Jerusalem – Der ewige Kampf um die heilige Stadt

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Jerusalem – Der ewige Kampf um die heilige Stadt

 

Von Holger Jacobs

15.05.2018

english text below

„Welcome to Jerusalem“

Gestern wurde der 70. Jahrestag der Gründung Israels gefeiert. Am selben Tag ist die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt worden.
Über das ganze Jahr hinweg zeigt das Jüdische Museum in Berlin die großangelegte Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ über die Entwicklung der Stadt Jerusalem seit der Römerzeit.

Einweihung der amerikanische Botschaft in Jerusalem, 14.05.2018

Die amerikanische Botschaft

Nun ist es also geschehen: Pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung Israels (14. Mai 1948) hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump die Amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen lassen. Was bedeutet das für die Israelis und die Palästinenser und was für den Friedensprozess im Nahen Osten?

Es ist richtig, dass bereits im Jahre 1995 der amerikanische Kongress mehrheitlich die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem und damit de facto die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel beschlossen hatte. Nur keiner der US-Präsidenten hat seitdem dieses Votum umgesetzt. Aus Angst, dass das sensible Gleichgewicht zwischen Palästinensern und Israel gefährdet werden könnte. Und dass dadurch neue Unruhen entstehen könnten, vielleicht sogar eine dritte Intifada.

Bill Clinton, George Bush jr. und Barack Obama hatten mit ihrer damaligen Einschätzung der Lage, das Votum des Kongresses noch nicht umzusetzen, nur zu Recht, wie wir heute sehen:
Kaum, dass die neue US-Botschaft gestern in Anwesenheit von Ivana Trump und dessen Ehemann Jared Kushner  eröffnet wurde, ist es auf Seiten der Palästinenser  zu den größten Unruhen seit vielen Jahren gekommen. Mehrere Tausend Palästinenser hatten sich im Gaza Streifen an der Grenze zu Israel zusammengefunden und griffen israelisches Militär mit Wurfgeschossen an. Und diese schossen mit scharfer Munition zurück. Bis zum Abend gab es bereits über 50 Tote und an die 2300 Verletzte.

Bei der zweiten Intifada im Jahre 2000, als der damalige Ministerpräsident Ariel Scharon zusammen mit einer 1ooo Mann großen Gefolgschaft den Tempelberg mit der Al Aqsa Moschee besuchte, war es ebenfalls zu solchen großen Aufstände gekommen. Denn der Tempelberg steht eigentlich unter der autonomen Verwaltung der Palästinenser. Deshalb war dieser Besuch damals als eine Provokation angesehen worden. Prompt war es in den nächsten Tagen zu gewaltätigen Ausschreitungen mit in der Folge mehreren Selbstmordattentaten gekommen, die letztlich 2003 zum Bau der 9 Meter hohen und 750 km langen Mauer zwischen den Gebieten der Palästinenser und Israel geführt haben.

21 Photos: Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ im Jüdischen Museum in Berlin, Foto: Holger Jacobs © Jüdisches Museum

Was wird jetzt passieren?

Kampf der Religionen

Seit gut 3000 Jahren streiten sich drei Religionen um Jerusalem.

Laut der Bibel soll Jerusalem ca. 1000 v. Chr. von König David gegründet worden sein. Sein Sohn Salomo baute ihm zu Ehren den ersten Jerusalemer Tempel. Mit der Eroberung von Jerusalem durch die Babylonier wurde der erste Tempel im Jahre 586 v. Chr. zerstört. Kaum 70 Jahre später begannen die Juden mit einem zunächst bescheidenen Wiederaufbau. Der 2. Jerusalemer Tempel entstand. Unter dem jüdischen König Herodes (73 – 4 v. Chr.) wurde dieser Tempel zu einem der größten seiner Zeit ausgebaut. Doch bereits im Jahre 70 n. Chr. zerstörten die Römer diesen Tempel wieder und mit ihm die Stadt. Die Juden wurden daraufhin in die ganze Welt vertrieben. Es kam zur Diaspora.

Auch für die Christen ist Jerusalem ein heiliger Ort. Hier soll Jesus von Nazareth, nach dem Neuen Testament der Sohn Gottes, im Jahre 30 oder31 n.Chr. durch den römischen Stadthalter Pontius Pilatus zum Tode verurteilt und ans Kreuz geschlagen worden sein. Der christliche römische Kaiser Konstantin ließ im 4. Jahrhundert zu Ehren Jesus Christus die berühmte Grabeskirche in Jerusalem erbauen, heute noch wichtigster Wallfahrtsort der Christen. Im 11. Jahrhundert kamen die Kreuzritter aus Europa nach Kleinasien, um Jerusalem von der muslimischen Besatzung zu befreien und um Jerusalem wieder zur heiligen Stadt der Christen zu machen. Knapp 200 Jahre konnten sich die Christen halten, dann wurden auch sie wieder von den Moslems vertrieben.

Für die Muslime ist Jerusalem nach Mekka und Medina die wichtigste Stadt, da hier ihr Prophet Mohammed (*570 – † 632) laut der Überlieferung zum Himmel gefahren sei (allerdings ist er von dort auch wieder zurückgekommen, denn gestorben ist er später in Medina). Dieser Himmelsaufstieg vollzog sich auf dem Tempelberg. Dieser ist heute mit zwei bedeutenden muslimischen Bauten besetzt. Einmal der Felsendom, welcher der älteste Sakralbau des Islam ist und damit einer der wichtigsten Heiligtümer ihrer Religion. Er besteht aus einer riesigen goldenen Kuppel, 11 Meter hoch und 2o Meter im Durchmesser und gilt heute als das Wahrzeichen der Stadt. Er wurde von dem Kalifen Abdalmalik im Jahre 692 über einem offenen Felsen erbaut. Dieser Felsen wiederum gilt bei den Juden als Gründungsfels, auf dem die Welt erbaut wurde. Hier soll einst die Bundeslade mit den 10 Geboten gestanden haben. Und von hier ist auch Mohammed in den Himmel aufgestiegen. Der Bau wird aber nicht als Moschee genutzt, sondern stellt nur einen sakralen Schrein dar.

Der Tempelberg

Daneben steht auf dem Tempelberg die al-Aqsa-Moschee, die drittwichtigste des Islam nach denen in Mekka und Medina. Auch sie ist von dem Kalifen Abdalmalik erbaut worden, ca. 15 Jahre nach dem Felsendom.

Vorher stand hier der zweite Jüdische Tempel (Herodestempel), von dem heute nur noch die Westmauer, auch Klagemauer genannt, besteht. Dieses ca. 50 Meter lange Mauerstück diente früher zur Befestigung des Tempelberges, war also nicht Teil des Tempels selbst. Aber sie ist das einzige, was aus dieser Zeit noch von der Tempelanlage übriggeblieben ist. Deshalb gilt sie als wichtige religiöse Stätte des Judentums. In der Zeit zwischen dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 und dem Sechstagekrieg 1967 gehörte dieser Teil Jerusalems zum Westjordanland und war Juden nicht zugängig. Erst nach diesem Krieg, bei dem die Israelis auch Ostjerusalem einnehmen konnten, wurde die Klagemauer wieder für die Juden freigegeben.

Der Zeitpunkt der Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ im Jüdischen Museum Berlin, der die heilige Stadt seit der Römerzeit mit Hilfe vieler Pläne, Kunstgegenständen und Modellen zeigt, könnte nicht besser gewählt sein. Wer also im Moment keine Möglichkeit hat sich Jerusalem persönlich anzusehen, der sollte in diese Ausstellung gehen.

Jerusalem ist eine Metropole, die nicht nur auf religiöser Ebene einzigartig ist. Der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern aber wird wohl noch lange nicht verwirklicht werden können.

„Welcome to Jerusalem“
11.12.2018 – 30.04.2019
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstrasse 9-14
10969 Berlin
täglich 10 – 20 Uhr

6 Photos: Der Felsendom auf dem Tempelberg, Model von Clemens Schick aus dem Jahr 1879 © Jüdisches Museum

english text

Jerusalem – The Eternal Battle for the Holy City
By Holger Jacobs
05/15/2018
„Welcome to Jerusalem“
Yesterday was celebrated the 70th anniversary of the founding of Israel. The same day the American Embassy was moved from Tel Aviv to Jerusalem.
Throughout the year, the Jewish Museum in Berlin is showing a large-scale exhibition on the development of the city of Jerusalem since Roman times.
The Embassy
Now it has happened: just in time for the celebration of the 70th anniversary of the founding of Israel (May 14, 1948), US President Donald Trump has sent the American Embassy to Jerusalem. What does that mean for the Israelis and the Palestinians, and for the peace process in the Middle East?
It is true that as early as 1995 the American Congress had by a majority decided to recognize Jerusalem as the capital of Israel. Only one of the US presidents has since implemented this vote. Fearing that the sensitive balance between Palestinians and Israel could be jeopardized. And that could cause new unrest, maybe even a third intifada.
Bill Clinton, George Bush jr. and Barack Obama, with their assessment of the situation at the time, did not yet implement the Congress vote, and rightly so, as we see today:
No sooner had the new US embassy been opened in the presence of Ivana Trump and his husband Jared Kushner, than the Palestinians were the biggest rioters in 18 years. Several thousand Palestinians had gathered in the Gaza Strip on the border with Israel and attacked Israeli military with projectiles. And they shot back with live ammunition. By the evening there were already over 50 dead and about 2,300 injured.
Since the 2nd Intifada in 2000, when the then Prime Minister Ariel Sharon, together with a 1,000-man following, visited the Temple Mount with the Al Aqsa Mosque, there had been no such major uprisings. The Temple Mount is actually under the autonomous administration of the Palestinians. Therefore, this visit was also a provocation. The next day, there were massive riots with subsequently several suicide bombers, which led in 2003 to the construction of the 9-meter high and 750 km long wall between the territories of the Palestinians and Israel.
What will happen now?
Fight of religions
For over 3000 years, three religions have been fighting over the same city.
According to the Bible, Jerusalem is about 1000 BC. Founded by King David. His son Solomon built the first Jerusalem temple in his honor. With the conquest of Jerusalem by the Babylonians, the first temple was built in 586 BC. Destroyed. Hardly 70 years later, the Jews began with a modest reconstruction. The 2nd Jerusalem Temple was built. Under the reign of the Jewish king Herod (73 – 4 BC), this temple was one of the largest of its time. But already in 70 AD, the Romans destroyed this temple again and with him the city. The Jews were then expelled throughout the world. It came to the diaspora.
Also for the Christians Jerusalem is a holy place. Here is Jesus of Nazareth, according to the New Testament the Son of God, in 30 or 31 AD. condemned to death by the Roman governor Pontius Pilate and crucified. The Christian Roman Emperor Constantine built in the 4th century in honor of Jesus Christ, the famous Church of the Holy Sepulcher in Jerusalem, today still the most important place of pilgrimage of Christians. In the 11th century, the crusaders came from Europe to Asia Minor to free Jerusalem from Muslim occupation and to make Jerusalem the holy city of Christians again. The Christians were able to hold on for almost 200 years, then they were again expelled by the Muslims.
For Muslims, Jerusalem is the most important city after Mecca and Medina, where according to tradition their Prophet Muhammad (* 570 – † 632) went to heaven (although he came back from there, because he later died in Medina) , This celestial ascension took place on the Temple Mount. This is now occupied by two important Muslim buildings. Once the Dome of the Rock, which is the oldest sacred building of Islam and thus one of the most important sanctuaries of its religion. It consists of a huge golden dome, 11 meters high and 2o meters in diameter and is now considered the symbol of the city. It was built by Caliph Abdalmalik in 692 over an open rock. This rock, in turn, is regarded by the Jews as a foundation rock on which the world was built. Here once the ark of the covenant with the 10 commandments should have stood. And from here Mohammed went up to heaven. The building is not used as a mosque, but only represents a sacred shrine.
The Temple Mount
Next to it stands on the Temple Mount the al-Aqsa Mosque, the third most important of Islam after those in Mecca and Medina. It was also built by Caliph Abdalmalik, about 15 years after the Dome of the Rock.
Before here stood the second Jewish temple (Herodestempel), of which today only the west wall, also called Wailing Wall, exists. This 50-meter-long piece of the wall was once used to fortify the Temple Mount, so it was not part of the temple itself. But it is the only thing left over from the temple. Therefore, it is considered an important religious site of Judaism. In the period between the Israeli War of Independence in 1948 and the Six-Day War in 1967, this part of Jerusalem was part of the West Bank and was not accessible to Jews. Only after this war, during which the Israelis were able to occupy East Jerusalem, was the Wailing Wall released again for the Jews.
The date of the exhibition „Welcome to Jerusalem“ in the Jewish Museum Berlin, which shows the holy city since Roman times with the help of many plans, works of art and models, could not have been better chosen. If you have no opportunity to see Jerusalem in person right now, you should go to this exhibition.
Jerusalem is a metropolis that is unique not only at the religious level. But the peace process between Israelis and Palestinians will probably not be realized by a long way.
„Welcome to Jerusalem“
11.12.2018 – 30.04.2019
Jewish Museum Berlin
Lindenstrasse 9-14
10969 Berlin
10 am – 8 pm every day

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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