FAUST I + II am Berliner Ensemble

Robert Wilson und Herbert Grönemeyer im Berliner Ensemble, Foto: Holger Jacobs

FAUST I + II am Berliner Ensemble

FAUST – ein Podiumsgespräch mit Robert Wilson

Von Holger Jacobs

12.4.2015. Das Großereignis am Berliner Ensemble, dem Theater am Schiffbauer Damm, rückt unaufhaltsam näher – Die Neuproduktion von FAUST I + II von Johann Wolfgang von Goethe.

Gestern Abend fand dazu ein Podiumsgespräch mit den Haupt-Protagonisten statt. Auf der Bühne anwesend waren: Regisseur Robert Wilson, Musiker und Sänger Herbert Grönemeyer, Regie-Assistentin Ann-Christin Rommen, Dramaturgin Jutta Ferbers und Moderatorin Bernadette Schoog.

In der Einleitung sagte die Moderatorin, dass sich die Hauptbeteiligten schon alle ca. 30 Jahre kennen, als am Bochumer Schauspielhaus Robert Wilson zum ersten Mal arbeitete, damals noch zu Zeiten des Intendanten Peter Zadek. Und so lange arbeiten speziell Ann-Christin Rommen und Jutta Ferbers zusammen. Grönemeyer erzählte, dass auch er zu dieser Zeit als junger Mann schon im Bochumer Theater kleine Rollen spielte. Zum ersten Mal zusammengearbeitet haben Grönemeyer und Wilson dann bei der Inszenierung für Leonce und Lena vor 12 Jahren, ebenfalls am Berliner Ensemble.

Auf die Frage, was ihm am wichtigsten bei der Inszenierung sei, antwortete Wilson: „Space, this is a question of space, the space of drama, humor and love. The first part is more narrative, the second one more romantic. Faust and Mephisto are two in one, two parts of the same body, it’ a duality, like ying-yang.“

Herbert Grönemeyer erzählte, dass er Faust nie, wie so viele andere, in der Schule gehabt hätte, sondern erst jetzt zur Produktion mit Robert Wilson dazu kam. Für ihn ist der Faust wie ein Spiel um Macht, Geld und Krieg. Es würde an die Grundfeste des Lebens erinnern. Die Dramaturgin meinte, man solle bei Wilson alles vergessen, was man bisher zu diesem Stück gesehen und gelernt hätte. Und sie erzählt, wie Wilson arbeitet: Zunächst fängt er in den Räumen seines Watermill Centers in der 29. Straße in New-York mit ersten Skizzen, wobei er versucht, einen geistigen und physischen Raum zu schaffen. Danach kommt ein Treffen mit den Schauspielern. Die ersten Proben fangen noch ohne Text an. Es wird zunächst versucht, den Raum und das Licht zu erkunden. Es ist zuerst eine Geschichte ohne Worte, denn das, was der Zuschauer sieht, soll das gleiche sein, was er hört. Danach wird die Bühnenkonstruktion und das Beleuchtungskonzept erarbeitet. „With no light, no space

Ann-Christin Rommen, die schon viele Jahre an der Seite von Robert Wilson tätig ist, fährt fort, wie er mit den Schauspielern arbeitet. Er würde nur formale Anweisungen geben, wie „schneller, langsamer, härter, weicher“ oder „lächeln, nicht lächeln“. Er würde nie zu einem Schauspieler sagen, was er denken oder fühlen solle, dies müsse von ihm selber kommen. Wilson wirft ein: „Words are masques“. Rommen erklärt, Wilson würde gerne mit Masken, ob reale oder nur gedachte, arbeiten, wie in den Theatern zu früherer Zeit.

Grönemeyer beschreibt seine Arbeit am Stück: Es gäbe viele Textpassagen beim Faust, die wie Lied-Texte verfasst wären. Sowohl vom Rhythmus wie von der Versform. Insofern wäre es für ihn nur natürlich gewesen, hierzu eine Musik zu komponieren. Für Grönemeyer ist der Faust eine Suche nach Leichtigkeit, eine Leichtigkeit die sich der Deutsche als das Volk der Dichter und Denker immer wünscht, aber nie erreicht. Das Stück wäre eine Metapher über die Schönheit und die Verlockung des Bösen.

Der Abend schließt mit den Worten, dass das Ensemble noch gar nicht so genau weiß, wo die Inszenierung landen wird. Es wird ab dem 12. April bis zur Premiere am 22. April insgesamt 9 sogenannter Voraufführungen geben, die wie Durchlaufproben noch zur Erarbeitung und Vervollständigung des Stücks dienen.

Robert Wilson: „It’ s a great challenge for me, bigger than my work on the „Ring“ by Richard Wagner…“

Am 16. April werde ich mir einer dieser „Voraufführungen“, I am very curious to see it!

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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