Das BRICOLE im Prenzlauer Berg

Das BRICOLE im Prenzlauer Berg

von Josefine Kammerer
06.09.2020

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Kulinarisches Basteln im Restaurant BRICOLE im Prenzlauer Berg, Berlin.

Ein lauer Sommerabend, Senefelderstraße in Berlin-Prenzlauer Berg, entspannte Kiez-Atmosphäre und ein kleines, warm belichtetes und in Holztönen gehaltenes Restaurant – Bricole.

Bricole im Prenzlauer Berg ©JK

Bricole kommt von „Bricolage“ (franz.) – also die Technik, Gegenstände in einen neuen Kontext zu stellen, d.h. künstlich zusammenzustellen, der nicht den herkömmlichen Normativen entspricht – oder auch „bricoler“ – basteln. Der Name ist Programm, denn hier wird mit Kochtechniken, Zutaten und Geschmack gebastelt, wodurch schöne, ungewöhnliche und aufregende Kombinationen entstehen. Basteln – ein herrlich lustvolles und vergnügliches Wort – und so kommt es auch auf dem Teller und am Gaumen an. Auch passt es zur, vom Gastgeber und Chefkoch beschriebener, Konzeptentwicklung des Restaurants, ein immerwährendes Tüfteln, Verbessern und Verfeinern.

Kohlrabi-Taschen ©JK

Über 4 bis 6 Gänge wird der Gast durch die Menüs geführt. Eines mit Fleisch und Fisch und eines rein vegetarisch. Erfreulicherweise können die Gänge aus beiden Menüs flexibel ausgetauscht werden, wodurch persönliche Präferenzen und Neugierde auf bestimmte Speisen gestillt werden können.

Profiterol mit Lachstartar ©JK

Zu Beginn Snacks aus der Küche: Kohlrabi-Täschchen mit Cassis und Sauerklee und kleine, fabelhafte Profiterol gefüllt mit Lachs-Tartar und wundervoll verfeinert mit einer Kümmelcreme. Vorsicht bei dem dazu gereichten Brot mit der leicht süß-salzigen Karamellbutter mit Miso, es besteht durchaus die Gefahr, sich hieran bereits satt zu essen.

Flambierter Lachs ©JK

Der erste Gang der jeweiligen Menüs, der geflämmte Lachs mit Joghurt Dashi (jap. „Grundbrühe“), kombiniert mit Klecksen aus grüner Apfel Reduktion und dekoriert mit Algenchips sowie der geflämmte Topinambur auf einem Spiegel aus Gazpachosud und leicht würzigem Sauerampfereis, schmeckten vorzüglich.

Flambierter Topinambur ©JK

Das Gemüse entzückt. Das Gericht aus Kohlrabi, Erbsen und Lauch: bodenständigere und alltäglichere deutsche Gemüsesorten finden sich kaum und doch bastelte Chef-Koch Steven Zeidler daraus eine meiner Lieblingsspeisen an diesem Abend. Der konfierter Kohlrabi, au point knackisch und délicieux, dazu die flambierten Aromen des Lauchs, intensiviert durch eine gehaltvolle Eigelbemulsion. Die gerösteten Buchweizen untermalen den nussigen, herben Geschmack des Gemüses und sorgen für zusätzliche Biss.

Kohlrabi & Lauch ©JK

Ein weiteres Highlight ist der Steinbutt, butterzart und doch mit charaktervoller Struktur, gebettet auf einer Mandelcreme und Schaum mit Aromen von Kokos und Krustentier, begleitet von einem an Cassoulet angelehnten Eintopf mit Merguez. Eine sehr „bricoläre“ Komposition. Die würzige und salzige Merguez mit den wohlig samtigen und runden Mandel- und Kokosaromen, und dazu der feine Fisch, machen diese Kombination zum Knaller des Abends.

Steinbutt, Kokos & Merguez ©JK

Als Nachtisch gibt es neben der Option der Käsevariation ein luftig leichtes, wenn auch etwas klebriges Pavlova – eine Torte aus Baisermasse, traditionell gefüllt mit Sahne und Früchten, doch hier betupft mit einer Creme aus Macadamianüssen, den Nüssen selbst und Himbeeren – serviert in ihrer Sommervariation mit einem Zitronensorbet mit Basilikum.

Pavlova ©JK

Ein sehr beschwingter Abend: begeisternd durch aufregende Geschmackskompositionen, erquickend durch eine schöne, unaufgeregte Weinbegleitung und entspannend durch warme Atmosphäre des Restaurants. Ein Dankeschön an Gastgeber Fabian Fischer und sein treues Team. Übrigens ist auch das Preis-Leistungsverhältnis kaum zu überbieten.

Süßer Abschied ©JK

Hier noch weitere Bilder des BRICOLE in unserer Bildergalerie:

©Bricole

english

The BRICOLE at Prenzlauer Berg

by Josefine Kammerer
06.09.2020

Culinary handiwork in the restaurant BRICOLE in Prenzlauer Berg, Berlin.

A mild summer evening, Senefelderstraße in Berlin-Prenzlauer Berg, a relaxed neighbourhood atmosphere and a small, warmly illuminated restaurant – Bricole.

Bricole in Prenzlauer Berg ©JK

Bricole comes from „Bricolage“ (French) – In other words, the technique of placing objects in a new context, i. e. artificially put together, which does not correspond to the conventional normative – or even „bricoler“ – tinker. The name says it all, because here one tinkers with cooking techniques, ingredients and taste, creating beautiful, unusual and exciting combinations. Tinkering – a wonderfully pleasurable and pleasurable word – and that’s what is conveyed on the plate and on the palate. It also fits the general development of the restaurant concept as described by the host and chef, a constant tinkering, improving and refining.

Kohlrabi-bags ©JK

With 4 to 6 courses the guest is guided through the menus. One with meat and fish and one purely vegetarian. Fortunately, the courses from both menus can be exchanged flexibly, thus satisfying personal preferences and curiosity on certain dishes.

Profiterol & salmon tartar ©JK

To start with snacks from the kitchen are served: Kohlrabi bags with cassis and sour cherry and small, fabulous profiteroles filled with salmon tartare and wonderfully refined with a caraway cream. Be careful with the bread, served with the slightly sweet-salty caramel butter with miso, there is a risk of overeating.

Flambéed salmon ©JK

The first course of the respective menus, the flamed salmon with yoghurt Dashi (jap. “base broth”), combined with dabs of green apple reduction and decorated with algae chips as well as the flamed Jerusalem artichoke on a mirror of gazpacho sauce and slightly savoury sorrel ice cream, tasted excellent.

Flambéed Jerusalem artichoke ©JK

The vegetables are delightful. The dish composed of kohlrabi, peas and leek: more down-to-earth and everyday German vegetables are scarcely found and yet Chef Steven Zeidler managed to make one of my favourite dishes of this evening out of them. The cooked kohlrabi, au point crisp and délicieux, together with the flambéed aromas of the leek, intensified by a rich egg yolk emulsion. The roasted buckwheat underlines the nutty, bitter taste of the vegetable and provides additional bite.

Kohlrabi & leek ©JK

The turbot, butter-tender yet with a characteristic structure, embedded on an almond cream and foam with flavours of coconut and crustacean, was accompanied by a stew inspired by cassoulet with merguez. A very “bricolar” composition. The spicy-seasoned and salty merguez with the soothing velvety smooth and round almond and coconut aromas, and the elegant fish, make this combination the highlight of the evening.

Turbot, coconut & merguez ©JK

As dessert, in addition to the cheese platter option, there is an airy, light, albeit sticky Pavlova – a cake made of meringue, traditionally filled with cream and fruit, but here topped with a cream of macadamia nuts, the nuts themselves and raspberries – served in a summer version with a lemon basil sorbet.

Pavlova ©JK

A very vibrant evening: delighting due to exciting taste compositions, refreshing due to a nice, unagitated wine pairing and relaxing due to the warm atmosphere of the restaurant. A big thank you to the host Fabian Fischer and his loyal team. By the way, the price-performance ratio is also hard to beat.

Sweet goodbye ©JK

More pictures about BRICOLE in here in our picture galery:

©Bricole

Josefine Kammerer

Author: Josefine Kammerer

Josefine Kammerer arbeitet bei einem Incubator von Unternehmen in Berlin und verfolgt nebenbei ihr kulinarisches Interesse. Während eines Sabbatical besuchte sie eine Kochschule in Südamerika und betätigt sich in Berlin als Foodguide für das online Kulturmagazin kultur24.berlin.

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