Die neuen Filme im Kino 38. + 39. Woche

Paula Beer in "Frantz" von Francois Ozon © X-Filmverleih

Die neuen Filme im Kino 38. + 39. Woche

 

Von Holger Jacobs

holger-jacobs-love1-100a

29.09.2016

Liebe Kinofreunde,

heute möchte ich Euch drei außergewöhnliche Filme vorstellen, bei denen es sich wirklich lohnt ins Kino zu gehen.

 

„SNOWDEN“ – Biopic – USA, DE, FR – 2016

Regie: Oliver Stone
Cast: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Nicolas Cage, Zachary Quinto, Scott Eastwood
Filömverleih: Universum Film

Auch wenn man den berühmten Dokumentarfilm „Citizenfour“ von Laura Poitras schon gesehen hat, indem Sie über Edward Snowden und seine Enthüllungen zu den NSA Abhörmethoden berichtet (für den sie 2015 den Oscar und verschiedene andere Preise bekam), lohnt es sich auf jeden Fall diesen Film von Starregisseur Oliver Stone ebenfalls gesehen zu haben. Die Geschichte ist einfach zu wichtig und Stone schafft es geschickt den Skandal in eine spannende Spielfilmhandlung einzuweben. Er hatte diese Fähigkeit ja schon mehrfach in anderen halb-dokumentarischen Filmen bewiesen, wie in „John F. Kennedy“ und „Nixon“.

Der Hauptteil spielt in dem Hotelzimmer in Honkong, wohin sich Snowden mit seinen Dokumenten aus der NSA Zentrale zunächst geflüchtet hatte. Joseph Gordon-Levitt spielt den Whistleblower überzeugend aber ohne Glanz. Als im Schlussbild der echte Edward Snowden gezeigt wird, hat dieser eine deutliche stärke Ausstrahlung als sein schauspielerndes Konterfei. Auch die Freundin von Snowden, die 25-jährige Shailene Woodley („Divergent – Die Bestimmung“) habe ich schon besser erlebt, ihr Spielfilmdebut „The Descendants“ von 2011 an der Seite von George Clooney bleibt immer noch ihr bester Film. Ob das wohl an George lag…? Bliebe noch zu erwähnen, dass der hübsche Sohn von Clint Eastwood, Scott Eastwood, einen Kollegen von Snowden bei der CIA spielt.

Trotzdem – selbst wenn Ihr meint schon alles über diese Affäre zu wissen – schaut ihn Euch an. Ihr werdet auf jeden Fall Neues entdecken. „1984“ von George Orwell ist nichts gegen das, was hier passiert! Für die ganze Familie.

Joseph Gordon Levit in "Snowden" © Universum Film

Joseph Gordon Levit in „Snowden“ © Universum Film

 

„NEBEL IM AUGUST“ – Drama – DE – 2015

Regie: Kai Wessel
Cast: Ivo Pietzker, Sebastian Koch, Fritzi Haberland, David Bennent, Henriette Confurius
Filmverleih: StudioCanal

Und noch ein Spielfilm, der auf wahren Begebenheiten beruht. „Nebel im August“ basiert auf dem gleichnamigen Tatsachenroman von Robert Domes. Ein schwer erziehbarer Junge wird während der Nazi-Zeit nach verschiedenen Kinderheimen schließlich in eine Nervenheilanstalt für Jugendliche und Kinder gesteckt. Schnell bekommt er heraus, dass immer wieder Kinder verschwinden. Was er zunächst nicht weiß, ist, dass diese, je nach Schwere ihrer Krankheit, in Vernichtungslager gebracht und ermordet werden.

Eines Tages beschließt die Anstaltsleitung die Tötungen nun fortan selbst im eigenen Haus durchzuführen. Da läuten bei Ernst (Ivo Pietzcker) die Alarmglocken und er plant mit einer Freundin die Flucht.

Was dieser Film sehr gut zeigt, ist die Form, wie die Anstaltleitung (Sebastian Koch) und ihre Mitarbeiter mit dem Massenmord umgehen. Sie sind selbst völlig davon überzeugt das Richtige zu tun. Ein Beispiel dafür, wie selbst bei intelligenten Menschen durch eine Ideologie das logische Denken ausgeschaltet wird. Alles was den Menschen normalerweise ausmacht, Mitgefühl und klarer Verstand, sind nicht mehr vorhanden.

Wie Menschen sich dermaßen manipulieren lassen können, lässt einen auch heute noch Angesichts der Massenmorde des IS (Islamischer Staat) fassungslos und  hilflos zurück. Wir müssen uns damit abfinden, dass so etwas immer passieren kann und leider auch immer passieren wird. Solange die Menschheit existiert.
Ein Film für politisch Interessierte jeden Alters.

Dr. Werner Veithausen (Sebastian Koch) in "Nebel im August" © StudioCanal

Dr. Werner Veithausen (Sebastian Koch) in „Nebel im August“ © StudioCanal

 

„FRANTZ“ – Drama – FR, DE, – 2016

Regie: Francois Ozon
Cast: Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stötzner, Marie Gruber, Johann von Bülow
Filmverleih: X-Verleih

Der beste Film dieser drei ist „Frantz“. In vielerlei Hinsicht.

Zunächst ist die Wahl, den Film fast komplett in S/W zu drehen, genial. So schön und gleichzeitig so zeitgetreu wäre es in Farbe nicht möglich gewesen. Dann das Schauspieler-Ensemble mit der herausragenden 21-jährigen Paula Beer, die für ihre Rolle in Venedig den Darsteller-Nachwuchspreis gewann. Und natürlich die Geschichte selbst. Wobei ich zugeben muss, dass mein langjähriger Aufenthalt in Frankreich sicher zu meiner Begeisterung beiträgt. Paula Beer debütierte als 14-jährige 2010 in dem Film „Poll“ und dreht zurzeit mit Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“).

In einem kleinen Ort in Deutschland, kurz nach Ende des 1. Weltkrieges, lebt das ältere Ehepaar Hofmeister zusammen mit einer jungen Frau, die eigentlich deren Sohn ehelichen sollte. Doch der Sohn, Frantz, wurde im Krieg erschossen. Eines Tages taucht ein Franzose im Dorf auf, Adrien Rivoire (Pierre Niney), und legt Blumen auf das Grab des Sohnes. Er kommt auch zum Haus der Familie, wird aber brüsk abgewiesen. Doch die Schwiegertochter in spe, Anna (Paula Beer), ist neugierig geworden und sucht den Kontakt. Es stellt sich heraus, dass Adrien ein guter Freund des Sohnes Frantz war, als dieser vor dem Krieg in Paris weilte. Schnell wird Freundschaft geschlossen. Doch leider ist alles ganz anders, als es der Franzose zunächst erzählt. Als die Wahrheit ans Licht kommt, ist das Entsetzen groß. Doch Anna lässt sich nicht beirren und reißt Adrien nach Paris hinterher.

Ich muss zugeben, dass mir das eine ums andere Mal Tränen über die Wangen liefen, obwohl ich nicht gerade nahe am Wasser gebaut bin. Aber es ist einfach eine tolle Geschichte, denn sie nimmt die nun schon 50 Jahre dauernde Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland in gewisser Weise vorneweg.

Für alle, die Frankreich lieben und für alle anderen auch.

Paula Beer in "Frantz" von Francois Ozon © X-Filmverleih

Paula Beer in „Frantz“ von Francois Ozon © X-Filmverleih

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.