Premiere Romeo et Juliette von Sasha Waltz

Romeo et Juliette von Sasha Waltz, © Holger Jacobs

Premiere Romeo et Juliette von Sasha Waltz

Premiere von „Roméo et Juliette“ von Hector Berlioz in der Regie und Choreographie an der Deutschen Oper Berlin.

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂    (vier von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs (Text und Fotos)

19.4.2015. Es dauerte mehr als 7 Jahre, bis diese wundervolle Arbeit der Choreographin Sasha Waltz auch in Berlin zu sehen ist, nachdem sie 2007 in der Opéra Bastille ihre Premiere hatte. Doch das Warten hat sich gelohnt: Romantische Musik harmonisch in körperliche Bewegung umgesetzt, begeisterte das Premierenpublikum gestern Abend in der Deutschen Oper Berlin.

Worum geht es?

Hector Berlioz hatte 1827 dem Besuch einer Shakespeare-Truppe in Paris beigewohnt, die u.a. auch „Romeo und Julia“ spielten. Er war so begeistert, dass er später nicht nur die Hauptdarstellerin der Julia heiratete, sondern sich fest vornahm, daraus ein Musikstück zu komponieren. Doch es kam erst 12 Jahre später dazu, als er auch die finanzielle Mittel dafür hatte. Er wollte eine neue Form der musikalischen Darstellung wählen und machte aus „Roméo et Juliette“ eine „Sinfonie dramatique“. Das heißt, er entwickelte eine Mischform aus Sinfonie und Oper. So kommt es, dass sogar die Liebeszene zwischen Romeo und Julia bei Berlioz nur musikalisch ohne Gesangspart dargestellt wird, gesungen wird nur am Anfang und am Ende des Stücks.

Natürlich gibt dies eine dankbare Vorlage für eine Tanzchoreographie. Schon mehrfach wurde das Stück deshalb von berühmten Choreographen genutzt, die bekannteste wohl von Maurice Béjart 1966 mit seiner Kompanie des 20. Jahrhunderts in Brüssel und Lyon. Auch Sasha Waltz nahm sich dieser „Sinfonie dramatique“ an und entwickelte zusammen mit der Opéra Bastille in Paris 2007 einen Ballettabend der Sonderklasse. Nach einer Zwischenstation in der Mailänder Scala 2012 ist sie nun damit in Berlin angekommen. Besonders bemerkenswert, dass sowohl in Paris wie auch in Mailand ihre Choreographie von klassischen Balletttänzerinnen und Tänzern ausgeführt wurde, in Berlin aber von ihrem eigenen Tanzensemble, welches mehr auf zeitgenössischen Tanz und Tanztheater geübt ist. Doch dieser Versuch klappt durchaus, einzig wenn die Tänzerinnen der Sasha Waltz-Kompanie in Tutu-artigen Kostümen auftreten, sieht man, dass ihre Figuren etwas anders geformt sind, als die super-dünnen Körper der klassischen Balletttänzerinnen. Bewegung und Harmonie tut das aber keinen Abbruch. Besonders schön gelangen außergewöhnliche Hebe-Übungen und kleine humorvolle Einlagen, wie das Heben der Arme von Romeo durch die Füße seiner Geliebten Julia. Ein sehr schöner Ausdruck liebesvolles miteinander umgehen. Ganz besonders gefiel mir auch das Solo des Romeo (Joel Suarez Gomez) im ersten Teil. Kraftvolle Männlichkeit bringt er zusammen mit fließenden, weichen Bewegungen als Ausdruck der Freude. Bravo!

Großer Applaus zum Schluss für alle Mitwirkenden dieses gelungenen Abends. Im Anschluss gab es noch einen Empfang vom Intendanten des Hauses, Dietmar Schwarz, der allen Gästen persönlich die Tänzer und natürlich die Choreographin Sasha Waltz vorstellte.

Tänzer der Sasha Waltz & Guests: Joel Suarez Gomez (Roméo), Yael Schnell (Juliette), Orlando Rodriguez (Frère Laurent)

Sänger Solisten: Ronnita Miller (Mezzosopran), Thomas Blondelle (Tenor), Bass-Frère Laurent als Sänger: Nicolas Courjal

Musikalische Leitung: Donald Runnicle, Bühne: Pia Maier Schriever, Thomas Schenk, Sasha Waltz, Kostüme: Bernd Skodzig

Siehe dazu auch meine Berichte von zwei anderen Choreographien von Sasha Waltz: der „Tannhäuser“ und der „Sacre“ Aufführungen an der Staatsoper Berlin, letztere ebenfalls mit dem großen Pas-de-Deux, der „Scène d’armour“ aus der „Romèo et Juliette“ – Choreographie von Berlioz, damals mit den Solo-Tänzern der Mailänder Scala, Emanuela Montanari und Antonino Sutera.

 

"Roméo et Juliette" von Sasha Waltz, © Holger Jacobs, Roméo (Joel Suarez Gomez) und Juliette (Yael Schnell)

50 Bilder, „Roméo et Juliette“ von Sasha Waltz, © Holger Jacobs, Roméo (Joel Suarez Gomez) und Juliette (Yael Schnell)

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist