ANDY WARHOL – After the Party – Museum Fotografiska

Andy Warhol - After the Party - Museum Fotografiska © The Andy Warhol Foundation

ANDY WARHOL – After the Party – Museum Fotografiska

 

Von Holger Jacobs

22.05.2024

Wertung: 🙂 🙂 🙂 (drei von fünf)

for english text click here

Polaroids und Schnappschüsse von Prominenten, sowie von nackten Frauen und Männern von einem der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts

Selbst Menschen, die sich überhaupt nicht für Kunst interessieren, werden aber mindestens zwei Namen zitieren können:
PABLO PICASSO und ANDY WARHOL
(kultur24 berichtete über seine große Retrospektive im Whitney Museum 2018 in New York).

Denn irgendwann hat jeder mal den einen oder anderen Namen gehört:
Sei es in der Schule (wenn er oder sie überhaupt noch einen Kunstunterricht hatte) oder bei Berichten in den Nachrichten über immer neue Rekorde bei den großen Kunstauktionen in London oder New York.
Der Bieterrekord für einen PICASSO liegt bei 179 Millionen Dollar für „Les femmes d‘ Alger, Version O“ beim Auktionshaus Christies in New York im Jahre 2015.

PICASSO „Le femmes d‘ Alger“, 1955, © Succesion Picasso

Das teuerste Gemälde von ANDY WARHOL ist „Marilyn (blau)“ aus dem Jahr 1955, welches am 10. Mai 2022 bei Christies in New York für 170 Millionen Dollar versteigert wurde.

ANDY WARHOL, „Blue Marilyn“, 1964 © The Andy Warhol Foundation

Warum ein Künstler international durch die Decke schießt, während 95 % aller anderen fast unbekannt bleiben, ist müßig zu erklären.
Es gibt dafür zahlreiche Gründe unterschiedlichster Art.
Von dem richtigen Stil zur richtigen Zeit, über den richtigen Galeristen zur richtigen Zeit, bis zu einer guten Selbstvermarktung.
Sowohl PICASSO als auch WARHOL waren Meister in der Vermarktung ihrer eigenen Kunst.

Andy Warhol

Ich setze voraus, dass Ihr bereits vieles über diesen Ausnahmekünstler kennt.
Angefangen als Werbezeichner für verschiedene Produkte wurde ANDY WARHOL berühmt für die Tatsache, dass er die Dinge des Alltags zur Kunst erklärte.
Die riesige Vielfalt von Waren des täglichen Lebens wurden in der wirtschaftlichen Blütezeit der USA in den 50er und 60er Jahren zu Ikonen der Konsumgesellschaft.

Dieses unüberschaubare Angebot an Produkten in den Supermärkten, die millionenfach gekauft wurden und auch die massenhafte Verbreitung von Fotos durch die Medien brachte WARHOL zu der Idee der Vervielfältigung.
Nicht mehr das Einzelstück hatte Bedeutung, sondern seine Vervielfältigung in serieller Herstellung.
Eines der Gründe für die wirtschaftliche Stärke der USA ist dabei die Tatsache, dass jedes Produkt für ein 9 Millionen qkm großes Land und ihren über 350 Millionen Einwohnern (Stand 2023) angeboten werden kann.
ANDY WARHOL erhob somit den Kaufrausch von Waren zur neuen Religion des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
Capitalisme et it’s best!
Dieser Hochstilisierung des Populären verfiel eine ganze Generation von Künstlern, wie Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Tom Wesselmann, Robert Indiana, Claes Oldenburg, James Rosenquist  – und eben ANDY WARHOL, der auch als Wegbereiter, wenn nicht sogar als Erfinder der Pop Art gilt.
Die meisten Arbeiten, die wir von ANDY WARJ`HOL kennen, sind großformatige Siebdrucke, zusätzlich ausgemalt mit Acrylfarben.

ANDY WARHOL „Green Coca Cola, 1962 © The Andy Warhol Foundation

Die Ausstellung

Über das Museum Fotografiska, dass eigentlich kein echtes Museum ist, da es keine eigene Sammlung hat, hatte ich schon ausführlich bei dessen Eröffnung im September 2023 geschrieben.
Viele kritische Stimmen haben sich seither erhoben, war doch so manchem das alte Tacheles mit seinen Ateliers und schrägen Künstlertypen lieber.
Doch die Zeit bleibt nicht still:
Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn ewig in Nostalgie zu schwärmen. Zumal das neue Tacheles architektonisch überaus gelungen ist.
War einer von Euch schon mal in der neuen Bar ganz oben im Turm, der extra nach alten Architekturplänen aus den 1910er Jahren wiederhergestellt wurde?
Mit einem 360 Grad Blick über ganz Berlin-Mitte? Das kann ich nur empfehlen!

Museum Fotografiska, Berlin, ph: Holger Jacobs

Im Museum Fotografiska befinden sich auf drei Ebenen Ausstellungsräume. Im dritten Obergeschoss befindet sich die größte und genau dort finden wir die ANDY WARHOL Ausstellung.
130 Originalarbeiten sind dort aufgehängt. Davon sind ca. 80 Polaroids, mehrere 20 x 30 cm Vergrößerungen auf Silbergelatine-Fotopapier, drei Wand-große Vergrößerungen und mehrere Filmprojektionen, die einige von ANDY WARHOL gemachten Kurzfilmen zeigen.

„Montauk“, Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

Um es gleich vorne weg zu sagen:
Ein großer Fotokünstler war ANDY WARHOL nicht.
Die meisten seiner Bilder sind Schnappschüsse seiner Freunde und den vielen Prominenten, denen er begegnete. Interessant sind diese Polaroids trotzdem, dokumentieren sie doch das Leben von ANDY WARHOL mit all seinen Facetten. Einmal sein Hang zur Glamour-Welt der 70er und 80er Jahre in New York.
Und dann sein Interesse für Männer und queere Menschen, sowie für Sexualität im Allgemeinen.

Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

ANDY WARHOL soll Tausende kleiner Filme gedreht haben, angeblich seien noch nicht einmal alle gefunden und gesichtet worden.
Als er 1987 starb, hinterließ er ein unüberschaubares Sammelsurium an Gegenständen, die er regelmäßig auf Flohmärkten und Versteigerungen kaufte.
Das Whitney Museum in New York verwaltet den filmischen Nachlass von WARHOL und zählte bisher 400 Kurzfilme, 280 Langfilme und über 4000 Videos.

„Kiss“, Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografiska, ph: Holger Jacobs

In der Ausstellung im Museum Fotografiska sind zu sehen u.a. die Kurzfilme „Kiss“, bei der sich zwei Männer lange küssen und „Blow Job“, bei dem der Zuschauer nur das Gesicht eines Mannes sieht, der wohl gerade von einem anderen Mann oral befriedigt wird.
Und sogenannte „Screentests“ (1965), bei denen er die Kamera auf das Gesicht einer Person richtete (hier EDIE SEDGWICK und BOB DYLAN) und die Kamera 5 Minuten laufen ließ, ohne, dass die Person sich bewegen durfte.
Während der fünf Minuten verließ ANDY WARHOL den Raum…

„Screentests“, Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografiska, ph: Holger Jacobs

Besonders gut haben mir die kleinen Polaroids von Blumenmotiven gefallen, sowie die fotografischen Abzüge von Fotos, die er während seiner vielen Dinners von seinen Freunden gemacht hat (darunter Jerry Hal und Grace Jones). Zu sehen in meiner Bilderserie.

Fazit: Die Ausstellung ist durchaus eine Wissensbereicherung über das Oeuvre von ANDY WARHOL. Ansonsten warten wir auf die große ANDY WARHOL Ausstellung „Velvet Rage and Beauty“ ab 9. Juni 2024 in der Neuen Nationalgalerie.

„Andy Warhol. After the Party“
17. Mai – 15. September 2024
Museum Fotografiska
Oranienburger Strasse 54
10117 Berlin
Mo – So 10 – 23 Uhr

 

Bilderserie mit 10 Fotos aus der Ausstellung:

BEACH IN MONTAUK, Long Island, 1981, © The Andy Warhol Foundation, ph: Holger Jacobs

 

English text

 

 

ANDY WARHOL – After the Party – Museum Fotografiska

 

By Holger Jacobs


May 22, 2024

Polaroids and snapshots of celebrities, as well as naked women and men by one of the most famous artists of the 20th century in an exhibition in Berlin

Even people who are not at all interested in art will be able to cite at least two names:
PABLO PICASSO and ANDY WARHOL
(kultur24 reported on Andy Warhols major retrospective at the Whitney Museum in New York in 2018).

Because at some point everyone has heard once these names:
Either at school (if he or she even had an art class) or in reports in the news about new records being set at the major art auctions in London or New York.
The bidding record for a PICASSO is $179 million for “Les femmes d’ Alger, Version O” at Christies auction house in New York in 2015.

PICASSO „Le femmes d‘ Alger“, 1955, © Succesion Picasso

The most expensive ANDY WARHOL to date is his painting “Marilyn (blue)” from 1955, which was auctioned at Christies in New York on May 10, 2022 for $170 million.

ANDY WARHOL, „Blue Marilyn“, 1964 © The Andy Warhol Foundation

Why one artist explodes internationally while 95% of all others remain almost unknown is pointless to explain.
There are numerous reasons for this of various kinds.
From the right style at the right time, to the right gallery at the right time, to good self-marketing.
Both PICASSO and WARHOL were masters at self marketing their own art.

Andy Warhol

I assume that you already know a lot about this exceptional artist.
Starting out as an advertising artist for various products, ANDY WARHOL became famous for the fact that he turned everyday objects into art.
The huge variety of everyday goods became icons of consumer society during the economic boom of the United States in the 1950s and 1960s.
This unmanageable range of products in the supermarkets, which were bought millions of times, and the mass distribution of photos through the media led WARHOL to the idea of reproduction.

For ANDY WARHOL the individual piece was not important anymore, but rather its reproduction in serial production.

ANDY WARHOL made the enormous desire of  buying goods the new religion of the late 20th century.
Capitalism and it’s best!

An entire generation of artists fell victim to this high stylization of the popular, such as Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Tom Wesselmann, Robert Indiana, Claes Oldenburg, James Rosenquist – and ANDY WARHOL, who is also considered a pioneer, if not actually the inventor, of Pop Art.
Most of the works we know from ANDY WARJ’HOL are large-format screen prints, additionally colored with acrylic paints.

The exhibition

I already wrote in detail about the Fotografiska Museum, which is actually not a real museum because it does not have its own collection, when it opened in September 2023.
Many critical voices had been raised since then, as some people preferred the old „TACHELES“ with its artists studios and Avangarde scene.

Museum Fotografiska, Berlin, ph: Holger Jacobs

But time does not stand still:
In my opinion, it makes no sense to be nostalgic forever.
Especially since the renovation of the „TACHELES“ was architecturally extremely successful.
Have any of you ever been to the new bar at the top of the Tacheles tower, which was specially restored according to the old architectural plans from the 1910s?
With a 360 degree view over the whole of Berlin-Mitte?
I can highly recommend this!

The Fotografiska Museum has exhibition rooms on three levels. The largest exhibition area is on the third floor and that is exactly where we find the ANDY WARHOL exhibition.
130 original works are hung there.
Of these, there are approximately 80 Polaroids, several 20 x 30 cm enlargements on silver gelatin photo paper, two wall-sized enlargements and several film projections showing some of the short films made by ANDY WARHOL.

„Montauk“, Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

To say it straight away:
ANDY WARHOL was not a great photographer.
Most of his pictures are snapshots of his friends and the many celebrities he has met. In his “The Factory”, in clubs or at dinner parties.
These Polaroids are still interesting, as they document ANDY WARHOL’s life with all its facets. Firstly, his penchant for the glamor world of the 70s and 80s in New York.
And then his interest in men and queer people, as well as sexuality in general.

Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

ANDY WARHOL is said to have made thousands of small films and videos, but apparently not all of them have even been found and viewed.
When he died in 1987, he left behind an unmanageable hodgepodge of items that he regularly found at flea markets and auctions.
The Whitney Museum in New York manages WARHOL’s film legacy and has so far counted 400 short films, 280 feature-length films and over 4,000 videos.
The exhibition at the Fotografiska Museum includes the short film “Kiss”, in which two men kiss for a long time, and “Blow Job”, in which the viewer only sees the face of a man who is probably being orally satisfied by another man.

„Kiss“, Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

And so-called “screen tests” (1965), in which he pointed the camera at a person’s face (here EDIE SEDGWICK and BOB DYLAN) and let the camera run for 5 minutes without the person being allowed to move.
During the five minutes ANDY WARHOL left the room…

Exhibition Andy Warhol, Museum Fotografisk, ph: Holger Jacobs

I particularly liked the small Polaroids of floral subjects, as well as the photographic prints of photos he took of his friends (including Jerry Hall, Grace Jones and LEE RADZIWILL) during his many dinners.
To see here in my picture series.

Conclusion: The exhibition is definitely an enrichment of knowledge about ANDY WARHOL’s oeuvre.
Otherwise, we are waiting for the big ANDY WARHOL exhibition “Velvet Rage and Beauty” from June 9, 2024 in the Neue Nationalgalerie.

„Andy Warhol. After the Party“
17 May – 15 September 2024
Museum Fotografiska
Oranienburger Strasse 54
10117 Berlin
Mon – Sun 10 a.m. – 11 p.m.

Series of 10 photos from the exhibition:

BEACH IN MONTAUK, Long Island, 1981, © The Andy Warhol Foundation, ph: Holger Jacobs

 

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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