Die neuen Filme im Kino

Ricki and the Flash - Mery Streep © Sony Pictures Germany

Die neuen Filme im Kino

36. Woche

Von Holger Jacobs

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63.9.2015

Liebe Kulturfreunde,

 

heute empfehle ich 2 Spiel- und 2 Dokumentarfilme:

 

RICKI AND THE FLASH“ („Ricki – Wie Familie so ist“) – Tragikomödie – USA – 2015

Regie: Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“)

Cast: Meryl Streep, Kevin Kline, Rick Springfield, Mamie Gummer (Tochter von Meryl Streep)

Filmverleih: Sony Pictures Germany

 

Die alternde Rocklady Ricki (Meryl Streep) mit ihrer Band „The Flash“ hat ihr ganzes Leben nur für die Musik gelebt und dafür einst ihren Mann und ihre Kinder verlassen. Ihr Ex Pete ruft eines Tages an und berichtet, dass es ihrer gemeinsamen Tochter Julie (Mamie Gummer) nicht gut geht. Also fährt Ricki nach Indianapolis, um ihre Familie nach vielen Jahren wieder zu sehen. Und versucht Versäumtes nachzuholen. Vielleicht keine ganz neue Story, aber dieses Mal ist es die Frau, die die Familie wegen der Karriere verlassen hatte. Wieder eine Traumrolle für Meryl Streep, die schon 19 Mal zum Oscar nominiert wurde und ihn auch schon drei Mal gewann. Wetten, dass sie dafür wieder nominiert wird? Aber auch ihr männlicher Gegenspieler, ihr Ex Pete, gespielt von Oscar-Gewinner Kevin Kline, ist brilliant. Ein guter Film mit guten Schauspielern. Was will man mehr!

"Ricki and the Flash" © Sony Pictures Germany

5 Bilder: „Ricki and the Flash“ © Sony Pictures Germany

 

FRENCH WOMEN“ – Komödie – Frankreich – 2014

Regie: Audrey Dana

Cast: Vanessa Paradis, Laititia Casta, Isabelle Adjani, Sylvie Testud

Filmverleih: Alpenrepublik GmbH

 

Und auch diese Woche wieder eine französische Komödie, dieses Mal geht es um 7 Frauen, deren Leben einigermaßen chaotisch verläuft. Jo (Audrey Dana) hat eine Affaire mit einem verheirateten Mann, der plötzlich bei ihr einziehen will, Rose (Vanessa Paradis – die Ex von Johnny Depp) ist Karrierefrau, hat aber weder Freunde noch einen Mann, Ysis hat vier Söhne und stellt fest, dass sie lesbisch ist, Agathe (das ehemalige Topmodel Laititia Casta) vermasselt jedes Rendezvous, Lili (Isabelle Adjani) ist mit ihrem Leben unzufrieden, weiß aber nicht, was sie ändern soll. Alles ganz normale Lebenssituationen, die jedem passieren könnten. Dass allzu menschliche Missgeschick bei diesen Damen mit anzusehen ist sehr vergnüglich. Französischer Charme mit eingeschlossen.

"French Women" © Alpenrepublik GmbH

5 Bilder: „French Women“ © Alpenrepublik GmbH

 

GOTTHARD GRAUPNER – FARB-RAUM-KÖRPER“ – Dokumentarfilm – Deutschland – 2014

Regie: Tilmann Urbach

Filmverleih: Film Kino Text

 

Durch meine eigene Tätigkeit als bildender Künstler werde ich natürlich immer gleich hellwach, wenn ein Film zum Thema Kunst gemacht wird. Viele erinnern sich noch an den wunderbaren Film über Gerhard Richter von Corinna Belz, der 2012 zu seinem 80. Geburtstag auf den Markt kam. Der Maler Gotthard Graupner ist vielleicht nicht so berühmt, wie sein Kollege, doch sehen ihn viele als einer der wichtigsten deutschen Nachkriegskünstler. So wurden mehrere seiner Bilder von der Bundesrepublik Deutschland angekauft und hängen heute im Schloss Bellevue oder auch im Reichstag. Graupner kam, wie Richter, aus Sachsen und hatte ebenfalls in Dresden Malerei studiert. Er „machte“ schon 1954 rüber in den Westen (Richter erst 1961) und studierte ebenfalls an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er (genau wie Richter) später eine Professur erhielt. Seine Arbeiten sind überwiegend monochrome Farbflächen, deren Farbtöne durch kleine Nuancen changieren. Die Besonderheit besteht darin, dass die Farbe nicht auf einer normalen Leinwand aufgetragen wird, sondern auf eine Art Schaumstoffkissen, welches wiederum viel von der Farbe absorbiert. Diese Arbeiten nannte er selbst Farb-Raum-Körper. Drei Jahre vor seinem Tod, 2010, gewährte Graupner dem Filmemacher Timann Urbach einen Einblick in seine Arbeitsweise. Wer sich für Kunst interessiert sollte sich den Film auf jeden Fall ansehen.

"Gotthard Graupner - Farb-Raum-Körper" © Film Kino Text

„Gotthard Graupner – Farb-Raum-Körper“ © Film Kino Text

"Gotthard Graupner - Farb-Raum-Körper" © Film Kino Text

„Gotthard Graupner – Farb-Raum-Körper“ © Film Kino Text

 

MAIDAN“ – Dokumentation – Ukraine – 2014

Regie: Sergei Loznitsa

Filmverleih: Grandfilm

 

Jeder hat noch die Bilder vor Augen, die uns vor 1 ½ Jahren, Anfang 2014, jeden Tag via Fernsehen erreichten. Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa verfolgte die 3 Monate andauernden Proteste auf dem Maidan, dem zentralen Platz in Kiew. Zunächst friedlich, entwickelten sich die Demonstrationen immer mehr zu einer blutigen Schlacht zwischen den Protestierenden und der Staatsgewalt, bis endlich am 22. Februar 2014 der amtierende Präsident Viktor Janukowytsch fluchtartig per Hubschrauber das Land Richtung Moskau verließ. Was damals noch keiner ahnte, waren die Folgen: Der quasi Einmarsch russischer Truppen, denen man die Abzeichen ihrer Staatszugehörigkeit entfernt hatte und sie für ukrainische Aufständische ausgab. Diese Einheiten besetzten das Rathaus und die wesentlichen Verwaltungen in Donezk (Bezirkshauptstadt des Donbass) und riefen einseitig ein unabhängiges Donbass-Gebiet aus. Der Bürgerkrieg begann, der bis heute schon mehr als 2000 Menschen auf beiden Seiten das Leben gekostet hat. Zusätzlich wurden von Moskau ungeheure Mengen an Kriegsmaterial über die grüne Grenze in die Ukraine gerollt. Kurz zuvor war in einem Staatsstreich die Krim ebenfalls durch russisches Militär eingenommen worden und wird heute als russisches Staatsgebiet geführt. Trauriger Höhepunkt war der Abschuss eines ziviles Verkehrsflugzeuges MH 17 am 7.7.2014 mit 298 Toten über dem Rebellengebiet des Donbass.

 

Der Westen hatte lange die Empfindlichkeiten von Russland und speziell die Empfindlichkeiten von Putin unterschätzt. Putin hatte zusammen mit der sowjetischen Armee 1994 das wiedervereinigte Deutschland verlassen müssen. In den Folgejahren traten fast alle östlichen europäischen Staaten der NATO bei, was den Einflussbereich Russlands erheblich schmälerte. Bevor nun auch noch die Ukraine sich Europa anschließen würde, zog Putin die Reißleine. Und der Konflikt ist noch lange nicht zu Ende. Man spricht schon wieder von einem neuen kalten Krieg.

 

Und alles begann mit der Protestbewegung auf dem Maidan. Es wurde also Zeit, darüber einen Film zu machen.

"MAIDAN" © Grandfilm

„MAIDAN“ © Grandfilm

"MAIDAN" © Grandfilm

„MAIDAN“ © Grandfilm

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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