REMBRANDTS Orient im Museum Barberini

REMBRANDT, "Juda und Tamar" © Residenzgalerie Salzburg

REMBRANDTS Orient im Museum Barberini

 

Von Holger Jacobs

15.03.2021

English text

Einer der seltenen Ausstellungen mit Arbeiten des großen Meisters ist jetzt in Potsdam eröffnet worden – mit Publikum!

Den Namen REMBRANDT hat wohl jeder von Euch schon einmal gehört. Sei es im Kunstunterricht oder bei einem Museumsbesuch mit den Eltern.

Dass ein jüngerer Mensch (gemeint ist eine Person so zwischen 15 – 29 Jahren) allerdings freiwillig in eine Ausstellung mit Bildern des 17. Jahrhunderts gehen würde, halte ich für eher unwahrscheinlich – so berühmt auch der Name des Künstlers sein mag.
Zu sehr lebt unsere Generation im Hier und Jetzt und hat im digitalen Zeitalter seine eigenen Heros gefunden (siehe dazu auch mein Artikel zur neuen Krypto-Kunst).

Nichtsdestotrotz strahlt ein Bild von REMBRANDT (eigentlich Rembrandt Harmenszoon van Rijn, *1606 – †1669) schon eine gewisse Faszination aus – zumindest für denjenigen, der für das Visuelle eine gewisse Affinität hat.
Besonders faszinierend sind die Hell- und Dunkeltöne, der Kontrast zwischen grau-schwarzen Bildpartien, deren Inhalte kaum zu erkennen sind und den leuchtenden Teilen, die in der Regel das Hauptmotiv darstellen.
Der Mensch selbst kann mit seinen Augen solche Unterschiede gar nicht wahrnehmen. Denn überall dort, wo ich meinen Blick hinwende, passt sich die Iris in meinem Auge den Lichtverhältnissen an.

Düster und geheimnisvoll

Insgesamt erscheint uns die Kunst dieser Epochen von der Renaissance bis zur Romantik eher düster als fröhlich.
Ob es daran lag, dass es noch kein elektrisches Licht gab und die Menschen die Hälfte des Tages, vor allem in den Wintermonaten, im Dunkeln saßen oder ob es die Düsterniss dieser Zeit war, wo Krankheiten, Krieg, Armut und katastrophale Wohnverhältnisse die Normalität waren? – ich weiß es nicht.
Vielleicht eine Mischung aus beidem.

Erst im 19. Jahrhundert und dann speziell mit den Impressionisten kam eine Leichtigkeit in die Gemälde, die mit leuchtenden Farben und heiteren Motiven Fröhlichkeit und Lebenslust in die Kunst brachte.

Aber zurück zu REMBRANDTS Orient.

Bildergalerie mit 4 Werken von REMBRANDT:

REMBRANDT, „Juda und Tamar © Residenzgalerie Salzburg

Der Titel dieser Ausstellung im Museum Barberini ist nicht ohne Grund gewählt.
Er spielt auf die vielen Motive in den Bildern von REMBRANDT an, die auf den mittleren und nahen Osten, auch als „ORIENT“ bezeichnet, hinweisen.

Warum?
Nun, die Niederlande befanden sich im 17. Jahrhundert in ihrer wirtschaftlichen Blütezeit. Im Goldenen Zeitalter, wie es dort lange genannt wurde.
Wie bei fast allen europäischen Mächten dieser Zeit, wurde der wirtschaftliche Aufschwung durch die Kolonialisierung ihrer eroberten Gebiete in Übersee erreicht.

Während sich Portugal und Spanien auf Südamerika konzentrierten, England, Irland und Frankreich auf Nordamerika, so waren es für die Holländer die Gebiete in Fernost, speziell Indonesien, welches übrigens erst im Dezember 1949 unabhängig wurde.

Unter dem Namen Niederländisch-Indien wurde der größte Inselstaat der Welt  mit 17.508 Inseln über viele Jahrhunderte besetzt und die Bevölkerung grausam ausgebeutet. Die Niederlande trugen auch maßgeblich zur Erweiterung des Sklavenhandels bei.
Von Indonesien aus wurde auch Handel mit den anderen großen Mächten Asiens betrieben, wie Indien und China.
Dazu wurde einer der weltweit ersten großen Aktiengesellschaften gegründet: Die Niederländische Ost-und Westindien Kompanie.
Die erste Börse der Welt entstand übrigens 1409 in Brügge/ Niederlande.

Im Heimatland der Niederlande bekamen die Menschen von den Grausamkeiten der Kolonialzeiten wenig mit, zumal kaum einer der normalen Bürger selber dorthin fahren und sich vor Ort einen Einblick verschaffen konnte.

Aber was die Bürger von Amsterdam und den anderen großen Städten Hollands mitbekamen waren diese unglaublich schönen Dekorationsgegenstände, die Seidenstoffe, die Gewürze, das Porzellan und vieles mehr, was aus dem „Orient“ nach Europa gelangte.

Diese Flut an exotischen Gegenständen und Gebräuchen wurde auch von den Künstlern der damaligen Zeit wahrgenommen und mit großer Lust in ihre Gemälde integriert.

Der erste war Pieter Lastmann, der diesen „Orientalismus“ in seine Motive aufnahm. So findet man bei ihm biblische Szenen, bei denen jüdische und muslimische Kaufleute in Palästina auf einmal Turbane tragen.

REMBRANDT, der ein Schüler von Pieter Lastmanns war, übernahm diese Motivwahl und die Freude an dem Hauch des Exotischen.

Genau dieser orientalischen Periode REMBRANDTS ist die Ausstellung im Museum Barberini gewidmet.
Sie zeigt 110 Exponate, davon 33 von REMBRANDT einschließlich 10 seiner Gemälde. Eigentlich waren sogar 15 Gemälde von ihm vorgesehen, doch Corona-bedingt musste auf einige Arbeiten verzichtet werden. Denn die Ausstellung in Potsdam sollte bereits im letzten Sommer gezeigt werden und wurde jetzt auf dieses Frühjahr verschoben. Diese Zeitverschiebung hat dazu geführt, dass einige Arbeiten nun schon für andere Ausstellungen vorgesehen waren.
Ausgerechnet das Titelbild des Kataloges der Ausstellung, „Mann in orientalischen Kostüm“, aus  dem National Museum in Washington DC, kann deshalb nicht in Potsdam gezeigt werden.

Fazit:
Ob man solche alten Meister mag oder nicht, es lohnt sich auf jeden Fall diese Zeit der europäischen Kunst mal „live“ (natürlich nur mit online-Buchung und Zeitfenster, Tel. 0331 236014499) zu erleben. Zumal das Museum seine Wände stilbedingt mit wunderbaren dunklen Blau-und Grüntönen belegte und somit eine sehr echt wirkende Atmosphäre der damaligen Zeit schafft.

Museum Barberini
Humboldtstraße 5-6,
14467 Potsdam
Mi – Mo 10 – 19 Uhr, Do bis 21 Uhr, Di geschlossen
www.museum-barberini.com

Bilderserie mit Arbeiten von REMBRANDTS Künstler-Zeitgenossen:

Pieter Lastmann „Der gute Samariter“ © The Kremer Collection

English text

 

REMBRANDTS Orient in the Museum Barberini

By Holger Jacobs


03/15/2021

One of the rare exhibitions with works by the great master has now opened in Potsdam – with a live tour through online booking and a time slot ticket.

Probably all of you have heard the name REMBRANDT at some point. In art classes or at a visit in a museum with your parents.
That a younger person (meaning a person between the ages of 15 and 29) would voluntarily go to an exhibition with pictures from the 17th century, I think it is rather unlikely – as famous as the artist’s name may be. The younger generation lives too much in the here and now and has found its own heroes in the digital age (see also my article on the new Crypto Art).
Nonetheless, a painting by REMBRANDT (actually Rembrandt Harmenszoon van Rijn, * 1606 – † 1669) exudes a certain fascination – at least for those who have a certain affinity for the visual. Particularly fascinating are the light and dark tones, the contrast between the gray-black parts of the picture, which can hardly be seen, and the luminous parts, which usually represent the main motif.
Man himself cannot perceive such differences with his eyes.
Because wherever you focus on, the iris in your eye adapts to the light conditions.

Dark and mysterious

All in all, the art of these eras, from the Renaissance to the Romantic period, seems more gloomy than cheerful. Whether it was because there was still no electric light and people sat in the dark half of the day, especially in the winter months, or whether it was the gloom of this time, where disease, war, poverty and catastrophic living conditions were the norm? – I dont know. Maybe a mix of both.
It was not until the 19th century and then especially with the Impressionists that a lightness came into the paintings that brought happiness and lust for life to art with bright colors and cheerful motifs.

But back to REMBRANDTS Orient.

Here a picture series with 4 works by REMPBRANDT:

REMBRANDT, „Juda und Tamar © Residenzgalerie Salzburg

The title of this exhibition in the Museum Barberini was chosen for a reason.

It alludes to the many motifs in REMBRANDT’s pictures, which refer to the Middle East, also known as „ORIENT“.

Why?
Well, the Netherlands were in its economic climax in the 17th century.
The Golden Age, as it was called there for a long time.
As with almost all European powers of that time, this economic boom was achieved through the colonization of their conquered territories overseas.
While Portugal and Spain were concentrated on South America and England, Ireland and France on North America, Holland conquered the Far East, especially Indonesia, which only became independent in December 1949.

Under the name of the Dutch East Indies, the world’s largest island state with 17,508 islands was occupied over many centuries and the population was cruelly suppressed. The Netherlands also played a key role in expanding the slave trade. In addition, trade was carried out from Indonesia with the other great powers of Asia, such as India and China.
To this end, one of the world’s first public limited companies was founded: The Dutch East and West India Company.
By the way: the first stock exchange was established in Bruges / Netherlands in 1409.

In the home country of the Netherlands, people did not notice much of the atrocities of the colonial times, especially since hardly any of the normal citizens could go there themselves and gain an insight on site.

But what the citizens of Amsterdam and the other big cities of Holland saw were these incredibly beautiful decorative objects, the silk fabrics, the spices, the porcelain and much more that came from there to Europe.
This flood of exotic objects and customs was also noticed by the artists of the time and integrated into their paintings with great enthusiasm.

The first was Pieter Lastmann, who took this „orientalism“ into his motifs. One finds biblical scenes with him in which Jewish and Muslim merchants in Palestine suddenly wear turbans.

REMBRANDT, who was a student of Pieter Lastmann, adopted this choice of motif and the joy of the touch of the exotic.

Exactly this oriental period of REMBRANDT is dedicated to the exhibition in the Museum Barberini.
It shows 110 exhibits, 33 of them by REMBRANDT including 10 of his paintings.
Actually, even 15 paintings by him were planned for the exhibition, but due to the Corona some work had to be dispensed with.
Because the exhibition in Potsdam was supposed to be shown last summer and has now been postponed to this spring.
This time difference meant that some of the works were already planned for other exhibitions.
Ironically, the cover picture of the exhibition catalog, “Man in Oriental Costume” from the National Museum in Washington DC, cannot be shown in Potsdam.

Conclusion: Whether you like such old masters or not, it is always worthwhile to experience this time of European art „live“ (of course only with online booking and a time slot, Tel. 0331 236014499).
Especially because the museum covered its walls for this exhibition with wonderful dark blue and green tones due to the style of the paintings.

Museum Barberini
Humboldtstraße 5-6,
14467 Potsdam
Wed – Mon 10 a.m. – 7 p.m., Thurs until 9 p.m.,
closed Tuesdays
www.museum-barberini.com

A second picture series with 10 works by colleagues of Rembrandt at the time:

Pieter Lastmann „Der gute Samariter“ © The Kremer Collection

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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