Cosi fan Tutte

COSI FAN TUTTE an der Staatsoper Unter den Linden

Cosi Fan Tutte - Staatsoper Berlin - Photo: Matthias Baus

COSI FAN TUTTE an der Staatsoper Unter den Linden

 

Von Holger Jacobs

Holger Jacobs

07.10.2021

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

Eine Komödie mit wankelmütigen Frauen und raffinierten Männern

Wie ich schon bei meiner Rezension des neuen James Bond – „No Time To Die“ schrieb, werden in der Folgezeit der #MeToo Ära viele frühere Kunst- und Kulturgüter neu gesehen und neu interpretiert.

Was hat das mit der Oper „Cosi fan Tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart zu tun?
Nun, bereits kurz nach seiner Uraufführung 1790 wurde Kritik am unmoralischen Libretto von Lorenzo da Ponte laut.
Die Geschichte wäre albern und frauenfeindlich. Teilweise wurden Mozarts Musik sogar ein komplett neuer Text unterlegt.
Erst im 20 Jahrhundert akzeptierte man die Oper, so wie sie ist.
Und jetzt, im 21. Jahrhundert?

Wolfgang Amadeus Mozart, 1781 CC Wikimedia Commons

Inhalt

Die Oper spielt im 18. Jahrhundert in Neapel. Die beiden Offiziere Ferrando (Paolo Fanale) und Guglielmo (Gyula Orendt) wollen ihre Liebsten Dorabella (Marina Viotti) und Fiordiligi Federica Lombardi) heiraten und sind überzeugt, dass diese ihnen niemals untreu werden könnten. Der alte Lebemann Don Alfonso (Lucio Gallo) ist anderer Meinung und behauptet, der Liebe der Frauen könnte man niemals sicher sein und bietet eine Wette an, auf die beide eingehen.
Die Idee: Ferrando und Guglielmo sollen angeblich in den Krieg ziehen und verkleidet als fremdländische Adlige zurückkommen, um die jeweils andere der beiden Schwestern für sich zu gewinnen. Gesagt, getan. Zunächst weisen Dorabella und Fiordiligi alle Anmach-Versuche zurück. Doch als die beiden Männer so tun, als würden sie sich wegen ihrer verschmähten Liebe umbringen, erweichen die Herzen der Frauen und bald soll sogar Hochzeit sein. Mitten in die Vermählungs-Zeremonie platzen dann die echten Ferrando und Guglielmo herein…

Cosi Fan Tutte, erste Opernkarte CC Wikimedia Commons

Die Inszenierung

Der französische Regisseur Vincent Huguet(*1976), ein früherer Assistent des berühmten Patrice Chereau und jetzt selbst ein gefeierter Regiestar mit zuletzt Inszenierungen an der Wiener Staatsoper und der Pariser Opera Garnier, soll, so der Plan, in nächster Zeit zusammen mit Dirigent Daniel Barenboim für die Staatsoper Berlin mehrere Opern nach Libretti des italienischen Dichters Lorenzo Da Ponte, der auch das Libretto zu „Cosi“ schrieb, einstudieren.

Und gleich der Anfang dieser Reihe ist überzeugend gelungen.

Vincent Huguet schert sich nicht um political correctness, sondern inszeniert die Oper „Cosi Fan Tutte“ (frei übersetzt: ‚Sie machen es alle’ mit dem Untertitel: ‚Die Schule der Liebenden‘), so, wie sie von Da Ponte und Mozart angelegt war, nämlich als vergnügliches Lustspiel – nicht mehr aber auch nicht weniger.
Dass dabei den Frauen Wankelmütigkeit und Untreue vorgeworfen wird, geschenkt.
Denn jeder von uns weiß, dass auf diesem Gebiet die männlichen Vertreter des Geschlechts nicht viel besser sind.
Im Gegenteil, Lügen und Betrügen in einer Beziehung wird ja eher den Männern nachgesagt.

Dass sich die Frauen von List und Tücke allzu leichtfertig täuschen lassen, geschenkt.
Auf Betrüger und Quacksalber (heute könnte man solche auch als Verschwörungstheoretiker bezeichnen) hereinzufallen passiert Männlein wie Weiblein gleichermaßen.

Lässt man also, wie Vincent Huguet es getan hat, erst einmal die Politik weg, kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren: den Spaß.
Und das gelingt dem Regisseur vorzüglich. In jedem Augenblick ist klar, dass es sich hier um eine Komödie handelt – Shakespeare und Moliere lassen grüßen.
Höhepunkt des Klamauks: Als die Assistentin Despina (Barbara Frittoli) die beiden vermeintlich toten Liebhaber mit einem Mercedes-Stern erweckt…

Besonderen Augenmerk hat der Regisseur auf die Bühnenausstattung, bzw. die Optik der Inszenierung gelegt.
Obwohl das Bühnenbild (Aurélie Maestre) nur mit wenigen Details auskommt, ergeben sich in beiden Akten wunderschöne, romantische Bilder. Auch die Kostüme (Clémence Pernoud) sind einfach, aber gelungen in Farbigkeit und Schnitt.

Und auch der Sex darf natürlich nicht fehlen. Blumenkinder der 68-er Ära bevölkern in den Massenszenen die Bühne und ein nacktes Pärchen liebt sich beim Picknick.

Vincent Huguet © Staatsoper Unter den Linden

Die Musik

Die Oper „Cosi Fan Tutte“ gehört zu den erfolgreichsten Opern Mozarts. Nicht ohne Grund. Schöne Melodien und viele gelungene Arien, nach denen das Publikum jedes Mal begeistert klatschen kann, sind über 3 Stunden zu hören.
Und die Story liefert genug Lacher, damit das Publikum freudig mitgeht. Langweile kommt in keinem Augenblick auf.

Daniel Barenboim dirigiert wie gewohnt etwas gemächlich, für meinen Geschmack dieses Mal etwas zu langsam.
Ich hätte mir, passend zur Geschichte, etwas mehr Schwung gewünscht.

Dagegen sind fast alle Sänger und Sängerinnen auf einem wirklich hohen Niveau, mit leichten Vorteilen zugunsten von Federica Lombardi als die blonde Fiordiligi.
Große Begeisterung des Publikums nach einem amüsanten Opernerlebnis.

„COSI FAN TUTTE“ von Wolfgang Amadeus Mozart
Premiere war am 3. Oktober 2021
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Staatsoper Unter den Linden
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Vincent Huguet
Bühnenbild: Aurélie Maestre, Kostüme: Clémence Pernoud
Mit: Federica Lombardi (Fiordiligi), Marina Viotti (Dorabella), Gyula Orendt (Gugliolmo), Paolo Fanale (Ferrando), Lucio Gallo (Don Alfonso), Barbara Frittoli (Despina)

Nächste Vorstellungen: 13., 16. und 20. Oktober 2021

Unsere Bilderserie mit 20 Fotos der Produktion:

COSI FAN TUTTE, Staatsoper Berlin, Photo: Mattias Baus

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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