine große Sammlung moderner Kunst aufgebaut werden, dank großzügiger privater Spender und Geldgeber. Hier soll insbesondere auf die vielen gespendeten oder geliehenen Werke der Sammlung Erich Marx, Ulla & Heiner Pietzsch und Egidio Marzona hingewiesen werden (ich berichtete darüber in dem Artikel „The Cool and the Cold“).
Marzona z.B. sammelte bevorzugt Arbeiten von Bruce Nauman, Richard Serra, Dan Graham, Jannis Kounellis, Mario Merz und Richard Long.

Neue Nationalgalerie - Photo: Holger Jacobs

Neue Nationalgalerie, Oktober 2021, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie 2021

Es war vielleicht das Kunstereignis des Jahres: Die Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie nach 6-jähriger Renovierung (Planung: Architekt David Chipperfield).
Dieser ikonenhafte Bau von Mies van der Rohe, selbst ein Kunstwerk und ein Meilenstein der Moderne in Deutschland, ist für die Berliner neben dem Brandenburger Tor ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Kein anderer Bau in den letzten 70 Jahren hat so viel Furore gemacht und ist so beliebt bei den Touristen aus aller Welt.

Neue Nationalgalerie - Photo: Holger Jacobs

Skulptur von Alexander Calder, Neue Nationalgalerie, 2021, Photo: Holger Jacobs

Die Ausstellung „Die Kunst der Gesellschaft“

Seit der Wiedereröffnung wird in der oberen rundum verglasten Halle noch bis zum 13. Februar 2022 die Skulpturen des US-amerikanischen Bildhauers Alexander Calder (*1898 – †1976) gezeigt.
Im Untergeschoss sind jetzt 250 Werke der Sammlung unter dem Titel „Die Kunst der Gesellschaft“ noch bis zum 02. Juli 2023 zu bestaunen.
Sie zeigt Bilder und Skulpturen aus der Zeit von 1900 bis 1945 und soll die gesellschaftlich und politisch sehr bewegte Periode von der Kaiserzeit bis zum Ende des 2. Weltkriegs reflektieren.
Sie ist nicht chronologisch aufgebaut, sonders orientiert sich nach Themengebieten.

„Alexander Calder. Minimal / Maximal“
22.08.2021 – 02.07.2023
„Die Kunst der Gesellschaft 1900 – 1945. Sammlung der Nationalgalerie“
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
Di – So 10 – 18 Uhr, Do – 20 Uhr

Bildergalerie:

Max Pechstein „Sitzendes Mädchen“, 1910 © Staatliche Museen zu Berlin, Photo: Holger Jacobs

English text

 

The Collection of the Neue Nationalgalerie in Berlin

 

By Holger Jacobs

Holger Jacobs
03/11/2021

Rating: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 (five of five)

The Neue Nationalgalerie is showing 250 works from its collection of Modern Art

After the complete renovation of the Neue Nationalgalerie, which took six years and devoured 140 million euros, the famous building by Mies van der Rohe was reopened on August 22, 2021.
The last event before renovation in the beginning of 2015 was a concert by the legendary electronic band KRAFTWERK.
Here my video of the last concert of „KRAFTWERK“ in the Neue Nationalgalerie:

 

The extensive collection of the Neue Nationalgalerie includes today over 4,000 works on 20th century art,
from classical modernism to art from the 1960s.

How did the collection of the Neue Nationalgalerie come about?

Immediately after the end of World War I, it was decided in Berlin to build up a collection of contemporary art under the direction of the director of the Berlin National Gallery, Ludwig Justi.
Initially called the New Department of the Nationalgalerie Berlin, the choice fell on the Kronprinzenpalais Unter den Linden as the collection and exhibition location, as all the Hohenzollern family’s possessions had been confiscated after the abdication of the last German Emperor Wilhelm II.
This new department was the first state collection of contemporary art in the world.

Kronprinzenpalais ca. 1860 CC Wikimedia Commons

At the Kronprinzenpalais all the freshly painted pictures by artist Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Max Pechstein („Die Brücke“), Franz Marc, August Macke, Wassily Kandinski („Blaue Reiter“), as well as works by Wilhelm Lehmbruck, Emil Nolde, Max Liebermann, Max Beckmann, Lyonel Feininger and many others could be admired.
It was the “crème de la crème” of the German art scene at the time, today all priceless treasures.
What hardly anyone knows: the famous MOMA, the Modern Art Museum in New York, founded in 1929 by Alfred Barr, had taken the concept of the Kronprinzenpalais as its model.

From 1933 onwards, the Nazis abruptly ended the euphoria for contemporary art.
The works were demonized as „Entarte Kunst“ and from 1937 onwards they were shown in several exhibitions all over Germany as despicable.
Amazingly, with over 2 million visitors, this show became the most-visited art exhibition of the 20th century …
After the exhibition, the 164 paintings, along with over 400 other works, were sold at Swiss art dealers. Over 1000 unsold, so-called “degenerate” works of art in the collection were burned on March 20, 1939 in the courtyard of the main Berlin fire station.

Entartete Kunst - kultur24.berlin

Katalog „Entartete Kunst“, 1937, Photo: Holger Jacobs

Split into east and west

After the end of World War II, the Berlin magistrate decided to rebuild a collection of 20th century art.
The exhibition venue was initially the city council chamber of the half-destroyed Berlin palace.
With the division of the city into East and West Berlin in 1948, a 20th century gallery had to be founded in West Berlin.
The locations were found at the former Landwehr casino at Bahnhof Zoo (today the Museum of Photography and Helmut Newton Foundation) and the Charlottenburg Palace.
When the construction of the Berlin Wall in 1961 made it clear that the collections from East and West Berlin would no longer be merged for a long time, the (West) Berlin Senate decided in 1964 to build a new building to house the 20th century art collection in West Berlin should merge. The architect Mies van der Rohe was commissioned with the construction. On September 15, 1968, the New National Gallery was opened at the Kulturforum.

Neue Nationalgalerie; 2021, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

Reconstruction of the collection

A large collection has been built up again over the past 70 years, thanks to generous private donors and financiers.
In particular, reference should be made to the many donated or loaned works from the Erich Marx, Ulla & Heiner Pietzsch and Egidio Marzona collection (Kultur24 reported on this in the article “The Cool and the Cold”).
Marzona, for example, preferred to collect works by Bruce Nauman, Richard Serra, Dan Graham, Jannis Kounellis, Mario Merz and Richard Long.

Neue Nationalgalerie - Photo: Holger Jacobs

Neue Nationalgalerie – Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

Reopening of the Neue Nationalgalerie in 2021

It was perhaps the art event of the year: The reopening of the New National Gallery after 6 years of renovation (planning: architect David Chipperfield).
This iconic building by Mies van der Rohe, itself a work of art and a milestone of modernism in Germany, has become a symbol of the city for Berliners next to the Brandenburg Gate.
No other building in the last 70 years has caused so much sensation and is so popular with tourists from all over the world.

Skulptur von Alexander Calder, Neue Nationalgalerie, 2021, Photo: Holger Jacobs

The exhibition

Since the reopening, the sculptures by the American sculptor Alexander Calder (* 1898 – † 1976) have been shown in the upper all-round glazed hall until February 13, 2022.
In the basement, 250 works from the collection of Modern Art can now be seen under the title “The Art of Society” until July 2nd, 2023.
It shows pictures and sculptures from the period from 1900 to 1945 and is intended to reflect the socially and politically very turbulent period from the imperial era to the end of World War II.
It is not structured chronologically, but is based on subject areas.

„Alexander Calder. Minimum / Maximum „
08/22/2021 – 07/02/2023
“ The Art of Society 1900 – 1945. Collection of the Nationalgalerie“
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Strasse 50, 10785 Berlin
Tue – Sun 10 a.m. – 6 p.m., Thu – 8 p.m.

Our picture series shows the 20 most beautiful works of the collection:

Max Pechstein „Sitzendes Mädchen“, 1910 © Staatliche Museen zu Berlin, Photo: Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.