Zum 175. Geburtstag von Max Liebermann

Max Liebermann - Liebermann-Villa © kultur24.berlin

Zum 175. Geburtstag von Max Liebermann

 

Von Holger Jacobs

27.07.2022

Der bekannteste deutsche Impressionist wird in der Alten Nationalgalerie geehrt.
Und ein Besuch in der Liebermann-Villa am Wannsee

Bereits zu seinen Lebzeiten zählte Max Liebermann (1847 – 1935) zu den erfolgreichsten und berühmtesten Künstlern seiner Zeit.
Er war Präsident der Berliner Secession und der Preußischen Akademie der Künste. In Berlin wohnte er in einem Haus direkt neben dem Brandenburger Tor, Pariser Platz 7, welches er von seinem reichen Vater, einem Textilkaufmann, geerbt hatte.

Pariser Platz, rechts das Liebermann Haus, 1892, CC Wikimedia Commons

Zusammen mit seinen Künstler-Kollegen Lovis Corinth, Max Slevogt oder Max Beckmann bildete er die Avantgarde des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Max Liebermanns Stil war weitgehend naturalistisch und gegenständlich, wenngleich er ganz in der Tradition der französischen Impressionisten viele Details nur noch mit groben Strichen andeutete.
Als Max Liebermann 1935 starb, war er einer letzten großen Maler einer Epoche, die die Natur, das Licht und den groben Pinselstrich als Stilmittel für sich entdeckt hatten.

„Mein Liebermann. Eine Hommage“ in der Alten Nationalgalerie

Anlässlich des Jubiläums hat die Alte Nationalgalerie, die in ihrer Sammlung nicht weniger als 22 Gemälde von Max Liebermann ihr Eigen nennt, eine Sonderausstellung organisiert unter dem Titel: „Mein Liebermann. Eine Hommage“
In dieser Ausstellung werden in einem gesondertem Raum 13 Schlüsselwerke präsentiert, darunter das berühmte Bild „Flachsscheuer in Laren“ von 1887.

Max Liebermann „Flachsscheuer in Laren“, 1887, Staatliche Museen zu Berlin, Photo: Holger Jacobs

Max Liebermanns frühe Arbeiten war von Motiven geprägt, die nicht schöne Landschaften und attraktive Modelle, sondern einfache Arbeiter und normale Menschen bei der Verrichtung ihrer täglichen Dinge zeigte.
Die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie hat noch einen Clou: Mehrere Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Berufen wurden zu den Arbeiten Liebermanns befragt.
Von Carola Schultz, einer Aufseherin des Museums bis zu Tom Schilling („Oh Boy“, „Werk ohne Autor“), dem berühmten Schauspieler.
Ihre Statements sind in der Ausstellung zu lesen.

Die Liebermann-Villa am Wannsee

Ähnlich wie Claude Monet mit seinem Landhaus in Giverny bei Paris baute sich Max Liebermann 1910 eine Villa am Wannsee, um dem Trubel der Großstadt zu entgehen. Hier entstanden die vielen Bilder seines Spätwerkes, die vom Stil her überwiegend dem Impressionismus zuzuordnen sind.
Die sozialen Milieustudien weichen vollständig romantischen Gartenanlagen, Blumenfeldern und Portraits seiner Familie.
Ich fuhr an einem Sonntag zur Ferienzeit dorthin und erlebte einen wunderbaren Sommertag voller Frische und wärmenden Sonnenstrahlen.
Der 7.000 qm große Garten erstreckt sich auf der Südseite des Hauses zum Wannsee hin, mit Heckengarten, Gartenhäuschen und eigenem Bootssteg.
Auf der Nordseite befindet sich ein langgezogener symmetrisch angelegter Blumengarten mit Gartenhaus (heute Eingang, Ticketverkauf und Souvenir-Shop).

Bilderserie mit 18 Fotos des Hauses und des Gartens der Liebermann-Villa:

Die Liebermann-Villa, Südseite mit Terrasse, Photo: Holger Jacobs

Das Haupthaus ist eine typische preußische Villa mit klassizistischen Elementen. Geräumig, aber nicht sehr groß. Im Erdgeschoss ein beeindruckendes Entrée mit anschließendem weitläufigem Wohnzimmer (heute ein Bistro mit modernen Caféhaus-Stühlen), welches durch drei große, bis zum Boden reichende Fenster direkt auf die vorgelagerte Terrasse führt. Der Blick schweift jetzt über den Garten bis zum Wannsee.
Im Obergeschoss befindet sich Liebermanns Atelier (Nord-Ost-Seite) und verschiedene kleine Schlafräume, die heute alle der Ausstellung seiner Bilder dienen. Ich habe die Werke nicht gezählt, aber es sind erstaunlich viele. Doch sie gehören nicht dem Verein „Max-Liebermann-Gesellschaft e.V.“, dem Träger der Villa, sondern sind Leihgaben von Sammlern und Museen, auch von der Alten Nationalgalerie.
Für die Liebermann-Villa gibt es keine öffentlichen Zuwendungen, sondern es muss sich aus Ticketverkäufen und Spenden selbst finanzieren. Die meisten der Mitarbeiter sind ehrenamtlich beschäftigt.
Die Liebermann-Villa am Wannsee gehört zu den kleinsten, aber auch feinsten Museen Deutschlands. Einen Besuch, zumal an schönen Sonnentagen, kann ich nur empfehlen. Die Fahrzeit mit dem Auto von Berlin-Mitte beträgt ca. 40 Minuten.

„Mein Liebermann. Eine Hommage“
20.07. – 13.11.2022
Alte Nationalgalerie
Museumsinsel

Liebermann-Villa am Wannsee
Colomierstr. 3
14109 Berlin
Mo -So 10 – 18 Uhr, Dienstag geschlossen

Bilderserie der 14 Arbeiten aus der Liebermann-Villa:

Max Liebermann „Blick auf den Wannseegarten“, 1921, Sammlung Jens Lahmann, Photo: Holger Jacobs

 

 

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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