Tannhäuser an der Staatsoper Berlin

Titelbild "Tannhäuser" von Richard Wagner an der Staatsoper Berlin, Foto: Holger Jacobs

Tannhäuser an der Staatsoper Berlin

Text und Musik von Richard Wagner. In der Dresdner Fassung unter Einbeziehung des »Bacchanals« (1. Akt, 1. Szene) der Pariser Fassung (1861).

Uraufführung 1845 in Dresden.

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂    (vier von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs

14.4.2014. Kaum einem Kulturereignis hat die Stadt so entgegengefiebert, wie der Premiere von Richard Wagners „Tannhäuser“ an der Staatsoper Berlin. Kamen doch zwei Schwergewichte ihres Genres zusammen: einmal Daniel Barenboim am Dirigentenpult und einmal Starchoreographin Sasha Waltz als Regisseurin.  Kenner der Oper waren skeptisch, ob man einer Tänzerin eine Wagneroper zur Inszenierung geben dürfe, auch wenn es nicht ihre erste Opernregie war. Nach der Premiere sind die Meinungen geteilt: von „grandios gescheitert“ (Berliner Morgenpost) bis „am Ende ein Triumph“ (Tagesspiegel), Buh-und Bravo-Rufe nach dem Vorhang  – alles war dabei. Ziemlich einhellig wurden der Chor und Daniel Barenboim gelobt, obwohl er die Partitur sehr entschleunigte, wohl um die romantische Seele der Musik noch stärker zu betonen.

Worum geht es?

Historisch gesehen gab es im 13. Jahrhundert einen Siboto von Tanhusen, der als Dichter und Sänger, als sogenannter Minnesänger, durch das Land zog und u.a. auch eine zeitlang im Dienst des damaligen Herzog Friedrich II. von Österreich war. Sechs seiner Lieder sind in der „Großen Heidelberger Liederhandschrift“ überliefert. Sie handeln überwiegend von erotischen Abenteuern mit häufig selbstironischer Aussage. In der Jenaer Liederhandschrift findet man außerdem noch ein Büßer-Lied, welches von einem Mann berichtet, der nach Rom reist, um den Pabst um Vergebung für seine Sünden zu bitten. Dieser weist ihn jedoch ab. Diese Geschichte wurde nach dem Tod von Siboto von Tanhusen von anderen Erzählern aufgegriffen und ca. 150 Jahre später umgewandelt zu der Tannhäuser-Sage, in der der Ritter Tannhäuser vom Venusberg nach Rom pilgert, um Buße zu tun für sein sündiges Treiben mit Frau Venus. Doch der Pabst (Urban II.) weist ihn ab mit den Worten: „Eher beginnt mein Stab zu grünen, als das Gott Dir Gnade gewähre„. Tannhäuser reist daraufhin enttäuscht zurück zum Venusberg. Die Boten des Papstes erreichen ihn nicht mehr, die ihm mitteilen wollen, das der Stab tatsächlich zu grünen angefangen hatte…Diese Sage wurde besonders in der Zeit der  Deutschen Romantik immer wieder erzählt und auch neu formuliert. Richard Wagner nahm sie als Hintergrund für seine Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“

Ich bin nicht nicht unbedingt ein großer Wagner-Fan. Mir kommen seine Opern häufig zu gewaltig, zu heroisch und zu aufgesetzt vor. Doch hier bei „Tannhäuser“ bin ich angenehm überrascht.  Gerade das romantische, weiche und sinnliche hat es mir angetan und die Melodien, wie der Chor der Pilger im 3. Akt, lassen mir einen wohligen Schauer über den Rücken laufen. Auch der Inszenierung von Sasha Waltz konnte ich nur Gutes abgewinnen. Das Ineinanderfließen von statischen Sängern und sich bewegenden Tänzern geriet überaus harmonisch, die Kostüme waren elegant bis strahlend und das auf ein Minimum beschränkte Bühnenbild entspricht meiner Auffassung von modernen Inszenierungen. Und Daniel Barenboim liebe ich sowieso – geht seine Ausstrahlung doch weit über den Orchestergraben hinaus bis tief in das Publikum hinein.

Musikalische Leitung: Daniel Barenboim

Regie: Sasha Waltz

Kostüme: Bernd Skodzig

Bühnenbild: Pia Maier Schriever, Sasha Waltz

Tannhäuser: Peter Seiffert

Elisabeth: Ann Petersen

Landgraf Hermann: René Pape

Wolfram von Eschenbach: Peter Mattei

Walter von der Vogelweide: Peter Sonn

http://www.staatsoper-berlin.de/de_DE/calendar-2014-2015/tannhaeuser.12254206

 

1. Akt, in der Venusgrotte mit der Venus (Marina Prudenskaya), Foto: Staatsoper

39 Bilder, hier: 1. Akt, in der Venusgrotte mit Venus (Marina Prudenskaya), Foto: Staatsoper

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist