Die neuen Filme – JAMES BOND – No Time To Die

James Bond - Daniel Craig - Lea Seydoux © MGM/ kultur24.berlin

Die neuen Filme – JAMES BOND – No Time To Die

 

Von Holger Jacobs

Holger Jacobs - kultur24.berlin

29.09.2021

English text

Der letzte James Bond mit Daniel Craig in der Hauptrolle, angepasst an die Ära nach #MeToo.

Große Erwartungen wurden in den letzten Film mit Daniel Craig gesetzt, nachdem der Start auf Grund der Corona-Pandemie 4 Mal verschoben werden musste.
Die Verleih-Firma Metro-Goldwyn-Mayer wollte diesen Film unbedingt in die Kinos bringen und nicht als Stream im Netz verkümmern lassen.

James Bond world premiere in London © MGM

Dienstag Abend war es dann soweit.
In London wurde die Weltpremiere sehr elegant in der Royal-Albert-Hall gefeiert, mit allen Stars des Films, sowie Pop-Superstar Billie Eilish als Singer/ Songwriter der Titelmelodie und mit der Royal Family mit Prinz William und seiner Frau Kate und Vater Charles mit Frau Camilla.

Schließlich gehört die James-Bond Filmreihe zu dem wichtigsten britischen Export-Schlager im Bereich der Medien.
Bei 007 feiert man noch die britische Nationalität, wie zu Zeiten des Empires unter Queen Victoria – und ignoriert, dass zur gleichen Zeit Tausende Londoner Autofahrer vor den Tankstellen stehen, weil es Dank des Brexits keine ausländischen Fahrer mehr gibt, die den Treibstoff verteilen könnten.
Statt „God save the Queen“ sollte man eigentlich „God save England“ singen…

Um es gleich vorneweg zu sagen: Mich hat dieser letzte Bond-Film mit Daniel Craig nicht überzeugt.
Warum, werde ich Euch später erklären.

Das süditalienische Städtchen Matera ist Ort der ersten Bond-Aktion © MGM

Inhalt

James Bond 007 verbringt seinen Ruhestand in einem kleinen Strandhaus auf der Karibikinsel Jamaika (gedreht im echten Haus des Bond-Erfinders Ian Flemming, genannt Goldeneye).
Dort wird er von seinem alten Freund und CIA Agenten Felix Leitner aufgesucht, der ihn um Hilfe bittet. Ein russischer Wissenschaftler ist aus einem CIA-eigenen Labor entführt worden, in dem an Biowaffen gearbeitet wurde.
Als sich eine Verbindung zu seinem alten Feind Ernst Blofeld (Christoph Waltz) ergibt und Bond diesen in seinem Gefängnis besucht, sieht er auch seine alte Liebe Madeleine (Léa Seydoux) wieder, die er vor fünf Jahren auf Grund eines falschen Verdachts verlassen hatte.
Die Spur führt schließlich zu einem alten Bekannten von Madeleine, Luzifer Safin (gespielt von Rami Malek, der 2019 den Oscar für seine Rolle von Freddy Mercury in „Bohemian Rhapsody“ gewann), ein hasserfüllter Psychopath, der mit einer giftigen Substanz die halbe Menschheit auslöschen will.
Auf einer russischen Insel in einem alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg kommt es dann zum Showdown – Der Böse stirbt und auch Bond – womit auch Daniel Craig als James Bond gestorben ist.

Das süditalienische Städtchen Matera ist Ort der ersten Bond-Aktion © MGM

James Bond in Zeiten von #MeToo

Als der Sex-Skandal um Filmproduzent Harvey Weinstein in den USA 2018 gerade seinen Höhepunkt erreichte (Weinstein wurde 2020 wegen sexuellem Missbrauch von unzähligen Frauen zu einer Gefängnisstrafe von 23 Jahre verurteilt) waren die Produzenten der James Bond Filme gerade in Vorbereitung zur 25. Auflage der James-Bond-Reihe und dem letzten mit Daniel Craig.
Man sah sich auf Grund der Ereignisse um Harvey Weinstein und der darauf folgenden Debatten gezwungen, die bisherige Darstellung von Frauen in den Bond-Filmen – hübsch, sexy und jederzeit bereit dem Charme von James zu erliegen – zu verändern, da es nicht mehr zeitgemäß schien.

Ergebnis: Fortan heißen die Frauen nicht mehr „Bond-Girls“, sondern „Bond-Women“, der Vorspann zeigt nicht mehr nackte Frauen im Gegenlicht oder Unterwasser, sondern es drehen sich Zahnräder aneinander.
Und Bond sollte mehr (Mit-) Gefühl mit seinen Darstellerinnen zeigen. Und nicht mehr jede Nacht mit einer anderen Mieze ins Bett steigen.

Auch Diversität musste nun betont werden. Also bekam der Doppel-Null Agent jetzt eine farbige Kollegin (Lashana Lynch) an die Seite gestellt, die sinnigerweise die Nummer 007 erhält, weil Bond am Anfang des Films ja zunächst noch in Rente ist.

Das süditalienische Städtchen Matera ist Ort der ersten Bond-Aktion © MGM

Leider führen all diese Neuerungen dazu, dass das ursprüngliche Bild von James Bond, so, wie ihn Ian Flemming vor 60 Jahren einmal kreiert hat, verwaschen wird. Man könnte auch sagen „weichgespült“.
Und das funktioniert nicht. Die romantischen Szenen zwischen Madeleine Swann und James Bond wirken unecht und aufgesetzt.
Zusätzlich führt die Überlänge von 163 Minuten in manchen Momenten zu Langweile.

Was man nicht vergessen sollte:
Ian Flemming erschuf mit James Bond einen neuzeitlichen Helden, der zwar sterblich, aber in all seinen Fähigkeiten überdurchschnittlich ist: Er kämpft besser, er liebt besser, er ist intelligenter, schneller und stärker und auch beim Spiel („Casino Royal“) scheint er das Glück gepachtet zu haben, weshalb alle Frauen seinem Charme erliegen und mit dem berühmten Seufzer „Oh, James“ in seinem Bett landen.

Diese Form der Überzeichnung als sexistisch zu bezeichnen ist kompletter Blödsinn.
Schon als der erste Bond Film „Dr. No“ 1962 (mit Jean Connery) in die Kinos kam war jedem klar, dass es solch einen Mann in der Wirklichkeit nicht gibt.
Es ist eine Romanfigur, so gestaltet, wie jeder Mann gerne sein möchte und wie sich (fast) jede Frau einen Liebhaber in ihren Träumen vorstellt.
Und das gilt bis heute, davon bin ich überzeugt. Sonst hätten die Bond-Filme nicht immer noch so viele Fans, Frauen wie Männer.

Dass ein Mann eine Ausstrahlung (oder auch Charisma) hat, die jede Frau schwach werden lässt, ist keineswegs etwas Schlechtes oder Verdammungswürdiges. Es kommt in der Realität nur selten vor…

Das süditalienische Städtchen Matera ist Ort der ersten Bond-Aktion © MGM

Noch ein Wort zu den Darstellern:
Daniel Craig spielt wie immer, wirkt in machen Momenten aber etwas verunsichert, wenn er zwischen dem harten Burschen und plötzlichen Gefühlsausbrüchen hin und her wechseln muss.
Léa Seydoux macht ihre Sache leidlich gut, aber als typisches Bond-Girl (oder jetzt Bond-Woman!) ist sie zu schwach.
Und Lashana Lynch versucht vergeblich sich als Bond-Ersatz zu behaupten.
Positiv aufgefallen sind mir dagegen Rami Malek als der Bösewicht Luzifer Safin.
Und Ana de Armas („Bladerunner 2049“) spielt bemerkenswert eine genauso hübsche, wie freche und schlagfertige CIA-Agentin. Ich hoffe, ihre Figur wird auch in den kommenden Bond-Filmen zum Einsatz kommen.

Fazit:
Der Regisseur Sam Mendes, der die letzten beiden Bond-Filme zu verantworten hatte, war einfach besser als der fast unbekannte Cary Fukunaga.
Und die Veränderungen am Drehbuch, nur um einer „political correctness“ zu entsprechen, waren ein Fehler. Lasst James Bond so, wie ihn Ian Flemming erfunden hat. Das ist immer noch der beste Bond.

Bilderserie mit den 20 besten Fotos der Filmproduktion:

Madeleine Swann (Léa Seydoux), James Bond „No Time to Die“ © MGM

 

English text

The new films – JAMES BOND – No Time To Die

 

By Holger Jacobs

Holger Jacobs - kultur24.berlin
09/29/2021

The last James Bond with Daniel Craig in the lead role, adapted for the post-#MeToo era.

Great expectations were set for the last film with Daniel Craig after the start had to be postponed 4 times due to the corona pandemic.
The distribution company Metro-Goldwyn-Mayer wanted to bring this film into the cinemas and not let it wither away as a stream on the net.
Then Tuesday evening the time had come.
In London, the world premiere was celebrated very elegantly in the Royal-Albert-Hall, with all the stars of the movie, as well as pop superstar Billie Eilish as the singer / songwriter of the theme song and with the Royal Family with Prince William and his wife Kate and father Charles with his wife Camilla.

James Bond world premiere in London © MGM

After all, the James Bond film series is one of the most important British export in the media sector.
In 007 movies, British nationality is still celebrated, as in the times of the Empire under Queen Victoria – and ignored that today thousands of London drivers are standing in front of the petrol stations at the same time because, thanks to the Brexit, there are no longer any foreign european drivers who could distribute the fuel. Instead of “God save the Queen” you should actually sing “God save England” …

To be clear right from the start: I was not convinced by this last Bond film with Daniel Craig. I’ll explain why later.

The South-Italian town of MATERA is the first location of action © MGM

Story

James Bond 007 is retiring in a small beach house on the Caribbean island of Jamaica (filmed in the real home of Bond inventor Ian Flemming, called Goldeneye).
There he is visited by his old friend and CIA agent Felix Leitner, who asks him for help. A Russian scientist has been kidnapped from a CIA-owned laboratory working on biological weapons. When there is a connection to his old enemy Ernst Blofeld (Christoph Waltz), then Bond visits him in his prison, where he also sees his old love Madeleine (Léa Seydoux) again, whom he left five years ago on false suspicions.
The trail finally leads to an old friend of Madeleine, Lucifer Safin (played by Rami Malek, who won the Oscar in 2019 for his role of Freddy Mercury in „Bohemian Rhapsody“), a hateful psychopath who wants to wipe out half humanity with a toxic substance. The showdown is on a Russian island in an old bunker from World War II – the bad guy dies and Bond too – which means the end of Daniel Craig as James Bond.

The South-Italian town of MATERA is the first location of action © MGM

James Bond in the age of #MeToo

When the sex scandal of film producer Harvey Weinstein in the USA was just reaching its climax in 2018 (Weinstein was sentenced to 23 years in prison in 2020 for the sexual abuse of countless women), the producers of the James Bond films were in preparation for the 25th edition of the Bond-Series and the last with Daniel Craig.
As a result of the events surrounding Harvey Weinstein and the debates that followed, they were forced to change the previous portrayal of women in the Bond films – pretty, sexy and ready to succumb to the charm of James at any time – because it no longer seemed up-to-date .
Result:
From now on the women are no longer called “Bond Girls”, but “Bond Women”.
The prolog no longer shows naked women in the backlight or underwater, but instead several cogwheels rotate together.
And Bond should show more empathy with his actresses. And no longer having sex every night with a different kitty.

The South-Italian town of MATERA is the first location of action © MGM

Diversity now also had to be emphasized.
So the double-zero agent got a colored colleague (Lashana Lynch) at his side, who appropriately gets the number 007, because Bond is still retired at the beginning of the movie.
Unfortunately, all these innovations mean that the original image of James Bond, as Ian Flemming created 60 years ago, is blurred.
You could also say “softened”.
And that doesn’t work. The romantic scenes between Madeleine Swann and James Bond seem fake and artificial. In addition, the excess length of 163 minutes of the movie leads to boredom in some moments.

What everyone shouldn’t forget:
With James Bond, Ian Flemming created a modern hero who is mortal, but above average in all his abilities: He fights better, he loves better, he is more intelligent, faster and stronger and when he gambles (“Casino Royal ”) he seems to have incredible luck, which is why all women succumb to his charm and end up in his bed with the famous sigh“ Oh, James ”.

To describe this form of exaggeration as sexist is complete nonsense.
As early as the first Bond film “Dr. No “ (with Jean Connery) came out in cinemas in 1962, it was clear to everyone that such a man does not exist in reality.
It is a fictional character, designed in the way every man would like to be and how (almost) every woman imagines a lover in her dreams.
And that is still true today, I am convinced of it.
Otherwise the Bond films would not still have as many fans, women as men.
That a man has a charisma (or charisma) that makes every woman weak is by no means bad or damnable. It rarely happens in reality …

The South-Italian town of MATERA is the first location of action © MGM

One more word about the actors:
Daniel Craig plays as always, but in some moments he seems a bit insecure when he has to switch back and forth between the tough guy and sudden outbursts of emotion.
Léa Seydoux does her job reasonably well, but as a typical Bond girl (or now Bond women!) she is too weak.
And Lashana Lynch tries in vain to assert himself as a Bond replacement.
On the other hand, I really much liked Rami Malek as the villain Lucifer Safin.
And Ana de Armas („Bladerunner 2049“) plays remarkably a pretty, cheeky and smart CIA agent. I hope her character will also be featured in the upcoming Bond films.

Conclusion:
The director Sam Mendes, who was responsible for the last two Bond films, was simply better than the almost unknown Cary Fukunaga.
And the changes to the script just to conform to “political correctness” were a mistake.
Leave James Bond as Ian Flemming invented him. It’s still the best Bond!

Here our photo series with 20 best pictures of the movie:

Madeleine Swann (Léa Seydoux), in James Bond „No Time to Die“ © MGM

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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