Die Kunst darf auch in Zeiten der Pandemie nicht sterben

Die v2 - Love Bomb - Mia Florentine Weiss, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

Die Kunst darf auch in Zeiten der Pandemie nicht sterben

 

Von Holger Jacobs

09.05.2021

English text

Immer mehr private Sponsoren unterstützen die freie Kunstszene.

Neben den Millionen Menschen, die weltweit am Corona-Virus erkrankt oder sogar gestorben sind, gibt es hauptsächlich drei Gruppen von Verlierern dieser Pandemie:
Die Gastronomie, die Hotellerie und alle Formen von Kunst und Kultur.

Nicht auftreten zu können und nicht ausstellen zu können sind der Tod jedes bildenden und darstellenden Künstlers. Und dieser Zustand hält seit fast 14 Monaten an.

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Kreativwirtschaft beträgt in Deutschland über 1,2 Millionen Menschen, in Berlin-Brandenburg über 200.000.

Kreativwirtschaft in Deutschland bis 2018 © Fraunhofer Institut

Die Corona-Hilfen des Staates erreicht wegen bürokratischer Hürden nur wenige. Und für viele freischaffende Künstler bleibt dann nur noch die Grundsicherung, Hartz IV.

Zum Glück gibt es immer mehr private Sponsoren, die den freischaffenden Künstlern zu Hilfe eilen.

Einer von ihnen ist Getränke Hoffman, ein großer Lieferant allen Flüssiges, was in Flaschen transportiert werden kann. Seine Firma, wie auch die ganze Liefer-Branche, waren und sind die „Gewinner“ dieser Pandemie. In Zeiten, in denen der Einzelne möglichst zu Hause bleiben und jeder größeren Ansammlung fernbleiben soll, sind Anlieferungen jeder Art von Waren eine große Hilfe.

Getränke Hoffmann möchte nun seine Gewinne mit denen teilen, die in der Pandemie nicht so viel Glück hatten: Den Künstlern.

Die Idee: Die lokale Kunstszene in Berlin mit einem Kreativwettbewerb unterstützen. Bis zum 12. März konnte jeder freischaffende Künstler eine Arbeit einreichen, die jetzt Anfang Mai von einer 9-köpfigen Jury begutachtet wurde. 250 Werke waren eingereicht worden, 15 von Ihnen kamen jetzt in die engere Wahl (heutzutage auch gerne als „Shortlist“ bezeichnet).

Mario Benedikt, Geschäftsführer von Getränke Hoffmann, sagte dazu:
„Ich bin begeistert über die enorme Resonanz von über 250 Teilnehmern, damit hätte ich nicht gerechnet. Wir konnten in 2020 unsere Geschäfte offen halten und möchten auch gerne etwas zurückgeben und die Kulturszene unterstützen. Deswegen haben wir auch die Preisgelder insgesamt erhöht und die Finalisten auf 15 erweitert. Die Vielfalt der Einreichungen zeigt auch wie enorm kreativ die Berliner Kunstszene ist. Und ich bin schon ganz gespannt, wenn die Kunstwerke unsere Auslieferungsflotte zieren.“

Die Jury-Mitglieder:

v.l.n.r. Mia Florentine Weiss, Leo Kuelbs, Anna Russ, Hans Peter Adamski, Schauspieler und Maler Axel Schreiber und Mario Benedikt in der Mitte hinten © Eventpress

Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann drei Sieger prämiert, mit jeweils 6000.- Euro (1.Preis), 4000.- Euro (2. Preis) und 2000.- Euro (3. Preis). Aber auch die Plätze 4 – 10 (jeweils 1000.- Euro) und 11 – 15 (jeweils 500.- Euro) gehen nicht ganz leer aus.

Der Clou allerdings kommt danach:
Alle Lieferwagen des Unternehmens werden anschließend mit den Kunstwerken der drei Sieger bemalt und fahren damit wie öffentliche Ausstellungsorte durch die ganze Stadt Berlin. Name der Aktion: „ART PARADE“!

ART PARADE Lieferwagen (hier noch unbemalt) © Getränke Hoffmann

Allein das Umspritzen der gesamten Wagenflotte wird sicher einen 5-stelligen Betrag verschlingen.

Die Jury-Mitglieder, Schauspielerin Annabelle Mandeng, der New Yorker Kurator Leo Kuelbs, die Journalistin Anna Russ, die Künstler Hans-Peter Adamski, Kimo von Rekowski, Axel Schreiber, Yasha Young, Mia Florentine Weiss und Geschäftsführer Mario Benedikt waren begeistert.

Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die drei Sieger endgültig feststehen, alle prämierten Arbeiten vorstellen.

Kultur24 besuchte Jury-Mitglied und Multimedia-Künstlerin Mia Florentine Weiss in ihrem Atelier an der Rummelsbucht.
Sie kam im Jahre 2010 über die Stationen New York und Frankfurt nach Berlin und fiel hier in Berlin durch besonders spektakuläre Kunstaktionen auf, wie ihre Installation „Kreuz Weg“ von 2019 in der Nikolaikirche in Berlin-Mitte, welches als Friedensprojekt für Europa gedacht war und vom Hauptstadtkulturfonds Berlin gefördert wurde.

3 Photos: Nikolaikirche mit der Installation „KREUZ WEG“ © Mia Florentine Weiss

Mia Florentine Weiss und ich sprachen lange über die Frage, ob Kunst eigentlich systemrelevant ist. Die Frage also, was der Staat, um die Bürger vor einer Pandemie zu schützen, offen läßt/offen lassen muss und was er schließen sollte/ müsste?

Kulturschaffende können und wollen natürlich nicht akzeptieren, dass ausgerechnet IHRE Arbeit dem Lockdown zum Opfer fällt, während andere weitermachen dürfen.
Warum darf ich mich in den engen Gassen eines Supermarktes an anderen Kunden vorbeidrängeln, während ich nicht in einem halbvollen Theatersaal mit perfekter Raumbelüftung sitzen darf?

Ähnlich wie bei Joseph Beuys („Jeder ist ein Künstler“) oder wie jüngst bei Jonathan Meese („Deutschland ist ein Gesamtkunstwerk“) möchte Mia Florentine Weiss das öffentliche Leben mit Kunst durchdringen, um jedem die Möglichkeit zur Emotion und zur Reflexion zu geben.
Ihr Wunsch: Eine pluralistische Gesellschaft, in der Kunst und das tägliche Leben eine Einheit bilden.
Mia Florentine Weiss’ Statement: Kunst ist relevant, für jedermann!

Bilderserie mit 4 Fotos von Mia Florentine Weiss in ihrem Atelier:

5 Photos: Künstlerin Mia Florentine Weiss mit ihrer Skulptur „LOVE BOMB“, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

English Text

 

Even in times of the pandemic, art must not die

 

By Holger Jacobs


05/09/2021

More and more private sponsors support the independent art scene.

In addition to the millions of people who fell ill or even died from the corona virus worldwide, there are mainly three groups of losers from this pandemic: restaurants, the hotel industry and all forms of art and culture.

Not being able to perform and not be able to exhibit is the death of every visual and performing artist. And the pandemic has lasted for almost 14 months now.
The number of people employed in the creative industries is over 1.2 million in Germany and over 200,000 in Berlin-Brandenburg.
The state’s corona aid reaches only a few because of bureaucratic hurdles.
And for many freelance artists all that remains is the basic security, Hartz IV.

Kreativwirtschaft in Deutschland bis 2018 © Fraunhofer Institut

Fortunately, there are more and more private sponsors who come to the aid of the freelance artists.
One of them is „Getränke (Beverages) Hoffman“, a major supplier of all liquids that can be transported in bottles.
His company, as well as the entire delivery industry, were and are the winners of this pandemic.
In times when the individual should stay at home as much as possible and avoid any large gatherings, deliveries of all kinds of goods are a great help.

„Getränke Hoffmann“ would now like to share his profits with those who were not so lucky in the pandemic: the artists.
The idea:
To support the local art scene in Berlin with a creative competition. Up to March 12th, every freelance artist could submit a work, which was then judged by a 9-member jury at the beginning of May.
250 works had been submitted, 15 of them were now shortlisted.

Mario Benedikt, Managing Director of Getränke Hoffmann, said:
“I am thrilled about the enormous response from over 250 participants, I would not have expected that.
We were able to keep our shops open in 2020 and would also like to give something back and support the cultural scene.
That’s why we’ve increased the total prize money and increased the number of finalists to 15. The variety of submissions also shows how enormously creative the Berlin art scene is. And I’m really excited when the works of art adorn our delivery fleet. “

left to right: Mia Florentine Weiss, Leo Kuelbs, Anna Russ, Hans Peter Adamski, Schauspieler und Maler Axel Schreiber und Mario Benedikt behind in the middle © Eventpress

At a later date, three winners will be awarded, each with € 6,000 (1st prize), € 4,000 (2nd prize) and € 2,000 (3rd prize).
But also the places 4 – 10 (each 1000.- Euro) and 11 – 15 (each 500.- Euro) will not be left with empty hands.

The highlight, however, comes afterwards:
All of the company’s delivery vans are then painted with the works of art of the three winners and drive through the entire city of Berlin like public exhibition spaces.
Name of the action: „ART PARADE“.
Just to re-paint all the trucks of the company will surely cost a lot of money.

ART PARADE Lieferwagen (noch unbemalt) © Getränke Hoffmann

The jury members, actress Annabelle Mandeng, the New York curator Leo Kuelbs, the journalist Anna Russ, the artists Hans-Peter Adamski, Kimo von Rekowski, Axel Schreiber, Yasha Young, Mia Florentine Weiss and managing director Mario Benedikt were enthusiastic.
We will present all of the award-winning works at a later date, when the three winners have finally been determined.

Kultur24 visited jury member and multimedia artist Mia Florentine Weiss in her studio on Berlin-Rummelsbucht.
She came to Berlin in 2010 via New York and Frankfurt and attracted attention here in Berlin with particularly spectacular art events, such as her installation “Kreuz Weg” from 2019 in the Nikolaikirche in Berlin-Mitte, which was intended as a peace project for Europe and was funded by the Hauptstadtkulturfonds Berlin.

3 photos: Nikolaikirche mit der Installation „KREUZ WEG“ © Mia Florentine Weiss

Mia Florentine Weiss and I talked for a long time about the question of whether art is actually systemically relevant.
So the question of what the government leaves open / must leave open in order to protect citizens from a pandemic and what must / should close?
Of course, cultural workers cannot and do not want to accept that THEIR work falls victim to the lockdown while others are allowed to continue.

Why am I allowed to pass very close other customers in the narrow alleys of a supermarket while I am not allowed to sit in a half-full theater with perfect air condition?

Similar to Joseph Beuys (“Everyone is an artist”) or recently with Jonathan Meese (“Germany is a total work of art”), Mia Florentine Weiss wants to permeate public life with art in order to give everyone the opportunity to feel and reflect.
Her wish: a pluralistic society in which art and daily life form a unit.
Mia Florentine Weiss statement: Art is relevant, for everyone!

Here our picture series with 4 photos of Mia Florentine Weiss in here studio:

4 photos: Künstlerin Mia Florentine Weiss mit ihrer Skulptur „LOVE BOMB“, Photo: Holger Jacobs © kultur24.berlin

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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