Review Berlin Fashion Week AW 2026/27
Von Holger Jacobs
11.02.2026
Die Berliner Modewoche wird immer größer – und eleganter
Während in den letzten Jahren jede Neuauflage der BERLIN FASHION WEEK von mir mit einiger Skepsis begrüßt wurde, muss ich dieses Mal zugeben, dass die BFW einen Sprung nach vorne gemacht hat.
Mit 52 Runway Shows und 62 Side Events war die jetzige BERLIN FASHION WEEK die Größte seit ihrem Beginn 2007.
Selbst zur letzten Ausgabe, keine 6 Monate her, gab es eine Steigerung:
Im Januar 2026 waren es nur 42 Shows und 52 Events.
Bundeskanzleramt
Und es gab sogar einen Empfang bei Bundeskanzler Friedrich Merz mit Kulturstaatsminister WOLFGANG WEIMER und BFW-Vorstandsvorsitzender CHRISTIANE ARP im Bundeskanzleramt.
Größe als Risiko
Doch die Größe birgt auch gewisse Risiken.
Denn fast jeder Designer suchte sich seine eigene Location aus, was dazu führte, dass der interessierte Besucher von einem Ende der Stadt zur anderen rasen musste, wollte man keine Show versäumen.
Selbst der eigene BFW-Fahrdienst war da manches Mal überfordert.
Denn nicht jeder Designer war diesem System angeschlossen.
Allein die 19 Brands der wichtigsten Kategorie „Berlin Contemporary“ zeigten ihre Shows an 19 verschiedenen Orten!
Auch die mühselige Akkreditierung für Journalisten und Fachpublikum sich für jede einzelne Show extra anmelden zu müssen wird so manchen Besucher abgeschreckt haben, besonders die, die aus dem Ausland anreisen.
ICC
Nur diese vier Designer UNVAIN, MARKE, ORANGE CULTURE und BUZIGAHALL zeigten ihre Kollektionen an einem gemeinsamen Ort, durchgeführt durch die Agentur NOWADAYS mit ihrem Format NEWEST:
Im ICC (International Congress Centrum), was für mich von der Örtlichkeit eines der Highlights bedeutete.
RAUM.Berlin im John Jahr Haus
Ein weiteres Highlight, was die Örtlichkeit anbelangte, war der Showroom in der 16. Etage des neuen JOHN JAHR HAUSES an der Kurfürstenstraße 25 mit Blick über die ganze Stadt.
Auch die dort ausgeführten Präsentationen mit einer Art Performance der Models hat mir sehr gut gefallen.
Young Designers
Aber warum gibt es allein für den Nachwuchs innerhalb der Branche drei verschiedene Formate an fünf verschiedenen Orten?
Berlin Curated, NEO.Fashion und PLATTE presents?
Auf allen drei wurden Modelle von Modeschülern gezeigt.
Hier hätte ein Ort für alle Formate die Arbeit von Journalisten und Einkäufern sehr erleichtert.
Diese vielen Shows an kilometerweit verstreuten Orten führt leider dazu, dass selbst der engagierte Besucher nur einen Bruchteil aller Kollektionen zu Gesicht bekommt.
Und das ist schade!
Zu viele Runway Locations
Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, wie die Pariser Modeindustrie Anfang der 1980er Jahre in großen Schwierigkeiten steckte und drohte von Mailand überholt zu werden.
Der im Jahre 1981 gewählte französische Präsident FRANCOIS MITTERAND, ein großer Liebhaber der Künste, nahm daraufhin das Problem persönlich in die Hand und ließ im Hof des Louvre ein großes Zelt aufbauen, worin fast alle Modenschauen nacheinander stattfinden konnten.
Parallel dazu ordnete MITTERAND im Projekt „Le Grand Louvre“ die Neustrukturierung des gesamten Museums an , wozu nicht nur ein neuer Eingang (Pei-Pyramide) gebaut wurde, sondern auch eigens für Modenschauen gebaute Veranstaltungssäle unter dem Louvre entstanden, in denen bis heute die meisten Shows stattfinden.
Die neue Eleganz
Mir fiel auf, dass die jetzt in Berlin gezeigte Mode deutlich eleganter und damit attraktiver geworden ist und sich endlich von der bisher vorherrschenden reinen Club- und Streetwear verabschiedet hat.
Wie z.B. bei der Show von BUZIGHILL im ICC , wo die Models keine Sneakers mehr trugen, sondern glänzende Lackschuhe!
Liegt das vielleicht daran, dass in Berlin immer mehr Clubs zugemacht haben?
Oder liegt es daran, dass jeder Hype auch mal ein Ende hat?
Und kommt jetzt die Ära der neuen Eleganz?
Ein weiterer Trend, der zu beobachten war, ist die Verwendung von gestrickten oder gehäkelten Stoffen, die mehr oder weniger Transparenz bieten und damit die Silhouette des Körpers betonen.
Zu sehen bei LOU DE BÈTOLY,
bei REBEKKA RUETZ,
bei RITUAL UNIONS,
bei KASIA KUCHARSKA ,
bei LAURA GERTE
und bei UNVAIN
Oder zarter transparenter Stoff für den ganzen Körper, wie bei MALAIKARAIS.
Und wie bei NAOMI TARAZI in der 16. Etage des John Jahr Hauses beim Format RAUM.Berlin.
Sehr sexy!
Der Berliner Salon
Auch hier gab es eine neue Location:
Das Schloss Charlottenburg, genauer gesagt die Orangerie des Schlosses.
Deren langgezogenen Räumlichkeiten werden häufig für Veranstaltungen gebucht.
Auf dem diesjährigem BERLINER SALON waren 63 Designer präsent, kuratiert von CHRISTIAN ARP.
Neben den Modellen auf Schaufensterpuppen war es auch ein großes Treffen der Berliner Modebranche und vieler Freunde der Berliner Kunstszene.
Leider war der Besuch nur auf persönliche Einladung möglich und damit ohne Möglichkeit für die Öffentlichkeit sich die Arbeiten anzuschauen.
Hoffentlich klappt das beim nächsten Mal wieder.
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.






























