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The One – Premiere im Friedrichstadtpalast #2

The ONE - Friedrichstadt-Palast Foto: Holger Jacobs

The One – Premiere im Friedrichstadtpalast #2

 

Von Gil Jung

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10.10.2016

Mit atemberaubender Anmut schwebt das Mädchen mit dem roten Pagenkopf von der acht Meter hohen Decke, wickelt seinen Körper mit dem beeindruckend definierten Muskeltonus um rote Seidenbänder wie ein Zauberwesen, das vom Himmel kommt. Taucht immer und überall wieder auf, magnetisch, elektrisierend, wie ein roter Faden, der sich durch die etwas dünne Handlung zieht. Aber sie ist trotz allen Zwischenapplauses des Publikums jetzt (noch) nicht „The One“ – „der eine Mensch, der uns alles bedeutet“ – und auch nicht der junge Punk, ihr geliebter Gegenpart, in dessen Phantasiewelt der Zuschauer für etwas über zwei Stunden eintaucht. Für Berlin ist „The One“ an diesem Abend einzig und allein Jean-Paul Gaultier. Seinetwegen sind sie alle gekommen, die Rang und Namen haben – von Amanda Lear über Iris Berben, Nina Hagen, Veruschka von Lehndorf, Sebastian Koch, Klaus Wowereit, Conchita Wurst, Nana Mouskouri, Frank Elstner et tout – um ihn zu feiern, mit Standing Ovations zu bedenken, und werden nicht enttäuscht.

Mit seiner extravaganten, Baz-Lurman’esken Kostümausstattung für „The One Grand Show“, die am 6. Oktober im Friedrichstadt Palast Weltpremiere feierte, hat der 64-jährige Pariser Couturier bewiesen, dass es für sein kreatives Multitalent weder Limits, noch Altersgrenzen gibt. Als zweiter herausragender Modemacher nach Thierry Mugler – dessen Kostüme in der vorangegangenen „The Wyld“-Show trotz einer kruden Storyline überzeugten – konnte Friedrichstadt-Palast-Intendant Bernd Schmidt mit Jean-Paul Gaultier einen der kreativsten Modeköpfe der Welt für Berlin gewinnen. Oder eher umgekehrt, zumal es Gaultier selber war, der Schmidt 2014 seine Mitarbeit angedient hatte. „Ich war immer schon ein Fan von Bühnenshows“, sagte Gaultier dem TV-Sender Arte, der der Show im Vorfeld eine sehenswerte Dokumentation gewidmet hatte. „Nachdem ich als Kind das erste Mal eine Revue der Folies Bergerès gesehen hatte war mir klar, das will ich auch machen – mein größter Traum wird war!“

In einer Zeitspanne von zehn Monaten, parallel zu seinen zwei eigenen, extrem aufwendigen Haute Couture-Schauen in Paris, hat Gaultier 500 Kostüme für über 100 Künstler für das 11-Millionen-Euro teure Spektakel entworfen. „Hier kann ich viel weiter gehen, als in der Mode, Grenzen überschreiten, all die Kostüme kreieren, die ich schon immer machen wollte, die aber nicht in die Modewelt passten, weil sie zu bizarr oder abwegig waren“, sagt Gaultier – der Perfektionist, ehemaliges „Enfant Terrible“ des Pariser Modezirkus, in dem bis heute noch jede Menge „Enfant“ steckt. Die hollywoodreife Opening- und Schlussszene mit sämtlichen Tänzern gleicht dann auch einer Lehrstunde. Wie eine Retrospektive ist alles zu bestaunen, was die wunderbare Welt des JPG ausmacht.

Dazu gehören in Berlin sämtliche Keypieces und Gaultier-Klassiker wie die eng geschnürten Korsagen, schwingende Krinolinröcke, exotische Kopfputze, punkige Irokesen-Bürsten, extragroße Metalnieten, Ösen, Haken, Sicherhheitsnadeln und XXL-Reisverschlüsse, hautenge, Transparent-Bodies mit Tattoo-Mustern, die berühmten Matrosen-Streifen und allem voran seine konischen, gesteppten Trichter-BHs, die bis heute zu den spektakulärsten Bühnen-Outfits von Madonna gehören. Immerzu fallen optische Zitate an die S&M-, Schwulen- und Bondage-Szene mit Lederkäppies, Bikerjacken, Hundehalsbändern und gepiercten Nippeln. Das Boudoir lässt grüßen mit aufgestrapsten Looks, Korsetten und tätowierter Spitze. Schrillbunte Grafity-Kostüme dienen als Hommage an Berlins berühmtestes Bauwerk – die Mauer, die Gaultier noch aus Zeiten vor 1989 kennt.

Inhaltlich geht es in dem Stück „The One Grand Show“ – das Bernd Schmidt als einen „poetischen, exstatischen Traum“ beschreibt , in Szene gesetzt von Regisseur Peter Welke – um einen Besucher (hervorragend gesungen und performt von Roman Lob), der sich in einem verlassenen Theater in einer Underground Party verliert, wobei Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit verschwimmen und eine Zeitreise beginnt. Das Ganze dargeboten als eine poetisch durchwirkte, traumversunkene und gekonnte Mischung aus Varieté und Musical mit einem Touch Cirque du Soleil. Die große weibliche Stimme wird von Brigitte Oelke beigesteuert, der Part der „The One“ großartig besetzt von Valérie Inertie (das Mädchen mit den roten Haaren/ Luftakrobatik und Cyr Wheel). Die Vorstellung insgesamt ein großartiger Erfolg. „Mir ging es darum, mein ganzes Universum da einzubringen“, sagt Gaultier zu seinem Part – dazu gehört auch die Implementierung von Stars wie Klaus Nomi, Madonna, Concita Wurst oder des Travesty-Stars Devine, die Gaultier als Charaktere zitiert und auf die Bühne bringt. „Ich wollte alles geben, damit das am Ende spektakulär, lustig und unterhaltsam wird.“ Das Ziel hat er erreicht. Chapeau!

Als Teaser findet Ihr ein kleines Video auf kultur24.berlinTV

Friedrichstadt-Palast
Friedrichstraße 107
10117 Berlin

Jeden Tag außer Montags und Mittwochs um 19.30 Uhr, Sa und So auch 15.30 Uhr, Tickets von 16,90 – 69,90 Euro.

 

THE ONE - Show im Friedrichstadt-Palast mit Kostümen von Jean-Paul-Gaultier Foto: Holger Jacobs

35 Fotos: THE ONE – Show im Friedrichstadt-Palast mit Kostümen von Jean-Paul-Gaultier Foto: Holger Jacobs

 

Gil Jung

Author: Gil Jung

Journalistin und Public Relation Managerin, schrieb viele Jahre für die Lifeystyle-Seite der Welt am Sonntag

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