Die Berlin Fashion Week in Zeiten der Corona-Pandemie

Leni Klum, Berlin Fashion Week © MFBW/ kultur24.berlin

Die Berlin Fashion Week in Zeiten der Corona-Pandemie

 

Von Lea Altpeter

21.01.2021

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Die Januar-Ausgabe 2021 der BERLIN FASHION WEEK gab es nur digital.

Shows, Ausstellungen, und Vorträge wurden in unterschiedlichen Livestreams aus dem Kraftwerk Berlin gezeigt, die für jeden zugänglich waren. Dabei drehte sich alles rund um das Thema Nachhaltigkeit. Klassische Shows trafen auf neue Crossover-Formate.

Los ging es mit der Gruppenausstellung DER BERLINER SALON, bei der die Arbeiten von 35 Designer*innen in Form von aufgezeichneten Gesprächen und Kollektionsfilmen inszeniert wurden. Dazu präsentierte LENI KLUM, die 16-jährige Tochter von Supermodel Heidi Klum (aus der Verbindung mit dem italienischen Formel 1 Rennstallbesitzer Flavio Briatore), mit ihrem Lauf in einem knapp fünf-minütigem Editorial-Video die Entwürfe.
Erst vor kurzem feierte Leni ihr Model-Debüt – und zwar auf dem Cover der Vogue Germany Januar-Ausgabe.

Hier unsere Bilderserie mit 6 Fotos mit Leni Klum:

6 Fotos: Leni Klum in einem Outfit von MICHAEL SONTAG © MFBW

Ein weiteres Konzept, das auf der Fashion Week präsentiert wurde, war das FASHION OPEN STUDIO, eine 2017 gestartete Präsentationsinitiative von FASHION REVOLUTION.
Es handelt sich dabei um Präsentationen, Gespräche und Workshops mit aufstrebenden Designern, um auf die Menschen und Prozesse aufmerksam zu machen, die hinter der Herstellung unserer Kleidung stehen:
„Berlin ist eine kreative Mode-Metropole mit starken Verbindungen zu nachhaltigen Designs und Innovationen. Als solcher ist die Stadt und die MBFW (Mercedes-Benz Fashion Week) der ideale Ort, um mit FASHION OPEN STUDIO einen Schritt hin zu einer verantwortungsbewussten Modezukunft zu gehen“ sagt Orsola de Castro, Creative Director bei FASHION OPEN STUDIO und Mitgründerin von FASHION REVOLUTION.

Die Eröffnungsshow der Mercedez-Benz Fashion Week machte der Belgier TOM VAN DER BORGHT. Seine Kollektion mit dem Titel „Seven Ways to be T.VDB“ gewann 2019 den FASHIONCLASH Festival Talent Award und brachte ihm 2020 den 1. Preis beim renommierten Festival für Mode, Fotografie und Modeaccessoires in Hyères, Südfrankreich, ein.
Für seinen Auftritt bei der Berliner Fashion Week kreierte der Designer eine bunte, schrille Fantasiewelt, mit viel Glitzer und Motiven wie aus einem Cartoon.
Um die genderneutralen Schöpfungen zum Leben zu erwecken verwendet er Upcycling- und unkonventionelle Materialien wie übrig gebliebene Seile und Kunststoffröhren. Fotos der Kollektion in unserer Bilderserie.

MICHAEL SONTAG zeigte die ersten Kleidungsstücke aus einer neuen Serie, die aus Reststücken hergestellt wurde, die er im Laufe der Jahre gesammelt und aufbewahrt hat, wobei er sie färbte und in neue Einzelstücke verwandelte. Der Designer hat schon in der Vergangenheit mit natürlichen Farbtechniken experimentiert und diesmal Walnüsse, Zwiebeln und Goldruten aus seinem eigenen Garten verwendet, um den natürlichsten Effekt zu erzielen. Fotos seiner Kollektion in unserer Bilderserie.

DANNY REINKE hat sich für seine neueste Kollektion mit seinem eigenen Familienerbe befasst und darin den Beruf des baltischen Fischers zur Geltung gebracht. „Die Kollektion ist ein Symbol für Nachhaltigkeit und verbindet Aspekte einer nachhaltigen Modeproduktion mit umweltfreundlichen Fangmethoden“, erklärt er. Die Kollektion spiegelt sowohl die Landschaft als auch die traditionelle Arbeitskleidung der Fischer wider und bleibt seinem Thema treu. Das Farbspektrum reicht von Sand über Grau bis hin zu verschiedenen Blau- und Gelbtönen. Fotos seiner Kollektion in unserer Bilderserie.

MARC CAIN: Inspiriert von der Natur und als Begegnung zwischen zwei Welten gedacht, spielt der Modefilm „How Wonderful“ von MARC CAIN mit Gegensätzen: Analog trifft Digital, Natur trifft Stadtleben, flauschige Materialien treffen glatt, Model trifft Avatar. Foto von der Kollektion in unserer Bilderserie.

Auch ANJA GOCKELS neue Kollektion „EMBRACELAND“ vereint Gegensätze, von prägenden Karomustern über feminine Nadelstreifen-Couture bis hin zu petrolfarbenen Lackstoffen. Wieder im Hotel Adlon Kempinski, waren dieses Mal neben den Models auch zwölf Tänzerinnen dabei – natürlich alle mit schwarzen Masken. Foto in unserer Bilderserie.

KILIAN KERNER feierte dieses Jahr im Rahmen dieser besonderen Mercedes-Benz Fashion Week seine zwanzigste Show. In seiner Kollektion „Traumwelt“ zum Jubiläum setzt er auf Details: einfache Farben treffen auf Feinheiten wie Transparenz, raffinierte Kragen, Raffungen und glitzernde Stoffe. Einige Modelle trugen transparente Einkaufstaschen mit Toilettenpapier und Pasta darin. Dazu sagt der Designer: „Eine Sache fand ich von Anfang an schräg, dämlich und belustigend: Die Hamsterkäufer. Klopapier und Nudeln als Luxusartikel. Ernsthaft?“ Fotos in der Bilderserie.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen aus der Wirtschaft:

Deutschland besetzt auf europäischer Ebene den zweiten Platz der größten Modemarken-Anbieter direkt hinter Italien, aber vor Frankreich, Portugal und Spanien, was deutlich macht: Der Modestandort Deutschland ist national wie international von hoher Relevanz.

Das zeigt die Studie zum Status Deutscher Mode, die zum Anfang der Fashion Week vom FASHION COUNCIL GERMANY zusammen mit Oxford Economics präsentiert wurde. Dennoch mangelt es bislang an politischer und gesellschaftlicher Akzeptanz die Mode als wichtiges Wirtschafts- und Kulturgut in Deutschland zu betrachten. Aus diesem Grund sowie aus vielen weiteren Erkenntnissen der Studie ergibt sich die Dringlichkeit zu handeln, damit Deutschland zukünftig und langfristig und auch im internationalen Wettbewerb als weiterhin wichtiger Modeplayer seine Geltung behalten und ausbauen kann.

Auch wenn diese Ausgabe der BERLIN FASHION WEEK sehr speziell war, muss sie dennoch als gelungen bezeichnet werden.
Nachhaltige Designs sind kein Wunschdenken mehr, sondern sehr wohl erreichbar.

Hier unsere Bilderserie mit 17 Fotos der wichtigsten Outfits der Fashion Week:

DER BERLINER SALON, Foto: Andreas Rentz © MBFW

 

English text

 

Berlin Fashion Week in times of the corona pandemic

 

By Lea Altpeter


01/22/2021

The January 2021 edition of BERLIN FASHION WEEK was only available digitally.

Berlin Fashion Week decided to go digital in January 2021: Shows, exhibitions and lectures were shown in various live streams from Kraftwerk Berlin, which were accessible to everyone. Everything revolved around the topic of sustainability. Classic shows met new crossover formats.

It all started with the group exhibition DER BERLINER SALON, in which the work of 35 designers was staged in the form of recorded conversations and collection films. LENI KLUM, the 16-year-old daughter of Supermodel Heidi Klum (from Heidi Klum’s love affaire with the Italian Formula 1 racing team owner Flavio Briatore) presented the drafts with her run in an editorial video of just under five minutes. Leni recently made her model debut on the cover of Vogue Germany January issue.
Here is our picture series with 6 photos with Leni Klum:

Leni Klum in einem Outfit von MICHAEL SONTAG © MFBW

Another concept that was presented at Fashion Week was the FASHION OPEN STUDIO, a presentation initiative launched by FASHION REVOLUTION in 2017. These are presentations, discussions and workshops with aspiring designers to draw attention to the people and processes behind the production of our clothing: “Berlin is a creative fashion metropolis with strong connections to sustainable designs and innovations. As such, the city and MBFW (Mercedes-Benz Fashion Week) is the ideal place to take a step towards a responsible fashion future with FASHION OPEN STUDIO, ”says Orsola de Castro, Creative Director at FASHION OPEN STUDIO and co-founder of FASHION REVOLUTION .

The Belgian TOM VAN DER BORGHT made the opening show of the Mercedez-Benz Fashion Week. His collection entitled „Seven Ways to be T.VDB“ won the FASHIONCLASH Festival Talent Award in 2019 and in 2020 brought him first prize at the renowned festival for fashion, photography and fashion accessories in Hyères, southern France. For his appearance at the Berlin Fashion Week, the designer created a colorful, shrill fantasy world with lots of glitter and motifs like from a cartoon. In order to bring the gender-neutral creations to life, he uses upcycling and unconventional materials such as leftover ropes and plastic tubes. Photos in the picture series.

MICHAEL SONTAG showed the first pieces of clothing from a new series made from scraps that he had collected and kept over the years, dyeing them and turning them into new, unique pieces. The designer has experimented with natural coloring techniques in the past, this time using walnuts, onions and goldenrod from his own garden to achieve the most natural effect. Photos in the picture series.

For his latest collection, DANNY REINKE has dealt with his own family heritage and in it brought the job of the Baltic fisherman to the fore. “The collection is a symbol of sustainability and combines aspects of sustainable fashion production with environmentally friendly fishing methods,” he explains. The collection reflects both the landscape and the traditional workwear of the fishermen and remains true to its theme. The color spectrum ranges from sand to gray to various shades of blue and yellow.
Inspired by nature and conceived as an encounter between two worlds, the fashion film “How Wonderful” by MARC CAIN plays with opposites: Analog meets digital, nature meets city life, fluffy materials meet smooth, model meets avatar. Photos in the picture series.

ANJA GOCKEL’S new „EMBRACELAND“ collection also combines opposites, from distinctive checked patterns to feminine pinstripe couture to petrol-colored lacquer fabrics. Again at the Hotel Adlon Kempinski, this time there were not only the models but also twelve dancers – all with black masks, of course. Photos in the picture series.

KILIAN KERNER celebrated his twentieth show this year as part of this special Mercedes-Benz Fashion Week. In his “Dream World” collection for the anniversary, he focuses on details: simple colors meet subtleties such as transparency, sophisticated collars, ruffles and glittering fabrics. Some models carried transparent shopping bags with toilet paper and pasta in them. The designer says: “I found one thing weird, stupid and amusing from the start: the hamster buyers. Toilet paper and pasta as luxury items. Seriously? ”Photos in the picture series.

Finally, a few figures from the economy:
At the European level, Germany occupies second place among the largest fashion brand providers, just behind Italy, but ahead of France, Portugal and Spain, which makes it clear that Germany as a fashion location is highly relevant both nationally and internationally.
This is shown by the study on the status of German fashion, which was presented at the beginning of Fashion Week by FASHION COUNCIL GERMANY together with Oxford Economics. Nevertheless, there has so far been a lack of political and social acceptance of fashion as an important economic and cultural asset in Germany. For this reason, as well as many other findings from the study, there is an urgent need to act so that Germany can maintain and expand its standing as an important fashion player in the future and in the long term and also in international competition.

Even if this edition of the BERLIN FASHION WEEK was very special, it must nevertheless be described as a success. Sustainable designs are no longer wishful thinking, but rather achievable.

Here our picture series with 17 photos from the fashion shows:

DER BERLINER SALON, Foto: Andreas Rentz © MBFW

 

Lea Altpeter

Author: Lea Altpeter

Lea Altpeter – Business Studentin an der Cass Business School in London

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