Tel Aviv Museum in Berlin

Marc Chagall, "Solitude", 1933, Tel Aviv Museum of Art

Tel Aviv Museum in Berlin

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂     (vier von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs

27.3.2015. Zum 50. Bestehen der diplomatischen deutsch-israelischen Beziehungen werden im Martin-Gropius-Bau in Berlin 57 KĂĽnstler mit 70 Kunstwerke gezeigt, die als Leihgaben vom Tel Aviv Museum of Arts nach Berlin gesandt wurden. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Juni 2015 zu sehen.

Worum geht es?

Als Israel und Deutschland am 12. Mai 1956 offiziell diplomatische Beziehungen aufnahmen, war dies ein äußerst sensibler Akt. Viele Kontaktaufnahmen und Vorgespräche waren nötig gewesen. 1950 hatten der damalige Ministerpräsident von Israel, Ben Gurion und sein Bonner Amtskollege, Konrad Adenauer, erstmals nach dem 2. Weltkrieg Kontakt aufgenommen. Es ging zunächst um Reparationszahlungen an Israel für die Gräueltaten der Deutschen an den Juden in Europa. Im Luxemburger Abkommen von 1952 hatte man sich auf 25 Milliarden Euro geeinigt, die Deutschland bis 2007 an Israel gezahlt hat.

Nach 1952 war erst einmal Funkstille. In den Folgejahren waren es zunächst evangelische Pfarrer und Theologen, häufig selbst zur Hitler-Zeit von den Nazis verfolgt, die die ersten Schritte wagten. Mehrere von Ihnen besuchten Israel. 1964 verfasste der Rat der Evangelischen Kirche ein offizielles Schreiben an die Bundesregierung, damals unter der Leitung von Bundeskanzler Ludwig Erhard. Dieser befürwortete dann, trotz heftigem Widerstand in den eigenen Reihen der CDU, einen Botschafteraustausch und am 12. Mai 1965 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland.

Der Anlass soll dieses Jahr gebĂĽhrend gefeiert werden und einer der Veranstaltungen ist die Kunstausstellung der 70 Werke aus dem Tel-Aviv Museum of Art aus Israel.

Die Arbeiten umfassen einen großen Bereich der Kunst der Moderne, beginnend vom Impressionismus über den Kubismus, deutschem Expressionismus, Abstraktion bis hin zur Zeitgenössischen Kunst. Fast alle wichtigen Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts sind vertreten. Ein paar wirklich außergewöhnliche Exemplare sind dabei, wie z.B. die Arbeit von Mark Rothko oder der wunderbare Marc Chagall, der auch auf dem Titelbild zu sehen ist. Für die Berliner Kunstszene ist besonders die Arbeit von dem Künstler Salomé interessant, der zur Kunstrichtung der „Neuen Wilden“ in den 80er Jahren in Berlin zählt. Leider sind deren Vertreter, zu denen neben Salomé auch Elvira Bach und Rainer Fetting gehören, etwas in den Hintergrund geraten. Es ist zu hoffen, dass diese Künstler wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Verdient hätten sie es!

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7 in der Nähe des Potsdamer Platzes. Noch bis zum 21. Juni 2015. Öffnungszeiten außer Dienstags immer von 10-19 Uhr.

 

Marc Chagall, "Solitude", 1933, Gift of the artist 1953, Tel Aviv Museum of Modern Art

Marc Chagall, „Solitude“, 1933, Gift of the artist 1953, Tel Aviv Museum of Modern Art

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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