Die neuen Filme im Kino 05.10.2017

Blade Runner 2049 © Sony Pictures

Die neuen Filme im Kino 05.10.2017

 

Von Holger Jacobs

9.10.2017

 english text below

Der neue Blade Runner von Regisseur Denis Villeneuve lässt die Meinungen auseinandergehen. Großes Lob auf Seiten der Kritiker, etwas verhaltenere Äußerungen beim Publikum – ich werde versuchen Euch meinen Eindruck zu vermitteln.

„BLADE RUNNER 2049“ – Sci-Fi, Drama – USA – 2017

Regie: Denis Villeneuve
Cast: Ryan Gosling, Harrison Ford, Jared Leto, Anas de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright
Filmverleih: Sony Pictures

Als ich den ersten „Blade Runner“ 1982 sah, war ich sofort begeistert. Nicht auf diese spontane Art, wo man einfach nur „wow“ sagt, wie bei den all time bests wie „Casablanca“, „Citizen Cane“ oder „Forrest Gump“; eher auf die subtile, nachhaltige Art.

Als ich gestern mir nun den neuen „Blade Runner 2049“ aus dem Jahr 2017 anschaute, war ich doch ein wenig enttäuscht. Der neue „Blade Runner“ ist zwar ein technisch gut gemachter Film, den man sich durchaus ansehen kann. Ein Meilenstein der Filmgeschichte, wie sein Vorgänger, ist er aber nicht.

Die lustige Pressekonferenz von Harrison Ford und Ryan Gosling in Berlin könnt Ihr übrigens auf unserem Video Kanal Kultur24 TV sehen.

Kritik 1. Teil:

Der große Unterschied zum ersten „Blade Runner“: Während dieser in einer einzigen Umgebung und in einer einzigen Stimmung stattfand, so gibt es es im zweiten Teil einen ganzen Haufen unterschiedlicher Location, die stimmungsmäßig und auch farblich völlig unterschiedlich sind.

So fängt der Film in einer normal aussehenden hellen Wüste an. Auch im Inneren des dort aufgesuchten Hauses – ein Replikant soll vom neuen Blade Runner „K“ (Ryan Gosling) eliminiert werden – ist es zwar recht unwirtlich, dafür köchelt aber auf dem Herd eine Suppe fröhlich vor sich hin – wie bei Mutti zu Hause. Das wirkt nicht sehr beängstigend.

Auch die anderen Szenen, sei es bei “K“ zu Hause, im Büro seiner Chefin oder in der Pathologie, sehen fast so aus als könnten sie im Heute spielen. Daneben gibt es aber auch tolle Design-Ansätze. Wie z.B. das Archiv im Tyrell Konzern, in dem er nach einem Kind forscht. Dieses Regal ist ein Hammer!

Merkwürdigerweise sind viele Szenen in ein gelblich-orangefarbenes Licht gehüllt – was keineswegs unheimlich wirkt, eher friedlich. Ganz anders als im ersten Film, wo alles nur schwarz und grau war. Und es ständig regnete. Als Harrison Ford alias Deckard (spielt auch im neuen Film wieder mit, allerdings nur am Schluss) zu der Frau geht, die die künstlichen Träume für die Replikanten produziert, ist alles in einem schönen hellen Weiß getaucht, freundlich und nett.

Nein, Düsternis sieht anders aus.

Kostüme und Design des alten „Blade Runner“wurden in den letzten Jahren häufig als Inspirationsquelle genommen. Hier ein paar Beispiele:

4 Photos: Alexander MacQueen 1998, courtesy New York Times

Kritik 2. Teil

Jeder weiß, dass es schwer ist, in eine Rolle zu schlüpfen, die ein anderer berühmter Schauspieler schon einmal gespielt hat. Ein Vergleich ist unvermeidlich. Nun ist Ryan Gosling ein überaus attraktiver Mann (so weit ich das als Mann beurteilen kann), aber gegen einen Harrison Ford, egal ob jung oder alt, kommt er eben nicht an. Seine Mimik ist fast immer dieselbe, sein Ausdruck ändert sich nie. Dabei hat er auch ein großes Handicap zu überwinden: Anders als sein Vorgänger Deckard im alten Film ist Blade Runner „K“ im neuen Film ein Replikant. Das heißt, dass er relativ emotionslos spielen muss. Aber auch da kann man Variationen einbringen, was Ryan Gosling nicht wirklich gelingt.

Auch die andere wichtige Person im Spiel, die weibliche Assistentin vom bösen Tyrell Chef  Wallace (Jared Leto), im neuen Teil „Luv“ genannt, kommt bei weitem nicht an die Ausstrahlung und die Schönheit von Jean Young aus dem Jahr 1982 heran. Die damals Rachel genannte Replikantin hatte ein inneres Strahlen, dass es den Zuschauer aus dem Sitz hob – kein Wunder, dass sie auch im neuen Film, selbst wenn nicht mehr physisch anwesend, doch immer noch eine große Rolle spielt.

Jared Leto als Bösewicht ist okay, aber auch nicht mehr. Und die kleine virtuelle Gespielin „Joi“ wird zwar von der hübschen Ana de Armas überaus reizend gespielt. Umhauen tut sie einen nicht. Interessanter ist da die (wohl zukunftsweisende) Technik, durch die „Joi“ erscheint. Durch ein verbessertes Hologramm wirkt sie fast echt. Und die Technik der Künstlichen Intelligenz macht es möglich, dass sich „K“ mit „Joi“ wie mit einer realen Person unterhalten kann. Zum Anfassen holt sich „K“ dann aber eine echte Prostituierte und beide (reale und virtuelle) Gespielinnen vermischen sich in einem Liebesspiel. Das hätte jetzt echt spannend werden können, aber Ihr wisst, die strengen amerikanischen Sittengesetzte verhindern ein allzu freizügiges Miteinander. Sonst gäbe es ja auch kein „ab 12 Jahre“ Rating. Und ohne die Kids holst Du heute nicht mehr die Umsätz rein…

Fazit:

Trotz aller Kritik muss erwähnt werden, dass die kinematographischen Aufnahmen in 3D sensationell sind. Und die Story ist durchaus interessant.

Aber es gibt noch zwei Dinge die stören und die erwähnt werden müssen:

Erstens ist der Film furchtbar langatmig gedreht. Es fehlt der Rhythmus, der dem Film den entscheidenden Schwung geben könnte.
Und die Dialoge sind eine Katastrophe. Manche Zuschauer um mich herum fingen bei einigen Szenen an zu lachen. Da hoffe ich doch, dass das nur an der deutschen Synchronisation lag.

Ein Film für (fast) die ganze Familie. Aber man braucht viel Popkorn, viel Cola und viel Zeit.

22 Photos: Ryan Gosling as Blade Runner „K“ in „Blade Runner 2049“, @ Sony Pictures

 

 

 english text

The new Blade Runner by director Denis Villeneuve leaves the opinions apart. Great praise on the part of the critics, somewhat more reserved expressions in the audience – I will try to give you my impression (of course as always completely subjective).

„BLADE RUNNER 2049“ – Sci-Fi, Drama – United States – 2017

Director: Denis Villeneuve
Cast: Ryan Gosling, Harrison Ford, Jared Leto, Anas de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright
Movie rental: Sony Pictures

When I saw the first „Blade Runner“ from 1982, I was immediately enthusiastic. Not in this spontaneous way where you just say „wow“, like the all time bests like „Casablanca“, „Citizen Cane“ or „Forrest Gump“, rather in the subtle, sustainable way.

When I yesterday saw the new „Blade Runner 2049“ from the year 2017, I was a little disappointed. And not, because in the past everything is better. No, not at all. The new „Blade Runner“ is a technically well-made film. However, he is not a milestone in film history, like his predecessor.

The Critique Part 1:

The big difference to the old „Blade Runner“: While the first movie played in a single environment and in a single mood, there is in the second a whole bunch of different locations, which are consistent and also completely different in colors.

So the film begins in a normal-looking desert. The new Blade Runner „K“ (Ryan Gosling) is expecting to find a replica in a quite empty house to kill him – but a soup cheers on the stove – like at Mom at home. This looks not very frightening.

Even the other scenes, whether at „K“ at home, in the office of his boss or in the pathology, look almost as if they could play in the present. But there are also great design approaches. Such as the archive in the Tyrell Group, where he researches for a child. This shelf is a hammer!

Strangely, many scenes are wrapped in a yellowish-orange light – which is by no means uncanny, rather peaceful. Very different from the first part, where everything was black and gray. And it was raining all the time. As Harrison Ford aka Deckard in the new film at the end, when he finds the woman, which produces the artificial dreams for the replicas, everything is dipped in a beautiful bright white, friendly and nice – only the sunset is missing…

The Critique Part 2

Everyone knows that it is hard to slip into a role that another actor has ever played. A comparison is inevitable. Now Ryan Gosling is a very attractive man (as far as I can judge that as a man), but he does not come against a Harrison Ford, young or old. His expression is almost always the same, his expression never changes. He also has a great handicap to overcome: unlike his predecessor Deckard in the old film, Blade Runner „K“ in the new film is a replica. This means that he has to play relatively unemotional. But also there can be variations, what Ryan Gosling does not really succeed.

Also the other important person in the game, the female assistant of the evil Tyrell boss Wallace (Jared Leto), called in the new part „Luv“ (Sylvia Hoeks), does not come close to the radiance and beauty of actrees Jean Young from the year 1982. This replica woman, called Rachel, had an inner ray that lifted the viewer from the seat – no wonder that she still plays an important role in the new movie, even if she is not physically present. If you see the movie you know what I mean.

Jared Leto as the villain plays correct, but not more. And the small virtual playmate „Joi“, played by the pretty Ana de Armas, is very charming. But she is not a great actrees.  More interesting is the revolutionary technique by which „Joi“ appears. Through an improved hologram, it looks almost real. And the technique of Artificial Intelligence makes it possible that „K“ can speak to „Joi“ like with a real person. To have someone to touch, however, „K“ then gets a real prostitute and both (real and virtual) mingle in a love game. This could have been really exciting now, but you know that the strict American morals prevent too much sexuality. Otherwise there would be no „12 years“ rating. And without the kids you can not get the conversion today.

Conclusion:

Despite all criticism the cinematographic recordings in 3D are sensational. And the story is interesting too.
But there are still two things that need to be mentioned: First, the film is terribly long-winded. It lacks the rhythm.
And the dialogues are a disaster. Some of the spectators around me started laughing at some scenes. I hope that this was only due to the German synchronization.

A film for (almost) the whole family. But you need a lot of popcorn, lots of coke and lots of time.

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist