Berlinale 2018 – Joaquin Phoenix – Day Five

Berlinale 2018 - Joaquin Phoenix © Holger Jacobs

Berlinale 2018 – Joaquin Phoenix – Day Five

 

Von Holger Jacobs

22.2.2018

An Tag fünf wurden auf der Berlinale die Wettbewerbsfilme „3 Tage Quiberon“, „7 Tage in Entebbe“ und „Utoya“ gezeigt.

Über den sehr schönen Film „3 Tage in Quiberon“ welcher das letzte Interview mit Romy Schneider 1981 zum Thema hat, mit Marie Bäumer in der Hauptrolle, werden wir noch berichten.

Meine Kollegin Friederike Danne hat sich den Film „Utoya“ angesehen und war so entsetzt, dass sie nachts nicht mehr schlafen konnte: nicht wegen der Qualität des Films, sondern wegen seiner grauenvollen Geschichte. Hier ihr Kommentar:

Utoya ist eine Insel nahe Oslo. Dieser norwegische Wettbewerbsbeitrag des Regisseurs Erik Poppe bringt die schlimmen Ereignisse vom  22. Juli 2011, an die wir uns alle noch erinnern, als Spielfilm auf die Leinwand. Ein rechtsextremistischer Attentäter überfällt ein Ferienlager der sozialdemokratischen Jugend auf der schwedischen Insel Utoya und tötet 69 Menschen. Der Film schildert den Terrorakt aus der Sicht eines 19-jährigen Mädchens und ist nahezu unerträglich realistisch. Dabei ist die Dauer des Films genauso lang wie damals der Amoklauf des Attentäters, nämlich 87 Minuten. Den Attentäter sieht man nie, die Kamera geht in einem einzigen Take auf eine verzweifelte Flucht mit der Hauptdarstellerin Kaja. Die Angst und das Grauen sind dadurch zum Anfassen nah. Andrea Berntzen als Kaja zeigt eine beeindruckende Leistung.
Im Nachgang bleibt die Frage offen, wie sich dieser Film für die Angehörigen der Opfer anfühlen mag. Und ob die naturgetreue
Abbildung von Terrorakten wirklich einen Mehrwert für den Kinobesucher bedeutet. Friederike Danne

Über den Film „7 Tage in Entebbe“ mit Daniel Brühl und Rosamund Pike habe ich bereits in meinem letzten Artikel geschrieben.

Der Film „Don’t worry, he won’t get far on foot“ von Gus van Sant mit dem wunderbaren Joaquin Phoenix ist die Verfilmung der Autobiographie des amerikanischen Cartoonisten John Calahan (*1951 – †2010).  Und damit noch ein Film auf diesem Festival, der nach einer wahren Geschichte gedreht wurde. Ab dem 21. Lebensjahr war John Calahan durch einen Autounfall querschnittsgelähmt. Um nicht an seinem Zustand zu verzweifeln fängt er an zu zeichnen. Dabei zeigt er großes Talent. Durch seine Verletzung kann er auch die Arme nur schwer bewegen, weshalb sein Strich immer recht grob erscheint. Seine Verzweiflung führte zu einem radikalen künstlerischen Stil und seine Inhalte waren provokant und politically incorrect. Zeitungen, in denen er publizierte, wurden häufig angegriffen und boykottiert. Beliebte Themen waren bei ihm Menschen mit Handicaps. Bereits 2005 drehte der holländische Filmemacher Simon de Vries einen Dokumentarfilm über ihn.
Calahan starb am 24. Juli 2010 an den Spätfolgen seines Unfalls.

In der Pressekonferenz zeigte sich Hauptdarsteller Joaquin Phoenix ebenso inkonziliant wie es wohl John Calahan selbst getan hätte. Auf die Frage eines Reporters antwortete er, was das für eine dumme Frage wäre und er es hassen würde, immer diese dämlichen Fragen beantworten zu müssen. Zwischendurch schien er auch einzuschlafen. Ganz anders der Regisseur Gus Van Sant, ein alter bekannter auf Filmfestivals. Immer bemüht freundlich und entgegenkommend zu sein. Eher schüchtern und verlegen. Dabei ist er einer der ganz Großen seiner Zunft. Oscar 1997 für die beste Regie für „Good Will Huntung“ mit Matt Damon und Robin Williams und die Goldene Palme in Cannes 2003 für „Elephant“, ein Film über das Massaker an der Columbine High School.

Leider konnte ich den Film aus zeitlichen Gründen nicht selber sehen, er wurde aber von meinen Journalisten-Kollegen positiv aufgenommen. Besonders viel Spaß hat die Pressekonferenz mit Joaquin Phoenix gemacht, der trotz seines Unmuts eine faszinierende Persönlichkeit zu erkennen ließ. Und dann diese Augen…

8 Photos: Joaquin Phoenix, Pressekonferenz zu „Don’t worry, he won’t get far on foot“, Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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