Die Räuber und der BER am Berliner Ensemble

Die Räuber - Berliner Ensemble © Holger Jacobs

Die Räuber und der BER am Berliner Ensemble

 

Wertung: 🙂 🙂 🙂 (drei von fünf)

Von Holger Jacobs

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28.5.2016

Liebe Kulturfreunde,

Intro:

Wenn man den Namen Friedrich Schiller hört, dann bekommt der Genießer deutscher Literatur zweifelsfrei eine gewisses Gefühl der Ehrfurcht. Gelten doch Schiller zusammen mit Goethe zu den wichtigsten deutschen Dramatikern aller Zeiten – so wurde es uns zumindestens in der Schule eingetrichtert. Doch die Schule ist bei mir lange her und die „Wallenstein“ Inszenierung an der Schaubühne und die „Die Räuber“ am Berliner Ensemble müssen mich jetzt davon überzeugen, ob meine Lehrerin Recht hatte.

Aber die Faszination eines Stückes geht eben nicht nur von ihrem Text aus, sondern auch, wie es der Regisseur auf die Bühne bringt. Das kann ein Drama noch einmal richtig hoch jubeln oder in die tiefste Tiefe stürzen.

Über Christoph Marthalers „Wallenstein“ in der Schaubühne werde ich noch gesondert schreiben, heute ist Leander Haußmanns „Die Räuber“ an der Reihe, welche am Freitag Abend Premiere hatte.

Worum geht es?

Das Stück „Die Räuber“ schrieb Friedrich Schiller sehr jung im Alter von 22 Jahren. Schon in seiner Kindheit hatte er Bühnenstücke geschrieben, die aber nicht bis heute erhalten blieben. Damit sind „Die Räuber“ sein erstes überliefertes Werk, welches ihm auch sogleich Ruhm und Ehre einbrachte und bis heute eines der meistgespielten deutschen Bühnenstücke bleibt.

Die Uraufführung fand 1782 in Mannheim statt. Es war in Europa das Jahrhundert der Aufklärung und nur 7 Jahre später sollte mit der Erstürmung der Bastille in Paris die Französische Revolution ausbrechen. Es war das Ende der Unterdrückung der einfachen Leute durch ihre Machthaber.

Friedrich Schiller muss mit seinen 22 Jahren diese Stimmung gespürt haben. Zumal er gegen seinen Willen zum Militär musste und sich dort sehr unwohl fühlte. Also lag es nahe ein Stück zu schreiben, welches diese Stimmung zum Ausdruck bringt.

Handlung:

Der Graf von Moor hat zwei Söhne, die beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Der erstgeborene Karl, gutaussehend, redegewandt, draufgängerisch und freiheitsliebend und der zweitgeborene Franz, Zeit seines Lebens dem Bruder immer unterlegen, hässlich und vom Vater wenig geliebt. Während Karl in Leipzig studiert und ein wildes Studentenleben führt, ist Franz zu Hause auf dem väterlichen Gut. Eines Tages kommt ein Brief von Karl an den Vater, den Franz abfängt. Hierin entschuldigt sich Karl für sein ausschweifendes Leben und gelobt Besserung. Aber Franz gibt dem schon greisen Vater den Brief nicht, sondern setzt ein gefälschtes Schreiben auf, welches die Untaten von Karl in Leipzig beschreibt. Der entsetzte Vater will zurückschreiben und diktiert Franz seinen Brief. Dieser fälscht wiederum den Text und lässt den Inhalt so klingen, als würde der Vater Karl verstoßen und enterben.

Als Karl diesen falschen Brief bekommt ist er so verletzt und enttäuscht, dass er seinen Freunden vorschlägt unterzutauchen und eine Räuberbande zu gründen, die frei und unabhängig von der Gesellschaft ihr Leben bestreitet. Um es hier etwas abzukürzen: Die Räuberbande verfällt immer mehr in kriminelle Handlungen, bis die ganze Region sie strafrechtlich verfolgt und am Galgen sehen will. Als Karl dann noch einmal zum Vater kommt und der Irrtum sich herausstellt ist es zu spät.

Kritik:

Wer Leander Haußmann kennt, der weiß ungefähr, auf was er sich einlässt. Erst vor kurzem hatte er am selben Haus „Woyzeck“ inszeniert, auch ein großer Klassiker. Jedoch liebt Haußmann neben dem Bild- und Musik- gewaltigen Auftritt auch immer das Groteske, das Surreale, das Klamaukige. Daher wirken seine Inszenierungen nie wirklich dramatisch, sondern eher wie eine große Show. Mit Tanz- und Musikeinlagen, Windmaschine und Rumgeschreie. Das ist durchaus animierend, jedoch vom Grundgedanken des Stücks bleibt wenig. Man könnte sagen, drei Stunden gute Unterhaltung mit viel Lärm. Die Sprache ist eine Mischung aus Schiller und eigener Komposition, aber akzeptabel. Große Leistung von den beiden Schauspielern, die die Brüder spielen, Felix Tittel als Karl und Matthias Mosbach als Franz . Den Vater (Roman Kaminski) und die Geliebte Amalia (Antonia Bill) fand ich nicht ganz so stark. Tolles Bühnenbild und Bravo an die Technik, die diese vielen Videos, Lichter, Pistolenschüsse, Scheinwerfer und Windmaschine in der richtigen Reihenfolge koordinieren müssen. Auf meinem Videokanal kultur24.berlinTV könnt Ihr einen Ausschnitt aus der Anfangsszene sehen.

Eine Anekdote zum Schluss: Leander Haußmann wurde in einem Interview gefragt, warum er eigentlich nicht Nachfolger von Claus Peymann am Berliner Ensemble geworden ist, obwohl dieser es befürwortet hatte? Peymann hätte diesen Wunsch wohl dem damals noch regierenden Bürgermeister Wowereit vorgetragen, worauf der entrüstet abwinkte. Haussmann hätte sich öffentlich über das schlechte Management von Wowereit geäußert betreffend des nie fertig werdenden Flughafens BER. Das war das AUS. Meine Meinung: 1 : 0 für Leander Haußmann, selbst wenn er nun den Kürzeren ziehen musste.

v.l.n.r. Franz von Moor (Matthias Mosbach), Graf von Moor (Roman Kaminski), "Die Räuber", Berliner Ensemble © Holger Jacobs

27 Bilder: v.l.n.r. Franz von Moor (Matthias Mosbach), Graf von Moor (Roman Kaminski), „Die Räuber“, Berliner Ensemble © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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