Staatsballett – live – FROM BERLIN WITH LOVE Vol.1

Staatsballett Berlin - Ballett Gala © Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Staatsballett – live – FROM BERLIN WITH LOVE Vol.1

 

Von Holger Jacobs

27.08.2020

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

English text

Endlich wieder Ballett live – Das Staatsballett zeigt in seiner Gala „From Berlin with Love“ brillante Auszüge aus ihrem Repertoire und neue Choreographien.

Als ich gestern Abend zur Premiere der neuen Ballett Gala des Staatsballetts Berlin in die Deutsche Oper kam, hatte ich das Haus schon ein halbes Jahr nicht mehr von innen gesehen.

Als dann langsam das Licht ausging und die Vorstellung begann stellte sich sofort ein freudiges Gefühl der Spannung und des Interesses ein. Wie schön endlich wieder bei einem live-stattfindenden Ereignis dabei zu sein. Es ist für mich die erste indoor-Veranstaltung seit dem Corona-Lockdown.
Kein noch so gut gemachtes Video kann die Atmosphäre eines Live-events wiedergeben. Für Menschen, die Kunst und Kultur für ihr Seelenleben unbedingt brauchen, wie für mich, war das Erlebnis ein wirklich ganz besonderes. Und mit der Bitte an den lieben Gott, möglichst keinen weiteren Lockdown in diesen Corona-Zeiten erleben zu müssen.

Wegen der Corona-Verordnungen hat die Deutsche Oper große Abstände zwischen den Zuschauern organisiert:
Zwar wird jede Reihe genutzt, aber zwischen den verwendeten Sitzen bleiben 3, manchmal sogar vier Plätze frei. Daraus ergeben sich aus den maximal 1800 möglichen Sitzen nur noch 400 mögliche Sitzplätze für Besucher – weniger als ¼ (siehe Foto).

Die Leitung des Staatsballetts hatte ganze Arbeit geleistet. Innerhalb so kurzer Zeit das gesamte Programm einer Spielzeit über den Haufen zu werfen und etwas ganz Neues auf die Bühne zu bringen ist wahrlich ein Kraftakt. Deshalb gilt dem gesamten Team und besonders der neuen Intendantin des Staatsballetts, Frau Dr. Theobald, meinte höchste Anerkennung.

Ein Potpourri an Ausschnitten aus bekannten Choreographien, aber auch drei Berliner Erstaufführungen und eine Uraufführung erwartete das Publikum

Die Sitzreihen mit Abstandsregelung in der Deutschen Oper, Foto: Holger Jacobs

Der Abend beginnt mit der Projektion des Videos „FROM BERLIN WITH LOVE“.
Es zeigt den Zusammenschnitt mehrerer Kurzfilme, welche 45 Mitglieder des Staatsballetts mit ihren eigenen Handys aufgezeichnet haben.
Die erste Solotänzerin, Ksenia Ovsyanick, hatte sie gebeten während des Lockdowns in der Isolation zu Hause kleine Choreographien zu realisieren und schnitt diese anschließend thematisch passend zu einem 3 ½ minütigem Film zusammen.
Im Hintergrund läuft der 2. Satz von Beethovens 7. Symphonie. Obwohl nur mit den einfachsten technischen Mitteln realisiert kommt eine sehr emotionale Stimmung auf, welches bereits mit über 50.000 Aufrufen auf Youtube belohnt wurde. Ein großes Bravo an Ksenia Ovsyanick!

Die an dem Video beteiligten Tänzerinnen und Tänzer sind:
Yolanda Correa, Arshak Ghalumyan, Ksenia Ovsyanick, Aurora Dickie, Chloe Lopes Gomes, Federico Spallitta, Paul Vickers, Olaf Kollmannsperger , Alizée Sicre, Dana Pajarillaga, Alejandro Virelles, Polina Semionova, Iana Salenko, Johnny McMillan, Lucio Vidal, Tara Samaya, Ross Martinson, Marina Kanno, Yi-Chi Lee, Mari Kawanishi, Filipa Cavaco, Weronika Frodyma, Marco Arena, Vivian Assal Koohnavard, Cécile Kaltenbach, Vahe Martirosyan, Jenna Fakhoury, Yuria Isaka, Paulina Bidzinska, Aya Okumura, Sarah-Jane Brodbeck, Marian Walter, Luciana Voltolini, Eloïse Sacilotto, Alexander Abdukarimov, Elinor Jagodnik, Harumi Terayama, Yoko Callegari, Giuliana Bottino, Elodie Estève, Alexei Orlenco, Evelina Godunova, Sacha Males, Georgeta Varvarici, Anna Liening

Danach erwartet das Publikum in der Deutschen Oper zehn kleinere bis größere Choreographien ganz unterschiedlicher Künstler und unterschiedlicher Stilrichtungen:

Die erste Choreographie „PAS DE QUATRE“ von Anton Dolin zeigt klassisches Ballett wie im 19. Jahrhundert. Tutu, Spitzentanz und ein ständiges Lächeln im Gesicht. Im Hintergrund ein Bild aus der Zeit der Deutschen Romantik. Technisch sicher herausfordernd, kann es aber an diesem Abend nicht überzeugen.
Mit: Elisa Carrilo Cabrera, Yolanda Correra, Ksenia Ovsyanick, Iana Salenko. Musik: Cesare Pugni

Dann geht es modern weiter, „LOOK OUT FROM THE SILENCE“, mit dem Tänzer Alexander Abdukarimov, der in seiner eigenen Choreographie elegant mit einem riesigen Scheinwerfer kämpft. Großer Applaus und Bravo-Rufe.

Das nächste Stück ist der Knaller des Abends: Die Berliner Erstaufführung eines Auszugs von Heinz Spoerlis Choreographie „EIN SOMMERNACHTSTRAUM“ mit der Musik von Philipp Glass. Absolut faszinierend. Für mich das Highlight des Abends!
Mit den Tänzer*innen Sarah Brodbeck, Vahe Martirosyan, Evelina Godunova, Yevgeniy Khissamutdinow, Alizée Sicre und Alexej Orlenco.

Seht dazu auch mein Video:

In „CINQUE“ glänzt Superstar Polina Semionova in einer modernen Choreographie von Mauro Biganzetti. Polinas Ausdrucksmöglichkeiten mit ihren Armen, Händen und Fingern ist beeindruckend und wird zurzeit von keiner anderen Tänzerin erreicht. Sie ist zweifelsohne immer noch die beste Tänzerin der Kompanie. Musik: Vivaldi (siehe Fotos in der Bilderserie)

„SCHWANENSEE“ haben viele von Euch schon gesehen, hier ein Auszug aus dem zweiten Akt mit dem Pas-de-Deux, getanzt von den Ersten Solist*innen Iana Salenko und Marian Walter. Musik: Tschaikowsky (siehe Fotos in der Bilderserie).

Tänzer Dinu Tamazlacaru lädt uns anschließend nach Frankreich ein mit „LES BOURGEOIS“ in einer humorvollen Choreographie von Ben van Cauwenbergh und der Musik von Jaques Brel „Quinze ans d’ armour“. Klar, worum sollte es auch sonst in unserem Nachbarland gehen…(siehe Fotos in der Bilderserie).

Die erste Solitänzerin Yolanda Correra zeigt uns in „DU BIST DIE RUH“ in einer Choreographie von Andreas Heise klassische und moderne Tanzelemente zu der live auf der Bühne gespielten Musik von Franz Schubert. Mit Arne Christian Pelz am Violoncello und Alina Pronina am Klavier (siehe Fotos in der Bilderserie).

Ein weiteres Pas-de-Deux zeigen uns die beiden Ersten Solotänzer*innen Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kaniskin in „KAZIMIR’S COLOURS“ von Mauro Biganzetti mit der Musik von Schostakowitsch. Sehr klassisch und etwas langweilig (siehe Fotos in der Bilderserie).

Das zweite Highlight des Abends kommt jetzt:
Die erste Solotänzerin Ksenia Ovsyanick (siehe Video „From Berlin with love“) zeigt „M – DAO“ von Choreograph Yabin Wang mit der Musik von Jocelyn Pook.
Ksenia tanzt hier im Stil des Modern Dance in der Tradition einer Martha Graham oder Isadora Duncun. Mit einem langen, weiten Rock, der bis zu den Knöcheln reicht, schwebt und schwingt die Tänzerin über die Bühne. Sehr eindrucksvoll! (Seht dazu auch die Fotos mit Ksenia in unserer Bilderserie).

Martha Graham (1894 – 1991), Begründerin des MODERN DANCE, photo: anonymous

Den Abschluss bilden vier Tänzer, Cameron Hunter, Konstantin Lorenz, Danil Simkin und wieder Dinu Tamazlacaru (siehe oben „Les Bourgeois“) mit „VARIATION FOR FOUR“ von Choreograph Anton Dolin (wie auch vom ersten Stück „Pas de Quatre“). Mehr klassisch als modern, mit der Musik von Marguerite Keogh, bildet es einen tänzerisch-heiteren Abschluss des Abends.
Am Ende senkt sich noch einmal die Leinwand und uns wird per Video die Arbeit der Tänzerinnen und Tänzer in den Ballett-Studios gezeigt (seht dazu auch die Fotos in der Bilderserie)

Ein Abend voller Höchstleistungen und toller Choreographien zeigt, wie wunderbar Ballettkunst sein kann und wie wichtig das Staatsballett für die Kultur in Berlin ist.

FROM BERLIN WITH LOVE Vol.1
Deutsche Oper Berlin
nächste Vorstellungen: 28. Und 29. August 2020
Am 3., 4. und 5. September zeigt das Staatsballett „LAB_WORKS COVID_19“ in der Komischen Oper
Am 18, 19. und 20. September kommt der zweite Teil „From Berlin with love, Vol. 2“ in der Staatsoper Unter den Linden

Hier unsere Bilderserie mit 25 Fotos der 10 Choreographien:

„EIN SOMMERNACHTSTRAUM“, Sarah Brodbeck, Vahe Martirosyan, ph: Holger Jacobs

English text

 

Ballet Gala live – From Berlin with love Vol.1

By Holger Jacobs


08/27/2020

Finally ballet live again – The State Ballet shows brilliant excerpts from their repertoire and new choreographies.

When I came to the Deutsche Oper for the premiere of the new Ballet Gala of the Berlin State Ballet last night, I hadn’t seen the inside of the house for six months.

When the lights slowly went out and the performance began, a joyful feeling of tension and interest immediately set in.
How nice to finally be back at a live event.
No video, no matter how well done, can reproduce the atmosphere of a live event. For people who absolutely need art and culture for their soul life, like for me, the experience was really very special. And with the request to God, if possible, not to have to experience another lockdown in these Corona times.

Because of the Corona regulation, the management of the Deutsche Oper has arranged large distances between the viewers: Although every row is used, but three, sometimes even four seats remain free between. This means that from the maximum of 1800 possible seats, there are only 400 possible seats for visitors – less than ¼ (see photo).

Die Sitzreihen mit Abstandsregelung in der Deutschen Oper, Foto: Holger Jacobs

The management of the State Ballet had done a great job. To overturn the entire program of a season in such a short time and bring something completely new to the stage is truly an act of strength. That is why the whole team and especially the new director of the State Ballet, Dr. Theobald, meant the highest recognition.
A potpourri of excerpts from well-known choreographies, but also three Berlin premieres and one world premiere, awaits the audience.

The evening begins with the projection of the video “FROM BERLIN WITH LOVE”. It shows a compilation of several short films that 45 members of the State Ballet recorded with their own cell phones. The first solo dancer, Ksenia Ovsyanick, had asked them to create small choreographies in isolation at home during the lockdown and then cut them thematically into a 3½ minute film. The 2nd movement of Beethoven’s 7th Symphony is playing in the background. Although only realized with the simplest technical means, a very emotional mood arises, which has already been rewarded with over 50,000 views on YouTube.
A big bravo to Ksenia Ovsyanik!

The dancers involved in the video are:
Yolanda Correa, Arshak Ghalumyan, Ksenia Ovsyanick, Aurora Dickie, Chloe Lopes Gomes, Federico Spallitta, Paul Vickers, Olaf Kollmannsperger, Alizée Sicre, Dana Pajarillaga, Alejandro Virelles, Polina Semionova, Iana Salenko, Johnny Samaya, Rossaya, Rossio, Martinson, Marina Kanno, Yi-Chi Lee, Mari Kawanishi, Filipa Cavaco, Weronika Frodyma, Marco Arena, Vivian Assal Koohnavard, Cécile Kaltenbach, Vahe Martirosyan, Jenna Fakhoury, Yuria Isaka, Paulina Bidzinska, Aya Okumura, Sarah-Jane Brodbeck, Marian Walter, Luciana Voltolini, Eloïse Sacilotto, Alexander Abdukarimov, Elinor Jagodnik, Harumi Terayama, Yoko Callegari, Giuliana Bottino, Elodie Estève, Alexei Orlenco, Evelina Godunova, Sacha Males, Georgeta Varvarici, Anna Liening

For the evening, the audience in the Deutsche Oper can expect ten smaller to larger choreographies from very different artists and different styles:
The first choreography „PAS DE QUATRE“ by Anton Dolin shows classical ballet like in the 19th century. Tutu, lace dance and a constant smile on the dancers face. Technically certainly challenging, it couldn’t convince anyone that evening. With: Elisa Carrilo Cabrera, Yolanda Correra, Ksenia Ovsyanick, Iana Salenko. Music: Cesare Pugni
Then it continues modern, „LOOK OUT FROM THE SILENCE“,  with dancer Alexander Abdukarimov, who fights elegantly with a huge spotlight in his own choreography. Big applause and shouts of bravo (see the photos in our picture series).

The next piece is the blast of the evening:
The Berlin premiere of an excerpt from Heinz Spoerli’s choreography “A SUMMER NIGHT DREAM” with music by Philipp Glass. Absolutely fascinating. For me the highlight of the evening! With the dancers Sarah Brodbeck, Vahe Martirosyan, Evelina Godunova, Yevgeniy Khissamutdinow, Alizée Sicre and Alexej Orlenco.
See my video:

In “CINQUE”, superstar Polina Semionova shines in a modern choreography by Mauro Biganzetti. Polina’s ability to express herself with her arms, hands and fingers is impressive and is currently not achieved by any other dancer (see the photos in our picture series).
She is without a doubt still the best dancer in the company. Music: Vivaldi
Many of you have already seen “SCHWANENSEE”, here an excerpt from the second act with the Pas-de-Deux, danced by the first soloists Iana Salenko and Marian Walter. Music: Tchaikovsky (see the photos in our picture series).
The dancer Dinu Tamazlacaru then invites us to France with “LES BOURGEOIS” in a humorous choreography by Ben van Cauwenbergh and the music by Jacques Brel “Quinze ans d’ armor ”. Sure, what else should our neighboring country be about …(see the photos in our picture series).
The first solo dancer Yolanda Correra shows us in “DU BIST DIE RUH” in a choreography by Andreas Heise, classical and modern dance elements to the music by Franz Schubert played live on stage. With Arne Christian Pelz with his violoncello and Alina Pronina at the piano, (see the photos in our picture series).
Another Pas-de-Deux show us the two principal dancers Elisa Carrillo Cabrera and Mikhail Kaniskin in „KAZIMIR’S COLORS by Mauro Biganzetti with the music of Shostakovich. Very classic and very boring, the poorest part of the evening (see the photos in our picture series).

The second highlight of the evening is now coming:
The first solo dancer Ksenia Ovsyanick (see video “From Berlin with love”) shows “M – DAO” by choreographer Yabin Wang with music by Jocelyn Pook.
Ksenia dances here in the style of Modern Dance in the tradition of Martha Graham or Isadora Duncun. With a long, wide skirt that reaches to the ankles, the dancer floats and swings across the stage. So great! (see the photos in our picture series).

Martha Graham (1894 – 1991), Begründerin des MODERN DANCE, photo: anonymous

The end is formed by four dancers, Cameron Hunter, Konstantin Lorenz, Danil Simkin and again Dinu Tamazlacaru (see above “Les Bourgeois”) with “VARIATION FOR FOUR” by choreographer Anton Dolin (as well as from the first piece “Pas de Quatre”).
More classic than modern, with the music by Marguerite Keogh, it forms a cheerful end to the evening (see the photos in our picture series).
After the last piece, the screen is lowered again and another video shows us the work outs and training of the dancers in the ballet studios.
An evening full of top performances and great choreographies shows how wonderful the art of ballet can be and how important the State Ballet is for the culture in Berlin.

FROM BERLIN WITH LOVE Vol.1
Deutsche Oper Berlin
next performances: August 28 and 29, 2020
On September 3rd, 4th and 5th the State Ballet will show „LAB_WORKS COVID_19“ in the Komische Oper
On September 18, 19 and 20, the second part „From Berlin with love, Vol. 2“ will be coming to the Staatsoper Unter den Linden

Here is our picture series with 25 photos of the 10 choreographies:

„EIN SOMMERNACHTSTRAUM“, Sarah Brodbeck, Vahe Martirosyan, ph: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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