Sasha Waltz – Kreatur – Radialsystem Berlin

Sasha Waltz - Kreatur - © Holger Jacobs

Sasha Waltz – Kreatur – Radialsystem Berlin

 

Von Holger Jacobs

10.6.2017

english text below

🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

Gestern Abend stellte die zurzeit bekannteste deutsche Choreographin Sasha Waltz ihre neue Produktion „KREATUR“ im Radialsystem in Berlin vor.

Seit 2005 hatte sich Waltz zusammen mit ihrer Kompanie Sasha Walz & Guests hauptsächlich der Bearbeitung von Opern, bzw. Musikstücken gewidmet. Dabei schlug ihre erste Inszenierung und Choreographierung der Oper „DIDO & AENEAS von Henry Purcell in der Tanz (Opern-) Welt wie eine Bombe ein. So etwas hatte man noch nicht gesehen! Allein der Teil, der in einem Wasserbassin spielt, indem die Tänzer*nnen schwimmend „tanzen“, war sensationell. Diese Inszenierung wurde weltweit eingeladen und bleibt bis heute wohl ihr erfolgreichstes und auch bekanntestes Stück.

Weitere choreographische Opern folgten: „MEDEA“, 2007, mit der Musik von Pascal Dusapin und Texten von Heiner Müller für das Grand Theatre de la Ville de Luxembourg, „ROMEO ET JULIETTE“, 2007, nach der Musik von Hector Berlioz für die Pariser Opera Bastille, „SACRE“, 2013, nach der Musik von Strawinsky, Debussy und Berlioz für das Mariinski Theater in St. Petersburg, „TANNHÄUSER“, 2014, von Richard Wagner für die Staatsoper Berlin und schließlich „ORFEO“, 2015, von Monteverdi, für die Dutch National Opera Amsterdam.

And now back to the roots!

Dieses Jahr kommen allein zwei neue Arbeiten von Sasha Waltz zur Uraufführung, die wieder den Tanz in den Vordergrund stellen.

„KREATUR“:

Die Choreographie, welche ca. 1 1/2 Stunden dauert, gliedert sich in drei Teile. Alle drei Teile haben als verbindendes Element den Menschen, hier als „Kreatur“ beschrieben, wie er sich in den verschiedenen Situationen des Lebens verhält.

Im ersten Teil sehen wir Tänzer*innen eingehüllt in eine Art Kokon (Kostüme: Iris van Herpen), der ihnen einerseits Schutz gewährt, andererseits aber auch den Austausch untereinander erschwert.
Im zweiten Teil sehen wir das Verhalten des Menschen in einer Gruppe. Auch diese Situation ist nicht perfekt: Die Gemeinschaft gibt zwar Schutz, verlangt aber die Unterwerfung unter das Kollektiv. So sieht man immer wieder wie manche ausbrechen und doch wieder eingefangen werden. Auch das Überwinden eines großen Hindernisses (hier eine weiße Steilwand) wird letztlich nur gemeinsam bewältigt, der Einzelne droht abzustürzen. Tragisch, wenn am Schluss eine Ausgestoßene zurückbleibt…
Im dritten Teil sehen wir den Menschen wie er versucht Bindungen zu anderen einzugehen. Mal zu zweit oder auch zu dritt wird geliebt, geschlagen und auch geschrien. Der Mensch ist nicht dazu gemacht allein zu sein, doch das Leben zu zweit ist trotzdem mit vielerlei Schwierigkeiten verbunden.

Womit wir wieder an den Anfang kommen: Wer seinen Kokon verlässt um sich anderen zu nähern muss das Scheitern riskieren – es führt kein Weg vorbei! Untermalt wird der Abend mit Klängen einer Musikgruppe, die sich Soundwalk Collective nennen. Mal zart, mal heftig, umhüllen die Töne die Tänzer und die Zuschauer.
Seht hierzu bitte auch das Video auf kultur24.berlinTV, welches einen Ausschnitt aus Teil 2 zeigt. Das Video wurde bisher über 1,6 Millionen Mal angeklickt:

Da ich die Choreographie gleich zwei Mal sehen durfte, einmal in der Probe und einmal am Premierenabend, konnte ich die Interpretation einfacher finden. Für den Zuschauer, der es zum ersten Mal sieht, wird es sicher schwieriger sein. Doch selbst wenn man nicht immer genau versteht was nun gerade auf der Bühne passiert ist der Ausdruck jedes Tänzers und jeder Tänzerin immer stark genug zu begeistern.
Und die Uraufführung macht Lust auf mehr. Gespannt erwarte ich die zweite Uraufführung von Sasha Waltz, „WOMEN“, Ende August 2017, im Rahmen des Festivals „Tanz im August“.

Nächste Aufführungen: 10., 11., 16., 17. und 18 Juni 2017 um 20.00 Uhr

Radialsystem GmbH
Holzmarktstraße 33
D – 10243 Berlin

33 Bilder: „KREATUR“ – Sasha Waltz & Guests, Foto: Holger Jacobs

english text

Sasha Waltz & Guests – Kreatur
By Holger Jacobs
06/10/2017
Last night, the currently best-known German choreographer Sasha Waltz presented her new production „KREATUR“ in the Radial System.
Since 2005, Waltz, together with her company Sasha Walz & Guests, has mainly devoted herself to the editing of operas and music pieces. Her first staging and choreography of Henry Purcell’s opera „DIDO & AENEAS“ hit the dance (opera) world like a bomb, something that had not been seen before, just the part that plays in a pool of water by the dancers * Floating „dancing“ was sensational, this production was invited worldwide and remains to this day probably her most successful and most well-known piece.
Other choreographic operas followed: „MEDEA“, 2007, with the music of Pascal Dusapin and texts by Heiner Müller for the Grand Theater de la Ville de Luxembourg, „ROMEO ET JULIETTE“, 2007, after the music of Hector Berlioz for the Parisians Opera Batille, „SACRE“, 2013, after the music by Stravinsky, Debussy and Berlioz for the Mariinsky Theater in St. Petersburg, „TANNHÄUSER“, 2014, by Richard Wagner for the Staatsoper Berlin and finally „ORFEO“, 2015, by Monteverdi , for the Dutch National Opera Amsterdam.
And now back to the roots.
This year alone, two new works by Sasha Waltz will be premiered, again focusing on dance.
First, „KREATUR“ (Creature).
The choreography, which lasts about 1 1/2 hours, is divided into three parts. All three parts have as a connecting element the human being, here described as „creature“, how he behaves in the different situations of life.
In the first part we see dancers wrapped up in a kind of cocoon (costumes: Iris van Herpen), which on the one hand gives them protection, but on the other hand also makes the exchange between each other more difficult.
In the second part we see the behavior of humans in a group. This situation is also not perfect: the community provides protection, but demands submission to the collective. So you see again and again how someone breaks out and yet be captured again. Even overcoming a major obstacle (here a white wall) is ultimately only managed together, the individual threatens to crash.
In the third part, we see people trying to make bonds with others. Sometimes two or three people love, beat and sometimes scream. Mankind is not made to be alone, but life as a couple is still associated with many difficulties.
Which brings us back to the beginning: Who leaves his cocoon must risk failure – but there is no way around!
The evening will be accompanied by the sounds of a band called Soundwalk Collective. Sometimes tender, sometimes violent, the tones envelop the dancers and the spectators.
Since I was allowed to see the choreography twice, once in the rehearsal and once on the premiere evening, I found the interpretation easier. For the viewer who sees it for the first time, it will be more difficult to find an access.
But even if you do not always understand exactly what is happening on stage, the expression of every dancer is always strong enough to inspire.
The premiere made you want more. Let us be surprised what the second world premiere of Sasha Waltz, „WOMEN“, end of August 2017 (as part of the festival „Dance in August“) brings us.
Next performances: 10, 11, 16, 17 and 18 June 2017 at 20.00
Radial System GmbH Holzmarktstraße 33D – 10243 Berlin

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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