Die GRAMMYS 2021 in Zeiten von Black Lives Matter

The Grammys 2021 - Beyoncé © Instagram/ The Recording Academy

Die GRAMMYS 2021 in Zeiten von Black Lives Matter

 

Von Holger Jacobs

20.03.2021

English text

Diese Grammy Verleihung stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und der Black Lives Matter Bewegung.

Die Grammy Awards sind jedes Jahr das zweitwichtigste gesellschaftliche Event in den USA nach der Oscar-Verleihung.
Kein Ereignis zieht so viele junge Zuschauer vor den Bildschirm. Vor allem, weil die Generation Y (auch Millennials genannt, geboren so zwischen 1985 und 2005) sonst kaum noch lineares Fernsehen schaut.

Die große Show, wegen Corona von Januar auf März 2021 verschoben, dauerte gut 3 ½ Stunden und zeigte wie immer rührende Szenen der glücklichen Gewinner und exzellent gemachte Show-Einlagen der Nominierten.

Trevor Noah, sonst Anchorman der „Daily Show“ im amerikanischen Fernsehen, führte gekonnt und mit viel Charme durch die Sendung.
Zunächst stellte er die Location vor, das große Zelt vor dem Staples-Center in Los Angeles, welches explizit nur wegen der Corona-Pandemie aufgebaut wurde und nun auch nur die nominierten Musikerinnen  und Musker mit ihren Begleitungen beherbergte.

Im Inneren der Arena gab es Pandemie-bedingt keine Zuschauer.
Dafür waren fünf Bühnen aufgebaut, auf denen nach und nach die Live-Performances stattfanden.
Zu sehen und zu hören waren alle Nominierten der Kategorie Record oft he Year (übersetzt so viel wie „Single des Jahres“).
Warum es dann trotzdem noch die Kategorie Song oft he Year gibt weiß der Himmel. Ich denke, man möchte so viele Künstler wie möglich einbinden.

Auf den fünf Bühnen waren nacheinander zu sehen:
Harry Styles mit seinem Song „Watermelon Sugar“, Billie Eilish zusammen mit ihrem Bruder Feannes mit „Everything I wanted“, Dua Lipa mit „Levitating ft. DaBaby/ Don’t start now“, Doja Cat mit „Say So, die koreanische Boyband BTS mit „Dynamite“, DaBaby mit „Rockstar“, Taylor Swift mit “Cardigan“, die Black Pumas mit „Colors“, die Haim Sisters mit „Want you back“, Lil Baby mit The Bigger Picture“ und Post Melone mit „Hollywood’s Bleeding (Findet Ihr alles jetzt auch auf Youtube).

Billie Eilish „Everything I wanted“ © Instagram/ Gucci

Leider musste ich feststellen, dass zwar die Performances toll bis spektakulär waren, die Songs aber grottenschlecht.
Meistens langweilige Schmusesongs (wie bei Harry Styles, Billie Eilish und Taylor Swift), oder schlecht arrangierte und mit wenig Rhythmus gespielte Rap – und R&B-Songs wie z.B. bei Doja Cat.

Nur der Song von Dua Lipa konnte einigermaßen überzeugen.
Ihre Performance war auch eindeutig die beste. Sie tanzt toll, sieht toll aus und hat eine gute Stimme. Ihr Musik-Stil: Dance-Pop.
Zur Bio von Dua Lipa: Die Eltern flohen 1995 vor dem Bürgerkrieg im Kosovo und gingen nach London, wo Dua auch geboren wurde. Die Familie, auch Musiker, kehrten zwar 2008 in den Kosovo zurück, doch Dua kam 2010 als 15-jährige wieder nach London, wo sie sich mit Gelegenheitsjobs in Bars und als Model durchschlug. Nebenbei nahm sie Gesangs-Demos auf und lud diese ab 2012 bei SoundCloud hoch. Dadurch wurde der Manager von Lana Del Rey auf sie aufmerksam und kurze Zeit später bekam sie einen Vertrag bei Universal Music.
Der Durchbruch kam mit dem Song „No Lie“ 2016, der sich weltweit 1,5 Millionen Mal verkaufte. 2019 bekam sie ihren ersten GRAMMY als Best New Artist und Best Dance Recording. Jetzt, 2021, bekam sie für ihren Song „Levitating“ aus dem Album „Future Nostalgia“ ihren dritten GRAMMY für Best Pop Vocalalbum.

Den Rest des Abends fand ich musikalisch zum vergessen. Das Problem ist, dass in allen zurzeit bekannten Musikstilrichtungen die besten Kompositionen  bereits vor vielen Jahren geschrieben wurden.
Bezeichnend dafür ist der 28. GRAMMY für die Sängerin Beyoncé. So viele Grammys hat noch nie eine weibliche Musikerin gewonnen. Doch musikalisch hat sie ihren Höhepunkt schon längst überschritten.
Ihre besten Lieder liegen 10 Jahre und länger zurück. Also warum einen GRAMMY für „Black Parade“ und noch einen für „Brown Skin Girl“ (als Best Music Video) vergeben?

Es könnten dabei aber der Text und die Bilder des Videos für die Jury eine Rolle gespielt haben.
Die Texte und die Bilder spielten an auf die Errungenschaften und die Kultur von Afro-Amerikanern in den USA. 

George Floyd, Graffiti im Mauerpark/ Berlin, realisiert von Street Art Künstler Eme Free Thinker

Black Lives Matter

Was dieses Jahr auffiel waren nicht herausragende musikalische Ergüsse, sondern die Texte der Lieder und die Bilder der Videos.
Bei fast allen farbigen Sängerinnen und Sängern dreht es sich in ihren Songs um die Diskriminierung und Unterdrückung der Schwarzen in den USA.
Der Slogan „Black Lives Matter“ war überall zu spüren.

Ob es Lil Baby war, der in seinem Video zu seinem Song „The Bigger Picture“ die beinahe tägliche Konfrontation der Polizei mit farbigen Bürgern zeigt oder die Sängerin H.E.R., die ihren Song ausgerechnet „I can’t breath“ nannte und damit ganz direkt auf die Ereignisse des 25. Mai 2020 anspricht, bei der der Afro-Amerikaner George Floyd durch einen Polizisten zu Tode kam, als dieser ihm den Hals minutenlang mit seinem Knie zudrückte und Floyd mit letzter Kraft stammelte: „I can’t breathe!“ (Floyds Familie erst vor wenigen Tagen eine Summe von 27 Millionen Dollar als Schadensersatz von der Stadt Minneapolis bekommen. Der verantwortliche Polizist Derek Chauvin steht zurzeit wegen Mordes vor Gericht).

H.E.R. (im richtigen Leben Gabriella Wilson *1997) gewann dieses Jahr mit ihrem Lied „I can’t breathe“ den prestigeträchtigen Preis Song oft the Year. Auch musikalisch kann dieser Song, im Gegensatz zu anderen, überzeugen.

H.E.R. mit ihren Grammys, Staples Center Los Angeles © Instagram/ HER

#MeToo

Die zweite politische Aussage an diesem Abend betraf das Leben von Frauen in einer von Männern dominierten Welt.
Besonders Rap-Ikone Megan Thee Stallion (GRAMMY für Best New Artist) spielte auf den Machismus an, der gerade in ihrer Welt der Rap Musik vorherrscht.
Das Klischee des starken Mannes ist bei Rapper das vorherrschende Thema.
Dicke Autos, muskelprotzende Kerle, riesige Goldketten um den Hals, „Ich bin der Stärkste“-Gesten und zu Hauf halbnackte Frauen, die mit dem Arsch wackeln und für die Männer jederzeit bereit zu sein scheinen.

Erstaunlich allerdings, dass auch Megan Thee Stallion die gleichen Klischees in ihrer Performance bedient, wenn sie letztlich auch nur knapp bekleidete Frauen zeigt, die dann ihre viel zu großen Hintern in die Luft halten und damit wackeln, als müsste man auch noch den letzten müden Mann munter machen.
Oder soll das nur eine Karikatur sein? Oder doch nur eine Masche, um besser verkaufen zu können?
Schwer zu sagen, vielleicht ein bisschen von beidem.

Bemerkenswert finde ich den Text aus Megan Thee Stallions Lied, den ich Euch hier gerne abdrucke.
Beim Lesen musste ich dann doch etwas schmunzeln!

„I am that bitch
been that bitch, still that bitch
will forever be that bitch
I’ m the hood Mona Lisa
break a nigga into pieces
had to X some cheesy niggas
out my circle like a pizza
I’ m way too exclusive
I dont’t shop on Insta’ boutiques
All them lil ass clothes
Only fit fake booties
Bad bitch, still talking cash shit
Pussy like water
I’m unbothered and relaxing
I would never trip on a nigga if I had him
Bitch, that’s my trash, you the maid
So you bagged him, ah
I’m a savage, yeah
Classy, bougie, ratched, yeah
Sassy, moody, nasty
Acting stupid, what’s happening bitch
What’s happening bitch
I’m a savage, yeah“

Für die Liste aller Gewinner und nominierten in allen 81 Kategorien geht bitte auf die entsprechende Seite von Wikipedia-Grammys 2021, natürlich auch, um die Gewinner in der klassischen Musik zu erfahren, wie z.B. Gustavo Dudamel mit seinem Los Angeles Philharmonic Orchestra für Best Orchestral Performance.
Traditionell aber steht bei den GRAMMYS die Pop/Rock/Rap/R&B-Musik im Vordergrund.

English text

The GRAMMYS 2021 in times of Black Lives Matter

 

By Holger Jacobs

March 20, 2021

This Grammy award was all about the corona pandemic and the Black Lives Matter movement.

The Grammy Awards are the second most important social event in the US after the Oscars.
No other event draws so many young viewers in front of the screen. Mainly because Generation Y (also called Millennials, born between 1985 and 2005) hardly ever watches linear television any more.
The big show, postponed from January to March 2021 due to Corona, lasted 3 ½ hours and, as always, showed touching scenes by the lucky winners and excellent show performances by the nominees.

Trevor Noah, otherwise anchorman of the „Daily Show“ on American television, skilfully and charmingly guided the show. First, he presented the location, the large tent in front of the Staples Center in Los Angeles, which was explicitly set up only because of the corona pandemic and now only accommodated with the nominated musicians and their accompanists.

Due to the pandemic, there were no spectators inside the arena. Five stages were set up for this, on which the live performances gradually took place.
All nominees in the Record of the Year category could be seen and heard. Heaven knows why there is still the Song of the Year besides of the Record of the Year category. I think they want to involve as many artists as possible.

The five stages featured one after the other:
Harry Styles with his song “Watermelon Sugar”, Billie Eilish with her brother Feannes with “Everything I wanted”, Dua Lipa with “Levitating ft. DaBaby / Don’t start now”, Doja Cat with “Say So“, the Korean boy band BTS with“ Dynamite ”, DaBaby with“ Rockstar ”, Taylor Swift with“ Cardigan ”, the Black Pumas with“ Colors ”, the Haim Sisters with“ Want you back ”, Lil Baby with „The Bigger Picture” and Post Melone with „Hollywood’s Bleeding“. (You can find all the songs in the live performance from the Grammys on Youtube).

Billie Eilish „Everything I wanted“ © Instagram/ Gucci

Musically mostly bad

Unfortunately, I had to find out that the performances were great, but the songs were terribly bad.
Mostly boring smoothy songs (as Harry Styles, Billie Eilish and Taylor Swift), or badly arranged Rap and R&B songs that are played without good rhythm, as for example Doja Cat.
Only the song by Dua Lipa could convince me. Her performance was also clearly the best. She dances great, looks great, and has a good voice.
Her music style: Dance Pop.
About Dua Lipa’s bio: The parents fled the civil war in Kosovo in 1995 and went to London, where Dua was born. The family, also musicians, returned to Kosovo in 2008, but Dua came back to London in 2010 at the age of 15, where she made her life with odd jobs in bars or as a model. But from 2012 on, she began to record songs and uploaded them to SoundCloud. This made the manager of Lana Del Rey aware of her and a short time later she got a contract with Universal Music. The breakthrough came with the song “No Lie” in 2016, which were sold 1.5 million copies worldwide. In 2019 she got her first GRAMMY as Best New Artist and Best Dance Recording. Now, in 2021, she got her third GRAMMY for Best Pop Vocal Album for her song “Levitating” from the album “Future Nostalgia”.

The rest of the evening the quality of the songs were bad as in the beginning. I thing the problem is that in all of the currently known musical styles, the best compositions were already written many years ago.
For example Beyoncé: She got her 28th GRAMMY (record). Never before a female musician won so many Grammys. But musically her best performances are long time ago. So why to give a GRAMMY for Beyonce’s “Black Parade” and another for “Brown Skin Girl” (as Best Music Video)?
The text and the images of the video could have played a role for the jury.
The texts and images alluded to the achievements and culture of African Americans in the United States.

George Floyd, Graffiti im Mauerpark/ Berlin, realisiert von Street Art Künstler Eme Free Thinker

Black Lives Matter

What was remarkable this year wasn’t an outstanding musical quality, but the lyrics of the songs and the pictures of the videos.
Almost all afro-american singers wrote their songs about the discrimination and oppression of blacks in the USA.
The slogan “Black Lives Matter” could be felt everywhere.
Whether it was Lil Baby who in his video for his song “The Bigger Picture” shows the almost daily confrontation of the colored people with the Police, or singer/songwriter H.E.R. (Gabriella Wilson in real life, born 1997) with her song „I can’t Breath“
Her song „I can’t breath“ allude directly to the events of May 25, 2020, in which the Afro-American George Floyd was killed by a police officer who pinched his neck with his knee for minutes and Floyd, with his last strength, stammered: “I can’t breathe!” (Floyd’s family received now a sum of 27 million dollars in damages from the city of Minneapolis just a few days ago. The responsible police officer Derek Chauvin is currently on trial for murder).
H.E.R. won the prestigious Song of the Year award 2021 with her song „I can’t breathe“. And that song can also convince musically, unlike others.

H.E.R. mit ihren Grammys, Staples Center Los Angeles © Instagram/ HER

#MeToo

The second political statement that evening concerned the life of women in a world dominated by men.
Rap icon Megan Thee Stallion (Megan Pete in real life, born 1995), who won the GRAMMY for Best New Artist alluded to the machismo that predominates especially in the world of Rap Music.
The strong man stereotype is the predominant theme for rappers. Big cars, muscled guys, huge gold chains around their necks, „I’m the strongest“ gestures and a lot of of half-naked women who wiggle their asses.
It is astonishing, however, that Megan Thee Stallion also uses the same clichés in her performances, when she ultimately shows barely dressed women who then hold their too big butts in the air and wiggle them as a pole dancer.
Is this just a caricature? Or is it just a possibility to sell better? Difficult to say, maybe a bit of both.
But I find the text from Megan Thee Stallion’s song remarkable, which I am happy to print it for you here. I had to smile quite a bit while reading!

Text of the song „Savage“ by Megan Thee Stallion:

„I am that bitch
been that bitch, still that bitch
will forever be that bitch
I’ m the hood Mona Lisa
break a nigga into pieces
had to X some cheesy niggas
out my circle like a pizza
I’ m way too exclusive
I dont’t shop on Insta’ boutiques
All them lil ass clothes
Only fit fake booties
Bad bitch, still talking cash shit
Pussy like water
I’m unbothered and relaxing
I would never trip on a nigga if I had him
Bitch, that’s my trash, you the maid
So you bagged him, ah
I’m a savage, yeah
Classy, bougie, ratched, yeah
Sassy, moody, nasty
Acting stupid, what’s happening bitch
What’s happening bitch
I’m a savage, yeah

For the list of all winners and nominees in all 81 categories, please go to the corresponding page of Wikipedia Grammys 2021, of course also to find out the winners in Classical Music, such as Gustavo Dudamel with his Los Angeles Philharmonic Orchestra for Best Orchestral Performance.
But at the GRAMMYS, however, the focus is traditionally on pop / rock / rap / R&B music.

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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