„Erotic Crises“ von Yael Ronen am Maxim Gorki Theater

von Holger Jacobs (Text und Fotos)

Wertung: 🙂 🙂 🙂       (vier von fünf möglichen)

20.10.2014. Sex als Thema in Kunst, Literatur, Film oder Theater zu wählen ist immer ein schwieriges Unterfangen: Entweder wird es zu peinlich, zu banal, zu langweilig oder einfach zu blöd. Hier den richtigen Ton, die richtige Balance zu finden gelingt nur wenigen. Häufig ist allein schon die Herangehensweise nicht klar: Soll es nun aufklären, einen Zustand dokumentieren, vielleicht sogar Anleitung geben oder einfach nur unterhalten?

Die junge und vielgelobte Autorin YaeL Ronen hat sich in ihrem neuen Stück „Erotic Crises“ für das Dokumentieren entschieden. Zusammen mit ihren Schauspielern Mareike Beyrich, Anastasia Gubareva, Orit Nahmias, Aleksander Radenkovic und Thomas Wodianka sammelte sie Erfahrungen und Erlebnisse in Freundeskreisen, sah sich Pornos, besuchte Tantra-Sitzungen. Daraus ist ein gemeinsames Projekt geworden, um die Liebe und den Sex im Berlin von heute zu zeigen.

Im Vordergrund stehen zwei Paare, Maya und Jan, Kumari und Rafael. In verschiedenen Situationen und sich leicht verändernden Bühnenbildern (Bühne: Magda Willi) werden die Probleme dieser Paare gezeigt, die auch wir wohl schon alle erlebt haben: Die sexuelle Anziehung nimmt mit Dauer der Beziehung ab, beruflicher Stress und Kindererziehung lassen die Begierde noch weiter schrumpfen. Und die neuen Medien lenken häufig von der Zweisamkeit ab.

Auch die Fragen nach der eigenen sexuellen Anziehung, der eigenen Leistung im Bett, machen die Sache nicht einfacher. Pornos sieht man sich heute schon als pubertierender Jugendlicher auf seinem Smartphone an lange bevor man überhaupt selbst Sex hatte. Mit allen möglichen Praktiken, die man wohl in seinem ganzen Leben nie selbst ausprobieren wird. Oder vielleicht doch?

Was ist mit Fetisch, Gruppensex, Schwul und lesbisch? Gehören sie dazu? Muss man sie mitmachen? Und überhaupt: Berlin ist doch so wild, jeder hat Sex ohne Ende – oder doch nicht?

Am Ende wird es etwas lang und es nähert sich das was Eingangs zitiert wurde. Trotzdem ein guter Abend und ein gutes Stück. Besonders der Mix aus deutscher und englischer Sprache entspricht dem wirklichen Leben im Berlin 2014, mit seinen vielen Kulturen und Menschen, die aus der ganzen Welt in die deutsche Hauptstadt kommen. Und vielleicht das erleben, was Yael Ronen in „Erotic Crises“ aufgeschrieben hat…

Regie:

Nächste Vorstellungen am 3. und 27. November 2014 jeweils um 19.30 Uhr

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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