PREMIERE von Macbeth von Shakespeare

PREMIERE von Macbeth von Shakespeare am Deutschen Theater Berlin am 19.3.2015.

Wertung:    🙂 🙂 🙂 🙂    (vier von fünf möglichen)

21.3.2015. Wieder einmal ein großer Shakespeare-Abend in Berlin, nach „Richard III.“ mit Lars Eidinger an der Schaubühne nun „Macbeth“ mit Ulrich Matthes am Deutschen Theater. Welches ist die bessere Inszenierung, welcher ist der bessere Schauspieler?

Worum geht es?

Als William Shakespeare 1606 das Drama „Macbeth“ um die blutige Königsfolge in Schottland schrieb, war der eigentliche Kampf um die Vorherrschaft in Schottland schon 600 Jahre vergangen. Shakespeare hatte sich wieder mal die 1587 verfassten Chronicle of England, Scotland and Irelandvorgenommen, um ein historisches Ereignis, wie bei Richard III., nach seinen Vorstellungen umzuarbeiten. Tatsache ist, dass es einen Mac Bethad Anfang des 11. Jahrhunderts in Schottland gab, der 1040 den regierenden Duncan I. in einer Schlacht tötete und sich danach selbst zum König über Schottland ausrufen ließ. Anders als in Shakespeares Drama jedoch galt er als guter König, der über längere Zeit Frieden brachte. Der Sohn Duncans, Malcolm, war wähenddessen nach England geflohen und verbündete sich mit dem damaligen König Eduard von England. 1057 marschierten sie gemeinsam nach Schottland und besiegten Mac Bethad in einer Schlacht, bei der er getötet wird. Doch anders, als sich das wohl Malcolm gedacht hatte, wurde nicht er König von Schottland, sondern Eduard von England übernahm selbst die Herrschaft über das nördliche Land auf der Britischen Insel. Seitdem hat Schottland seine Eigenständigkeit verloren – bis heute! Dabei erinnern wir uns:

Letztes Jahr versuchte Schottland durch ein Referendum wieder unabhängig von England zu werden. Dieser Versuch aber scheiterte, da sich die Schotten selbst mehrheitlich für den Verbleib in Großbritannien aussprachen. Somit war Mac Bethad der letzte König von Schottland.

Rezension:

Das erste, was der Zuschauer bei der Premiere von Macbeth von Shakespeare wahrnimmt, ist ein riesiger Trichter aus rohen Sperrholzplatten, der die gesamte Bühne einnimmt und sich nach hinten verjüngt. Er wird das Bühnenbild (Karoly Risz) für alle fünf Akte des Stücks abgeben. Am Anfang wälzt sich von hinten eine Männergruppe heran, die mal die weissagenden Hexen, mal die siegreich aus der Schlacht gegen den norwegischen König Sweno heimkehrenden Männer darstellt. Unter ihnen befindet sich der neue König Duncan (Matthias Neukirch) und seine Gefolgsschaft. Auch Macbeth (Ulrich Matthes) kommt zusammen mit Banquo (Felix Goeser) aus der Schlacht zurück. Auf dem Weg treffen sie auf die Hexen, die ihm prophezeien, dass er bald König werde und zu Banquo sagen sie, dass er Vorfahre von späteren Königen sei. So nimmt das Schicksal seinen Lauf, indem Macbeth, angestachelt durch seine machthungrige Lady Macbeth (Maren Eggert), zunächst den König Duncan, danach Banquo und zuletzt die Familie von Macduff (aber nicht ihn selbst) tötet, um die Prophezeiung wahr werden zu lassen. Zuletzt kann Macduff im Bündnis mit Malcolm, dem Sohn Duncans, und dem Heer des englischen Königs Eduard, Macbeth besiegen und töten. Lady Macbeth bringt sich selbst um, weil sie mit ihrem schlechten Gewissen um ihre bösen Taten nicht mehr leben kann.

Ulrich Matthes ist mal wieder in Höchstform und man merkt ihm an, welchen Spaß er an der Rolle hat. Ein Vergleich mit Lars Eidinger von der Schaubühne erübrigt sich, da beide auf höchstem Niveau spielen, aber in Ausdruck und Gestalt doch zu unterschiedlich sind. Ihnen zuzuschauen bereitet auf jeden Fall bei beiden größtes Vergnügen. Auch Maren Eggert ist mal wieder wunderbar. Ich bin ja ein großer Fan von ihr und bedauere es nach wie vor, dass sie den Kieler Tatort an der Seite von Axel Milberg verlassen hat. Die junge Sibel Kekili ist kein wirklich gelungener Ersatz. Matthes und Eggert tragen auf jeden Fall das Stück. Doch wie ist der Rest? Ich muss sagen, ich habe ein bisschen Probleme mit dem Bühnenbild. Es ist zwar technisch brilliant, jedoch ist die warme Holzfarbe zu nett, zu freundlich, zu sympathisch. Mir fehlt das Düstere, das Unheimliche, wie z.B. in der außergewöhnlichen Verfilmung von Roman Polanski von 1971. Diese Stimmung will hier nicht aufkommen. Ich sehe den Akteuren auf der Bühne zu, bewundere ihr Spiel, aber ich bleibe dabei unberührt. Bei „Richard III.“ in der Schaubühne fühle ich mich mitten im Geschehen, ich empfinde und leide mit den Protagonisten. Das passiert mir bei „Macbeth“ im Deutschen Theater nicht. Auch die sich um sich selbst drehende Männergruppe, die mal Hexen, mal Adlige darstellen sollen, finde ich nicht überzeugend. So bleibt der Gesamteindruck zwiegespalten. Deshalb geht im Vergleich der beiden Theaterhäuser der Sieg dieses Mal an die Schaubühne.

Ein erlesenes Premierenpublikum hatte sich eingefunden, welches den Schauspielern und dem Regisseur (Tilmann Köhler) und seiner Crew einen wohlwollenden Applaus spendierte. Gesichtet wurde u.a. unser Bundestagspräsident Norbert Lammert mit Frau, Anwalt und Kunstsammler Peter Raue mit Begleitung, sowie Filmlegende Volker Schöndorf („Die Blechtrommel“).

Macbeth - Foto: Holger Jacobs

46 Bilder – Macbeth – Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.