Der Barbier von Sevilla – Komische Oper Berlin

Barbier von Sevilla - Komische Oper Foto: Holger Jacobs

Der Barbier von Sevilla – Komische Oper Berlin

 

„Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini

Von Holger Jacobs

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17.10.2016

🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

Intro

Wenn der Begriff „Regie-Oper“ noch nicht erfunden wurde, dann müsste er hier zur Anwendung kommen: Regisseur Kirill Serebennikov erfand eine komplett neue Darbietung Dank seiner genialen Einfälle zur Inszenierung von „Der Barbier von Sevilia“ von Gioachino Rossini (1792 – 1868).

Handlung

  1. Akt. Die hĂĽbsche Rosina lebt unter der Vormundschaft des alten Dr. Bartollo, der eifersĂĽchtig ĂĽber sie wacht. Denn er hat die Absicht sein MĂĽndel bald selbst zu heiraten, bringt sie doch eine groĂźe Erbschaft mit. Doch auch Graf Almaviva hat ein Auge auf Rosina geworfen, seit er sie gesehen und sich in sie verliebt hat.

Mit Hilfe seines Freundes Fiorello kommt Almaviva zum Haus der Rosina und will ihr inkognito als Lindoro ein Ständchen singen. Doch die Angebete erscheint nicht. Da taucht der Friseur Figaro auf und ist bereit zu helfen. Er hat Zugang zum Haus von Rosina, da er als Barbier regelmäßig zu Dr. Batolo kommt. Er weiß, dass Dr. Bartolo am Abend Soldaten zu Besuch erwartet und der Graf solle sich verkleidet unter sie mischen und dabei der Rosina einen Brief übergeben. Auch Rosina hat nun Kenntnis von Alamaviva bekommen und möchte auch ihm einen Brief zustecken. Der Brieftausch klappt, aber Bartolo hat es bemerkt und es kommt zu einem Tumult mit den herbeigeeilten Soldaten.

  1. Akt. Graf Alamaviva versucht eine erneute Annäherung, indem er sich als angeblicher Musiklehrer verkleidet. So schafft er es erneut zu Rosina zu kommen. Während Figaro Dr. Bartolo rasiert, schmieden Rosina und Almaviva ihre Fluchtpläne. Der Graf bittet um die Hand von Rosina, die einwilligt. Bartolo versucht noch die Flucht zu verhindern und Rosina zur Heirat zu zwingen, doch vergeblich. Graf Almaviva kommt noch zur rechten Zeit und beide werden glücklich verheiratet.

Kritik:

Gleich wenn die Ouvertüre beginnt weiß der Zuschauer, dass die Inszenierung alles sprengen wird, was er bisher gesehen hat. Die Bühne ist weit in das Parkett gezogen. In der Mitte spielt das Orchester, die Akteure spielen um sie herum. Später wird das Orchester abgesengt und die ganze Tiefe der Bühne miteinbezogen. Die Architektur des Bühnenraumes (Alexej Tregubov) besteht aus zwei hohen, doppelwandigen Mauern, die das Geschehen eng oder auch weit gestalten können. Die Kleidung ist neuzeitlich-schick (Almaviva) bis punkig-groovig (Figaro). Almavivas Arie „Se il mio nome saper voi bramate“ wird von einer E-Gitarre begleitet. Der Schriftverkehr zwischen Rosina und dem Grafen geschieht auf Facebbook.

Mein gewählter Begriff „Regie-Oper“, angelehnt an den ähnlich lauteten Begriff aus der Theaterwelt, ist sicher nicht übertrieben. Wer die Inszenierung von Ruth Berghaus von 1968 an der Staatsoper kennt, die übrigens immer noch gespielt wird, wird die Oper von Rossini nicht wiedererkennen.

Den Sängerinnen und Sängern gebührt großes Lob, besonders gefiel mir Philipp Meierhöfer als Dr. Bartolo. Auch Dirigent Antonello Manacorda leitete sein Orchester und den Chor musikalisch überzeugend.

Der Coup, Almaviva verkleidet als Musiklehrer wie Eurovision Song Contest Sieger Conchita Wurst aussehen zu lassen, ist genial.

Barrie Kosky ist mit dem Engagement dieses jungen russischen Regisseurs Kirill Serebennikov sicher ein Risiko eingegangen, doch er hat damit voll ins Schwarze getroffen. Und ein großes Glück für uns Berliner, da wir nun die ganze Bandbreite in einer Stadt erleben dürfen, zwischen klassischer Inszenierung wie in der Staatsoper und einer neuzeitlichen Regie des 21. Jahrhunderts wie in der Komischen Oper. Ob diese Inszenierung dann auch 50 Jahre gespielt? Warum nicht?

Als Teaser findet Ihr ein kleines Video mit Ausschnitten der Oper auf kultur24.berlinTV.

Komische Oper Berlin
BehrenstraĂźe 55-57
10117 Berlin

Nächste Vorstellungen: 19. und 28. Oktober, 5. und 26. November 2016

Graf Almaviva (Tanse Akzeybek) verkleidet als Musiklehrer (Conchita Wurst), "Il barbiere di Sivilia", Foto: Holger Jacobs

40 Bilder: Graf Almaviva (Tanse Akzeybek) verkleidet als Musiklehrer (Conchita Wurst), „Il barbiere di Sivilia“, Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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