Kunstausstellung FREIRAUM KUNST im Schloss Bellevue
Von Holger Jacobs
08.06.2026
Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)
Eine außergewöhnliche Ausstellung an einem außergewöhnlichen Ort
An das Schloss Bellevue knüpfe ich selbst sehr persönliche Erinnerungen.
Meine Eltern waren mit dem früheren Bundespräsidenten JOHANNES RAU gut befreundet, so dass ich freundlicherweise während seiner Amtszeit zweimal zu Festlichkeiten in das Schloss eingeladen wurde:
Einmal zu einer Fashion-Show am 21. Oktober 2003, die die Ehefrau von Johannes Rau, Christina organisiert hatte.

Fashion-Event im Schloss Bellevue Okt. 2003 mit Model Nadja Auermann und Verleger Florian Langenscheidt, ph: Holger Jacobs
Und einmal zum traditionellen Sommerfest am 26.6.2004, welches jedes Jahr im Juni stattfindet.
Den Amtssitz des Bundespräsidenten, das Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten, wird in der Regel nur von großen Staatsmännern- bzw.- Frauen betreten, die als Staatsgäste unsere Bundesrepublik besuchen und neben den üblichen Meetings mit den Spitzen der Politik auch noch Gast beim Bundespräsidenten sein dürfen (als letzter war übrigens der neue syrische Machthaber Ahmed al-Scharaa zu Gast).
Nun muss das frühklassizistische Schloss von 1787 nach dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und dem erneuten Umbau 2005 grundsaniert und den ökologischen Standards unserer Zeit angepasst werden.
Vermutlich für mehrere Jahre.
Der Künstler CHRISTIAN AWE gab bei einem Gespräch mit dem Fernsehsender der ARD den Anstoß das nun leerstehende Haus für eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst zu nutzen.
Weitere Gespräche führten zur AKADEMIE DER KÜNSTE, die die Idee begeistert aufnahm, so dass sich der Vizepräsident der Akademie, ANH-LINH NGO, zusammen mit der stellvertretenden Direktorin der Sektion Literatur, CÉCILE WAJSBROT, als Kuratoren zur Verfügung stellten.
Folgende Künstler und Mitglieder der Akademie der Künste wurden für die Ausstellung ausgewählt:
Peter Badel, Rosa Barba, Carola Bauckholt, Alexandra Bircken, Jürgen Böttcher, Monica Bonvicini, Ann Cotten, Ayşe Erkmen, Jochen Gerz, Katharina Grosse, Hanna Hartman, Bjørn Melhus, Boris Mikhailov, Karin Sander, Matthias Sauerbruch, Hanns Schimansky, Gregor Schneider, Chiyoko Szlavnics, Wolfgang Tillmans und Manos Tsangaris. Zudem wirken die Initiatoren des Projekts mit: Christian Awe, El Bocho und Christopher Lehmpfuhl.
Hinzu kamen noch Christian Awe, El Bocho und Christopher Lehmphuhl als Nicht-Mitglieder.
Seht dazu auch meine Bilderserie am Ende des Artikels mit den einzelnen Arbeiten.
Titel der Ausstellung ist FREIRAUM DER KUNST – Akademie der Künste goes Bellevue“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsidenten FRANK-WALTER STEINMEIER.
Die Ausstellung sollte unter keinem speziellen Motto stehen.
Einzig eine neue Sicht auf den historischen und politischen Raum, welcher das Schloss Bellevue darstellt, sollte als Symbol liberaler Demokratie gezeigt werden.
Kritik
Mein erster Eindruck, als ich vorne am Tor 2 zur Pressevorbesichtigung eincheckte, war eine große Bewunderung für diese schlichte Schönheit, die das Gebäude ausstrahlt.
Es passt einfach ganz wunderbar zur deutschen Bundesrepublik als Amtssitz unseres obersten Repräsentanten.
Nach dem desaströsen Ende unserer Monarchie im November 1918 und dem anschließenden, durch uns augelösten 2. Weltkrieg, wäre ein Prunkbau wie das Schloss Versailles in Frankreich oder das Schloss Windsor in England einfach nicht angebracht gewesen.
Dabei muss sich Schloss Bellevue in keiner Weise seiner Schlichtheit schämen.
Im Gegenteil, gerade das macht es in meinen Augen zur Schönheit!
Oben auf dem Dach wird gerade ein großes Banner mit dem Schriftzug „Freiraum Kunst“ (Künstler: CHRISTIAN AWE) von Bergsteigern angebracht und nachts soll ein SOS Signal per Lichtinstallation von einem der Fenster zwischen 21 und 24 Uhr ausgestrahlt werden (Künstler: BJÖRN MELHUS).
Tritt man durch das Hauptportal sieht der Besucher einen leergeräumten Empfangssaal mit drei Arbeiten:
links das Architektur-Model (Architekt: Matthias Sauerbruch) des vorübergehenden Amtssitzes des Bundespräsidenten während der Sanierung des Schlosses, welches extra für 200 Millionen in der Nähe des Hauptbahnhofes errichtet wurde.
Im hinteren Bereich sind zwei wandgroße Gemälde des Street-Art Künstlers EL BOCHO zu sehen, davon eines mit dem Namen „Die Bundespräsidentin“.
EL BOCHO wählte ganz bewusst diesen Titel aus, da es bisher keine weibliche Präsidentin seit Gründung der BRD gab.
Gute Idee, aber das jugendliche Gesicht passt nicht ganz zu einer echten Präsidentin, wenn es diese denn wirklich einmal geben sollte.
Gleich im nächsten Raum gibt es eine Installation über drei Wände mit Fotografien und Videos von dem Künstler GREGOR SCHNEIDER, welche das ehemalige Geburtshaus von JOSEF GOEBBELS zeigen.
Das war für mich besonders interessant, weil ich zurzeit an einer kulturellen Zwischennutzung für die ehemalige Villa Goebbels und den umliegenden Bauten der ehemaligen DDR-Jugendhochschule am Bogensee in der Nähe von Wandlitz arbeite.
Darüber werde ich Euch ein anderes Mal erzählen.
In einem weiteren Raum im Erdgeschoss soll ein sogenanntes „Büro der öffentlichen Sache“ entstehen, eine Art interaktiver Diskurs mit MANOS TSANGARIS, dem Präsidenten der Akademie der Künste.
Außer ein paar Zeichenstiften und Bürotische war noch nichts zu sehen.
Im Obergeschoß fallen einige Arbeiten besonders positiv auf.
Erst einmal steht im sogenannten „Langhans-Saal“ (CARL GOTTHARD LANGHANS plante 1789 den Innenausbau der beiden großen Säle im Schloss Bellevue und plante im selben Jahr auch das Brandenburger Tor) auf einem ca. 1 ½ Meter hohen Sockel eine ca. 20 Zentimeter große Statue des Bundespräsidenten FRANK-WALTER STEIMEIER, welche ganz alleine in diesem großen Raum zu sehen ist und deshalb besonders stark wirkt.
Es handelt sich um ein 3D-Model der Künstlerin KARIN SANDER.
Auch beeindruckend die bunt bemalte, wandgroße Arbeit von KATHARINA GROSSE im „Robert-Blum-Saal“, welche aus mehreren 2 Meter großen Pressspanplatten zusammengesetzt ist.
Die große Retrospektive von KATHARINA GROSSE im Museum Hamburger Bahnhof habe ich noch in guter Erinnerung (kultur24 berichtete)
Auch die lose an die Wand gepinnten Fotografien von WOLFGANG TILLMANS (Gewinner des Turner Prize im Jahre 2000) dürfen natürlich in keiner Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst fehlen.
Auf die Frage, ob mir die nackte „Mutter mit Baby“ von BORIS MIKHAILOV im nächsten Raum gefällt, muss ich leider verneinen.
Mit der speziellen Ästhetik von diesem Künstler konnte ich noch nie etwas anfangen.
Im Großen Saal erwartet uns dann FRANK-WALTER STEINMEIER „himself“ mit einer schönen Einführungsrede über Freiheit in der Kunst, bzw. dass wir Kunst heute in dieser krisengeschüttelten Welt mehr brauchen denn je.
Hinter ihm ein wirklich riesiges Gemälde (fast 5 x 5 Meter) von MONICA BONVICINI, „Hard String“, mit Tausenden weiblicher Körperteile.
Wie ein Wandteppich.
Beeindruckend, weil außer der Größe eigentlich unspektakulär, aber genau deshalb schön.
Genauso schön wie das Schloss Bellevue „itself“.
„Freiraum Kunst – Akademie der Künste goes Bellevue“
Nur vom 12. – 28. Juni 2026
Schloss Bellevue
Spreeweg 1
10557 Berlin-Tiergarten
Tickets nur online
Bilderserie mit 14 Fotos aus Schloss Bellevue:
English
„FREIRAUM KUNST“ Art Exhibition at Bellevue Palace
By Holger Jacobs
An extraordinary exhibition in an extraordinary setting
I hold very personal memories of Bellevue Palace myself.
My parents were close friends with the former Federal President Johannes Rau, so I was kindly invited to the palace for festivities on two occasions:
Once for a fashion show on October 21, 2003, organized by Johannes Rau’s wife, Christina.

Fashion-Event im Schloss Bellevue 2003 mit Model Nadja Auermann und Verleger Florian Langenscheidt, ph: Holger Jacobs
And once for the traditional summer party on June 26, 2004—an event held every June.
The official residence of the Federal President—Bellevue Palace in Berlin-Tiergarten—is usually entered only by prominent statesmen and stateswomen visiting the Federal Republic as state guests; alongside their standard meetings with top political leaders, they have the privilege of being hosted by the Federal President (incidentally, the most recent guest was the new Syrian leader Ahmed al-Sharaa).
Now, the Early Neoclassical palace—originally built in 1787 and previously reconstructed after World War II and renovated again in 2005—requires comprehensive refurbishment to bring it up to modern ecological standards.
This process is expected to take several years.
During a conversation with the broadcaster ARD, artist Christian Awe proposed using the now-vacant building for a contemporary art exhibition.
Subsequent discussions led to the Academy of Arts (Akademie der Künste), which embraced the idea enthusiastically; the Academy’s Vice President, Anh-Linh Ngo, and the Deputy Director of the Literature Section, Cécile Wajsbrot, stepped forward to serve as curators.
The following artists and members of the Academy of Arts were selected for the exhibition:
Peter Badel, Rosa Barba, Carola Bauckholt, Alexandra Bircken, Jürgen Böttcher, Monica Bonvicini, Ann Cotten, Ayşe Erkmen, Jochen Gerz, Katharina Grosse, Hanna Hartman, Bjørn Melhus, Boris Mikhailov, Karin Sander, Matthias Sauerbruch, Hanns Schimansky, Gregor Schneider, Chiyoko Szlavnics, Wolfgang Tillmans, and Manos Tsangaris. The project’s initiators—Christian Awe, El Bocho, and Christopher Lehmpfuhl—are also participating.
Christian Awe, El Bocho, and Christopher Lehmpfuhl joined the group as non-members.
Please also see my photo series at the end of the article, which features the individual works.
The exhibition is titled „FREIRAUM DER KUNST – Akademie der Künste goes Bellevue“ (Art’s Open Space – Academy of Arts goes to Bellevue) and is held under the patronage of Federal President Frank-Walter Steinmeier.
The exhibition does not follow a specific theme.
Its sole aim is to present a fresh perspective on the historical and political space represented by Bellevue Palace, highlighting it as a symbol of liberal democracy.
Critics
My first impression upon checking in at Gate 2 for the press preview was one of deep admiration for the understated beauty the building radiates.
It is a perfect fit for the Federal Republic of Germany, serving as the official residence of our head of state.
After the disastrous end of our monarchy in November 1918 and the subsequent Second World War—which we instigated—an ostentatious edifice like the Palace of Versailles in France or Windsor Castle in England would simply not have been appropriate.
Yet Bellevue Palace has no reason to be ashamed of its simplicity; on the contrary, in my eyes, that is precisely what makes it beautiful!
High up on the roof, mountaineers are currently installing a large banner bearing the words „Freiraum Kunst“ (Art as Open Space) by artist Christian Awe, while an SOS signal is scheduled to be broadcast via a light installation from one of the windows between 9 p.m. and midnight (by artist Björn Melhus).
Stepping through the main entrance, the visitor encounters an empty reception hall featuring three works:
on the left, an architectural model of the Federal President’s temporary official residence—built near the central station at a cost of 200 million euros during the palace’s renovation (architect: Matthias Sauerbruch).
At the far end of the hall, two wall-sized paintings by street artist El Bocho are on display; one of them is titled „Die Bundespräsidentin“ (The Female Federal President).
El Bocho deliberately chose this title, given that there has never been a female president since the founding of the Federal Republic of Germany.
A good idea, though the youthful face doesn’t quite suit a real president—should one ever actually take office.
In the very next room there is an installation across three walls with photographs and videos by the artist GREGOR SCHNEIDER, which show the former birthplace of JOSEF GOEBBELS.
This was particularly interesting for me because I am currently working on a temporary cultural use for the former Villa Goebbels and the surrounding buildings of the former GDR youth college at Bogensee near Wandlitz.
I will tell you more about that another time.
In another room on the ground floor, a so-called “office of public affairs” will be created, a kind of interactive discourse with MANOS TSANGARIS, the President of the Academy of Arts.
Apart from a few drawing pencils and office tables, there was nothing to be seen.
Some of the work on the upper floor is particularly striking.
First of all, in the so-called “Langhans-Saal” (CARL GOTTHARD LANGHANS planned the interior design of the two large halls in the castle in 1789, he also planned the Brandenburg Gate the same year) there is an approximately 20 centimeter tall statue of Federal President FRANK-WALTER STEIMEIER on an approximately 1 ½ meter high base, which can be seen all alone in this large room and therefore has a particularly strong effect.
It is a 3D model by the artist KARIN SANDER.
Also impressive is the colorfully painted, wall-sized work by KATHARINA GROSSE in the “Robert Blum Hall”, which is made up of several 2 meter large pressboards.
I still have fond memories of KATHARINA GROSSE’s big retrospective at the Hamburger Bahnhof Museum (kultur24 reported)
Of course, the photographs of WOLFGANG TILLMANS (winner of the Turner Prize in 2000), loosely pinned to the wall, should not be missing from any exhibition of contemporary art.
When asked whether I like the naked “Mother with Baby” by BORIS MIKHAILOV in the next room, I unfortunately have to say no.
I’ve never really connected with this artist’s particular aesthetic.
In the Great Hall, Frank-Walter Steinmeier—in person—awaits us with a lovely introductory speech about freedom in art, or rather, how we need art more than ever in today’s crisis-ridden world.
Behind him hangs a truly massive painting (nearly 5 x 5 meters) by Monica Bonvicini titled *Hard String*, featuring thousands of individual human body parts. It looks like a tapestry.
It is impressive because, aside from its sheer size, it is actually unspectacular—yet beautiful for that very reason.
Just like Bellevue Palace.
“Freiraum Kunst – Akademie der Künste goes Bellevue”
June 12–28, 2026
Bellevue Palace
Spreeweg 1
10557 Berlin-Tiergarten
Tickets available online only
Picture series with 14 photos of the artworks:
Author: Holger Jacobs
Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and videographer.


























