Carla Bruni live in Berlin

Carla Bruni © Holger Jacobs

Carla Bruni live in Berlin

 

Von Holger Jacobs

18.3.2018

„French Touch“ – Carla Bruni singt Lieder ihres neuen Albums in der Universität der Künste

Modeling

Einen ganz besonderen Abend erlebte ich gestern in dem Konzertsaal der Universität der Künste: Auf der Bühne sang Carla Bruni (*1967), die ich vor genau 34 Jahren in Paris kennengelernt habe. Ich arbeitete damals für das deutsche Modemagazin MÄDCHEN und wurde nach Paris gesandt, um eine junge Französin zwischen 14 – 18 Jahren zu portraitieren. Ein Freund erzählte mir von einer 16-jährigen aus gutem Hause, hübsch, lustig und wild. Er gab mir ihre Telefonnummer, ich rief an, wir verabredeten uns und ich fuhr ins noble 16. Arrondissement unweit des Trocadéro. Ein wunderschönes Haus aus dem 18. Jahrhundert erwartete mich, eine Concièrge machte mir auf, ich fuhr hoch und dann stand sie vor mir: CARLA BRUNI. Wir machten ein paar Fotos unweit ihres Hauses. Danach lud sie mich noch auf ihr Zimmer ein und wir hörten uns Alben von THE WHO an – Musik war schon damals ihre große Leidenschaft. Kurz danach musste ich wieder zurück nach München und unsere Spur verlor sich.

Ein Jahr später zog ich nach Paris und begann als Modefotograf zu arbeiten. Mehrere Jahre später hatte ich Carla Bruni wieder vor meiner Linse, dieses Mal auf den Laufstegen der Haute Couture. Sie hatte sich entschieden Mannequin zu werden und eine steile Karriere gemacht. Von Versace über Chantal Thomas bis Marc Jacobs konnte man Carla bei den Pret-A-Porter Schauen in Mailand, Paris und New York finden. Manchmal ging ich zu ihr hinter die Bühne und wir plauderten ein wenig. Mitte der 90er-Jahre verließ ich die Mode und widmete mich mehr der künstlerischen Fotografie. Auch Carla Bruni beendete 1998 ihr Model Karriere.

Versace Haute Couture July 1995 © Holger Jacobs

Liebesleben

Wie ich anfangs erwähnte, war Carla Bruni schon immer ein großer Fan der Musik gewesen und auch ein großer Fan von (männlichen) Musikern. Zahlreiche Beziehungen zu berühmten Sängern werden ihr nachgesagt, als gesichert gelten Affären mit Eric Clapton und Mick Jagger. Wie, so scheint es, das Liebesleben von Carla Bruni überhaupt den größten Einfluss auf ihr Dasein bis heute ausübt. „Elle a dévoré les mecs“ („Sie hat die Typen verschlungen“) wird über sie erzählt. Der Regisseur Leos Carax, der Schauspieler Vincent Perez, der Menschenrechtsanwalt Arno Klarsfeld, der Politiker Laurent Fabius  (Außenminister Frankreichs), alle gehörten zu ihren Eroberungen. Sie scheint eine moderne Form von Alma Mahler-Werfel zu sein. Diese hatte parallel Beziehungen zu verschiedenen Männern der damaligen Wiener Künstlerszene Anfang des 20. Jahrhunderts, so zum Komponisten Gustav Mahler, dem Maler Gustav Klimt, dem Architekten Walter Gropius, dem Maler Oskar Kokoschka und zum Schriftsteller Franz Werfel. Über die Affären von Carla Bruni wurden bisher sogar zwei Bücher geschrieben: Von dem Literaturkritiker Jean-Paul Enthoven, der sie als kalt und herzlos beschrieb, als sie ihn für seinen Sohn Raphael verließ. Und Justine Lévy, die frühere Frau von Raphael Enthoven, die Bruni dafür verantwortlich macht, dass sie ihre Familie zerstört hätte. Wie Bruni selbst in Interviews sagte, sei sie polygam veranlagt. Sie könne nicht Leben ohne diese flirrende Erotik, die man als Liebender in den ersten 2-3 Wochen nach dem Kennenlernen verspürt. Deshalb blieb sie wohl auch bei keinem ihrer Liebhaber längere Zeit. Bis sie im Jahr 2007 den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy kennenlernte. Er hatte sich kurz vorher von seiner Frau getrennt. Sie heirateten Anfang 2008. Tochter Giulia kam 2011 zur Welt.

Carla Bruni in concert 2018 © Holger Jacobs

Konzert

Ausverkauftes Haus: die 1400 Plätze der Universität der Künste (Hardenbergstrasse in Berlin-Charlottenburg, gleich neben dem UDK Hauptgebäude) sind bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum ist im Alter der Sängerin, ein paar auch jünger. Mehrere schick und elegant gekleidete Pärchen suchen sich ihre Plätze.

Und dann kommt sie: Auf Grund der Vorgeschichte sollte man jetzt eine männermordende Femme Fatale erwarten, doch nichts von alledem. Braune lange Haare mit einem Pony, fast ungeschminkt, schwarze, leicht glänzende Hosen, schwarzes T-Shirt, schwarzer Blazer – das war’s. Fast schüchtern betritt sie die Bühne, singend von rechts aus dem Bühnenhintergrund kommend. Fünf Musiker hatten vorher schon ihre Plätze eingenommen: Der Pianist, der auch Trompete spielt, die Cellistin, die auch singt und Gitarre spielt, der Leadgitarrist und der Schlagzeuger. Alle auf Topniveau. Manchmal ergreift Carla Bruni selbst die Gitarre, doch meistens steht sie einfach nur da, hält das Mikro mit der rechten, macht zarte, streichelnde Bewegungen mit der linken Hand und wiegt den Körper im Takt der Musik.

Ihre Lieder sind in der Tradition französischer Chansons begründet, mit modernen Texten und manchmal auch schnelleren Rhythmen. Dabei gibt es sowohl selbst geschriebene und komponierte Lieder wie auch Coverversionen berühmter Songs, die die meisten Zuschauer kennen. Ob es „Miss You“ von den Rolling Stones ist, oder „The winner takes it all“ von Abba oder „Highway to hell“ von AC/DC. Sie singt fast alle Lieder ihres neuen Albums „French Touch“ (2017), welches ausschließlich Coverversionen beinhaltet. Am besten gefiel mir „Highway to hell“. Aber auch frühere Songs kommen. Natürlich ihr berühmtes „Quelqu’un m’a dit“, ihr erster großer Erfolg von 2002, dann „Tout le monde“ und „Le plus beau du quartier“ aus ihrem ersten Album. Eines der letzten Lieder ist „Le garcon triste“, welches sie zusammen mit dem Sänger Julien Clerc geschrieben hat. Sie beschreibt darin, wie sie sich in diesen Jungen verliebt und sich ihren Gefühlen hingibt. Und plötzlich spürt man, dass sich in den Liedern von Carla Bruni viel von ihrem eigenen Leben verbirgt – echt und überzeugend.

Standing Ovations mit zwei Zugaben nach 90 Minuten französischer Charme-Offensive.

12 Photos: Carla Bruni in concert 2018 © Holger Jacobs

 

english text

Carla Bruni live in concert in Berlin
By Holger Jacobs
03/18/2018
„French Touch“ – Carla Bruni sings songs from her new album at the University of the Arts
Modeling
A very special evening I experienced yesterday in the concert hall of the University of the Arts: Carla Bruni (* 1967), whom I met in Paris exactly 34 years ago, sang on stage. In 1984, I was working for the German fashion magazine MÄDCHEN and was sent to Paris to portray a young French woman between 14 and 18 years old. A friend told me about an 16-year-old from a good family, pretty, funny and wild. He gave me her phone number, I called, we made an appointment and I drove to the posh 16th arrondissement near the Trocadéro. A beautiful house from the 18th century waited for me, a Concièrge opened, I got up and then she stood in front of me: CARLA BRUNI. We took a few pictures near her house. Then she invited me to her room and we listened to albums by THE WHO – music was already her great passion. Shortly afterwards I had to go back to Munich and our track got lost.
A year later I moved to Paris and started working as a fashion photographer. Several years later I had Carla Bruni back in front of my lens, this time on the catwalks of the Haute Couture. She had decided to become a mannequin and made a steep career. From Versace to Chantal Thomas to Marc Jacobs, Carla could be found at the Pret A Porter shows in Milan, Paris and New York. Sometimes I went to her backstage and chatted a bit. In the mid-90s, I left fashion and devoted myself more to artistic photography. Carla Bruni also finished her model career in 1998.
Lovelife
As I mentioned at the beginning, Carla Bruni has always been a big fan of the music – and also a big fan of (male) musicians. Numerous relationships with famous singers are attributed to her, for sure with Eric Clapton and Mick Jagger. As it seems, the love life of Carla Bruni exerts the greatest influence on her existence to this day. „Elle a dévoré les mecs“ („She swallowed the guys“) is told about her. The director Leos Carax, the actor Vincent Perez, the human rights lawyer Arno Klarsfeld, the politician Laurent Fabius (Foreign Minister of France), all belonged to her conquests. She seems to be a modern form of Alma Mahler-Werfel. This woman had parallel relationships with various men of the Viennese art scene at the beginning of the 20th century, including the composer Gustav Mahler, the painter Gustav Klimt, the architect Walter Gropius, the painter Oskar Kokoschka and the writer Franz Werfel. About Carla Bruni: Two books have even been written about her affairs: The literary critic Jean-Paul Enthoven, who described her as cold and heartless when she left him for his son Raphael. And Justine Lévy, the former wife of Raphael Enthoven, who blames Bruni for having destroyed her family. As Bruni himself said in interviews, she is polygamous. She could not live without the shimmering eroticism that one feels as a lover in the first 2-3 weeks. That’s why she probably did not stay with any of her lovers for a long time. Until she met French President Nicolas Sarkozy in 2007. He had before left his wife. They married in early 2008. Daughter Giulia was born in 2011.
Concert
Sold out: the 1400 places of the University of Arts (Hardenbergstrasse in Berlin-Charlottenburg, right next to the UDK main building) are filled to the last seat. The audience is in the age of the singer, a few younger. Several chic and elegantly dressed couples look for their seats.
And then it comes: Due to the history, one should now expect a sort of Femme Fatale, but none of this. Brown, long hair, cut to a pony in the front, almost no make-up, black, slightly shiny trousers, black T-shirt, black blazer – that’s it. She enters the stage almost shyly from the stage background on the right. Five musicians had already taken their seats: a pianist, a cellist, the lead guitarist and the drummer. All at top level. Sometimes Carla Bruni herself takes the guitar, but most of the time she just stands there, holding the microphone in her right, making tender stroking movements with her left hand, and weighing her body to the beat of the music.
Their songs are based on the tradition of French chansons, with modern lyrics and sometimes faster rhythms. There are both self-written and composed songs as well as cover versions of famous songs that most viewers know. Whether it’s „Miss You“ by the Rolling Stones, or „The winner takes it all“ by Abba or „Highway to hell“ by AC / DC. She sings almost all songs of her new album „French Touch“ (2017), which includes only cover versions. I liked „Highway to hell“ the best. But also earlier songs. Of course her famous „Quelqu’un m’a dit“, her first great success of 2002, then „Tout le monde“ and „Le plus beau du quartier“ from her first album. One of the last songs is „Le garcon triste“, which she wrote together with singer Julien Clerc. She describes how she falls in love with this boy and lets herself be carried away by her feelings. And suddenly you feel that in the songs of Carla Bruni hides a lot of her own live – authentic and convincing.
Standing ovations with two dacapos after 90 minutes of French charm.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist