AMERICA 70s/ 80s in der Helmut Newton Foundation

"AMERICA 70S/80s", Helmut Newton Foundation © Helmut Newton Estate/ kultur24.berlin

AMERICA 70s/ 80s in der Helmut Newton Foundation

 

Von Holger Jacobs

10.10.2020

Wertung 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

English text

Der Ausstellungsreigen mit Arbeiten des berühmten Mode- und Aktfotografen Helmut Newton wird nun mit 4-monatiger Verzögerung fortgesetzt.

Seit Helmut Newton 2003 sein gesamtes Foto-Archiv der Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin zur VerfĂĽgung stellte, gibt es in dem 1909 erbauten ehemaligen Landwehrkasino am Bahnhof Zoo, heute das Museum fĂĽr Fotografie der Stadt Berlin, zwei Geschosse, die exklusiv der Helmut Newton Stiftung zur VerfĂĽgung stehen.

Helmut Foundation, Berlin , photo: Holger Jacobs

Im Erdgeschoss ist eine Dauerausstellung des Meisters mit persönlichen Dingen von ihm, einem Nachbau seines Arbeitszimmers in Monte Carlo und Fotografien, die sein Leben begleitet haben.

Im 1. Stock werden im halbjährigen Rhythmus Wechselausstellungen gezeigt, die Helmut Newtons Arbeiten parallel mit Fotografien anderer Lichtbildner zeigen.

Die eigentlich für diesen Sommer vorgesehene Ausstellung „AMERICA 70s/80s“ wurde wegen der Corona-Pandemie auf diesen Herbst verschoben.

Helmut + June Newton, Monte Carlo © Helmut Newton Foundation

Die Ausstellung „AMERICA 70s/ 80s“ zeigt jetzt ab dem 9. Oktober neben Arbeiten von Helmut Newton auch Fotografien von drei weiteren Künstlern:
Evelyn Hofer, Joel Meyerowitz und Sheila Metzner.

Die 70ger und Anfang der 80ger Jahre waren in den USA besonders in den großen Metropolen, wie in Los Angeles, San Francisco und New York City, eine Zeit des ausschweifenden Lebens, des Hedonismus und des Rockn’ Roll.
Es war die Zeitspanne zwischen der Flower/ Power-Bewegung der 68er Blumenkinder, dem legendären Rockfestival in Woodstock 1969, der Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen und dem Beginn der AIDS-Pandemie Mitte der 80er Jahre. Gegen AIDS gibt es übrigens bis heute keinen Impfstoff!
Es war eine Zeit der Hochkonjunktur der Künste mit dem Höhepunkt der Popkultur, Künstlern wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat, der Diskothek STUDIO 54 und dem Beginn der Lesben-Schwulen- und Queer-Bewegung  in der Christopher-Street in Downtown New York.

Mein Artikel als Podcast:

Evelyn Hofer

Evelyn Hofer kam bereits 1946 nach New York. Sie war mit ihren Eltern 1933 aus Nazi-Deutschland zunächst in die Schweiz und dann Anfang der 40er Jahre in die USA immigriert. In ihrer Kindheit war sie übrigens von ihren Eltern auf das Internat Schule Schloss Salem am Bodensee geschickt worden, auf welchem ich ebenfalls einige Jahre verbringen durfte.
In New York begann sie für die Vogue und Harper’s Bazaar zu arbeiten. In der Kunstszene bekannt wurde sie aber erst später durch ihre mit einer Großbildkamera angefertigten Farbfotografien, die sie in einem aufwendigen Dye-Transfer-Prozess vergrößern ließ. Eine Serie mit solchen Fotografien von ihrer Lieblingsstadt New York sehen jetzt wir in dieser Ausstellung.

Evelyn Hofer, „Car Park New York“, 1965 © Estate Evelyn Hofer

Joel Meyerowitz

Joel Meyerowitz, Jahrgang 1938, wurde bereits in New York geboren, im Stadtteil Bronx. Er studierte zunächst Kunstgeschichte und Illustration, bevor er sich ganz der Fotografie widmete. Sein Auge richtete sich hautsächlich auf die ganz normalen Menschen, die er in den Straßen von New York fotografierte, lange bevor es die „Street-Photography“ überhaupt gab.
Schon mit 25 Jahren bekam er die Chance im Museum of Modern Art in New York auszustellen. 2001 war er der einzige Fotograf, der uneingeschränkten Zugang zu Ground Zero hatte nach dem furchtbaren Anschlag auf das World Trade Center am 11. September. Diese Foto-Serie repräsentierte dann die USA ein Jahr später auf der Architektur-Biennale in Venedig.
In der jetzigen Ausstellung sehen wir Fotos, die Joel Meyerowitz in den 80er Jahren in den Sommermonaten in dem KĂĽstenort Provincetown nahe New York machte. Es sind spontane Fotos von Freunden und Fremden, die ihm damals am Strand vor die Linse liefen.

Bilderserie mit 6 Fotografien von Joel Meyerowitz:

Fotografie von Joel Meyerowitz als Fototapete in der Ausstellung, Foto: Jacobs/ kultur24.berlin

Sheila Metzner

Sheila Metzner, Jahrgang 1939, studierte visuelle Kommunikation am Pratt Institut in Brooklyn, NY, einem der fĂĽhrenden Kunsthochschulen der USA.
Hier studierten auch KĂĽnstler wie Ellsworth Kelly (Malerei), Robert Mapplethorpe (Fotografie), Robert Wilson (Theater) oder Peter Zumthor (Architektur).
Danach ging Sheila Metzner in die Werbung, fing aber nebenbei an sich intensiv mit der Fotografie auseinanderzusetzen.
Als sie von der Schwarz-Weiß Fotografie auf Farbe wechselte hört sie von dem Fotolabor Fresson in einem Vorort von Paris, welches mit einem speziellen Kohle-Pigmentdruckverfahren arbeitete. Dieses ermöglicht ihr Abzüge zu realisieren, welche einen leicht unscharfen und aquarellhaften Eindruck machen. Ähnlich den Piktorialisten, die  Anfang des 20. Jahrhunderts mit speziellen Verfahren versuchten, der Fotografie eine mehr künstlerische Form zu geben. Mit dieser einzigartigen Technik eroberte Sheila Metzner in den 80er Jahren die Modefotografie.
In der jetzigen Ausstellung werden von ihr sowohl Mode- wie Akt und Portraitfotografien aus den 80er Jahren gezeigt.

Bilderserie mit 10 Fotografien von Sheila Metzner:

„Rebecca Diamond Necklace“, 1984, Fotografie als Fresson-Druck von Sheila Metzner © Metzner/ Jacobs/ kultur24.berlin

Helmut Newton

Helmut Newton, 1920 in Berlin geboren, hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu den USA.
Für ihn war es das „last exotic country left in the world“, wie er einmal selber sagte. Er arbeitete hauptsächlich in Los Angeles, wo er im berühmten Hotel Chateau Marmot mit seiner Frau June die Wintermonate verbrachte, als auch in New York. Seine Fotografien sind die pure Lebenslust, mit Betonung auf Lust. Besonders gut gelungen in einer Modestecke für das Magazin STERN, welche er 1980 in einer Villa in Malibu realisierte.
Mehrere halbnackte, hübsche Jungs buhlen um zwei Frauen, die in Karl Lagerfeld und Chloé gekleidet sind.
Mehr Hedonismus geht nicht.

Bilderserie mit 12 Fotografien von Helmut Newton:

„Elsa Peretti as Bunny“, 1975, Fotografie von Helmut Newton © Newton/ Jacobs/ kultur24.berlin

 

„AMERICA 70s/80s“
09.10.2020 – 16.-05.2021
Museum fĂĽr Fotografie
Helmut Newton Stiftung
JebenstraĂźe 2, 10623 Berlin-Charlottenburg
Montag Geschlossen
Dienstag -Mittwoch 11:00 – 19:00 Uhr
Donnerstag 11:00 – 20:00 Uhr
Freitag -Sonntag 11:00 – 19:00 Uhr

 

English text

 

AMERICA 70s / 80s at the Helmut Newton Foundation

By Holger Jacobs


10/10/2020

The series of exhibitions with works by the famous fashion and nude photographer Helmut Newton is now being continued with a 4-month delay.

In 2003 Helmut Newton made his entire photo archive available to the collection of the Staatliche Museen zu Berlin, exhibited in a former Landwehr casino built in 1909 at Bahnhof Zoo, today the Museum for Photography of the City of Berlin.
The building has two floors that are exclusively reserved for the Helmut Newton Foundation.
On the ground floor there is a permanent exhibition of the master’s personal belongings, a replica of his working room in Monte Carlo and photographs that have accompanied his life.
On the first floor, changing exhibitions are shown every six months, showing Helmut Newton’s work in parallel with photographs by other photographers.

Helmut Foundation, Berlin , photo: Holger Jacobs

The “AMERICA 70s / 80s” exhibition, which was actually planned for this summer, has been postponed to this autumn due to the corona pandemic.

Helmut + June Newton, Monte Carlo © Helmut Newton Foundation

The exhibition “AMERICA 70s / 80s” now shows from October 9th, not only works by Helmut Newton, but also photographs by three other artists:
Evelyn Hofer, Joel Meyerowitz and Sheila Metzner.
The 70s and early 80s in the USA, especially in the big metropolises such as Los Angeles, San Francisco and New York City, were a time of dissolute life, hedonism and rock’n’roll.
It was the period between the flower / power movement of the 1968 flower children, the legendary Rock Festival in Woodstock in 1969, the anti-Vietnam war demonstrations and the start of the AIDS pandemic in the mid-80s. By the way, there is still no vaccine against AIDS!
It was a time of boom in the arts with the peak of pop culture, artists like Andy Warhol and Jean-Michel Basquiat, the STUDIO 54 nightclub and the beginning of the lesbian, gay and queer movement on Christopher Street in downtown New York.

Evelyn Hofer

Evelyn Hofer, born in 1922, came to New York City in 1946. She and her parents had immigrated from Nazi Germany to Switzerland in 1933 and then to the USA in the early 1940s. In her childhood, by the way, her parents sent her to the Schloss Salem boarding school on Lake Constance, where I was also allowed to spend several years. In New York, she started working for Vogue and Harper’s Bazaar. However, but she became known in the art scene later through her color photographs taken with a large-format camera, which she had developed in an elaborate dye transfer process. We are now seeing in this exhibition a series of such photographs from her favorite city, New York.

Evelyn Hofer, „Car Park New York“, 1965 © Estate Evelyn Hofer

Joel Meyerowitz

Joel Meyerowitz, born in 1938 in New York, in the Bronx district.
He first studied art history and illustration before devoting himself entirely to photography. His eye was mainly on the ordinary people he photographed on the streets of New York, long before „street photography“ even existed. At the age of 25 he got the chance to exhibit at the Museum of Modern Art in New York. In 2001, he was the only photographer who had unrestricted access to Ground Zero after the terrible attack on the World Trade Center on September 11th. This photo series then represented the USA a year later at the Venice Architecture Biennale.
In the current exhibition we see photos that Joel Meyerowitz took in the summer months of the 1980s in the coastal town of Provincetown near New York. These pictures are spontaneous photos of friends and strangers that ran in front of his lens on the beach.

6 photos: Fotografie von Joel Meyerowitz als Fototapete in der Ausstellung, Foto: Jacobs/ kultur24.berlin

Sheila Metzner

Sheila Metzner, born in 1939 in New York, studied visual communication at the Pratt Institute in Brooklyn, NY, one of the leading art schools in the USA. Artists such as Ellsworth Kelly (painting), Robert Mapplethorpe (photography), Robert Wilson (theater) and Peter Zumthor (architecture) also studied here.
Sheila Metzner then went into advertising, but on the side began to deal intensively with photography. When she switched from black and white photography to color, she heard about the Fresson photo lab in a suburb of Paris, which worked with a special carbon-pigment printing process.
This enables you to make prints that make a slightly blurred and watercolor-like impression.
Similar to the Pictorialists, who at the beginning of the 20th century tried using special methods to give photography a more artistic form.
With this unique technique, Sheila Metzner conquered fashion photography in the 80s.
In the current exhibition, both fashion, nude and portrait photographs from the 1980s are shown.

10 photos:“Rebecca Diamond Necklace“, 1984, Fotografie als Fresson-Druck von Sheila Metzner © Metzner/ Jacobs/ kultur24.berlin

Helmut Newton

Helmut Newton, born 1920 in Berlin,  had a very special relationship with the USA. For him , America was the “last exotic country left in the world”, as he once said himself.
He worked mainly in Los Angeles, where he spent the winter months with his wife June in the famous Hotel Chateau Marmot, as well as in New York. His photographs are pure love of life, with an emphasis on lust…
Particularly well done in a photo shoot for STERN magazine, which he realized in 1980 in a villa in Malibu.
Several half-naked, handsome boys woo for two women dressed in Karl Lagerfeld and Chloé.

„Elsa Peretti as Bunny“, 1975, Fotografie von Helmut Newton © Newton/ Jacobs/ kultur24.berlin

More hedonism is not possible…

“AMERICA 70s / 80s”
October 9th, 2020 – May 16th – 5th, 2021
Museum for Photography
Helmut Newton Foundation
Jebenstrasse 2, 10623 Berlin-Charlottenburg
Closed Monday
Tuesday -Wednesday 11:00 am – 7:00 pm,
Thursday 11:00 am – 8:00 pm
Friday -Sunday 11:00 a.m. – 7:00 p.m.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.