Joe Biden wird der 46. Präsident der USA

Joe Biden - Kamala Harris cc-mattwade © Kamala Harris/ Instagram/ kultur24.berlin/

Joe Biden wird der 46. Präsident der USA

 

Von Holger Jacobs

08.11.2020

English text

Joe Biden hat zusammen mit Kamala Harris die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Amerika gewonnen.

Kurz vor 18.00 Uhr MEZ (12 pm ET in New York) am 7. November 2020 war die Präsidentenwahl in den USA entschieden.
Mit 29.000 Stimmen Vorsprung hatte Joe Biden die Mehrheit der Wählerstimmen in dem wichtigen Bundesstaat Pennsylvania auf sich vereinigen können und erreichte damit insgesamt 273 Wahlmänner, die laut amerikanischer Verfassung den Präsidenten des Landes am 20. Januar küren. Die magische Zahl 270 der Mehrheit von 538 Wahlmännern war übersprungen worden.

Entscheidend waren die Wählerstimmen, die per Briefwahl abgegeben worden waren.
Zu dieser Form der Wahlabgabe hatte Joe Biden extra wegen der möglichen Ansteckung mit dem Corona Virus aufgerufen.
Donald Trump aber leugnet bis heute die Gefahr, die für uns alle von Covid-19 ausgeht.
Diese Unfähigkeit von Donald Trump mit der Corona-Pandemie richtig umzugehen, hat ihm letztlich den Kopf gekostet.
Über 10 Millionen Infizierte und über 240.000 Tote waren nicht mehr zu akzeptieren!

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

Auch in den noch ausbleibenden Bundesstaaten, in denen zurzeit noch ausgezählt wird, liegt Biden vorn.
In Georgia (mit 4.500 Stimmen), in Arizona (mit 29.000 Stimmen) und in Nevada (mit 23.000 Stimmen).
Da Georgia 16 Wahlmänner, Arizona 11 Wahlmänner und Nevada 6 Wahlmänner bestimmt könnte Joe Biden insgesamt am Ende 306 Wahlmänner auf sich vereinen, genau so viele, wie vor 4 Jahren Donald Trump bei seinem Wahlsieg 2016.

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

Die juristischen Interventionen, die Donald Trump auf Twitter angekündigt und sein Anwalt Rudolph Guilinani auf ziemlich peinliche Art und Weise sogar noch kurz nach Verkündigung des Sieges von Joe Biden gestern ausgesprochen hat, werden das Ergebnis nicht verändern können.
Dafür ist der Unterschied zu groß.
Als im Jahr 2000 bei der Präsidentenwahl in den USA ein Unterschied von nur 500 Stimmen im Staat Florida zwischen den Kandidaten Al Gore und Georg W. Bush festgestellt und eine Nachzählung beantragt wurde, ist dies damals vom Obersten Gericht der USA abgelehnt worden.
Und hier bei ‚Trump us Biden’ geht es um mehrere tausend Stimmen in gleich mehreren Bundesstaaten der USA.

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

Übrigens:
Wäre damals Al Gore statt George W. Bush Präsident der USA geworden, hätte dieser sicher keinen Krieg im Irak angefangen, hunderttausende Iraker und mehrere tausend US-Soldaten wären noch am Leben, der IS (die Terrororganisation “Islamischer Staat“) wäre nie entstanden und viele Attentate in deren Namen wären nie ausgeübt worden und somit viele unschuldige Terroropfer noch am Leben…
Ein Beweis dafür, welche Bedeutung die Wahl zum Präsidenten der mächtigsten Nation dieser Welt für uns alle hat!

Kaum, dass das Ergebnis kurz vor 12 pm ET auf dem Nachrichtensender CNN und kurz danach selbst auf dem Trump-nahen Sender FOX NEWS verkündet wurde, strömten die Menschen zu Tausenden im ganzen Land auf die Straße, in New York auf den Time Square, in Washington auf den Black-Lifes-Matter-Platz vor dem Weißen Haus und in Philadelphia auf die großen Straßen der Stadt.
Allen schien eine große Last von den Schultern gefallen zu sein. Besonders junge Menschen sah man auf den Straßen feiern. Als wenn sie böse Eltern losgeworden wären.

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

Warum hat Donald Trump immer noch so viele Stimmen bekommen?

Vier Jahre lang rätselten Nachrichtensender, Journalisten, Philosophen, und Bürger aus allen Schichten, wie dieser Mann jemals gewählt werden konnte.
Ein notorischer Lügner, ein Frauenverachter, ein pathologischer Narzisst und ein miserabler Unternehmer, der zudem von Politik keine Ahnung hat.

Es wird wohl nie eine allgemein gültige Antwort für diese Frage geben.
Doch eines ist sicher:
In allen Staaten der westlichen Welt spaltet sich die Gesellschaft immer mehr in gutsituierte, gut gebildete, politisch aufgeklärte Menschen und jene, die eine schlechte Bildung, wenig Einkommen und kaum Interesse an Politik haben und lieber die Tage vor dem Fernseher mit peinlichen Reality-Shows verbringen. Dazu kursiert auch seit einiger Zeit eine Bezeichnung durch die Medien: Prekariat (Bevölkerungsteil, der, besonders aufgrund von anhaltender Arbeitslosigkeit und fehlender sozialer Absicherung, in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat).
Diese Menschen reagieren besonders positiv auf Populisten, da diese ihnen einfache Antworten auf schwierige Themen geben, die sie nicht verstehen oder auch einfach nicht verstehen wollen.
Komplexe Themen, wie der Klimawandel, der Wirtschaftswandel durch erneuerbare Energien, die drohende Überbevölkerung, das Artensterben und selbst das Coronavirus. All diese vorgenannten Probleme sind für das bloße Auge nicht sofort erkennbar. Wer sich also damit nicht intellektuell auseinandersetzt, der wird es nicht verstehen und es höchstwahrscheinlich ablehnen, bzw. sogar verleugnen.

Erst gestern kam es in Leipzig wieder zu Demonstrationen von sogenannten Querdenkern, die nicht an die Gefährlichkeit des Virus glauben. Solche Menschen müssen erst die Toten in den Straßen sehen, um es glauben zu können. Wenn der gesunde Menschenverstand unseren Geist verlässt, dann sind wir offen für alle Verschwörungstheorien und Populisten jeglicher Couleur.
Ohne Vergleiche unnötig bemühen zu wollen: Vor 80 Jahren verlor hier in Deutschland eine ganze Nation den gesunden Menschenverstand. Und bis heute fragen sich Wissenschaftler, wie das wohl möglich gewesen ist.

Doch jetzt ist die Zeit zum Jubeln!

Die Freude ist deshalb so groß, weil die USA, wie man ihre vielen Fehler auch beurteilen mag, sie es doch immer wieder schafft sich aus der Dunkelheit ins Licht zu holen und Großes zu erreichen vermag.

Joe Biden und Kamala Harris © Karlie Kloss/ Instagram

Ich kann mich noch sehr gut an die Wahl von Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA erinnern.
Er war kurz vorher nach Berlin gekommen und hatte hier am Großen Stern vor 200.000 Leuten eine bemerkenswerte Rede gehalten.
Keiner meiner amerikanischen Freunde, besonders die, die sich in Politik auskennen, konnten sich vorstellen, dass jemals ein Afro-Amerikaner Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte.
Und doch ist es geschehen.
Und auch jetzt konnte sich kaum einer wirklich vorstellen, dass der alte, 77-jährige Joe Biden und die farbige Kamala Harris, Tochter einer Immigrantin aus Indien als sein Vize, sich gegen den vor Selbstvertrauen strotzenden Donald Trump durchsetzen könnten.
Und doch ist es geschehen.

Joe Biden und Barack Obama © Bella Hadid/ Instagram

Gestern Nacht um 2.00 Uhr MEZ (8 pm ET) trat Joe Biden in seinem Heimatort Wilmington/ Pennsylvania vor die Kameras und hielt eine wichtige Rede, in er die Versöhnung der politischen Lager und der amerikanischen Gesellschaft heraufbeschwört.
„Ich sehe keine blauen Staaten und ich sehe keine roten Staaten, ich sehe nur die Vereinigten Staaten“.
Und:
„Die USA sollen wieder ein Leuchtfeuer für den Globus sein, nicht durch das Beispiel unserer Macht, sondern durch die Macht unseres Beispiels“.

Joseph R. Biden, 7. November 2020

Nachtrag am 12. November 2020: Bis zu diesem Tag hat Donald Trump seine Niederlage noch nicht akzeptiert

 

Kamala Harris © Carine Roitfeld/ Instagram

English text

 

Joe Biden becomes the 46th President of the United States

 

By Holger Jacobs


11/08/2020

Joe Biden and Kamala Harris won the presidential election 2020 in the United States of America.

Shortly before 6 p.m. CET (12 p.m. EST in New York) on November 7, 2020, the presidential election in the USA was decided:
With a 29,000 vote lead, Joe Biden had the majority of the votes in the important state of Pennsylvania and thus achieved overall 273 electors who,
according to the American constitution, elect the country’s president on January 20th.
The magic number 270 of the majority of 538 electors had been skipped.
Biden is also ahead in the remaining states that are currently still being counted.
Georgia (with 4,500 votes), Arizona (with 29,000 votes) and Nevada (with 23,000 votes).
Since Georgia has 16 electors, Arizona has 11 and Nevada has 6 electors, Joe Biden will be ultimately have 306 electors, exactly as many as Donald Trump won 4 years ago when he won the election in 2016.

The votes by postal vote were finally decisive!
Joe Biden had specifically called for this form of voting because of the possible infection with the corona virus.
To this day, Donald Trump denies the danger that Covid-19 poses to us all.
Donald Trump’s inability to properly deal with the corona pandemic ultimately cost him his victory in the election 2020.
Over 10 million infected people and over 240,000 dead in the US were no longer acceptable!

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

The legal interventions that Donald Trump announced on Twitter and that his lawyer Rudolph Guilinani uttered in a rather embarrassing manner even shortly after Joe Biden’s victory was announced yesterday will not change the outcome.
The difference is too big for that. When, in the US presidential election in 2000, a difference of only 500 votes in Florida between the candidates Al Gore and George W. Bush was established and a recount was requested, this was rejected by the US Supreme Court.
And here ‚Trump us Biden‘ is about several thousand votes in several states of the USA.

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

By the way:
If Al Gore had become President of the USA instead of George W. Bush, he would certainly not have started the war in Iraq, so hundreds of thousands of Iraqis and several thousand US soldiers would still be alive, the IS (the terrorist organization “Islamic State”) would have been never developed and many assassinations in their name would probably never have been carried out and thus many innocent victims of terrorism were still alive …
That proofs the importance of the election of the president of the most powerful nation in the world for all of us!

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

As soon as the result was announced shortly before 12 am on EST on CNN and shortly afterwards even on Trump-affiliated FOX NEWS, thousands of people flocked to the streets across the country, in New York’s Time Square, in Washington on Black-Lifes-Matter-Platz in front of the White House and in Philadelphia on the great streets of the city.

A great burden seemed to have fallen off everyone’s shoulders.
Young people in particular were seen partying on the streets. As if they got rid of bad parents.

CNN am 7. November um 18.00 Uhr (MEZ) © CNN/ kultur24.berlin

Why did Donald Trump still got so many votes?
For four years, news channels, journalists, philosophers, and citizens of all walks of life puzzled as to how this man could ever be elected. A notorious liar, a woman who despises women, a pathological narcissist and a miserable entrepreneur who also has no idea about politics.

There will probably never be a universal answer to this question.
But one thing is certain: in all the countries of the western world, society is increasingly divided into well-off, well-educated, politically enlightened people and those who have a poor education, little income and little interest in politics and prefer to spend their days in front of the television embarrassing reality shows. A term for this has been circulating in the media for some time: Prekariat (part of the population who, especially due to persistent unemployment and a lack of social security, lives in poverty or is threatened by poverty and has little chance of advancement).
These people respond particularly positively to populists because they give them simple answers to difficult topics that they do not understand or simply do not want to understand.
Complex topics such as climate change, economic change due to renewable energies, the threat of overpopulation, the extinction of species and even the corona virus. All of these aforementioned problems are not immediately apparent to the naked eye. So if you do not deal with it intellectually, you will not understand it and most likely reject it or even deny it.

Just yesterday there were again demonstrations in Leipzig by so-called „Querdenker“ (literal thinkers), who do not believe in the danger of the virus. Such people have to see the dead in the streets to believe.
When common sense leaves our minds, we are open to all conspiracy theories and populists of all stripes.
Without wanting to make unnecessary comparisons:
80 years ago here in Germany an entire nation lost common sense. And to this day, scientists wonder how that was possible…

But now is the time to celebrate!
The joy is so great because the USA, no matter how you judge its many mistakes, it always manages to bring itself out of the darkness into the light and is able to achieve great things.

Joe Biden und Kamala Harris © Karlie Kloss/ Instagram

I can still remember the election of Barack Obama as 44th President of the USA.
He had come to Berlin shortly before and had given a remarkable speech here at the Großer Stern in front of 200,000 people.
None of my American friends, especially those who know politics, could imagine that an Afro-American could ever become President of the United States.
And yet it happened.
And even now hardly anyone could really imagine that the 77-year-old Joe Biden („Sleepy Joe“ called by Trump) and the afro-indian-american Kamala Harris, daughter of an immigrant from India, as his Vice-President, could prevail against the self-confident Donald Trump.
And yet it happened.

Joe Biden und Barack Obama © Bella Hadid/ Instagram

Joe Biden stepped out in front of the cameras in Wilmington/ Delaware last night at 2:00 a.m. EST and gave an important speech evoking the reconciliation of political camps and American society.
„I don’t see blue states and I don’t see red states, I only see the United States“.
And:
„The USA should again be a beacon for the globe, not by the example of our power, but by the power of our example“.
Joseph R. Biden, November 7, 2020

Postscriptum on November 12, 2020: Up to this day, Donald Trump has not yet accepted his defeat!

 

Kamala Harris © Carine Roitfeld/ Instagram

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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