Resumé des 79. Filmfestivals von Cannes mit den wichtigsten Preise
Holger Jacobs
25.05.2026
Auch mit nur wenigen Hollywoodstars war Cannes dieses Jahr ein Erfolg
Die internationale Jury (u.a. mit DEMI MOORE), angeführt von dem südkoreanischen Regisseur PARK CHAN-WOOK, verteilte seine Preise in ausgewogener Form.
Mit drei Produktionen (bzw. Co-Produktionen) war Deutschland sektionsübergreifend sehr gut repräsentiert, zwei von ihnen konnten sogar Preise mit nach Hause nehmen:
„Das geträumte Abenteuer“ von Valeska Grisebach gewann den Preis der Jury,
„Vaterland“ von PAWEL PAWLIKOWSKI mit SANDRA HÜLLER (deutsche Co-Produktion) gewann den Preis für die beste Regie.
Die Goldene Ehrenpalme ging an drei Persönlichkeiten des internationalen Films:
An die amerikanische Schauspielerin BARBARA STREISAND (konnte wegen Krankheit leider nicht selbst kommen),
an den neuseeländischen Regisseur PETER JACKSON („Herr der Ringe“)
und an JOHN TRAVOLTA („Grease“), der in Cannes sogar seinen ersten selbstgedrehten Film („Propeller One-Way Night Coach“) präsentierte.
Das Schaulaufen der Stars auf dem Roten Teppich vor dem Festival-Palais war natürlich wieder der Höhepunkt in Cannes.
Besonders IRIS BERBEN fiel mit einer wunderbaren Abendrobe des Berliner Labels HADERLUMP auf.
Nächstes Jahr feiert Cannes sein 80. Filmfestival.
Es wird ein großes Spektakel erwartet.
Hier die wichtigsten Preise 2026:
Goldene Palme für den besten Film:
„FJORD“ von Cristian Mungiu (Rumänien) über eine streng gläubige rumänische Familie, die als Immigranten in Norwegen leben. Als man bei einer der Kinder der rumänischen Familie Spuren von Verletzungen entdeckt, wird die norwegische Gemeinde misstrauisch.
Großer Preis der Jury:
„MINOTAUR“ vom in Frankreich lebenden russischen Regisseur Andrei Swjaginzew (bereits Preise für das beste Drehbuch für seinen Film „LEVIATHAN“ in Cannes 2014 und Preis der Jury in Cannes 2017 für „LOVELESS“).
In „MINOTAUR“ geht es um eine Familie in der russischen Provinz zur Zeit des russischen Angriffs auf die Ukraine 2022.
Vater Gleb hat ein erfolgreiches Unternehmen, dass aber nun Schwierigkeiten bekommt, als sich mehrere seiner jungen Mitarbeiter in den Westen absetzen und andere zur sogenannten „Militärischen Spezialoperation“ als Soldaten eingezogen werden.
Außerdem erfährt er, dass seine Frau fremd geht. Das Chaos beginnt.
Preis der Jury:
„DAS GETRÄUMTE ABENTEUER“ von der deutschen Valeska Grisebach.
Der Film handelt von Schmugglern im bulgarisch-griechisch-türkischen Grenzgebiet und wurde überwiegend mit bulgarischen Laiendarstellern realisiert.
Beste Regie (Ex Aequo):
An „LA BOLA NEGRA“ von Javier Calvo und Javier Ambrossi.
Die spanische Produktion handelt von drei schwulen Männern, deren Schicksale sich über ein ganzes Jahrhundert spannt.
Und „VATERLAND“ von Pawel Pawlikowski mit Sandra Hüller als Tochter Erika und Hanns Zischler als Thomas Mann in den Hauptrollen.
Die deutsch-italienisch-polnische Produktion „Vaterland“ (gedreht in englischer Sprache) zeigt die (tatsächlich stattgefundene) Reise von Nobelpreisträger Thomas Mann 1949 zurück nach Deutschland, nachdem er 15 Jahre im Exil gelebt hatte.
Begleitet wird er von seiner Tochter Erika (in Wirklichkeit war es seine Frau Katia).
Während ihrer Aufenthalte an verschiedenen Orten in Ost- und Westdeutschland erfahren sie vom Selbstmord des Sohnes Klaus Mann.
Bestes Drehbuch:
„NOTRE SALUT“ von Emmanuel Marre
Beste Schauspielerin (Ex Aequo):
VIRGINIE EFIRA und TAO OKAMOTO in dem Film „Soudain“ des japaqnischen Regisseurs Ryūsuke Hamaguchi.
Darin spielt Virginie Efira die Altenpflegerin Marie-Lou, die einer Pflegeeinrichtung in einem Pariser Vorort arbeitet. Eines Tages bekommt Marie-Lou die schwer an Krebs erkrankte Japanerin Mari Morisaki (Tao Okamoto) als Patientin.
Über die unterschiedlichen Kulturen hinweg entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden Frauen.
Bester Schauspieler (Ex Aequo):
EMMANUEL MACCHIA und VALENTIN CAMPAGNE in dem Film “Coward”, in dem die beiden Schauspieler Soldaten im 1. Weltkrieg darstellen, die zur Zerstreuung der anderen eine Revue auf die Beine stellen.
Den Wettbewerb „Un Certain Regard“ gewann die Österreicherin Sandra Wollner mit Ihrem Film „EVERYTIME“ über die schwere Zeit nach dem Tod einer geliebten Tochter.
Für viel Wirbel sorgte der Beitrag „HEIMSUCHUNG“ von Volker Schlöndorff, bei dem ein Haus an einem märkischen See vier Generationen von Bewohnern erlebt. Von der Weimarer Republik, über den Nationalsozialismus und der DDR bis in die Gegenwart.
Mit Lars Eidinger, Martina Gedeck, Ulrich Matthes, Susanne Wolff und Detleff Buck in der Reihe Cannes Premières.
Susanne Wolff, Lars Eidinger, „Heimsuchung“, © Ziegler Film
Viel Auferksamkeit bekam auch der Debütfilm von John Travolta „Propeller One Way Night Coach“ (deutscher Titel „Nachtflug nach L.A.), in dem Travolta fast autobiografisch von einem kleinen Jungen in den 1960er Jahren erzählt der vom Fliegen fasziniert ist.
Dessen Traum erfüllt sich, als er mit seiner Mutter eines Tages von Newark nach Los Angeles fliegt.
Ebenfalls interessant dürfte der Film „AVEDON“ von Ron Howard über den berühmten Modefotografen RICHARD AVEDON sein oder der Film „JOHN LENNON – THE LAST INTERVIEW“ von Steven Soderbergh über den berühmten Sänger John Lennon.
Beide in der Reihe Séances Speciales.
Große Aufmerksamkeit dürfte auch der Film „FULL PHIL“ von Quentin Dupieux in der Reihe Séances de Minuit auf Grund seiner Starbesetzung mit Woody Harrelson, Kristen Stewart und Charlotte le Bon gebracht haben.
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.























