Jackie

Jackie - Natalie Portman @ Tobis Film

Jackie

 

Von Gil Jung

27.1.2017

 

Wird sie oder wird sie sich nicht den Oscar holen?

Wenn Ihr wissen wollt, warum unsere Teilzeit-Filmkritikerin Gil Eilin Jung Natalie Portman die besten Chancen für die goldene Trophäe prognostiziert und was das Ganze mit Marlon Brando zu tun hat: hier unsere Filmkritik zu „Jackie“ (Filmstart: 26. Januar 2017)

Sicher ist es für keine Schauspielerin leicht, eine Ikone zu verkörpern. Noch dazu eine, die uns in diesen Tagen, mit der Inauguration des wohl umstrittensten Präsidenten, den die USA jemals erlebt hat, wieder deutlicher vor Augen schwebt, ‚wachgeküsst’ durch die zweifelhafte optische Referenz, die ihr die neue First Lady in ihrem Jackie’esken Outfit gewährte. Aber die perfekte optische Wiedergabe der Figur Jacquelins Kennedys – vom Stiling, der Haltung, der Statur bis hin zur ihrer nasalen Ostküsten-Tonation – ist nur die geringste aller Stärken, die Natalie Portman in dem teils kammerspielartigen Film von Pablo Larrain beherrscht.

Portman brilliert in sämtlichen Facetten dieser bis in die heutige Zeit faszinierenden Frau, die schon immer anders, als alle um sie herum gewesen sein muss: höher, überlegener, elegischer. Ein bisschen verrückt ist sie auch mit ihrem Kleider-Fetisch. Aber dennoch:

Ein Solitär, der aus der Masse herausstrahlt – und immerzu alleine dasteht.

Die Facetten der Jackie Kennedy zeigen sich allesamt um einen der kritischsten Tage in ihrem Leben und der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika – um den 22. November 1963. Dem Tag, an dem der amerikanische Präsident John F. Kennedy erschossen wurde und Jackie, die schöne, kultivierte Tochter aus bestem Bostoner Stall, die Lichtgestalt und das Vorbild von Millionen amerikanischer Frauen, ihr größtes Trauma erlebt. Direkt vor ihren Augen und den Augen der Welt.

Liebe, Trauer, Schmerz, Verlust und Angst prallen zusammen mit einer Haltung, die man nicht lernen kann, die man einfach hat oder eben nicht.

Jackie hatte sie!

Eingekesselt von wohlwollenden bis manipulativen Beratern ihres toten Mannes trifft sie einsame und mutige Entscheidungen, stellt sich dem Schmerz, zwingt ihre Umwelt hinzusehen und ihren Verlust anzuerkennen, den Verlust auch eines ganzen Landes, das – wie sie ahnt – nach diesen Vorfällen nie wieder das sein wird, was es einmal war.

Sinnbildlich dafür ist ihr Beharren darauf, ihr pinkes, von sichtbaren Blutspritzern des Attentates getränktes Chanel-Kostüm, anzubehalten und die Spuren des Traumas nicht zu verwischen. Auch dann nicht, als in einer Art Not-Zeremoniell der Vize-Präsident zum neuen Präsidenten eingeschworen wird und sie sich aus dem Flugzeug steigend der Öffentlichkeit stellt.

Ihre Geschichte, ihre ganz persönliche Sichtweise, ihr unendliches Bemühen darum, ihren Mann zu einer Legende werden zu lassen und ihm den großen, historisch gebührenden Abschied zu bereiten, der ihm zusteht und den sie – wie sie klugerweise erkennt – letztlich nur um ihrer selbst willen veranstaltet, diese Geschichte erzählt sie einem Chronisten (Billy Cudrup) des Time Magazine. In der englischen Originalfassung tut sie dies kettenrauchend, trauernd, magnetisierend, in einer Stimmlage, die mehr einem näselnden Säuseln, als eine Akzent entspricht, und in ihrer Perfektion an Marlon Brandos Maffiaboss-Idiom herankommt, in seiner berühmtesten Rolle im Paten.

Allein dafür sollte der Oscar an Natalie Portman gehen.

12 Bilder: Jackie (Natalie Portman), Regie: Pablo Larrain © Tobis Film

Gil Jung

Author: Gil Jung

Journalistin und Public Relation Managerin, schrieb viele Jahre für die Lifeystyle-Seite der Welt am Sonntag

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